Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 37 (13.9.1906)
- Date
- 1906-09-13
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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Seuilleton-Beilage zu י tr. 07 des ״Israelit" uilleton. vetvaalZcbem von michclstadt. 4'on '*iioäuo. י־י .,fnctibrui■{ uciboten. ״Eilte» Wulften sin Ehipplifch! ׳ ״Zwei", bot '.Uiiuti'j. Tao juav niu'ihövt; das-, die armen 'deute heute!0 leichthin auf Du־ Mizwos boten. Dem l'nvm3־־ tat e־> leid, liv umf;tc,!v'.e idjim tv Mattis fällt ztve, Wulften z״ cutbdjven, mib luentitcv, um die Mizwa zu laufen, als Muttis von den Iolgen feines Angebots zu befreien, bot er: drei. ״Bier!" rief Koppel. Koppel war auch ein braver Man!׳., der v.'.cht über viele vier (dulden;1! verfüqeu batte, des׳ bald bot der Parnes: ״fünf/' mit dem geheimen s>1ebe1tgedanke1t, die Mizivo, wen» fie thut znge schlagen tverdeu sollte, feinen beide» 'Bebenbiihlern mechabcd zu lein. Als dann aber Maitis slngs sechs (dulden bot, ward dem Parnes die Lache doch zn bunt. Er begriff den Geiß nicht, der in die Leute dahinten flcraltrcii war, und loniite sich diese Nebenbuhlerschaft nicht anders erklären, wie als Anßehnnng und Troß gegen ib», den Parues. Aber eine Probe wollte er doch noch machen und bot Neben Gnlde». Lo teuer war Ehivpusch seil Menschengedciiken i» ׳Biichelftadt nie verlauft worden, und wenn ibtt Biattis jezn noch über bietet, so steht man, daß es nur Troh und Eigen sinn von ihm ist. Alle Bilde waren nnf •iVarti*' a»׳richtet Kiefer aber besann sich leine Lekimde und ries, dasz es durch die ganze Lchnl nur fo ballte: ״Acht!" Bei diesem Angebot letzte sich die Ltirnc von Parties Lpeper in I-alte». Leine edle ur'priing liche Absicht die Mizwo zu laufen »ud ne dann seinen Mitbewerbern *יי vereinen, hatte er längst aufgeqebeit. ״Dem Maltis wn. >ch zeigen, mit wem er zu tun hat", sprach er halblaut. Und laut, daß leiitcm ein Wort entging, rief er vom Almcntor her ab . ״Damit wir zu Ende kommenich biete für Ehippusch einen Gnlde» mehr als der ganze Mattis reich ist!" Iept koiinre Müttis nicht mehr bieten, niid die Bersteigeruilg war zu Ende. Unter gwßer Aiisreguilg verließen die Bersammelten die Lchnl und dislutierteu in lleinen Trupps den uitge wohnlichen Borgang nach allen Leiten hin. Die Geldproße» hatten ihre Freude daran, das; von eiitem der ihrigen deit gemcineit Leuten einmal der Ltandpunkt klar gemacht wordeit war. Umer den gemeinen Lettten verstand man die armen Leute, ohne jedoch mit dieser Bezeichnung irgend eine Geringschäißgkeit zu verbinden, wie man etwa die Loldaten ohne Ehargc im (Gegensatz zu den Ehargierten noch heute die l^emeinen nennt und sogar von einem ״Haus der Gemeine.t" spricht. . -. - getueinen Vcuit m.«Uu!***f *•♦•״יי mehr mit dem inoralischen Ertolg, den BkatnS davon getragen hatte, als jeder in der l^emeinde wußte, daß er eine überaus friedfertige Natur war, der nichts sertter lag als eigennnniger -tnitj: ö^ft: mir bic '41}!0וןץג• unb lu^un bQ£ ben vimJh inVr״ifi tat.«™ fom.«, io Irt.c״ ne fich recht herzlich ins Männchen. — Maltis ging mit Stoppel noch bis Maariw spazieren und brachte daun von dort eine» diirchreiseiidcii armen Mann zu Tuch lim nach ftrns. Beim Elfen״ivar oon de»! Eleigins des Tages selbstverständlich vielfach die Bede. Der biederen Hausfran tat es weh, das; der Parues ihren Mann vor der ganzen Gemeinde beleidigt hatte, niid ne meinte, man dürfe s0 etwas nicht »nenviden auf sich npen Innen. Aber Mattis gab dem Gespräch eine andere Wettdimg, indem er erklärte: ״Das Necht Mizwos zu kaufen ßeht >edem m der Gemeinde z», dem Parnes wie mir. Ich habe darauf geboten, Iciiiem z,l lieb und keinem zu leid, lind fo bat es der Parnes auch gemacht. Wenn er nch die Mizwo 10 viel koste» laßt als ich reich bin, 10 in das ein schöner Zug von!bin, den nicht jebet־ hat. Deshalb, meine ich, hätte nch keiner zu schämen, und dürfte jeder zufrieden fein. Bon einer Beleidignng. die mir widerfahren ien; ׳oll. nt nur Uirliis bekannt: sobald ich den Parues lebe, tage ich ihm Maffelto« zu dem guten Geschäft, das er gemacht bat. Es ist wahr, ich batte die Mizwo gern gehabt, aber weint man einem, der ne besser bezahlt, deshalb böte feilt sollte, fo müßten nch alle das ganze Iaht tu den Haaren liegen. Und die Wege der Thora sind doch Wege der Eintracht, und alle ihre Pfade führen z׳.׳.!n Frieden ׳>>' re! Mit diesen Worten wandte nch der Wirt an feinen (Man, einen Greis, mit langem, weißem Bart, der ein großer Tboragelebrtcr zu fein schien. ״Ich bin vollkommen Eurer Meinung", ent gcgnete dieser. ׳״Bur glaube ich, daß ,Ihr noch ein besseres Geschäft gemacht habt als der Parnes. Unfere Weifen lehren: hat man die Absicht, eine Mizwo zu tun und wird durch übermächtige» Zwang daran gebindert, fo rechnet die Lchrisr einem den guten Willen für die Tat. Deshalb rechnet Euch Wotf die beabsichtigte Mizwa als vollzogen an. ohne daß sie Euch mehr gekostet hat als Euren guten Willen. Das; Ilir aber Eurem .Konkurrenten, dem Parnes, deshalb leinen ölroll nachrragt, fonderu das!'׳'*•>,enteil davon, für diese Gennnnng wird Euch ganz gewiß ein besonderer Lohn." Am Tage nach Lmichas Thora wurde von Gemeindewege» die ganze Habe von Mattis ab geschäht. D-as halbe Haus und die Möbel, Bücher. Kleider, der Plah in der Lvnagoge mit der ganzen Iahrhabe wurde zu .0;:<־ «Mlde» veran schlagt. Am Bachmiltag zahlte Ehejim Lpener r>:> 1 (halben, die noch heute unter dem ׳.Kanten ״die Lpcpcrschc Ltiftmig" der Berwaltnng der Gemeittde niiterßehen. Als an demselben Tage bet Mattis fein Jomtofgafr nch zur Berabfchiedung einfand, bat der biedere Wirt den Lchcldendeii um feinen Legen. ״Habt Ihr einen besonderen Wunsch?" fragte ihn der Wan. ״'Wir haben denselben 'Wunsch", antwortete Mattis, ״de» die ,Van von Lunnam hatte, der Himmel hat uns bis >ehl den Bcßh eines Lohnes vertagt. Lechs Löhne tind »ns genorben." ״Ich wünsche Euch", envidcrrc der Wreio, ״daß Ihr bis nächstes Jahr einen Lohn unver licrbar Euer eigen nennt. Ihr habt ihn verdient, durch Eure Liebe zur Thora und durch Eure Liebe zu Den Menfltten. Ihr habt Ehtpplifch kaufen und der Gemeinde das Wort Gottes aus׳ suchen wollen, Ihr werdet einen Lohn haben, der die Wlut der Menschenliebe, die m Eueren Herzen glüht,;ur Hellen, weithin strahlenden Ilamme auslkulyren lasten wird." ״Und ivie heißt Ihr, damit ich Euch ehren .:::d belohnet: kann, wenn Eure Berhcißung sich erfüllt?" ״Ich heiße Elijahu." ״Einen Augenblick, Nabbi Elijahu", sprach Mattis und eilte in die Kammer, um dem teuren özast ein ^Geldgeschenk zu bringen. Aber als er aus der Katuurer zurückkam, >var der Irrutde verschwunden, war trov allen Lnchens nicht mein z» niideii. Der Lohn, der Mattis tu dieien, I^hy- .« boten wurde, war der fvalere Baal Lchem von Michelnadt: teilte 01־ teilt nannten ihn Lecke! föb. II. Lchon in den einen Iahte» zeichnete sich der >tnabe durch ungewöhnliche Anlagen des >Zeines >1»d Herzens ans. Daß et frnbzeitig t» das heilige Lchtifttin» der Tbora eiugeftikrt wurde, war in jener Zeit auch bei iveniger gut beaulagten Kindern selbstverständlich. ImAltet von zehn Jahren war et als Wunderktiid bei Inden und Ebrinen so allgemein bekannt, daß durch Bermtttelung des Pfarrers auch det Graf von Iürneua» davon hörte, det auf Lchloß Iürnrmt». kaum eine Biertelnnnde von Michelnadt ennernt, feinen Lip batte Er brannte vor 'Berlangen, den Iudeuknabe» keniien z» lernen und ließ den Barer bitten, ihm das .׳tind eiinual z« tchickr». Um iemen gerühmte» Lcharffinn sofort auf die Probe zu stellen wünschte der Wtaf, oaf; oer Knabe ohne Iübrnng und Begleitung ganz allem im Lchlvffe erscheine Der Weg »ach dem Iütnenauer Lchloßgarte», der durch die Liberalität des Wiafc» ,edeiii orten neht, in ,edem Michel nädter woblbekaunt. -Lie aber det Kleine sich nt dem uttaelieuer großen Lchloffe zurechtfinden, wie er nt dem Labt!r!ntb von Gängen, Treppen, Zimmern »nd Lälen das Empsangszimmer des Grafe» treffe» werde, das belustigte de» Wraien in io hohem Grade, daß er lchon eine Biert l n»nde vor der sengefezne» Zeit hinter dem 'Borhang eines ans den Lchloßhof führendeit Ie»ners feinen kleinen Gast erwartete. Die gesamte Dienerschaft hatte Befehl nch vor dein .Knaben nicht blicken zu lassen, damit er ketnen fragen könne, ivo ihn der Graf erwarte. Iüilf Minuten vor der festgeseznen Zeit t'ah der Graf ans seinem 'Betnecke den schmächtigen, zehnjährigen Iudenknabe» über den Lchloßhof direkt auf das Lchloß zug he». Auf dem weiten Lchloßhof war außer dem Knaben lei» menschliches Wesen z׳> fehen. Eine Zahl radschlagender Pfauen, Iasancn und Truthühner gingen mit dem nolzen Bewußtsein zu den Bewohnern des Lchlosfes zu gehören, gravitätisch auf »nd ab, ohne von dem Iudeiijungeii Botiz zu nehmen. Um fo aufmerk sanier beobachtete sie Leckcl Vöb und blieb zu diesem Zwecke einige Lekniiden unter dem mehr als daushohen Torbogen neben, der in den inneren Lchloßhof führte. Lo groß die Ireude des Knaben mit dem Treiben diefer genederten Höflinge tvar, so vergaß er doch darüber nicht, auch einen mnsternden Blick über Die Schloßfront zu werfen, d e in ihrer ganzen Ausdehnuna tevt vvr ihm tag. Dann trat er in die Borhalle, m der Envattung dort irgend einen dikiienden Weift zu erblicken, der ihm den Weg zum Wraiett zeige. Keiner ließ sich blicken. Der Knabe buftete laut, aber niemand nahm davon Botiz. Da lächelte der .Kleine, nieg rasch die breiten, bequemen Treppen hinauf b!s in den;wetten Ltock. klopfte an die zweite Türe des langen Korridors, die der Gras dann selber öffnete und feinen Gatt herzlich willkommen hieß. ״Wer hat Dir das Ztmnter gezeigt, in dem ich Dich erwarte?" fragte gespannt der Wtaf. ״Der Herr Graf selker"; antwonete der Knabe. ״Ich?" fragte der Graf venvundert. ״Davon weiß tch doch nichts?" ״Der Herr Graf haben mir befohlen ganz allein in das Lchloß zu kommen. Als ich vorhin vor kein Lchloffe stand, sah ich, daß bei allen Jenner:; d:e Borhänge zurückgezogen wäre::, nur rin etriziges Ienster tvar dnrch einett Borttang geschlonen. Ich vermutete, daß der -Herr Wraf in diesem Zimmer fei und durch den herab gelassenen Borhang verhindern wolle, daß man den .Herrn Grafen schott vom Lchloßhofe aus sehet» kaitu."