Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 40 (3.10.1906)
- Date
- 1906-10-03
- Page
- Seite 2 (sequence 3)
- Language
- German
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■יזר־י׳ *t. 40, «ritt 8 Der J-rerltt. 8. Cfto&n 1906 reiche Antwort geben: daS f1nv2, das nie zu erschütternde vertrauen zu Gott. Und daS ist es, waS unseren Vätern beigestanden hat und unser Beistand ist. Denn es schläft und es schlummert nicht der Hüter Israels. Mochenrunöschan. Die Chadiam-Bachi-lIJahl in Jerusalem Ans dem Berichte unseres Jerusalemer Korrespondenten ersehen unsere Leser, dast die seit Wochen mit Spannung erwartete vorläufige Wahl des Ebacham Baschi vollzogen und dem ^berrabbiner von Konstantinopel deziehungsweise dem Sultan zur Genehmigung unterbreitet worden ist. Unser Korrespondent glaubte es vermeiden zu sollen, über die Kämpfe, die dieserWahl vorangingcn, und über dieStrömungen, die sich in diesen! Kampfe gegenüberstanden, öffentlich zu sprechen, und wir müssen seine Bedenken ehren, obgleich nicht die mindeste Beranlassuug besteht, die vorhandenen Gegensätze zu vertuschen oder gar sich ihrer zu schämen. Jerusalem war innner ein Heister Boden. Er ist eS heute mehr als je, und wenn alle und neue Weltanschauung wahrer und fascher Fortschritt, jüdisches Wahrheitsbewusttscin und assimilatorische oder nationale k tont prix Reform, dort hart auscinaitder prallen, wen dürste es wunder nehmen! Wenn unsere Wahrnehmungen und Berichte uns nicht täuschen, ist es der Vertreter der Alliance I8ra«*lite in Jerusalem, der mit Hülse seines ge rvaltigcn Einstusses die Wahl ״gemacht" hat, und der mit den, neuen Würdenträger demnach bcsonders gut anszukommen hofft. Zwar wäre es nicht das erste mal, dast ein zu Macht, und Eiirstrrk Berufener die stillen Hoffnungen seiner Gönner׳ und Wahlmacher täusch:, allein es ist angesichts dieser Sachlage begreistich, wenn man dem Vertrauensmann der Alliance von vornherein mit einen! gcrviff'en Mißtrauen gegenübersteht. dieses Misttrauen wird vcritarkt, wenn man z. V. ein Telegramm liest, das ^ch der .Konstantinovcler Korrespondent des Jewish Edronicle" 0׳ ״׳ Dell der jüdischen Bevölkerung und bei den Kolonisten hervorgerufen habe." Wir sind gewist keine Feinde der Bildung, und es ist unsere tiefe Ueberzeugung, dast auch auf palästinensischem Boden die Harnionie zwischen Tborawissen und modernen Bildungselementen erstrebt iverden must. Aber diese Harmonie ivird auf dem Wege der französischen Treibhauskultur, wie sie in den Allianceschulen herrscht, niemals erreicht werden, und Männer, denen die Er- Haltung des ThorageisteS nicht Herze ns äugelegenheit und Gewissenssache, sondern lediglich ein von den Verhältnissen abgerungenes Zugest 8 n d n i s ist, können in der ״klug machenden Luft Palästinas" noch viel weniger als andcrswo die Verbreiter wahrer jüdischer Religiosität sein. Damit soll gegen die Person des neuen Ebacham Baschi gewist nichts gesagt, wohl aber der Wunsch ausgedrückt sein, dag der ^berrabbiner zu Konstantinopel, bevor er dem Sultan die Bestätigung empfiehlt, sehr genau prüfen möge, 0 b R. Jacob Meier der Vertrauensmann des Herrn Antsbj und, »venu ja, warum er eS ist. Zurück zur Scholle. Bon Dr Arthur Kahn - BrrIin Nach entster Selbstprüfung und Einkehr am Rosch Haschono lmd Jom Kippur, inmitten der hinschwindenden Sommerpracht, :venu das ivelke Laub fällt, die Fluren veröden und der Sang der Vögel in Wald und Feld verstummt, begeht der Jude in leichtgebauter Brctterhütte ein Freudenfest und begrüstt den jungen Tag mit einem sinnigen Symbol von grünen! Gezweig. Aus der Pflanzenwelt holt er da auf Geheiß der Thora seine Sinnbilder, ein Erntefest schickt er sich an zn feiern. Was spricht deutlicher die Tatsache aus, dast Israel ein Bauernvolk sein sollte und war, allen Behauptungen unserer Feinde zum Trotz, die von dem angeborenen Krämers!!!!! des jüdischen Stammes reden. Aber nicht nur unserer Feinde wegen, sondern auch zur Beseitigung innerer Schäden ist eS nötig, diese Tatsache immer wieder in den Vordergrund zu rücken. Solange Israel ein Bauernvolk war, war es nicht nur die ividerstandskräftigste Nation, nicht nur ein sieggewohntes Volk, sondern überragte auch fultütTlI und sittlich alle Zeitgenossen ein kleines, aber!tarkes Volk, das groste Helden, Dichter, Staatsmänner und Propheten brachte!nie *«׳in r»>wit>״><<״- >-׳ und die Frohnleute darin waren keine Juden' sondern Fremdlinge. Der Handel konzentrierte sich in der Hauptstadt am Sitze der Könige. Drauhen aber lebte in zahllosen Dörfern, Gr- Höften und kleinen Städtchen die überwiegende Masse des Volkes auf eigenem Besitztum, unter seinem Weinstock und Feigenbaum ein jeder sein eigener Herr, dem der eigene Boden, von ihm bebaut, sein Auskommen gewährte. Nur dreimal im Jahr zog die Landbevölkerung gegen Jerusalem, um dort die Tage der Feste zu verleben. Dann zog inan wieder heimwärts, in das Stille friedliche Dorf. Die Geschichte berichtet uns nichts darüber, dast jemals ein gewaltiger Zuzug nach der Stadt auf Kosten der Landbevölkerung stattgesunden habe. Andere Zeiten kamen. Es gab keinen jüdischen Staat, keine jüdischen Bürger und Bauern nirhr. Heimatlos, entrechtet^ geächtet, in Jahrhunderte langen blutigen Anfeindungen fast aufgerieben, schien die physische Kraft der Juden gänzlich gebrachen. Die französische Revolution fegte den auf ihnen liegenden Bann hinweg und der in dumpfer Ghettoluft siech und schwach gewordene Jude zog hinaus in die Flecken nüd Döner, wurde dort sesthaft, lebte auf eigener Scholle, bildete jüdische Gemeinwesen mit jüdischen Institutionen, zeugte ein neu erstarkendes Geschlecht» das die religiöse Zukunft des Judentums sicher zu stellen schien, wie seine physische und numerische Kraft, die in den kleinen Stadt- und Landgemeinden ihre stärksten Wurzeln geschlagen hatte. Aber schon lange vor Ende des neunzehnten Jahrhunderts ändert sich das Bild, das an die glücklichsten Zeiten des jüdischen Staatslebens erinnerte. Damals wohnte das Gros der jüdischen Elation aus dem Lande, zog nur zeitweilig in Wanderzügen für die knrze Zeit der Festtage in die Hanptttadt, um dann in sein friedliches Doff oder Städtchen znrückznkehren. Heute zieht der Jude mit völliger Ausgabe seines ländlichen Besitzes in die Stadt, augezvgen von dem gleißenden Trugbild einer salschcn Eivilisation ohne ethischen Gehalts Hier gibt er seine jüdische Individualität, seine Trnditivn und Religiot! preis. A^ss Land kommt er nur noch zurück, wenn er die Sommerfrische bezieht, MN seine erschöpften Kräfte zum neuen erschöpfenden Daseinskampf und zu eutnervenden, sein Leben vorzeitig aufreibenden Vcrgnügungen zu restaurieren, lieber die iudividucllen und sozialen Wirkungen dieser Landflucht, dieses Hiueittstürmens in die Großstädte reden die Zahlen der Statistik eine bitterernste Sprache: o n n a b m e aller Formen der G e i st e S u n d ״bei den Juden. Im 1*76 :־!<'%,