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Der Israelit · 1906-09-19 · 38 (19.9.1906) · p. Seite 3

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
38 (19.9.1906)
Date
1906-09-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Trc JOraeltt 19 ®fptfmbn 1906 wird dem Menschen von RoschHaschanoh ab be! stimm!." Wenn somit an der Pforte des neuen Wahres die Tausende von Gott bereits bestimmt Und, dir der ringende Mensch im nächsten Jahre! dem Kampfe ums Dasein entreißen soll, so wäre! eS für ihn viel bequemer, wenn er die Lumme! um o״״״!t vJni'uiju iucorgens aut )einem Tische fände. Aber wenn dem Menschen auf diese Weise die Sorge um Beschaffung des täglichen Brodes genommen wäre, waS wäre ihm dann nicht noch alles außerdem genommen! Wie vielen wird lediglich durch diese Sorge der Blick;1, Gon ge richtet und wie viele würden ihre Abhängigkeit von Gott gänzlich vergessen, wenn ihnen ein ganzes Jahr hindurch diese Sorge fremd bliebe. Mitten in dieser irdischen, ״jede׳» zeitlichen Welt würden wir die höhere, himmlische, ewige ver geffen, der wir doch entstammen und zu der wir einst zurückkehren. Deshalb erinnert uns Gon an dieselbe, wenn wir in die uns umslutende Zeitlichkeit aus- und unlerzm,ehen drohen durch Weh und Veib, an Ihn, dessen liebende Treue über uns wachs, auch wenn ne uns verhüllt scheint. Wir haften mit unserem kurzen Blick und unserer beschränfren Einsicht nur an der uns umgebenden stofflichen Welt. Gott, der uns aber für beide erziehen, erhalten und gewinnen will, muß seine liebende, die Erdenliefe belebende und erleuchtende Treue oft verhüllen, damit sie »ns nicht blende. Mitten im ringenden, kämpsendeu!,eben droht uns diese tröstliche Wahrheit oft zu entschwinden.; Deshalb singt uns der Ehor der Engel aus der Himmelshöhe das tröstliche Bewußtsein in die! vor der verborgenen Zukunft bangenden Seele:! Auch verhüllt waltet die Treue Gottes in unge hemmter Mächtigkeit. Auch wenn Veid und Weh die fürsorgende Gottestreue wie in einen Mamel hüllen, und da erst recht hebt sie den staubgeborenen, an der Scholle hastenden Menschen auS seiner irdischen Welt in die lichte, himmlische, göttliche, : deren beider Sein und Veben von Gottes All 1 macht getragen wird: י .חאד־ח וחאביינח לחי דעילסיב Das ist Ueberschriit, Titel und Signatur des Ganzen; alles folgende ist nur die Ausführung. Wenn wir den Segen auf Erden oft so schmerz-!ich vermissen, so liegt das eben in unserer beschränkten Einsicht über das, was wirklich Segen ist und das, ivaS Jemandem zum Segen gereicht. Rur Gott, der über die volle Einsicht verfügt, kann allein richtig den Segen verteilen. Er verteilt ihn nicht nur im Hinblick aus diese irdische, sondern mit Rücksicht aus die beiden Welten, rvelchen der Mensch angehört חבינח!חבי״בח לחי דיעולכדם■ Durch בי:ח erfährt ,בר־,־ dieselbe Modi nkation, die für אדיה אבונה bedeutet. An der Hand dieses Schlüssels ergibt sich das ^rständniS des folgenden ohne große Schwierig fett, wenn auch die Beziehungen der zusammen autgefühneu göttlichen Attribute uicht immer an der Oberfläche liegen. Aber die ütkigende Kraft der hier nikdergeiegten Bstihrheiten bewährt )ich erst in ihrer ganzen Rachhaltigkeit, wenn »vir uns mir unserer eigenen Individualität in sie ver senken um durch selbständiges Rachdenken dieser Gedanken sie uns zum unverlierbaren geistigen Eigentum zu machen und sie zilr Bereicherung unseres (Rittesbewußtseins und unserer Gebens anschauung zu veravene». Sie neuerte reltgionspolitiscbe Erfindung. Es kostet einige Uebenvindung in den Tageir der Prüfung uui> Sammlung, die Jeder zum Kampfe zu spitzen, zumal wenn es den Kampf gegen einen Gegner gilt, dem man über seine phantasievollen Konstruktionen iveit lieber mit einem verbindlichen lächeln als durch ernsthafte (Gegenargumente quittieren möchte. Allein iir der dunstgeschwängerteu Atmosphäre unserer ״öffentlicheii Meinung werden auS den dümmsten und nichtssagkildsten Echlagwönern alltäglich neue politische Begriffe geboren, und wenn man den Geburtshelfern nicht scharf aus die Jinger siebt, kann mail den kleinen Kobolden nach wenigen Jahren als ausgelvachsenen ״wissenschaftlichen Kategoriecn" aus der Tribüne des Parlaments, in verschwiegenen Eingaben an die hohe Sraatsre j giernng oder gar in leibhaftigen Gesetzentwürsen zur Rettung des Judentums begegnen. Diesmal isi es kein einfacher Zeitungsschreiber, auch kein Theologe von Jach, sondern einer der leitenden Herren Juristen, Herr Rechtsamvalt Dr. Blau in Jranksun a. M., der sich an der Lösung der D.uadratnr des Zirkels, nämlich an dem Nachweis versucht, daß die preußische Indenheit eine in der Tat uicht durch nationale, nicht durch ethnologische oder historische Momente sondern dilrch die ״Einheit des religiösen Bekenntnisses" zusammengehürige l^emeii» schaft bilde. Unter dieser Boraussetzung allein — das räumt Herr Dr. Blau ein kann über- Haupt an eine rechtliche Gesamtorgairisation der preußischen Juden gedacht werden, und mit der Berne in,l!׳.g der Jrage, ob die preußischen Juden aus dem Boden desselben religiösen Bekenntnisses stehen, ivürde auch jede Berechtigung schwinden, sie dlirch eine lvie imnier geartete Zwangsorganisation zu einem einheitlichen Rechts gebilde zusammenzuschmieden. Uni diese entscheidende Jrage zu beantivorten, gibt es für denjenigen, dem es uur Wahrheit zu Nr. 8*. Sette 8. tun isi, nur einen Wea Die Prüfung der Religionsqurllen und die Beobachtung der Gebenssuhrung der gesetzestreuen Juden aus der einen und die ebenso qewiffenhaftk Prüfung der literar ischen und wissenschaftlichen Kundgebungen füb render neologer Geister wie der Vebensfuhrunq der neologen Juden auf der aiidercii Seite. Daß Herr Dr. Bla» solche ernsthafte Prüfung nicht vornehmen kann, ist seine Schuld nicht. Er bemüht sich indeffen in seinem Artikel inchtS dettoweniger, im Borübergehen feine profunde Sachkenntnis in judaia• durch eine ganze Menge hebräischer Worte zu enveisen, voit denen uns am meisten die Uebersetzung des Wortes סינים mit Heiden imponiert bat! Aus Grund dieses kleinen gui pro gno in dem Herrn Präses der Jranksirrter »'stemeinde dann ein kleiner, ganz uuschuldiqer Knalleffekt gegen die Juden ״Eahn scher Dbse»wanz" ermöglicht die nach Blau zwar ihre iieologen Brüder schlechtweg als Heiden ansehen, aber dennoch zu Wohltätigkeitzivecken, ״wenn cs sich um Bedürfnisse der in Rot desindlichen Genossen ״ihres" Glaubens, ״ihrer" Anschauungen handelt", auch von diesen Heiden — Geld annehnien " Wir ivurdeii an diesem würdelosen Ausfall gegen weite Kreise der gefetzestreuen Judenhekt mit schweigender -lerachtung vorübergehen, wenn nicht darin der eigentliche Kern der ganzei, Blau'schen Beweissührung geborgen läge. Demi das wundervolle Gemälde vor» der Schlech tigkeit der Drlhodoren ״Eahu scher!Ddservanr", das der Artikel entwirft, soll ja nur der duiikle Unter arund sein, auf den! sich die Kichtgestalren der ^riedensengel um so Heller und glänzender ab heben, der Jriedensengel, die, obgleich ge setze st reu, durch ihr Zusammenwirken mit der Reologie die Behauptung von dem tiefen reit gi öien (Gegensatz ׳ innerhalb der preußischen Judenheit Vügeu strafen sollen' Das Ziel der Blau'schen Politik lieg t klar zu Tage. Er ivill diejenigen Drthodoren, die in gemischten Gemeinden, in Berbänden, in Vogei» ivirken, durch die Vogik ihrer eigenen Politik zwingen, den!Drganisationsplänen für die preußische Gesamt!udenheit die bis setzt verweigerten Borspanndienste zu leistei»! War' der Gedank' nicht so verwünscht gescheit Man wär' versucht ibn herzlich dumm zu nennen. Sehen wir zu, auf wclchc Weise Herr Dr. Blau — »vie weiland Herr Dupuy den ״Sozialismus" die Drthodoren iticht Eahu'scher!Db servanzuneutrinnbar in sein ״Dilemma einschließt"! ״Tan auien mit felcbcit An!1tau11nam. m>,!>!, von Herrn Tr. ckabn geäußerten beir de» tüegemav uvi'chen Rrologte und Endodorie- «üequer >ed»r Trganilaiion ich spreche letzt von Trganiiation uberbaupt, nichl von der von Ro'in vorgeichtagenen 1 — >>nd. da« wird ieinew E,n>>chngen wundernetzmen, der die der Stimme ilires Mannes so entzückt, daß ne sich oft von chm auch weltliche Stucke wie die Gnaden Arie oder die Fenster-Szene aus dem Troubadour Vorsingen lieh. Am!üngsten Lchewuos iiacRev Feilet zu Haichkomo als Ebasa» tungiert, weil der eigentliche Jonuvs Ebasa» verreist war, was selten vorkain. Man kann es inensch lich, begreiflich nndcn, dah inan eine so seltene Gelegen beit richtig auswaidet, uni sich nun einmal in edler Glorie büren zu lasten. Reb Feitel schenkte seinen Zuhörern kein Ha. keinen L cknörkel und kein Triller, obwohl das Schackrih gebet dadurch länger als zwei Stunden dauerte. Aber das Schewuos Tebüt Reb Feitels ging auch wie alles ui der Welt zu Ende, woraus der Gabbr mit der Uhr vor Reb Feitel trat! ״Reb Feuel, säst dritibalb Stunden! für eine Haichkomv ist das doch ein bischen zu lang, mein' ich." Reb Feitel, der Vorbecrkränze erwartet batte, erwiderte . etwas unwirsch! ״Es ist doch Jom Tos!" ■ ״Wir haben aber auch Jom Tos, so gut wie Ihr'״ enkgegneke der Gabbe. Aber die Antwort prallte ab an dem Lelbslbewiihtsein und der Selbstzusriedenbeit des! Adressaten, denn er darre der Welt setzt gezeigt, was ein j rechter Jom Tos Ebasan ist. Rabbi Feitel Fischmann wobnke >111 Backergang, daS war eine der engsten, dunkelsten und schmutzigsten 'Gasten deS sogenannten Gängevirrtel», das die deunge Generation ׳ nur noch vom Hörensagen kennt. Als er am ersten Abend Rosch daschonv von Maariw nack Hause kam, begleitet von 1 seinen zwei ältesten Söknen, und in die krisch gescheueNe, ' mit Sand bestreute, bell erleuchtete Wobnsrube trat, hätte er mir keinem Millionär getauscht. Als er kaum reckt den! Fuß über die Schwelle gesetzt und sein ״Gut Jom Tos!" grrusen harte, merkte schon L»rlr s Scharfblick, daß außer! dem Ernst und der Weihe deS Roick haschono etwa» Hei tere», Erfreuliches aus den Mienen ihres Mannes stucki trte, daö ne sich aber nichl erklären konnte. Rach der ersten Begrüßung und Beglückwünschung der Satten, der Eltern und Kinder, sragie Sorle in teitnetunender Wiß begierde neugierig war Sorle nicht, wenigstens wollte ne nickt dafür gelten ldren Mann 9<״,edl s was Rcues?׳ ״Und wie giebl's was Reue»' Aber wir wollen erst z» Tuck gebe», bei Tiick werd ich Tir's sagen.״ ״Es ist >a »och nick! Rächt", erwiderte Sorte, ״und vor Rächt kann inan >a so wie so nicht Sidduich »lachen " ..An Rosch koichono", cnrgegiiete Red Feitel, ״braucht inan nicht bis Rächt zu warten mu Kidduschi das ist nur an Pesach, Schewuos und Lukkos vorgeschrieben." ״Ta» weiß icv auch", iagre Sorle, tntlb beleidigt über diese vermutete Unwistenbeil ihrerseits, ״ich meine nur, weil Tu beute den ganzen Tag gerastet hast, daß Tu vor Rächt nicht Sidduich machen konntest." ״Rem, liebe Sorte, gerade deshalb möchte ich, daß wir bald esten, denn man braucht au Eres Rosch haschono nicht bis in den Jomros bmein zu sasten - es ist sogar richtiger, wenn man es nickt tut, damit man nicht fastend den Jomros detritl- und Appetit habe ick auch.״ Als stcb nun die Familie zu Tisch gesetzt und nach üiddusch und Mauzie beim (Lenuß von Lüßapse! und Honig Gort um ein süßes Jahr gebeten hatte, srug Sorte noch einmal, waS es ReueS glebr. ״Schlaume Abron ist seit beute Morgen unpäßlich und liegt zu Bert״, sagte Red Feuel mir der ernsten tzeichrnbirrermlene, mit der man solche Unglücksnachrichten zu erzählen pflegt. Ader dir Miene war so fadenscheinig, daß der Schalk dahinter aus allen Ecken und Enden hervorschaulr. Lchlaume Ahron war ein guter Bekannter, stand aber der Familie doch nicht so nave, daß in rrner großen Gemernd«, wo täglich so viele krank und gesund werden, das vin so besonderer Bedeutung gewesen wäre. Er batte früher allrrdinas auch m den» Backergang ge wohnt und war io ibr Nachbar gewesen, aber da» war schon lange her. ,Schlaumr Ahron muß schon über achtzig sein", de nierktr Sorle, um bannt anzudeuten, daß dir ll»p,lßlich keil eine» Manne« in diesem Altrr an und für sich nicht» iedr aufregendes!ft. ״Er ist 92 Jabre alt״, bemerkte Red Feitel, ״aber deshalb ist er doch nicht gern krank, besonders an Rosch Inrschonv nicht." Jetzt ging Sorte ein Vicht ans, denn Schlaume Ahron war, io lange fte zurückdenken konnte, Mustaf Ehasan in der Schlesinger Schul am zweiten Tag Rasch fxischono Sie sragte deshalb ״Wer wird denn diese« Jahr für ihn Mustas oren -"׳ ״Wer -׳" sragre der Gefragte mit einen! Glück, mu einem Vächeln der Selbstcusriedenheit ln allen Mienen zu rück, daß in der Frage sa>on die Antwort lag, die er nun auch überflüssiger Weise folgen ließ. »Wer? Ich, Tein Mann' Heute Abend kam der Parne» von der Schul nach Maariw errra zu mir ln die »lau«, um mir Mustai vom zweiten Tag Rosch Haschono in aller Form mechaded zu sern " ״Und Tu hast » angenommen?" fragte Sorte. ״Da» sollte mich wundern; ne hätten« Trr auch früher über tragen können und nicht erst am ersten Rosch-zxischono- Abend." »Ersten»", enraegnete Red Fettet, ist Schlaunre Ahron erst heute unpäßlich geworden und zweiten« baden gewiß schon sechs daraus aewartet, daß man » ihnen mechaded ist, dir alle froh wären, ivenn ich » ausschlagen wollte Väß« Euch denn die Sorge um das bischen Sowrd an Rosch-Haschono auch nicht zur Ruhr kommen?" ^Jch mein« nicht gerade wegen der Sowed", erwiderte Sorle, »aber «» Ist doch kein LpaI an Rosch-Haschono, jo zu sogen au» dem Stegreif Mussai zu üteenrtzmen. Es muy stch doch srdee für seine Trstllo vvrsehen, deshalb dachte ich, hätte man wohl irüber kommen dürfen." Eine solche Berkrnnung ircner Schlagserrigkru als Jomün Hanaurotm-Edasan. von dieser Seite gar, tat Red

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