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Der Israelit · 1906-09-19 · 38 (19.9.1906) · p. Seite 2

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
38 (19.9.1906)
Date
1906-09-19
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Der J«rarltt. «r 88. tkltt 9. Sprache, de- Metrum- und der Poetik anstaunen, treten unhier nur lose, bloß aneinander gefügte Worte alphabetisch geordnet entgegen. Die Worte selbst sind biauf einige wenige Ausnahmen den Kennern der heiligen Sprache ganz geläufige Ausdrücke. Und trotzdem erhalten sie durch die bloße .* AiM*• «. ..W I«;«• H»U44ltUfl 441 VI i f 1 U,UiU 44 יי«*«׳׳&י »IV 4VIU VVi׳ stankuns, weßhalb wohl auch Heldenhemi den Pipit nnüdcrsetzt gelasien l-at. Wollte man i. Bgleich die ersten Worte אדרה והאדינהübersetzen, so macht sich sofort die Schwierigkeit geltend. אדרת heißt in ganz תנ״ך: Mantel - אדינה ist di? Treue. Was hätte es nun für einen Sinn zu übersetzen: ״Der Mantel und die Treue, sind 1חי העילדים' dein der ewig lebt, oder dem, der die Welten belebt?"'! Angesichts dieser Schwierigkeit muß von vornherein daran erinnert werden, daß eS sich bei allen hier angewandten göttlichen Attributen um stehende, technische Ausdrücke bandelt, die den Kennern deö kabbalistischen Lchnfttums ganz ge lausige Termini sind. Unser Pijnt ist ein Er zeugiiis diele- (Geistes und sein richtiges Verstäub! niS ist ausschließlich auf diesem Gebiete zu suche». I Da aber einerseits das tiefere Eindringen in diese 1 Wissenschaft zu allen Seiten nur auf ciucn sehr kleinen Kreis beschränkt war, anderseits mit der Einverleibung dieses Pijut in unser Machsor er allen auSnahmlos in die Hand gegeben wird, so muß er a»1ch in seinem einfachen, schlichten Wort sinn dem Verständnis zugänglich sein und jeden falls zugänglich gemacht werden köiiiren. Diesen Versuch möchten die solgendcir Zeilen wagei». In den ernsten Weihestundeii an der Schivelle des nknen Jahres, von ivelchcn wir >vissen, daß ' Einmal komnii -"-״x als Adjektiv in der Bedeutung von mächtig vor Kecheskel 17. x>. Dir Erklärer und Urbersrtzrr nrlnnrn daher אר^ית als rin Tubstanilv in der Bedeutung von חזיק וקיים an, das aber tatsächlich in י^״ק, nch nickt sind«. Lacks, der אדרת nnt Herrlichkeit überfrvt, dringt es mit אדיר in Berbindung. wofür sich aber auck keine Belegstelle aiifübren läßt. Er übersrhl »Dir Herrlichkeit undTrruc sind Lein, dein Ewiglebrndrii Dir Beziehung, dir zwischen Herrlichkeit und Treue infolge ihrer Nebeneinanderitellung bestehen soll, läßt auck dirir Uebersevung unaufgeklärt. ') Heidenbeim in seinem Kommentar bemerkt, daß alle Handschriften ^חי עילביי nnt Pailxrch baden. Nack den bekannten B.uSsübrungen des תיי״נו^»! Ende von ';*ס חדיר Iwtun wir חי Mit Zerc erwarten sollen. Es Nt dcsd,rlb daran \u numun, daß nack de», Zeugnis des א׳* ח סי' י'ר ם׳ אליי ר2ח der Brrsasser des תוי׳ם von dirier seiner Ansicht zurückgrkomme» ist, es heißt daselbst שדעת* טפי אהד נאד; שחזי בי הואץ ׳«2י תודי •י״ט «1אדיו בפתה.« von ס׳ דחצ*ת השקל zu א״ח סי/ ר׳ח und IN der Borrrdr zu תו^ת בי* נש von Rabbiner Schlesinger NI Tavolsckan. wo dir Bczrick! nung ה׳ עילדיב >n rlngrbrnder, licktvollcr Weise de j liiindrlt wird in ihnen die Würfel fallen über unser Wohl und Wehe für die nächste Jahresspanne, in diesen ernsten Tagen, die wir ״die furchtbaren" nennen, steht Gottes in unser Leben eingreifende Wiltung für das sich zu ihln emporhebende Menschengemüt noch höher — לעלא ולעלא — und ehrfurchtgebietender du niS svilst im Leven. Ein Vergleich zwilchen dem ינתנה תוקף in unserem דחזור und zwischen seiner Verwirklichung im Leben ist für den an der Oberfläche haftenden Blick nur allzusehr geeignet dem trübseligen Pessimismus unserer ganzen Zeitrichtung neue Nahrung zu geben. Am Rosch Haschonoh wird's g׳*schrieben und am Jom Kippur besiegelt, wie viele hingehen, bevor sie geboren sind, und wie viele geboren werden, wer leben, iver sterben, lver sein Leben voll zu Ende und wer eö nicht zu Ende leben soll, wer durch Wasser, wer durch Feuer, wer durchs Schwert, wer durch Hunger, wer durch Erdbeben, lver dirrch Pest umkommen soll, wem ein ruhiges, lvem ein ruhelose-, »veni ein gesichertes, lvem ein zerissenes, lvem ein sorgloses, wem ein schmerz volles Leben beschieden sein, wer erhöht, lver erniedrigt, lver arm, lver reich iverden soll. Aus dem «נתנה תוקן im Machsor sehen wir nur, daß j es neben den Neichen auch Arme, neben den Hohen j auch Niedere, neben den Glücklichen auch Uni glückliche gibt. Aber im Leben sehen wir, daß es neben den Armen auch Reiche, neben den Unglücklichen auch Glückliche gibt, daß Armut und Elend die Regel, *Wohlstand und Sorglosigkeit dagegen verschwindende Ausnahmen sind. Wie verträgt sich diese Erscheinung mit der Tatsache der liebenden Vorsehung und Fürsorge (Lottes, der wie ein Hirte seine Menschenheerdc lnusten, jede Menschenseele vorübersührt, sie bucht und zählt, bedenkt und ihrer Bestimmung zuführt L Unser Machsor gehr diesem Widerspruche nicht alldem Wege, es stellt die Gegensätze ja itt seinem ונתנה תוקף neben einander, der sicherste Beweis, daß sie für seine Anschauung gar nicht vorhanden und jedenfalls harmonisch ausgeglichen sind. Gottes fürsorgende, jeder Menschenseele so ungemein nabe Liebe lind Güte ist uns so verbrieft und über allen Zweifel erhaben, daß kein Leid und Weh der Erde diese Ueberzellgung zu erschlittern vermögen. Was in unserm heiligen Schrifttum uns von Gottes unergründlicher, unverlicrbarcr Güte kund geworden ist, diese Tage bringen eS uns zum Bewußtsein und werden nicht niüde uns immer fort und fort in die Seele zu reden: "'ה' ה Gottes Liebe bleibt dieselbe vor wie nach der Sünde, Gott ist die Allmacht, die liebe- und gnadenvolle, reich an Liebe und Wahrheit, jede Guttat Tausenden voil Generationen bewahrend, eines Feuilleton Olcnu. Trenn»! t&nluti fpreck t* Iirti. '.'tfbf*. trautr« Wort. CU'mi. Treimal laglick ruft aus Erd«, Tick «1anj >tSrael. Cl<uu. EiN am Ende deoirl•«• Iritn't du in dein Neckt. Cu׳nu. iv'fnn vndalli sind tzodlied. Bitten. liiiu«, X,-I»-1u«1׳»> fcklofleu Und da- Cmim auf dn> Uaddifck, Tan» komm >ck z» dir. L'lenu. tfllte ,iltuiidc find um *nwi. Tu und ich. :51(1»! wadr. DlSuu- Ml• nock kaum nt le>en konnte, Lernt ick fiammein fckon Dl׳m». — '.'«ft es midi dir Inaeüebn. Beße ,irrundin du. Ctemt. Taft nt oft tut fchnell »nd ftudm» Habe abgetan. CU'-uu. VVrilub bin fit dick, verleid! Lied, ick meini » nickl dös. ^len». Hab dick lir'o 1a. Ned nnnidlick. Wollt' »icki tränken dick. Dl-uiu. Weift ick dock auck. daft du kionft Und mtmlubfft, Cl<׳nu, Unken, ckol« «1• fierm de« »iiNiaN« Ter der gtomg >f> im Himmel Und auf Erden un-, i?I('11u. Sr iü unfrr Gott. nicktionft! Mlfo ledi'kt du un-, L'ldnu. Sinzig Sr, fein N a ui e einzig: Tönst du lubelnd au«, ^ldnu. Und wann kommt der tedre Tag UiifreS »iöuig-, dann, L'ldnu. Mitte» unter «ckaufor-Töne» Nun edick, ruft « laut: Cldi» . . . . Bebend, zudend, dang — und dock .riibilierend brau>>'-: C“Unui! Muf die Uniee zwingt - unnieder. Und da- Mntliv lief zum Bode» Bor dem Heiligen gedeuget. L0 fckauu dann du un-, i^lSnu. Tann wirft nickt fo ballig fcknell Mbgebetel du. C!•'1nu. Tann wird Wort für Wort erwogen. Tem iUemüt tief eingevrSger. Tann obnegfi du ganz, tli'nu. Und wann wieder ick den Kopf Mufwärr» rickte, dann ^ISn», Tann in meiner Herzen-kammer Nekme ick mir vor, Cl•'1״», Taft auck an den Wodrentagen .tck in Mndackt dick will fprecken. Wie e« dir gezitinl. ^ldii». Halten will ick e» fonan Mein Benvrecken dir. C lomi. Treimal tLglick irrt* ick dick. Victr« traute» Wort, 1. l-nu. _13. September 1906 der jeden Frevel, Leichtsinn und Abfall erträgt und jeden rein spricht, der ewig zu ihm zurückkehrr." "דוב ה' לדל Gut ist Gott gegen alle und sein Erbarmen erstreckt sich aus alle seine Geschöpfe.״ כי א׳ רחום ה' א/, Ein barmherziger Gott ist Gof dc'.ii Gott, er läßt dich nicht sahren. gibt diä. nicht d m Verderben preis und vergißt nicht des Bundes m׳t deinen Vätern, den er ihnen zilgeschworen." Unter allen Variationen, welche GotteS Liebe und Erbarmen mit den Menscheil zum Gegen stand haben,ist es besondersdcr Ausdruck אב הרהדיד und בעל הרהדים, der Gott als Vater und Herrn des Erbarmens feiert. Barmherzige Menschen sind in der Regel nicht Herren ihres Erbarmens, sondern das Erbarmen ist Herr über sie. Der Vater, der sein Kind liebt und ihm Dinge ver. sagt, deren Besitz ihm schädlich ist, handelt gütig gegen sein Kind, wenn er ihm das Messer nicht gibt, woran das törichte Kinderherz hängt. Weim, Aagt und härmt sich aber das Kind Tage und Wochen lang, weil ihm sein Liebstes versagt bleibt, so ist der barmherzige Vater leicht geneigt auch eineil törichten Wunsch zli erfüllen um den Klagen seines Lieblings ein Ende zu machen. Das Er barmen ist dann Herr über den Vater geworden. Bei der Barmherzigkeit Gottes ist diese Diög lichkeit ausgeschlosien. Sie versagt so entschieden als sie reichlich gewährt, sobald die Versagung seinen Kinderil zu Gi,te kommt. Es ist daher eine vollkommene Wahrheit, daß sich Gottes Erbarmen im Versagen noch glänzender als im Ge währen bewährt. Gott gehört die Erde und was sie füllet. Von dieser Fülle einen Teil de» darbenden Ntenschen znznweisen und ihnen damit Mangel und Sorge abzllnehmen. wäre Gott ein Leichtes. Aber diese GlückSgüter denen, die nach ihnen lechzen, Jahre, Jahrzehnte, ein ganzes Leben lang zu versagen, weil sie in Wirklichkeit zu UnglückSgütern werden lvürden, dazu ist eine vollkoinmene Beherrschung aller barmherzigen Reglnlgen erforderlich, dazu milß Gott Herr des Eroarmeiis sein. Die Konsegueilz des Gedankens, daß Gon Herr und Vater des Erbarmens ist, läßt uns unser ganzes Leben, alles Besitze» und Genießen, alles Verzichteli und Eiitbehren, läßt selbst Mangel und Elend in einem andern, verklärten Liäkite erscheineil. Vor diesem Gedanken verlieren *)cot und Sorge ihren Stachel. Im Lichte dieser Anschauung geht uns eine Ahnung davon durch die Seele, wie schlimm es um uns bestellt wäre, lvenn alle untere Wünsche ihre sofortige Er füllung fänden, oder wenn uns gar ein Dasein beschieden wäre, in dem uns nichts zu lvünscheu übrig bliebe. Ein Wort der Weisen lehrt: בי1 דזוניתיו של ״ .אדם קציבין לו ב־ראש השנהSeine ganze Nahrung ver Mu;5as-e1>sran. «Eine Hamburgkr Tkiz.tr.. Nrt׳ Frilcl Fiichiiiaini in Hamburg mar rin rridirr Manu. Tcin Rcichium bestand in seiner guten, klugen, fromincit strau Torlc und seine» sechs Äindeni, von wcl chrn das älteste;!völs und da» jüngste fast zwei Jabre alt war. Geld, Papiere, Grundstücke und wir die plunipcn Bekrlfe alle beiften, die arme Menschen bedürsen, uni rcick zu sein, d. b. reich zu heißen und zu scheinen, besaß Neb stcücl nicht Er hatte sie auch nicht nötig bei stinem . Rrichkuln an Gemüt, Humor und einer glücklichen Telbflzufriedenbeit, die säst an s Selbstgefällige grenzte. Neb sreitcl war nicht gerade eitel, aber kannte seinen Wen Er wußte, daß er seinen Dienst als Lchamesch in der Klaus nut rtncr Gewisfeithustigkeit und Pünktlichkeit besorgte, die von allen Klausbesuchern anerkannt war Er wußte, dap seine Kenmntsir wen über das Niveau eines Tchamefck dinauSragtcn, daß er rin Stück Mischnajos und wenn es sein mußte, auch ein Blatt Gemoro lernen konnte, wn selten sonst der Tchamesch eines BcShamibrasch. Dadurck war er auch Tchiur Nebbe; d. b. er verkehrte in den angesehensten ,Tamilirn täglich oder bei Fahrzeiten, um doN einen Perrk Mischnajos zu lernen. Er war auch in der Klaus Wochentag-EHasan, und ausdllfsweisc auch Ebasan an Tchabbos und <lom Tof. Aber er hatte nicht nur keine schöne, sondern sozzar eine widerliche, häßliche Ltinnnr. selbst bei den drschcidenen Ansprüchen, die man an em Wochen Kol stellt. Davon wußte jedoch Neb Keitel gl"" lichrr Ltzeisr nichts, und wenn man's ihm auch on zav und unzart andeutrte, er hielt das für Neid, MißgunN von unberufenen Tadlern und Nörglern. Trine Torle. dir selbst die Tochter eines großen EHasan war, war von

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