Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 37 (13.9.1906)
- Date
- 1906-09-13
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Der J-raelit. Nr. 37. Seit« 4. __ Synagogen• oder - übora-ßemetnden? Tic Reform stammt ans der ^cit des Stre bene1, da- ^nbentun! tu cfeiiftiattineren. tReid! jettig trug der nicht jüdische Staat;ur Verschlebnng des änderen Gepräges bes^ jüdische» i׳>e»1ei!1 wesens bei. Er tiiiistke gesetzlidie Normen für die Regelung der inzwischen eine nur mehr religiöse Äemeinschast gewordenen Jndensdiaft schaffen. Solche Rormen sind natürlich nur immer Iorni. £er nichtjüdische Staat vertnag die Eigentümlichkeit des Judentums nicht zu ersaffen. Er abstrahiert von den Einrichtungen seiner Religion. Was erscheint ihm aber als Erkennungszeichen für seine nichtjüdischen Reli gionsgemeimchasten? Die Kirche. Die Kirche iff das Gebäude, in dem die Gläubigen sich zu ge meinsamem Gebet versammeln. Sie i!t der Mittelpunkt und der Kernpunkt des religiösen Gebens und bildet das Unterscheidungsmerkmal von jeder anderen Religionsgemeinschaft. Ganz äußerlich genommen entspricht in der jüdischen Gemeinschaft der Kirche die Svnagoge. Daß die selbe im >v ah reu jüdischen Leben durchaus nicht! die erste Rolle spielt in dem Maste wie die Kirche in den christlichen Gemeinschaften, weist der nichtjüdische Staat nicht. Der Grundsast ,,Thora st u d i 11 m steht an erster Stelle" ist ihm nicht bekannt. Die Reform aber wollte ihn nicht kennen.. Was konnte ihr gelegener kommen als die Prägung des Worres ,,Snnaavgenae! mein de"? begriff sie doch, dast die ״Synagoge"! das geeignetste Mittel war, das Judentum zu untergraben, seine Eigentümlichkeiten, die es von > anderen Religionskreiien unterschieden, zu ver wischen und dadurch es selbst zu vernichten. Die! Synagoge zur Kirche zu reformieren, war ihr ^,!el. Die Sunagvge selbst;»in Minel ihrer Zerstörung j zu mistbrauchen, blieb der Weg, der zu diesem j 4iel als der gangbarste sich darbot. 'Welcher Jude, und gerade der eifrigste zuent, würde nicht gern und freudig zu dem ״srommen Werk״ bei trageii, den Gedanken zu betätigen: ״Das ist mein Gott und ich will ihn rühmen"V' Die ,״ :וצירschön zu gestalten", dazu ivaren gerade die . treuesten Anhänger der Thora zu haben. Und | die Aermßen liesten stch verblenden, liesten iick für die ״Verschönerung des Gottesdienstes", ließen sich für die Sunagogenbanten, Bergröster uiigen nnd Berschönerungen der Slinagogen be geisteiai, glaubten ein wohlgefälliges Werk damit zu vollbringen und hatten doch selbst die Hand angelegt, das Heiligtum zu untergraben! Die Reform aber dachte sich: Habe ich erst die Synagoge, dann ist eS mir gelungen, das kehrhaus zu veröden. Dann wird gebetet, aber keine Thora mehr gelernt, dann veUernt das Bolk sein Hilden tum, dann besucht es die Synagoge, wie der Itichijüdlsche Mitbürger seine Kirche. Das bleibt dann der ganze Unterschied zwischen Hilden und Nichtjuden. Ich aber kann meine Geistlichen, meine ״Priester", zum Mittelpunkt der Synagoge machen. Ich bekleide sie einstweilen mit dem Gewand der nichtjüdischen ״Kollegen", und sie können die Enrjudung des Volkes so weit treiben, bis es reif ist, sein Judentum abznlegen. Und die Indenheit wird gerettet sein. L0 ivurde denn das Lehrhaus mit Bewußtsein der Verein samung und dem Verfall preisgegeben. Wo ist heute noch in Deutschland ein Lehrhaus im alten :nt zu nnven, in oei» man ״bei 1/IUU׳. Hauch der Lernenden" wie bei Tag vernehmen könnte, derer, die sich da über die heiligen Bücher beugen, um der Pflicht zu genügen ״Du sollst darin sinnen bei Tag nnd bei Nacht?" Ist ja doch leider heute sogar die Nachfrage nach den Büchern der Lehre so gering, dast darin in Deutschland überhaupt keine Produktion ist. An dem Markt lästt sich am genauesten das Bedürfnis erkennen. Die Herstellung jüdischer Bücher in Deutschland erstreckt sich gerade nur auf den synagogalen Bedarf: מחזויים,ח£לוח und חופעדש. — Für den Hausbedarf ist z. B. seit ’»1*!זו1י)1י1ו}וו'" Fein תיי׳יייי <!!it N f! f dl i f 0!11 IN eNt fl V in Deutschland aufgelegt werden - ein trauriger Beiveis dafür, dast auch aus dem Bedarf der Schule das "חוכייט mit Raschi" ausgeschieden ist!! Ja itirfit einmal nach einer nur ein wenig ans fnhrlicheren hebräischen G r a m m a t i k, wie sie z. B. der zweite Teil der ersten Auflage der Iapher' scheu Gramuiatit tarstellt,1st ״:Nachfrage" mehr. In Deutschland ivird nun gar von dem t a l in u d i s ch e 11 Gebiet angehörigen — noch so kleinen Traktaten und sonstigen Werken schon lauge nichts gedruckt. Für selbst in deutscher Sprache gesdiriebene Kommentare sind keine Verleger zu nnden, da für ״solche Literatur spezisisch jü di scheu Inhaltes kein Verständnis besteht." Sehr häufig liegt Letzteres freilich an den Bnchhändleiii. die für die Sache des Volkes und der Thora nicht alle das richtige Mast von Verständnis besitzen. Aber im allgemeinen sprechen die angetülirten Tatsachen mit tranrigem Erust von einem Eriolg der Reform gegen die 13. September 1906 Thora, der erschreckend ist, nnd der alle, die die Thora lieben, zum Denken anregen must, das Nebel endlich gemeinsam zu bekämpfen und vo» Grund aus an die Reformierung des Thora Unterrichts zu gehen. 'Wir sprechen gar ״jchl von einem solchen ״Religionsunterricht" und solchen ״ReligionSschulen", die der ansgesprocheue» oder verkappten Rewrn«, besonders aus dem Lande, dienen, woselbst der Abfall heute größere Triumphe feiert als in den größeren Städten Wir sprechen von dem System, das sid, Eingang Alt verschaffen gewnstt hat und Verteidiger und Vertreter fand in .Kreisen, die über das Thora studiuln priilzipiett ganz anders denken. Lehr plan nnd Lehrmethode wollen uns nicht ent sprechend scheine». Hätte die Thora das Allheil mittel in organisierten Schulen gefunden, sie hätte das Tystein ivohl selbst geschaffen. Die Thora kennt nur: ״ihr sollt eure Kinder lehren" und siellt den Unterricht als oberste Erziehnngspflidu des Vaters hin. Erst die praktischen Verhält niste, der Seiten Ungunst führten ganz spät in Israel die Schule ein. U111 e r richt szwang gab es im jüdischen Kreise immer, ab r keine» Schulzwang. Die Lichtseiten des Sdiulsystenis werden durch den!Nachteil sehr vielfach in den Schatten gestellt. Diesen Mängeln kann mir durch Dezentralisation abgeholfen werden, durch Einriditnng von Privat bei Männer», die jüdisches Wissen besitzen und als Juden im Leben sid! bewähren gleichviel ob sie in irgend welche» profanen Fächern ein pädagogisches Eraine» abgelegt haben oder nicht Gerade die ״abge splitterten" Gemeinden sollten nach dieser Richtung hin ihren ganzen Iellensaft und ihre Lebenskraft znsamiiienfassen nnd ihr Hauptaugenmerk auf die Herstellung eines dauerhaften Geivebes ernster Thorakenntnis riditen. ES genügt nicht, ans den Synagogengeineinden große» Stils ausae treten zu sein nnd sid! die 'Berechtigung einer Syuagogengemeinde;» erlangen die Institnrione», deren eine Synagogengenieinde bedari, müsse» geschaffen iverden. Gewiß ist das ״Niederreißen und Zerstören, das Vernichten und das Einreißen" ein Gebot der Notwendigkeit, wenn das Alte morsdi geworden, aber auch das ״Aus bauen und Pflanzen" darf nicht vergessen werde». 'Wir glauben jedoch nicht, daß der Prophet Iirmijah dabei an erster Stelle an den Ban von Snna gegen gedacht hat. ״Israel hat!"einen Schöpfer vergessen, da baute es Tempel", ist ein Wort, das in der heutigen ^eit dod! gewiß erst an Wahrheit gewonnen hat. Pflid!t der ״abge giidnubi■» find, da» ne selber Morgenluft atmen und im vichtr des D ämmcrslrahls glänzen, der die ׳.*,acht ver ithnich, und den Tag uns dring!, dam bedarf es nur eines!Hlidv auf liniere ergreifend herrlichen 2rlid100 gelange, von welchen einige abgerüicne vaulc dir'r Plaude reien schließen »logen. ככ״צאי 2׳:׳"" Beim Ausgang oer .Run בני וצאי ":ו־“ Bist mein Eines Dli' ־לדניך “,חלר, Reig aus der Höh Dem Cln Getragen vom Huuiuelschvi יישב ההרה Iu hören mein Reden «•«■י Und Beten. H.Vl fN אינוכיל, ־בקר. ב Bei dein einen Mvigennrahl באינוכ״־ה ־בקי־ Ruit Dich Mächnger me»! t^cbei. יי־אהיך א ד״י Rinun die Wone niemer Wahl, יעיב לך רזי; עלבי Wen» der Tag zu Dir mich hebt. Vas! die Rächt zu Ende sein' יהגיה אה חינוכן Möchl nnch »in dem Moigeiuchem. יכאיי נקי יהי" aönig. Gon. Dir betend weil! n. .^»^1א' ש׳ א^יךאה In der ,\u1hr hab ich nnch huldigend erhoben Pi'och! . vioii. ineinen Taienvreis Dir am Morgen neu geloben. Dir zu lunde» »leine Liinden. •יי*«. k «I, ' » יאינן P״ -v _ A_H'iog als Vuhn irr üu mein ■ :Hinge» ■ - - - - l- . . •P נסינו׳ ביטא^ה׳ Lkillen meiner ^eele Bangen יעני' בבי’«*”'. Und *''emabumg endlich bringen .Meines armen Bvlts Berlangen Die Zuden in newyork. Bor fingern erichien »» Berlag von Butlkaiiuner u. Mühlbrecht m Berlin eine Sdirift ״iHcifcbilber ans Amerika" von Adam Röder, die sich in einem besonderen Kapitel ״Das jüdische Yoiitingent״ mil dem Veden unsrer aus Rußland nach R'ewvork eingelvandertcn Bruder gegen :In? v' <viv utm uni’ti «itliCIiui reisende wir erinnern an die Vaniprechtschrn Amerieana so hai auch Röder das!üdische Theater, wie man es in R'rwuork findel, mit besonderem Interesse betrnchtet. An den Berich! über eine Bornellung im ..Grand Adler Theaier". der er beigewobiu bat. knüpfi Röder folgende Ausführungen ״Und mm der Gegensatz: was wollen diele Juden 1»!i ihrer hhper konserr׳ar!ven Ianiilieu und läeineinde ordnung in diesem ewig flutruierende!! R'ewlwrk. in dem die Menschen wie Streusand nnihergewirbeli werde», das ans Bedrängnifsen und Rölen empor »ch zur?!nbilitii! er» entwickeln will und >eden rückfichislos ׳>» Boden wir», der nni ererblen Bornrleiten m die Lprichen dieses sinn I tosen Rädergetriebes greisen will? Land diese Rewvorker Hilden daheim in ihren Wohnungen dieselben wie in Lüdrußlaud? Wiederholl nck in dieien das indisch soziale Bild aus dem Gheno des Mmelaliers, das mit einer \ beispiellosen und emngarligen Zahigkeil das paläsiinennsche ,Vinuliennnd Gesellichafisbild in all dem Treiben einer ^CuiiCtcr« feftm*eit^ Dieie Kenuinis konnte ich mir leider nicht verschaffen, da es mir nichl vergömn l war. den eingewanderlen Inden am häuslichen Herd zu beobachten In Rewvork ielb» kiimmerk inan »ch um diese Dinge gar nicht. Ich habe wohl mehr als ein Duvend ' Benonen der gebildeten Mreiic darau'hin »»geredet, keiner von ihnen wume Bescheid, die weitaus menten von ihnen waren noch mchl einmal im ..!»ddlsch bemühe,r T healer!! Es charakleriüeri io richng den unhislorischen Linn des ' Rewvorkers. seine lliifähigkeu, den gesellschanlichen Körper in einer eigenartigen Barne kennen zu lernen, daß er an , diesem Bolksleben im ,üdischen D-uanier. das den Lvzio logen geradezu vor ein Räriel nellr, ieilnahmslos vorüber- : aeht : keinem bnmmeu hier eine der bedeutungsvollsten Tatsachen des modernen .yultnrlebens aus. daß in dem moderne» jüdischen Bolksleben die zwei prinzipiellen Gegensäpe aktiv tätig sind: hier ein bewunderuiigswürdiger. durch eine vieliaiisendjährige Ünltnr anscheinend liabiniell gewordener zäher .Uonservalisnills, aus die edelsten Trieb kräsre vornehnien Bolkstums bauend und in dem Augen blick ein plöplicher llnifchlizg, wo der Jude aus der nit geschlossenen i'lemeuide heraustritt, um!ich dem modernen Leben anzuglieder». Denn die eigentümliche Erfcheiining ist überall dieselbe: verläßt der Jude die durch tausend!,ihrige Tradition geheiligten Gefilde seiner sozial theo krntischen Eigenwelt, dann wird der frühere ^tarr »on servative ein extremer ״li>euerer״, dem kein Prinzip ״links gemig geht' Wo und die ererbten Instinkte geblieben ׳ Ist irichts von der von de» Bätern im heiligsten Mtnieri»!» geübten Auloriläl in! ״Blute" geblieben? Der Ethnologe und >iull»rl.l»or1ter steht immer wieder staunend vor diesem Bhänoiiien. das das ganze Eniwicklungsgef,» mit seinem moralischen Lbligo für die einzeliie Person als Bertreteri» des Enlwictluiigsgedaiikens ,.ad absurdiim" führt. Dder doch nicht? Bielleicht hängt es nur an unserer inangel haste» »iennlins der maßgebenden <Ne1ei-e des Psuäiische». daß uns wunderbar erscheint, was vielleicht »i der Wurzel durchaus einfach nnd natürlich ist.״ 4״>p0rf)fcinr Molkereibu*ter.") Unter dieser Lpipmarke wird der ״Berliner Abendpon״ aus Eisenach berichtet: ״Als wahrer Hexenkessel entpuppte nch eine B u tter niasch 1 ne der ^entraimolkerei in dem Eisenach benachbarten Luenna. Die Gendarmerie fand bei einer Unterfuchung Gesäße mit ranzig e in Jett n»b einer W age!1 s ch n: i e r e ä h n l l ch e n 'JM a י i > Außerdem wurden;um allgemeinen Erstaunen Fracht briese über große Mengen von Margarine gefunden die in der Molkerei verarbeitet wtlrden. Der Ben per der Molkerei ist verschwunden ״ Die netten Iui'lände, die in der Luennaer Molkerei ein deckt worden find, dürsten denjenigen Jude», die bisher!egliche Niolkereihutter ohne Bedenken genießen zu könneir glaubten, endlich einmal die Augen ömien. Man hat hrer ivieder einen Beweis dafür, dan 11 u r diejenige Molkerei butter eine Garantie hinsichtlich ihres 8 a s ck r u s biete!, die unter gehöriger rabbinischerAuincht hergestellt wird