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Der Israelit · 1906-09-13 · 37 (13.9.1906) · p. Seite 5

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
37 (13.9.1906)
Date
1906-09-13
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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11. September 190♦;. ipUttcvtfn״ CHeincinbea dünkt es uns darum an elfter Stelle zu sei», das!reuneu de hervor zuheben, um die Berechtigung und luennu die Pflicht der Trennung immer deutlicher ru be künden. Nicht weil die Großgenieinden "schone Lvnagogen besitzen, darum müsien auch ,vir ne balien, nicht »veil die Großgenieinden eine l'ituve für ihre besoldeten Bedien,teten eingefühn baben, müsien wir tiefes »,,jüdische Weiuanb tragen, nicht weil sie ihrer Geistlichen für die roten bedürfen, muß auch de, ״Naiv" als ״Seelsorger" ״amliereu" und bei jeder ״Beisetzt,,,g" hinter dem Reichen wagen in Würde einherschreiten, -ln uns in es, nicht dasselbe für uns zu gründen, was wir verlassen, ,veil es seine »mrdweislichen Jolgen in den großen Gemeinden gezeitigt. Jür uns gilt die Devise ,,Zurück ^nr Thora"'!"äs i. ehrhaus — nicht die Su 1,agoge sei der Mittelpunkt, der die ״-lusgetrekenen" zu sau,menhält. Was verschläft es, wenn in ab. gesplitterten Gemeinden ebenso viele kleine Slma gogen bestehen, als Minjaniin vorhanden siild. Der Geist, der die Mitglieder durchdringt, nicht Holz und Steine des Beilokals, musi das Binde mittel fein, das sie eint. Es ist ein ganz richtiges Wort. .,Je mehr Srmagogen vorhanden find, desto mehr wird gebetet". Besonders in frosten -Ltädten, in deueu inan ja überhaupt nur bisher von abfesplitterten Gemeiiiden reden kann, ist es bei den Wohnungsentfernungen!!!,möglich. die Vorschrift zu erlassen, das; nur in einer Llinagoge gebetet werden darf. Man »״terbinder ״iit solchem Vorgehen höchstens die Möflichken, an Wochentagen am ״Gemein degebet" teilzunehmeil. Hie großen -ienbauten der Srmagogen unserer -liiStrittsgeineiiideu erfüllen uns — wir feste! en es — mit banger Errvartnng für die Zukunft. Möge es den Gemeinden indes vergönnt sein, die nach Erfüllung aller sonftifeil Obliegenheiten uild nach lan fjährifem Bestehen, teils durch S chen ku u fe 11, teils durch eifens dazu festistete V e r m ä ch tnisse große Neubauten in -ln griff nehmen koiinten, ihre Söhne so zu erziehen, daß Pracht und Prunk der ״Gotteshäuser" ihren srommen Sin״ ״icht versiachen lägt, sondern sie immer mehr anregt, im Geisie ihrer Väter nach Verschönerung der Mizwah zu streben. W v aber in neu a b g e s p l i 11 e r t e t, G e in e i n d e n I n st i 11, t i 0 t, e ״ überha 1, p t noch nicht geschaffen sind, wo noch keine eigene N u h e ft ä 11 e für die Toten envorben ist, »vo noch keine eigene S ch e chitah ins s?eben gerufen wurde, »vo n o ch nicht s e l b ft ä n d i g für T al mu d T h o r a, und für Talmud Thora vor allem, von Gemeinde wegen auch nur die geringsten Veraustaltungett getroffen »vorden sind, da hieße es Wefen und Bedeutung der -lufgaben jiidischer Gemeinden völlig v e r f e 1,», e 11, wollte man in erster Linie die dringlichste Pflicht der Gemeinde im Neubau oder auch mir in: Umbau oder in der Vergrößerung der Thnagoge erblicken,׳ zumal wenn »vie z. B. in Köln, das Zahlenver׳ hältnis und das Stimmenverhältnis der von der Hauprgemeinde losgelösten zu den in derselben ver bleibenden Mitgliedern, sich ״och gar nicht übersehen läßt. Wir betonen es, die dringlichsten -lufgaben der neu erstandene״ jüdischen Gemeinde in Köln sehen »vir in der Schaffung eines eigenen Jried- Hofes, zumal die Jriedhofsfrage in der leisten Phase der -lngelegenheit eine so große Nolle spielte. Die Schechitahfrage erscheint uns bren nend, »venn erklärt »vird, die Beaufsichtigung dieser Institution habe nicht genügt, der Jugend unterricht erscheint uns der Negelung bedürftig, die .כדקרד־ ist der Beachtung sehr zu empsehlen — — doch die Svnagoge ist uns einstweilen groß und schön genug. Wir möchten sieden neuerstaudenen jüdischen tisemeinde4 ״ horage mein b c n und keine S u n a g o g e n g e in e i n den sehen! -lnmerkung der Nedaktion: Wir haben vorstehenden Aussübrungen eines geschätzten Mitarbeiters Naum gegeben, »veil »re in lichtvoller Weise den jüdische״'Grundsatz vom Primat des Beth Hamioraich gegrilüb^» der ^pnagoge zur Der JSralii Darstellung bringen und richtig zeigen, >v>e die au» die Vernichtung des über liefer te», Judentums ausgehende Neform mit Notivendigkeit aus dei ״T horagemein de" eine ״Srmagogengeineinde" zu inacheu bestrebt fein mußte. Mit den von dem Herrn Veifaffer aus jenem Grundsatz gezogenen Schlusisolgeruiigen, sowie seinen anderen, latfach lichen Bemerkungeii können wir uns!edoch nicht durchgängig identifizieren. Uns erfüllen die Siinagogenneubauten m den -tnstrittsgeineinden keinesivegs nnt banger Erwartung; denn wir hegen die lleberzeugung, das, der Geisi, in den» diese Genieiiiden gegründet sind und leben, sie vor einer falschen Bewertung des -Verhältnisses von Svnagoge und Beth Hainidraich bewahren werde. Man darf nicht vergessen, das? die Svnagoge imnierhin einen bedeutsamen Jaktor im Zusammenhang der Geineindeniitglieder dar stellt, eine Tatsache, die 11111,0 mehr Beachtung verdient, als »vir hier in Deutschland doch bis jetzt bei iveitem nicht dem Lehihause die Stellung »viedererobern konnken, die es bei der Judenheil der östlichen Länder noch heute einnimmt. Unter diesem GZichtsvunkle sindet der dringende Wunsch der Gemeinden, schöne und gros?e 'r2 zu besitze», u. E. seine volle Necht'ertigung. Wenn der Herr Verfasser eine möglichst große -lnzahl kleiner '.2״ iuiterhalb einer C-Iemeinde für sehr wüiischeusivert hält, so möchte» wir dein gegenüber als recht bezeichnend aus den Ilmstand Hinweisen, das? gerade S. N. Hirsch צ״ר», der nicht iniide »vard, in seinen Schristen vor der Ueberschätzung des snnagvgaleu Lebens zu Ungnusten des Thorastudiums zu »varnen, die Zen tralisation des ersteren entschieden gewahrt iviffen wollte. Jreilich hat auch diese Zentralliatlon ihre Grenz» It. Was friii v, Litii die oiuaiiifirrteii Schulen aiilangt, 10 i»t es geivif? richtig, das? die Erziehung der Kinder zur Kenntnis der Tliora vor allen! -lnsgabe des Vaters in, und es wäre wahrlich ein Segen, wenn der Unterricht, den das Kind im Hause einpsangt, die Schule gänzlich überstüssig machte, -iicht minder leuchtet jedoch ein, das!, so lange dies nicht der Jall ist, aus die -lusgestaltung des jüdischen Schnlivesens alle Sorgsalt verwendet werden niuf?. va; Trciheitsproblcm. Bus dein 2fi1trnburf1c eines jüdischen Akademikers. MI. -lls leblose Trümmer lagen so meine Ideale zu Boden. Meine Jreikeitsträunie der Jugend waren gleich Seifenblasen bei der ersten Berühr ung geplatzt. Natur, Geschichte, Individuum, nirgends die Jreiheit zu sinden. Wohin mich wenden? Gewis? nicht z,ir Wiffknschaft, denn eben sie ist es gerade, die überall die Notweiidigkeit, das tKeietz aufspürt und es in ihrem Katalog auszeichnet. Wiffenschast isi Lehre vom -♦'otiven digen. -llw rvohin? Ha wurde ich Philosoph. Seit den Tagen Nenati Deseartes' rühm reichen -liigedenkenS ist der -Leg zur Philosophie typisch derselbe für jedermanit. Sind die alten -lnsichren iiis Wanken geraten, feste Meinungen erschüttert, dann ist die Bahn freigeworden für eine Lehre, die sich nur ailf sich selber stützt, nicht von vornherein Glauben verlangt, sondern zu uns spricht: Prüft mich und nehmt mich nicht ungeprüft. Nur über die Leichen von Meinung und -lnsicht erhebt sich die freie Uederzeugung. Von der -iatunv issenscha»t kam ich zur Naturp h ilos o phie. Man mag nun Philosophie definieren, wie man will, immer »vird man sie erst dann als solche anerkennen können, »venn sie eine einheit licke Welt und Lebensanschauung zu bieten im ftande ist. Und das fand ich hier in überraschend großartiger Weise. Ein einziges Wort hörte ich, aber »vie mit Zaubermacht eröffnete mir dieses einzige Won das Verständnis für alle bisher ungelösten Erscheinungen des Lebens, brachte Drduung in das schaurige Ebaos, das mich bisher betäubt. Dieses Wort, es heißt Entwickelung! En»,nick-l׳mg »ft dos Grundaefev nicht desMen'chen,?eiie •"> No. .17 nicht der Erde, nein, des ganzen Universums, der Mensch nichts als denen einziger Teil, voll ständig eingereiht IN seine Gesetzmäßigkeit. keine noch so »vinzige, aber auch keine noch 10 gewaltige Erscheinung, die nichr der Euiwickelung gehorchte. Her historische Sinn, der bei Beginn des l'.'ten Jahrhunderts zunächst nur für die politischen Zustände der Menschen geweckt »vorden »vor. »vird nun für das ganze Universum erlangt, alles, a»lch der plmmche M'enich, auch die Erde, auch die Planeten, alles ist nur historisch zu versrehen, dem Eleietz der Entwickelung gehorcheiid, »licht nur der Einzelinenich, auch das ganze Volk, auch die Erde und jede Pflanze auf ihr haben ihren Generativnsivech'el, während denen die Entivicke- Inng vor sich geht, und diese Entwickelung 1>t beding! durch zivei Jaktoren : -lnpaffung und Ver l l I'UIU{. ״-lach ewigen ehernen ״Großen Geietzeu ״Müssen wir alle ״Unseres Lebens ״Kreise vollenden. Nehmen »vir irgend einen Menschen heraus. Er besitzt Eigenschaften, deren Kompler seinen Eharakter ausmacht. -llles, »vas er tut und läßt, ist -lusstuß seines Ebarakters. Ist er charakterlos, so ist Eliarakterlosigkeit sein Eda rakter. Was bestimmt nun sein Eharakter? ->01 allem die ganze Last seiner Eltern und Voreltern, die au» ihm ruht, auf »hu gebürdet in leu der Stunde feiner <Nburt, nein seit dein -tugenblick seines Entsteliens Vererbung, und endlich die -l»t, wie seine speziellen Erlebnisse uu», auf ihn geivirkt haben feil feiner Geburt bis auf den jetzigen Zeitpunkt, wo er sich zu einer Tal ent »ch!!eßen oder sie tafien, wo er diese oder jene lleberzeugung sich zu eigen machen soll, also kurz, die -ln. »vie er sich bis!etzt dem Leben an ge paßt hat. Vererbung und :lnpaffung, das stnd die beiden Momente, die das Motiv abgeben zu jeder Tal, deshalb ist es so schwer, einem anderen eine lleberzeugung beizilbringen, die man selber hat, daher die langen, zwecklosen Dispute, die die Menschen miteinander führen, »vo der eine mit den besten Vernunstgründen kommt und der andere »tuiiini daiitzt, die Vernunflgründe nicht »viderlegeii kann und dennoch den Kopt schüttelt und unüberzeugt bleibt. Verittttiftgnliide' Ueberzeuge ihn heute zehnmal, und morgen koninit er und handelt, als ob du überhaupt nicht mir ihm gesprock»en hättest, denn nicht deine Vernunft gründe bilden ihm seine lleberzeugung, sondern »eine Persönlichkeit, die aus Vererbung und -ln paffung zusainmgeschrveißt isi und bu hast das Nachsehn und den -lerger und die umsonst ver. trocknete Kehle. Dürstest du nach Jreiheit, tröste dich, nirgends herrscht sie, du und ich und »vir alle, das ganze Universum, sind Glieder einer Entwickelung. Und »vie der Sklave sich tröstet, wenn er erkennt, daß sein Herr nicht minder »miret als er, tröste auch du dich. lind ich hörte diese Lehre und sog sie in mich au» und gedachte schiveigend des jüdiichen Welsen: Wider deinen Willen »virsi du gebildet, wider deinen Willen geboren, in Zwang lebst du, ge zivungen stirbst du, »rird ivirst ohne deinen Willen vor tüncht gestellt einst nach dem Tode.- Entwickelung setzt aber notwendig etwas voraus, aus dem sich etivas entwickelt, und ein Ziel, zu dem es sich eirtrvickelt. Was sind die beiden t^renzpfähle noch der Naturphilosophie? -lether und Masse sind der llrsioff, und sie entivickeln sich — — wozu denn? Törichte Jraqe. Es gibt keinen Ziveck im Bannkreis der -lotrvendigkeik, auch der kunstvollste Organismus, der Bau deS Meiischen, die Svmmetrie der Pffanze, nichts gervallt, nichts beabsichtigt, denn »ver sollte wollen, wer beabsichtigen? — sind vielmehr -Lerke der Ennvickelung, enstanden durch niiüionenjährige -lnpaffung und r^ererbung. Ungeivollt und un beabsichtigt wird doch stets das Bessere u»rd Tüchtigere erreicht, denn das Lebensähigers verdrängt dös weniger zu»»» Lebenskampf -lusgerüstere. Das ist das Prinzip der mechanischen Teleolog»e, woiin der eigentliche Witz dieser Lehre

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