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Der Israelit · 1906-09-13 · 37 (13.9.1906) · p. Seite 6

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
37 (13.9.1906)
Date
1906-09-13
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Nr. 87. Tritt <i liegt. — Und die Entwickelung währt so lange, bis das relativ vollkommenste erreicht ist, dann sinkt wieder alles in Masse und Aether zusainmen, und sowrt beginnt die Entwickelung von neuem. 20 war eS in Ewigkeit und ivird es in Einig keit bleiben. — IV. Bei dieser gewaltigen Vchrc von der Deozendenz, deren ganze Tragiveite man erst erkannt bat, wenn!nan den Gegensatz begreift, in dem sie zu jedweder Freiheit steht, ivcbte es mich eiskalt an ivie von GrabcSlüfte», ei» etwas in mir zog sich krampshast zusammen, imb ich merkte, dast es sich tum für mich nicht nur mehr lim Freiheit und .Knechtschaft, sondern um eine ganze Welt und Vebeiisauschauung handle, die ich versechten oder aufgeben müsse, lind vor meinem Äuge trat da ans die ganze Reihe meiner Borfahren, Männer meiner Nation, eine lange Reihe bleicher Gestalten leidcngep! ästen Aussehens, lrnd alle trugen sie eine Bolle des Gesetzes in der Hand und hielten sie mit unendlicher Viebe um sagt, sic. die einzige Bolle üii die זן«* gelebt und gelitten, geblutet und gestorben — nnd schauten zornig auf mich mit drohender (Gebärde aber der letzte von ihnen mit einem Blick von unendlichem Mitleid ivies mit dem Finger hin aut die Bolle, die auch er in der .Hand trug — — und sic zogen vorbei und verschivanden Aber nach ihnen hallte nun tüiienS eine stimme in meinem Tbre. Weh ob der Schmach des Gesetzes! Weh den entarteten Enkeln, die da hinge??«*״ zu bctt Fremden, sich Belehriing zu holeit und das Gesetz befragen sic nicht, hingehen zu graben eigene Gruben, Grnben verdorbenen Wancrs; de,? H.uell einigen -Heils, den nnversieg lichen Iuugborn. den laue» ׳ie achtlos bei Leite — — Tas jüdische Ges n h l, das war's, was sich bei mir zunächst empörte. Stand sie bcttn nicht da, die jüdische Nation, ohne Vaud nlid ohne Brcht, aber dennoch feit ivie ein einiger Fels trotz der Seiten Zerstörung; lind ivenn auch alles dem Gesetz der Entwicklung untcrworsen ist, sind denn nicht ivir, die ewigen Hilden, ein Protest gegen die Allgemeinheit dieser Vehre, in es nicht der Gott der Bäter, zu dem ivir!roch immer beten, der Labbat vom Sinai her, den ivir noch immer ivahreii > -'loch aber ivar es erst das <*>»ertihl, dast sich gegeit die Vehre sträubte, mein Beistand!vustte ihr noch ilichts anziihaben. Fch begann daher nochmals sie zu priiten ins in ihre letzte MoiiU' gucnz, und da »'and ich zunächst, dast, indem sie die Entivicklung als eine eivige bezeichnet, be .zeichnen must, sie da mit einem Begriss operiert, der gar keiner ist, dem!ucuschlicheu Beistand unsastbar bleiben nn!st, e!n Wort ohne S!!!n, gleichivie das *Nichts, gleichnne die Unendlichkeit, lind ich prüste iveitcr und ick! saild, dast sie, iildem sie alles >lkunende aus dem Urstoff v.n selbst durch '.111 Passung und Bererbung entstehen laue, also ailch das Veben, dast sie da nolivendig entweder zum -Hnlozoisnius, das in zur Vebeiidigniachung der Marerte, oder zur Annahme der •:«*»׳-׳*n«־«» ׳- «!u!vooh das in »i diesem /volle der Erzeugung des Gebenden aus dem Toten, süliren müsse, lind in der Ta! fand ich solg »den Ausspruch Naegelis: ״Tie Urzeugung leugne u lieistt das Wunder verkünden." Aber die Urzeugung in nicht minder unsastbar als das Wunder, und io verlor bei mir diese Velire in ihrer letzten säonieguenz einen grvstrn Teil ihres Bimbus, da auch sie nicht alles Geschehe» in der :Natur ver niinstgemäst erkläre» kamt und zuni Botbehelf zur £e1H־rrtU0 .,k.^uvoe!» greisen must. Schliist folgt. Der Israelit. Worrespondenzen uiid H^achrichten. . yeulsttIes Ueictz. Frankfurt a. Al., N. September. Tas ״.Komitee für die notleidenden Brüder im Aus lande" zu Frankfurt a. M. bittet iiiis bekannt zu gebeit, dast es, ivie alljährlich, auch zu dem be vorstehenden Roschhaschonoh Feste Spenden zur Ablösung der Neujahrs Gratlilatioiieu entgegenzilnehmeil bereit ist. Tie (Nrben iverden zil t^uitnen der Armen des heiligen Vaudes ver ivendet uiid die Namcii der Spender in der Boschhaschonoh Nummer des ״Israelit" ver össentlicht. Auch die Redaktion des ״Israelit" in gerne bereit, unter den gleichen Bedingliiigeu Spenden enrgegenzunehmen. Franksrirt a. M., den 7. September. In einem in der lctzteit Nu!n!ner veröffentlichten Bericht über den Bereinstag der freien Ber cinigung lieistt es, dast bei den vorgenommeneu Ergänzuilgsivahlen die Herren Tr. B. Breuer, Tr. .Hirschfeld und I. Bosenheim in den B o r Naild der Bereinigung gcivählt wordetl seien. Tas ist uitgeiian. Wie bekannt, besteht die Berwaltuug der Freien Bereinigungaus dem Bor- Nattd, der als Erekutivorgan die Geschäfte des Bereins leitet nnd einem weiteren A u s s ch n st von :)0 bis 40 Personen an zahlreichen Trten Teutschlands nnd des Anslaiidcs, der als l>kontroll instanz dient. Tic genannten Herren sind nun nicht ׳!.׳. den Borstand, also in die engere Leitung der Bereinignug, sondern in den Alis sch »ist ge ivühlt worden. Tie Wahl in den Borstand ge hört zu der Uompeienz des Ausschusses selbst und nicht des Bereinstages. Berlin, Sevteniber. Ein jüdischer Bürger >var von dem --königlichen Amtsgericht Berlin Mitte an» den -*.i Leptember d. I. als Zeuge geladen. Sein schriftliches Gesuch, ihn von der Berpflichtung an diesem Tage, dein Bersölinnngs tage, an Gerichtsstelle zu erscheinen, zu ein binden, wurde zunächst mit der Bcinerkung abgelehut, dast die jüdischen Feiertage!richr zu den gesetz lick, anerkannten ,Feiertagen gehören. In einer Eingabe an den Herrn Amtsgerichtsprändentcn hat daraus der Betreffende betont, dast er sich durch die Zurückweisung seines Gesuchs in seinem religiösen Geivissen bedrängt sühle, und gebeten, das königliche Amtsgericht auzniveisen, den Ter min auf einen andern Tag zu verlegen. Tas Amtsgericht har demnächst den! Gesuch ent sprochen, nachdem der geladene Zeuge dem Berlangen genügt halte, dem Gerichte ״die lieberzeuguug zu verschaffen, dast die jüdische Beligion ihm nach der gekeunzeichneten Bichning Geivisseus pflichten auierlege." Berlin, September. Wege!, Bergehens gcgcii das (besetz betreffend die Berhältniffe der jüdischen Staaisunlerlanen vom Inli 1847 verhandelte gestern unter Borsitz des Landgerichts raks Eaiper die achte Ferienstraskarrnirer des Landgerichts gegen den Beligionslehrer Moritz Miller und den .Kaufmann Mar Wölpe. Beide Angeklagte wurden beschuldigt, gegen den $ 71 des erwähnten Gesetzes verstosten zu haben. Tie Bcstinnnuttgen dieses Geietzes über die :Niederlassung und den Aufctithalt fremder Juden innerhalb der preustischen Monarchie lauten: 18. Leptember ״Ausländische Juden dürfen ohne eine Genehmigung des Ministers des Innern nieder als Rabbiner und Slmagogenbeamie noch als Gewerksgehilse,׳. Gesellen, Vehrlinge oder Tienstboten angenonnm-״ iverden. Tie Ueberschreitung dieses Bcrbores zieln gegen die Inländer und die fremden Juden, gegen letztere, sofern ne sich bereits länger als sechs Wochen in den preustischen Staaten aufgehalien haben, eine fiskalische (Geldstrafe von N» bis Tbalern oder eine Gefängnisstrafe nach sich.״ — Unter Zugrundelegung folgenden Sachverhalts ivaren die beiden Angeklagten wegen Bergehens gegen diese Berordnung vom Schöffengericht zn je (»0 Mark (Geldstrafe verurteilt worden. Ter Aiigeschuldigte Wolpe ist Borstand einer jüdischen BeligioilSgemeinde, die auch austerhnlb der Synagoge Andachten abhält. In diesen versah Miller das Amt des Borbeters, obwohl er als österreichischer Stnatsuntertail die nach obiger Berordnung vor geschriebene Erlaubnis des Ministers des Inner,, bedurfte. In der Berufungsinstanz machte M. geltend, dast er das Amt eines Borbeters nicht als dasjenige eines --tultnsbeaunen im Sinne des (Gesetzes betrachtet habe, lvährend Wolpe zu seiner Entlastung anführte, Miller sei während seiner Abwesenheit von den übrigen Borstandsmitgliedern zum Bcrtreter ernannt worden, nnd zivar ohne seine .Kenntnis. Ter C-lerichtshos hielt durch die Beiveisaiisnahme diese Angabe für nachgewiesen und erkannte gegen Wolpe auf Freisprechung. Tagegen wurde unter Bestätigung des ersten Urteils die Berufung des M. verivorfen, da das Amt eines Borbeters sich als dasjenige eines Sunagogeiil eanlten charakterisiere, iveil ein solches eine rituelle Notwendigkeit in den! jüdischen Gottesdienst darstelle und nur von besonders hierzu auserwäblten Personen versehen werde. Berlin, ll. September. Ter ,,Jüdische Bvlksverein" in Berlin teilt uns mit: Herr Isidor Wolff, der Vetter des Auskunftsbureans dieses Bereins, hat im Aufträge des Bor staudes au Bord der ״Snioleusk", eines Tampsers der russischen freiwilligen Flotte, von Vibau aus eine Neffe nach Amerika initgcmacht, um alle für die jüdischen Ausivanderer ivichtigen Berhält nisse i!nd vor aller»! auch die neue russische Vinic aus eigener Anschauung kennen zu lernen, da dieselbe wahrscheinlich in der nächsten Zeit eine» grasten Teil der Emigranten befördern ivird. Herr Wolff ist mit einem sehr reichen Beobachtungsmakerial zurückgekehrt, aus den! i» nächster Zeit einiges veröffentlicht iverden ivird, so besonders auch über die Behandlung der Ausivanderer dirrch die Agenten und das Schiffs personal, ferner über die Handhabung der Ein ivanderungsgesetze .׳e. Als nächtigsten greifbaren Erfolg darf der Jüdische Bolksverein die Einsührung einer Reihe von Berbcsseruugeu i»! Interesse der Emigranten im Hafeit und auf S.Ht ,41! W ,V• S. ,x *• .4» .1•«!>>.! II! ^.1 <\ f ♦,rt Plit CU|I||UI UV l lU||l|U|Ul |U m'UUljUt /י־י־י׳<י4ו‘ betrachte» und die Zusicherung der General direkrion derselben in Petersburg, auch in Zrrkunst alle Berbcsserungsvorschläge des Bereins aus den Schiffen zu respektieren. W a r l s r il h e, 7. September. Ain ii. Sep tcinber feiert l^r o st Herzog Friedrich das Jubelfest des *0. Geburtstages, sowie dos stOjährige Regierungsjubiläum, nnd ivenige Tage daraus begeht er mit seiner hohen Gemahlin die goldene Hochzeit. Nicht nur die badischen Juden iverden die ,vesttage im Grostherzoglichen Hause mit ihren innigsten Glückwünschen begleiten. Weit über die Grcnzpfähle seines Vaudes hinaus ist der hohe Sin», die Gerechtigkeit uiid die Güte des edlen Füriten gekannt und gerühmt. Tic Borurteilslosigkeit, die ihn keinen Unterschied machen lästt zwischen seinen Vandcskindern, welchem Glairbcnsbckenntnis sie auch angchörr», die Menschenfreundlichkeit, mit der er das Vcid der Unterdrückten nachzufühlen versteht, oft genug haben sich diese seine hohen Herrschertugcudcn in glänzender Weise bewährt. Um nur eines zu erwähnen, sei daran erinnert, dast bei den Sauunluilgen für unsre ruffffchen Brüder iw letzten *Winter auch Grosthcrzog Friedrich und die Grost-

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