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Der Israelit · 1906-09-19 · 38 (19.9.1906) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
38 (19.9.1906)
Date
1906-09-19
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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Seuilleton-Beilage zu 2Ir. 58 be ״Israelit" .tSV,\Y! euilleton. Der Kaal-Zcdem von Ifllcbelstadt. Bon Fudäns. (3) 'Jiocht'viKf »erboten. III. Cbiiieiri) bei i'iuei u»b nameiitiui) bu• •.Ucuttei allfür Me fleuti^e :Un-jbilbuuci des 201)1100 nuf■־ bot, war sein llutcrridtt nur bödift öiimiiv Denn in Midielsiadt war eine ^cifti^c Ausbildung utdtt;1, erl ingen. Die chri'tlidsen 2dmle» wnrden damals von den mindern i-sraelitifdier Elterit noct, nicht besucht, und an einen andern Ort wollten die Eltern ihren einzigen 20b» »id)t bringen. Er erbielr Unrerr-idit ini Peutiteudi. Rechnen n. 0. Mit dein fdiarfen Beistand, den er dabei bekundete, verband er Schönheit des *türme und würdiges Benagen, ivodnrdi er der Liebling aller >vnrde, die mit ihm in Berührung kamen. 2ein Bater wollte, dag er sich dem Handels stand widme! allein einen böberen Trieb in sich fühlend konnte er sich diesem 2tand iiiemals mit Ernst hingeben. Ott wen» ihn sein Bater mit Waren nach dem benachbarten Erbach landte, sand man ihn an der Ziegelhütte bei Erbach in einem Buche lesend. Er ' war bei so mangelhaftem Fngendnnterricht für die Aneignung von Hcu,tt- Nissen auf sich selb» angewiesen. Dag und wie er sie trog alledem erlangte, zählt unter solchen Um׳ ständen nicht unter seine geringtten ^Tilgenden.?Inner dem Stubium der beiligen -Ldirift, in welcher er sich schon, früher gründliche .Kenntnisse aneignete, fand er auch an der Kalligraphie und Tonkunst großes Bergiiügen. Er eignet ׳ sidi schon frühzeitig eine schöne Handschrift an, die er bis zu seinen .lebten Zähren beibehielt und spielte Bioline nicht ohne Fertigkeit. Durch sein Wiffen, seine Aufrichtigkeit und sein ganzes Anstreten ertvirkte er solches Bertranen, dag ihm schon als zwölfjährigem Knaben ansehnlidie Tnmmen an vertraut wurden. Ohne innere Besriediguiig »iit seinen Fort schritten, drang er bei Eintritt in das dreizehnte Lebensjahr in seine Eltern, ihn eine jüdische Hochschule Fefchiwo befudieu zu lassen. Allein diese entsprachen damals dem Wunsche noch nicht und suchten durch Anschaffung hebräischer Werke seinen Wissensdiirst zu befriedigen. Der Borsänger der Geineinde erteilte ihm Unterricht in Mischna, erklärte jedodi »ach kurzer Zeit, dag er seine fernere Ausbildung nid» mehr durch ihn erlangen könne. Die Liebe zum 2tndium der Thora hatte von Fahr zu Fahr immer tiefer Wurzel gefaßt iliid sein Wunsch eine Fefchiwo befudieu zu können regte sich immer unabweisbarer. Um diese Zeit begleitete er seinen Bater zur Meßzeit nach Frankturt a. M. Ein Rabbiner dafelbtt prüfte ibn und die Anerkeniiuug, die ihm durch diese Prüfung zuteil ivurde, steigerte seinen Wunsch noch mehr eine Fefchiwo, und zwar die Frankfurter zu besuchen und zu diesem Zweck sogleid> dauernd iit Frankfurt zu bleiben. Das An» erbieten eines begüterten, kinderlosen Frankfurters, ihn an Kindesstätt anzunehmeii war diesem Borhaben ungemein günstig. Allein die Eltern konnten sich nicht entschließen angesichts des Todes ihrer sechs Löhne sich von ihrem einzigen Sohne schon jetzt zu trennen. Ent einige Zeit später gelang es ihm die Einn'illignng der Eltern zu erlangen midi Me 1 ch 1 ngen ju geben und bei dem dortigen Rabbinei Talmud zn lernen. Rach schwerem Abschied nmrde er ani halbem Wege von einer ernften Krankheit be'alleu, die ihn nötigte wieder in das elterliche Hans zunidzukehren Ern nad> zweimonatlidiem Leiden trat die «Genesung ein. Er versenkte sich nun mit soldiem Eifer in das 2l»di»m des Talmud, daß ihm feine Mutter oft ,» miter Mitternaditnnnde das Vicht fortuahin Aber der rege (Kein gönnte dem Körper nicht lange Ruhe lind die Mo gendäinmerung traf >lm 0׳t wieder vertieft i» feinem 2tndin»1. Damals war׳ er itdi auch an׳ das Studiilin der nt e 0!!! e 11־ i e , durch welche er sich ein leichteres Berstälidnis schwierige׳ Partien des Talmud zu ermöglidien fnchte. uns bradite es darin bis zur Feldineßknn't Fn> Alter von fedizehn Fahren erlangte der rastlos vorwärts nrebende Füngüng e»d>!d; die ZuNiinmung feiner Eltern;um Besuche der ,\e schiwo in Frankfurt. Frankfurt in etwa zwölf bis dreizehn Wegeniniden von Midielsiadt entiernt, die man damals ge ivöhnlid) zn Fuß zurüdlegte. Selbst die Besucher der Frankfurter Frühlings und Herbstmesse suchten dieselben zn Fuß ans und ließen die ein gekatisren Waren durd! Frad!t׳!!hrle׳.!te befördern. Der rNovffeher 2pet!er. der schon!!! ׳.׳orgerüdten Fahren stand, l> tte ׳ein eigenes Fuhrimk, mit dem er alljährlidi zweimal die Frankfurter Mene be'lidite. Er hatte den jungen 2edel Vöb etn geladen mit ihm nadi Frankfurt z» 'ähren, aber dieser hatte dankend abgelelntt. Die Herbst Messe fiel nämlich in diesem Fahre zwisdien Ro'ch Haschonoh lind Lnkkos. Wer ne befudieu wollte mußte'es sofort nadi Rofch Haschonoh tun und auch Sveuer hatte seine Reise so feiigefetzt. Da aber die Borträge an der Fefchiwo erff tiadi Veit Feiertagen mit dein Edeschwau Monat eröffnet ivurde», io zog es Sedel Lob vor, die Feiertage noch bei seinen Eltern zu verlebeit. ivelchen der Abschied von dem einzigen Lohn ohnedies sdnver siel. Dazu kam, daß bei dem ununterbrodienen Talmudstudium und der damit verbundenen fitzenden Lebensweise der junge Mann euren mehrstündigen Fußmarsch einer Fahrgelegenheit vorzog. Aber 2vever veriprad, den Liebling und Stolz der ganzen (Kemeinde in Frankfurt bei de» ersten Häusern;» enipsehlen. ein Berfprechen, VKiV Ci UUU| ijVll'tMVnMUi i ilfllUll. Franksnrt ivar damals in der europäischen Fndenheit und iveit darüber hinaus durch feilte jüdische (Kemeinde und deren mustergültige Fn stitutionen berühmt. Unter leweren nahm die Fefchiwo den ersten Rang ein, weldie infolge dessen Fünger ans aller .srerre» Länder herbei gezogen hatte. Als Leiter der Fefchiivo fungierte damals Rabbi Pindias Hurwiz, der es durch seine hiifferlasseuen Schriften 2efer Hasioh u. a. noch heute ermöglicht den großen, genialen (Keift anzustaunen, nadi dem sidi feine zahlreidien 2d)üler bildeten. Bon den bedentenden (Kelehrten, die »m jene Zeit noch außerdem den Richiit der alten Frankfurter «Kemeinde ausinaditen, fei hier ilitr Rabbi Roson Adler genannt, der Urgroß vater des gegenwärtigen Ehief Rabbi voti England. Rabbi Roson Adler, der durch die Scharfe seines (Keines, die Trette feines (Kedächtniffes und den Umfang seines Willens, ׳'owie durch seltene Borzüge des Herzens und Eharakters als einer der (Krönten unter den (Kr ßen aller Zeiten gilt, war durch Bermitteliing von Speyer besonders auf den junge» Sedel Löb aufmerksam gemacht worden. Er wurde einer der Lieblinqsschüler dieses berühmten Altmeisters der Thorakunde uitd (Kottesfurcht. LLährend seines ganzen Frankfurter Aufenthaltes war er mit Aufgebot aller Zeit und Kraft, mit Hingabe von (Kei'uudheit, Schlaf, Tpeife und Trank unabläffig bestrebt die Herr lichen Borzüge und Tugenden sich anzueigneu, dir er in seinem Lehrer verkörpert sah. Das war keine leichte Arbeit. Bon Rabbi Roson Adler erzählt ein anderer berühmter Schüler, der <K none unseres SeWl Lob. der später z>i io gro׳ er Berühmtheit gd.riigle Brest bnrger Rabbiner Rabbi Mofcheh Sv'er. geradezu Wuiiderbares. E. beriditet, daß Ri ׳.׳bi ׳Ro'on Adler alles ivas er in nod> l'o langer ^Zeit >e gelernt batte, ivonivörtlid, ansivendig uui’ite und zwar utdtt nur den Talmud, sondern auch ,eine Erklärer und ׳elbit die 21>per Eommeiit ״e Etwas zn vergeneu war bei ihm >0 ausgeidlanen. daß er es für ׳'ich als verboten erachtete, ekwas von der miindlidi liberlieferteii Thora niederzuichre!׳ Denn da die Erlaubnis, die nur münd.iä, »or!zu pflanzende Thora and, ׳diriftlich zn npiere», le!>,u!ich durch die Befürdnung gerechtfeltig! wurde, die Thora könne in der llngnnsi sdiwern Zene» vergessen iverde». bei ihm diese Befürchtung ׳.!egenftandslos war. io hielt er sidi nicht berechtigt, die (Keiftesidiäfe. mit weldi-n tv das Studiun, der Tbora tze׳ <׳>(»-, r,׳<<!)>< ׳klid! nieder zulegei!. Das ivas wir von ihm schriftliches besiivii. ,» deshalb 0׳ kurz und 0׳ dnnkei gehalten, daß irm Ber'iänduis großen Scharfsinn und ungewölmliche Belesenheit voransietzi. Man sagte von Rabbi 'Ron״׳ Adler, daß er ohne weitere-.- als Hohepriester ״׳ngieren und alle die minutiösen, verwidelten 'Benniimiingen des Opferdieustes im Tempelheiligtum hätte prokwch vollziehen können, rvenn plötziid! das Tknipel heiligtnm in ׳'einen Tagen n»> יי aufgerulitet worden wäre. Bon der hingebenden Sell'ftverleuqnuiig, mit iveld,er die Fünger früh und »pät, Tag und Rächt an den Lippen eines ioldien Lehrers und Meisters hingen, haben wir kaum eilte rechte Borftellung. Die Sdiuler fanden dies aber 0׳ selbftverftänd. lich, daß >'1e kein Wort darüber verlornr, und wir, was uns davon!׳ekannt in, nur ganz gelegentlidien Aeiißernnaeii verdauketi. So nndet sich z. Bin dem klassischen Werke Rabbi Mosdieh Sofer'S Ehasa,» -- eine Abhandluitg über eine Frage betreffs d,-. Zeit, in der e!,׳,e beft!!uu!t fornniUerte Crvfiä 1 uag abzugeben nt, in» der Schuldtilgnng des siebente« Sdnnitto Fabres norriibenae!!. Rabbi Moscheh 201er seht diesen Zeitpunkt ׳eit mit Berus»ng auf die Art und Weife, wl^ sein Lehrer ihn tanächlid) inne gehalten habft und zwar unter seiner — des Schülers ' Assistenz. ״Fch iveiß" fährt er ivvrtlich fort ״daß er nidit etwa sdion im Fahre früher dieie Er kläruiig abgab, denn tatsächlich ließ meine H and nicht v 0 n d e r feine n, » m alle feine Wege kennen zu lernen, fein .Koniuten und fein (Kehen."' Auf weldie r-iitlofe Hingebung des ganzen Lebens an das Borbild des Lehrers!affen diese wenige Worte schließen' Fahre hiiidurch ,veiß sich der Tdiüler so innig und ununterbrochen mit seinem Lehrer verbtinden, zieht er die Hand nicht voti der feinen, ivendet den Blid nicht von dem Auge des Meisters, daß er zivanzig Fahre später behaupten kann, es sei ihm kein Akt. keine Hand lung und Eiiti'cheiüuiig ans dem Leben u!td Wirken feines Lebeusideals entgangeti' Was die Schüler Rabbi ׳.'lofvn Adlers von ihrem Lehrer sidi außer der Keiintnis der schrift lichen und mündlidien Tbora angeeignet haben, das war die H»»i׳׳ig»»g zur Wissenschaft der Kabbala und eu;e Lebensweise voll Entsagung, welche die Fünger dieser Wisienschait vielfach auszeichnete. Tagelang hin ereinauder zu fastett, ivar gar ntdits besviidereo, wenigstens bet dett hervorragenden Schülern, zn ,velchen der Held unserer Erzählung in erster Reihe zählte. Sowohl er als fein (Kenosf< Moscheh Sofer ivaren kör periich gesund und stark und erfreuten sich m ihrer Fugend einer ungewöhnlichen Körperkraft, die spielend diese Entfagungen ertrug. (Fortsetzung folgte. '. (tdalrm Loker, llhoschrn Liumrlchpot Ae. ">v.

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