Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 37 (13.9.1906)
- Date
- 1906-09-13
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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13. Trptrmber 1906. Herzogin einen nntehnlichcn ^rttroji fle\eut)net hoben. Möge (Wott das hohe Paar noch lange ihrem Vande erhrlten und allezeit teilten vollen segelt über ihrem Haupt ausgiefte»' Hamburg, September. Hie beabsichtigte Wahl eines zweiten Rabbiners der hiesigen Ee meinde ist einstweilen verschöbe» worden, ,^wei Kandidaten haben bereits (Wastpredigten gehalten; eine dritte soll, wie verlautet, nach den ,"veier tagen stattnnden. ^nzwi'che» in der Herr Cbcrrobbitter aus seiner trüberen Wohnung in der Stadt nach dem (Wrjndel ׳ e)iiittclibaltn , olio tu die '.*iahe der neuen Srmagoge verzogen, t'odast das Bedürfnis nach einem zweite» Rabbiner nttitmehr minder dringend ist. Eöln, I-'. Sepieinber. Has Zionistische ^entralhureau erhielt über den Pogrom i» Lied leb folgendes Telegronin!: Warschau, lSet»., 1Uhr 1"> ''.,liii. mittags: Her Pogrom dauerte gestern Rachmittag schon seit süntzig Stmideii, unaufhörlich hört »tan Kanonenschüsse und (We,vehrtalve». Es herrscht eine ,^euershrunst, Mangel an Aerzie» und :Kahrungsmitteln sowie Wanernot. Eine Hele gation heim (Wouverneur war vergebens. Her (Gouverneur fordert die Herausgabe der lüdischen Revolutionäre. :חח׳ Vööett sind geplündert, חיז Häuter verbrannt. Bisher zählt man schon!חח Tote und 1?« *0 Berwnndete. Biele flüchten aus der Stadt, ans Warschau in ein Htlfstomitee sowie :'letzte nach Siedlev gesandt worden. Bergl. unsere Korrespondenzen ans Warschau. <>)e Server 11). Wien, .">. Septbr. Her;-^ioniflinhe ,J,e!:trn! verein Wien veranstaltet für den nächtten Monat eine jüdische (Wesellschafksreife nach Palästina. Hie Reise nimmt am --׳. Cftober ab Wien ihren Anfang und dauert :_׳;'> Tage. Hie Reise, route umfaszt folgende Städte und k'andschatleil: Wien, Budapest, Bukarest, Eonstanza, Konstan tinopel, ^affa, Lato», Beth Hagau, (5hazar Saul, Vbdda, (Webirge Yehuda, Artust, Betir. ^er u salem, (Ktab Rachel, Helberg und die nähere Umgebung Jerusalems, Jericho, Jordan, Totes Meer, B.ozza, Amiras, Ramlch, R!schon Lezion, die jüdischen Weinberge und Kellereien, Mikwel, Israel, ^assa, Benruth, Berg i?! banon, Rahr el .Kelb, Ras, Beyrtith, Konstantiuopel, Budapest, Wie». ,Tür die Seereise von .Koustaittinopel nach ^ytmt und retour ist ein groster Separatdampfer gechartert worden, welcher speeiell für diese Reise eingerichtet wird. Hem Charakter der Reiie eultprecheud wurde jeder Klassenunterschied aufgehoben. Her Teil nahmspreis beträgt per Person: ab Wien retour Wien .'>47 .Kreuen, ab Budapest retour Buda pest;'>40 Krone», ab Bukarest retour Bukarest 4;».'׳ .Kronen, ab .Koiistantitiopei retour Konstanti nopel 4t>S Kronen, ^tt diesen Preisen sind ent halten: die Reise hin und retour, Vogis und Berkvstigung bis retour Konstantinopel, Aus- und Einschistungen, Wagen für die Ausstüge, Entröegelder. j>iir Ehepaare und in den Hotels separate Zimmer und aus dem Echtste separate Kabinen reserviert. Anmeldungen für diese!Keife sind bis zum .ח. September an den ^lonittiicheir ^entralverein, Wien IX, Türkenstraste ich zu richten. Ebendahin sind gleichzeitig als sicherstellende Anzahlung l-'»0 Kronen per Person ein zusenden, woraus ein Anmeldungsfchein abget'olgt wird. — Wie uns mitgeteilt wird, ist beab» sichtigt, die Aufsicht übet die rituelle^K'rpstegling der Reisegesellschaft dem Herrn Hberrabbiner Samuel Galant in ,Terusalem zu »beitragen Man hat diesen um Ueberweitung des nötigen Personals ersucht. Wir möiOten jedoch der Reise׳ leitung zu bedenken geben, ob es nicht bester wäre, wenn man einen europäischen getevestreuen Rabbiner mit der Ausstckn brtrnnte^ der die nötigen Borbereitungen an Lrt und Ltelle veranlastt, an der Reife teilnimmt und so selbst immer nach dem Rechten zu sehen imstande ist. X Trc Israel» irnsUrrnd. Warschau, »׳»׳. Angust. Borige Woche fand hier au» Beranlastiing von zwei Mitgliedern des zionistischen Aktions Komitees eine K o » f e t e » z der russische» .^io nistenv et ei 1« ig ung statt, deren Beichluste der -Kölner allaemeineu Konferenz vorgelegt werden tollten. Kohan Bernstein wurde zum Präsidente». Bruk und lltsstchk»! zu B>ze Präsidenten gewählt. >l 0 h a » Be r n st e t n be sprach in!'einer Eröstnungsrede den Stand der Bewegung in Rustland, der durch die polnische Krisis beeinträchtigt werde. T" der Hrganisa tionst'rage wurde beichlone», dast das Zentral komitee der russischen Bereinigung hinfort aus fünf von der Kousere»; zu wählenden Mitgliedern bestehen »nd dast es immer zwei oder drei Mn glteder des Aktionskomitees »»nonen solle Has Zentralkomitee hat die (Weichane det Bereinigung nach Mastgabe der Kontere!! ,beühlüne zu führen und nimmt seinen S>v in Hdesta. Hie Konferenz sprach sich dafür aus, dast die Zionisten in Rust la»d eine unabhängige uatioual jüdische Politik verfolge» und nur in gewissen ,Tragen Hand in Hand mit anderen Parteien gehen solle». ,V' doch ivurde eine endgültige Beschlustfassung in dieser Trage der nächite» Kontere»z Vorbehalte». Pogwm in Sieölefc. 4'cm umernn >iorren>o»be»len Wa r schau, I«>. ^ept., 4", Uhr nachm. ,Tch schreibe unter dem Eiudrmke tiefster Er su,»irern»g, die ,Teder euttaiit der Hand und das Blut erstarrt in den Ader» angesichts der traurigen Rachrichteu, die von Siedlev cinlonfe». (Wegen unsere unglücklichen Bruder in Liedlev, die von der vor nun» üstochen erlittenen Piunderuug noch nicht ausgealniet!iahen, wütet wiederum ein schrecklicher Pogrom, der schon feit vorgestern Abend dauert und der um so furcht barer ist, als er von regulärem Militär verübt wird. Roch find es nur ganz dumpfe Meldungen, die man vernimmt, da keine Privatdepefchen aus Siedlev ankommen, auch keine dahin angelloiiuiieii werden, während die Bahnstation von der Stadt abgeschlossen ist und niemand in die 2tobt »och aus der .Stobt gelangen kann. Hoch was bekannt ist, ist so grästlich, dast es fr'.b't die Bialmioker «Kräne! in Schatten stellt. Es sollen vorgestern, am * d. Mts., vor Abend auf eine Militärpatrouille durch unbekannte Personen einige Schüsse abgegeben woiden sein, höchstwahrscheinlich kamen sie von provokalorucher Seite. sofort eilte das Militär herbei und beschost die friedlichen, nichts ahnenden Einwohner. Has Schiesten dauerte die ganze '.Kacht hindurch, während die in voriger Woche, ״ach beendigter Hienstzeit, nach Haufe entlassenen und — aus fallender Weife doch in der Stadt zurückgebliebene» Soldaten, zusaminen mit dem Militär allem halbe» raubten und pilinderten. Hie Anzahl der (Wetötcten und Berwundeten lässt stch jevt nicht feststelle», zumal die Salven noch heute nicht autgehört haben. Es wird mir soeben von der Redaktion des ,,Weg" telephoniert: Ei» zur Redaktion zurück gekehrter Reporter berichtet dast die Stadt in ,Tlauunen steht, und schweres (Weschüv in den Stroben ansgefahren in; die Wa rscha wska und Piekna, sowie die anderen Hauptstrasten. wo die gröstten väden sind und fast durchweg jüdische — lind gänzlich ausgeplündert. Hie und da werden noch Salven gehört. Warschau, Ist. Sept., I!» Uhr abends. Meinen stüchtigen Bericht über das Blutbad in Siedlev von heute nachmittag, null ich jevt durch die von den hiesigen Abendblättern gebrachten ')lachrichte», sotvie durch nur von venrauen: ,verteil i'euteti mir zugegangene Mitteilungen über die Borgänge ergänzen. Siedletz, eine (Wonvernement Stadt mit W,<xx> Einwohnern, wovon :0<*>,<>׳ ,Tuben, scheint nahezu in Trümmer und Asche gelegt zu sein. — Erst am ־?I. August hatte die Einwohnerschaft eine schreckliche Tragödie durchlebt, und ahnte '.׳«,r »7 2t1tt 7. nicht, dast das Schrecklichere »och kommen wurde. Als an erirähntem Tage der Polizeimeister in Begleitung beo Ltadtarztes und eines ,Teid schers, lrvterer ein ,lüde namens Havid Schwarz, sich zur Revision einer Selters,Tabnk begab, wurde a» der Piekna ^trabe eine Bombe ge ivorte». Her Poii;eimeister wurde getötet: der ,Teld scher wurde ichiver verwundet und starb am;weiten Tag darnach: der Arzt war aut wunderbare Weite dem Tod enigaugeu. Has sofort herbe! geeilte Militär be'dio» nun die Hämer in der Piekna Strobe und in dem angrenzende» (Webtet und plünderte einen graste» Teil der t'ädeu. Es gab mehrere Tote und Ber.riindete. fast aus schliestlich ,luden. Eine graste Menge Unschuldiger ist damals verha'iet und au! dem Polizeiamte unbarmherzig »iisthaudelt worden, wahrend die Schuld!!',׳.'!!, rvie gewöhnlich, unenidecki blieben. Es toll hier nicht unerwähnt bleiben, dast euuge Htnziere tich human und ehrenhaft be loteten und durch euerguche ,lnterveiitiou mehrere Kaden vor der Plünderung bewahrt haben. Heu Tag darauf begab t'ich zum (Wouverueur, der eur foirst liberaler und den ,luden eher gut als schlecht getuuiter Herr ist eine Heputation der liiditchen 'Wetnembe, nur dem Hrisrabbiner einer beim <Wour׳er»eur ui Autelten steltenden Pertonlichke'.t an der Spive. Her (Wouverueur erklärte: Man kenne teilte!Wetiuiiungen, er möchte niemand!Wewalt widerfahren lasten, aber er fei ohiimächlig gegen die Wut der Loldaten, die viel heftiger noch zu»! Ausbruch konuueir iverde, sobald nochmals e:u 'Beamter oder gar ein Soldat augegrifseir werden tollte. Es teren anourmie Hrohbrie'e eingelaufen, dast 'Bomben aus ihn, den <Wo»oer״enr, und tu die Kasernen gewonen werde» würden, ,ln levierem ,Talle, sagte er. bi» ich »och da. de! zu eurem Schrrve immerhin etwas vornehmen kann: 1» ersterem ,Talle aber seid ihr ganz der Wut der Soldaten preisgegebeu. - Tie Beturchtunge» haben sich nuu vollständig erfülli, und es sind auch dazu die '.'.','astregel» rechtzeilig getrosten ivorde». Schon i» voriger Woche machten sich in der Stadt verdäckilige Persönlichkeiten hemerkbar, meistens entlaste»,׳ Solde», welckte, anstatt »ach Haufe;u eile», wie es von einem Soldaten nach » .'»jähriger Abivet'eulieit von der Heimat zu erwarten wäre, stch in Siedle» z!!,v>mmen rotteten. Am Sonnabend, den *. d. Mts., gegen Uhr Abends ivurden durch uirbekannte ,lndividucrr aus dem ,Teustcr eines Hauses Schüste abgegeben, ivobei ei» aus der Wache stehender Hragoner am Kopfe verwlindet ward. Einige Miiniten d!raus zeigte stch auf dem Rathaus Turme eine rote Signal l'aterne t!nd die Truppe» des i» Siedley stationiereirden Vibaner st,'egi11n״is begannen eine tr ahliote Schieber et nach de,! ,Tenster!׳. und Türen der Hänt'er. H!e überrafchten Einwohner ver bargen 1>ndverbarr1f,1.d!erte>, stch,gut itefcnr.tcn, in den Häutern und Kellern. H>e ganze ׳.'»acht von Sonnabend aus Sonn tag, den ganzen Tag und die Rächt danach bürten die Salven nicht am' - die (Weschatte nnd die Woh- Illingen wurden geplündert, und ivas für den Raub nicht tätigte, wurde auf der Straste dem Teuer ubergebe». Unter (׳ebensgesahr wagte es der Rabbiner, mit einigen angesehene» Bürger», Ehrtsten und Hilden,!ich zum (Wonvernertr z»t begebeir rrnd ihn anzustehen, das Schiesten doch einstellen z» lasten. Her (Wouverneur antwortete, das Schiesten werde nur bann aushöre» können, ivenn die Schuldigen,!neldrc die Schüste aus die Soldaten abgegeben haben, ansgelicfert st״d. — Ans den Straften werden .Kanonen vorgetahre». Hen Einwohiierir liest man ^eit bis heute früh .') Uhr, die Schuldigen herauszugehen, und als dieter Termin t^rstr!chen, wurden l^Kanoncti schüste abgegeben nnd einige in der Piekna-Strafte gelegene Häuser, aus welche der Berdacht nel, eS seien darin Revolutionäre versteckt, sind badet ^er stört worden. (Wettern, am Tage und RachtS, brach in mehme» Häusern an der Ecke der Piekna «Strafte und der Allee und in der Prowektstrafte plötzlich