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Der Israelit · 1906-09-06 · 36 (6.9.1906) · p. Seite 12

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
36 (6.9.1906)
Date
1906-09-06
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Lkitr 12. Nr 3t«; vamon und Phintias in der Iudtngalse. i'on Sirthur Kad«. 8:>| Nackdrull vtrbolt». Gustav wandelte die Lust an, den diebischen Lehrling jept zu fassen und einzusperren. Da fiel ihm ein, baf^ derselbe nicht allein sein könnte und der ans dem Speicher weilende Helfershelfer, vielleicht ans irgend ein Zeichen hm, herdeiciicn und im Notsalle nicht vor einem Mord zurückschreckeil würde, um nicht entdeckt zu werden. So blieb er denn vor Aufregung erschöpft, bis der Tag zu grauen begann. Zu ungewohnt srnhcr Stunde wurde der Meschorcs auf ein zwei Wegstunden entferntes Dorf geschickt. (Reich darauf ging eine Magd in die Mansarden, um Zakob Schlei zu wecken, der sofort erscheinen sollte. Der Lehrling gab aber keine Antwort und war möglicherweise gir nicht die 'Nacht zu Hause gewesen. ״Zum frühstück wird er sich schon einstellcn", sagte die Magd geringschäbig. Bald darauf erschien der Gesuchte, übernächtigt und ungekämmt. Schweigend n׳»rdc der Maffee eingenommen, dann dem erschrockenen Lehrling bedeutet, Gustav mit ins Privatgemach Limbachers zu folgen Hier bekannte der überführte Dieb, da sc er uild der Mesckiores seit NoscnsteinS Abreise die Warcndiebstählc begangen, dan durch Wolf Hckelshemier die gestohlenen Waren teils an Limbacher und teils an Maier Korn von neuem verlaust, ein anderer Teil ms Preuffische geschuinggelr und dorr verkauft wurde Zn der erneu Zornesanswallung ivollte (Kustav alle Beteiligten verhaften lassen, doch »ach ruhiger Ucbcrlegung mit seinem Barer sah er von die em Schritt, der groffes Aussehen erregen muffte, ab. Ehe der Mei'chores zurück sein konnte, sollte Zakob Schlei die Stadt verlassen. Zuvor mufzte er eigenhändig seine Beteiligiing an den verllvren Diebstählen ihrem llmsang, ihrer Zahl und dem Werte nach niederschreiben und mit seiner Unter schnft bestätigen. Der Rechtskonsulent Zsak Selig, ein durch und durch geriebener Winkel advokat, dabei cm grundgüliger Mensch, der zur selben Stunde noch zu Limbacher gerufen ivurde, hatte sehr schnell einen Plan eimvorten, alle an dieseic llutecichlciseu und von Zakob Sciilci liainhust geuiachleu Beteiligten zum Sci!adeuec sähe heranzuzuzichen. Ziizivischeu sollte man den roten Hannes nichts merken lassen, selbstver ständiich im Dienst behalten, über den ganzen Borsall das lieffste Schtveigen beivahren. Der Borschlag Seligs genei Limbacher umso mehr, als er befürchtete, dan das Bekannt,verden dieser schon jahrelang währenden Diebstähle den bereits ins Wanken geratende» Kredit noch mehr schädigen könnte. Zeht galt es, alles zu vermeiden, tvas besondere Ausmerk'ninkeit oder gar Berdacht er regen konnte. Ein beklemmendes Gefühl über kam Batcr und Sobn an diesen« Tag, das nicht mehr voil ihneil »׳ich. Gustav dachte mit Be schämung daran dan Rosenstein bereits vor Zabren ihn vor der groffeu Berkraueiisseligkeit zu dem M'eichores gelvarn: hatte, und er hatte daran vergessen, kaum darüber uackigeda.hl, er, Gustav Limbacher, der als ein ausgezeichneter ffmmintim galt, im »Grunde genomliien aber doch lmr ein verivegener Spekulailt war. Zu! Reich tum geboren, nie von einer Stunde der Ent bebruilg und '.'iot berührt, >vas ivar es da Grones, m kühnen Spekulationen Zebiltansende zu ge winne« und Hundernausendc eiiizuseben^ Der alte Limbacher er iah >eyl wirklich alt aus — »aff in stillem Brillen, »eurer (Keivohn heil geniäff, hinter dem Tursenster lind sab aus die Srrane. Zhm graule vor jedem koiuineuden Tag, der unheilichivanger in ׳ein Schlasgemach hereindäimnerte lind, wie eine Drohung für morgen, in flacht versank. Eine unbestimmte Z-urcht über kam, ihn vor dein M'eichores, der seit drciffig Zahn!» »aglagjlch nui ihn Kerum ivar, ibin beim An und Auskleiden half, scme Wünsche erriet lmo ׳klile Gewonnneilen raninc, »eine raunen ertrug, thi'i alle Borgängc im Haute und tu der Stadt Der Zsrarlu. zutruE,' ja sogar alle (Gebetbücher für alle Zest und Erauertage kannte und bereitlegte, die Zahr zeittage seiner Eltern und Gattin wuszte und vor bereitete und mit allen Zeremonien besser noch vertraut war, als viele Zudcrr. Und dieser Mann hatte ihn systcmarich bestohlen. Er mochte gedacht haben, das; cs wohl nicht aus einige raufend Gulden Berliist ankomme m einem Hause, dessen Zührung enorme Summen verschlang, wie das bei der Spihbub.iltaktik gang und gäbe itt. Die gedrückte Stimmung teilte sich auch Emma immer mehr mit. Sie blieb jetzt mehr zu Hause wie sonst und zeigte nur wenig Vutt in Gesell schiriten oder zu den Gesangsproben in den Eäeilien verein zil gehen. Gustav behauptete, er müsse sich ein ivenig zerstreuen und gab keine von seinen Gewohnheiten preis. Er »var Rottenführer bei der freiwilligen Z-euerwehr geworden und sprach dem Borstand des Tllrnvereines gleichfalls seine Bereitivilligkeit zu, ein Ehreiiaml zu übernehmen, obwolil beides Hpser an Zeit lind Geld erheischte, und l>otzde»1 in letzter Zeit die Geldmittel zuweilen knapp wurden. Wiederum legte er auch verschiedenen Wohltätigkeitsbestrebungen und Geldsammlungen gegenüber, die besonders für die durch die Polcnausstände in entsetzliches Elend geratenen Zuden veranstaltet wurden, eine grosze Generosität an den Tag. Wieder trat dann ein Ereignis ein, daS dem Hanse Limbacher von neuem Rettung versprach. Ein Lchleppdampser zog fünf mit Zeucht be ladeile Schisse rheinauswärts, die nach Mannheim bestiminr waren. Durch eineil »mglücklichen Znfall rin daS Tan ans dem Schlepper »!nd die Kopflosigkeit eines Steueriuannes veranlaffte, dasz z»vei der hilflos znrücktrcibenden Lastschiffe aus׳ einandcrstieffen und sanken. Der Zrachteigentümer, ein Geschästssreund Limbachers, offerierte tiefem die ,,ersoffene" Zruckt zu überaus billige« Preisen. Gegen den 'Willen seiner Söhne hatte Maier א י•»♦* kt Snt OKK'ltlf t«»V VV .. %44,44,444|׳" VW ״••״•״V. ^.!״ mir Limbacher bereits vollzogen war, an jenes geschrieben uild sich zur Uebernahme der verunglückten Ware zu einem noch weit geriilgern Preis, als der von Limbacher bewilligte, angeboren. Korns Söhne wollten mit Limbacher gemeinsain Sache n'acheu, da dieser zuerst mit dem Mnniiheinier Hause verhandelt rr:rd für dessen Rechnung die Bergung der Zeucht bereits begonnen Hane, Maier ivollte aber das Geschäft allein und über Limbachers Kops hinweg machen. Gleich nach der Katastrophe hatte Gustav eine unverhoffte Ber kanssofferre angenoinmen, »vodnrch die betracht liche» Spcichervorräte sorort geräilint und die nasse Zrucht untergebracht werden konnte. Auch von diesem Geschäft wurde Korn durch seine kleinlichen Manöver ausgeschlossen, was ihn noch mehr gegen Limbacher erbitterte. Der hohe -'.?trag, den Limbacher Korn noch schuldete, war eine Privatschuld und erff in sechs Monaten fällig. Da diese Sckilild sehr ivahrscheinlich nicht ganz cinwandsrei und bei gerichtlichem Austrag für Korn allch recht zweifelhaft lind auch seinen Söhne» nicht bekannt und ganz klar war, muffte er ruhig zusehen, ivie er von diesem einträglichen Handel ausgeschlossen ward Zu Hanse fluchte und lvetlerte er, im Kontor zankte er sich mit seinen Söhnen, dje ihm aber ruhig und beffimint nachwieie», daff nur sei» eignes habsüchtiges und gegen die beteiligten Häuser nilreelles Benehmen, das Geschäft verdorben hatte, an welchen! Lim bacher jetzt groffe Suiumeu verdiente. Er nahm sich aber im Stillen vor, sich an Limbacher zu rächen, weil er sich von ihm hinlergangen glaubte, ivährend er doch allein der Unredliche und Unausrichtige in dieser Sache lvar. Kühlen regnerischen Augufftagen lvar eine »engende Hitze gefolgt. Während die Bürger mit grofcer Geiiugtuung den Witterungswechsel, der eine ausgezeichnete Weinernte versprach wahrirnbinen, zog ein imheimlicher (Kaff im Städtchen ein. Db er mit dem Schiff oder der gerade voll endeten Eisenbahn׳? mit der gelben Postkutsche, die nach >vie vor täglich aus »lud eüffuhr oder vieneian auch ohne alle diese, »ich wie cm Dieb cingeschlichen, wurde nicht »veiler untersucht. Auch <׳• Lkplciiitier liHMi. muffte man nicht, wie er in die Häuser gelangte, bei Tag oder Nacht sich einnistete, lind wem dieser unheimliche Gast, unsichtbar wie er in die Häuser gekommen, seine Biiitenkarte abgab, d.r legte sich nieder, schloff die ffeberglühenden Augen, wurde matt und gleichgiltig und verlor das Be wufftsein, ar!s dem er nach Wochen erst, häung genug arrch gar nicht mehr envachte. Und als sich die Todesfälle immer oster iviederbolten, verbot die hohe Hbrigkeit aus den Rat der Aerzte die sonst übliche öffentliche Leichenbestartnng in der Meinung, daff hierbei die von dem tückischen Eindringling Hiilweggemähten die Gebenden gesährdeten. Die Laien nannten diesen unerwünschten Gaff ׳Nervenkrankheit, die Aerzte aber Tvphus. Die hohe Hörigkeit zeigte sich väterlich liebe voll um das Wohl der Bürger besorgt und erlieff Berhaltungsmaszregelu, mahnte vor dem Gennff von ungekochtem Wasser, rohem Hbst, Unmaff und Böllerei, empfahl Rüuchernngen mit Wachholderkörncrn, warnte vor jede»׳, unnötigen Besuch er kranktet Personen, kurz, sie tat ihr möglichffes, um der Ausbreitung der bösartigen Krankest vorzubeugen. Wie zum Hohn aus die väterlichen Anordnungen der wohllöblichen Behörde, affen sich die Gassenbuben und Gasscnmndchen vom Z-reidho׳, ans der Badergasse, dem Küffgäffchen und Ente» pnddel von früh bis spät mit halbreifen Pflaumen an, die sie mir Steinlvürfen von den Bäumen herunterwarfen, tranken Bruuuell- und Pumpen wasser, wie es ihnen emnel, liesen bei Sonnen schein und Regen barsuff herum und blieben gesund. Hinwieder!!»ufften die »staatlichen und städtischen Unterzeichner der behördlichen Berhaltungsmaffregeln zu ihren groffen Leidlvesen ersahren, daff gerade aus ihren sozial und hvgie nisch besser geschützten .Kreisen die allerersten Hp'er gefordert wurden. Eine groffe Unruhe ergriff die Einwohner- und diejenigen, welche dazu i,, Sfnn»* ihvp '*)fnrtphnrim'n ... *־**O' '* ׳־־'*'־..־׳־־ - * *.o / ׳ aus der verseuchten Stadt Auch ^imbachcr wünschte, daff Betti die Stadt verlasse und ne reifte zu ihrem Hnkel, der in letzter Zeit ohnehin selten hatte von sich hören lassen. Zn der dritten Woche, l»ach dem ersten Todes lall, eckrallkte Piendele Waclitcr. Diosche Bcück, der das Amt eines Krankenpflegers übernonnnen hatte, hielt bei ihm Ltsache, bis der Todesengel ihn von diesen! Liebesdienst ablöste. Nlntterund Töchter, die sich wegen der Anstecknngsgesahr während seines Lager mit selten über die Schivclle der Krankenstube gewagt hatten, zumal LLachter ja ohnehin meist bewufftlos war und es somit keinen Zweck hatte sich einer unnüven i^e'ahr ausznsetzen, weinten pflichtschuldig, saffen sieben Tage znm Zeichen der Trauer auf niederen Schemeln und lieffen dann schwarze Kleider für sich niachen. Sie gelobten einander, das Trauerjabr würdig des Toten zu verbringen, denn Btendele sei ein gar guter Gatte und Batcr ge iveieu. Zn der Svnagogc, in der gerade die (RtSleitung vollendet ivorden, lieff Zrau 'Wächter für das Seelenheil ihres Piannes ein Lickt brennen. 'Bon der Weinbergstraffe und von dem Haine der ׳Wiltive 'Wächter aus lenkte der Tvphus seine Schr tte zu Zomtos Sckiffs Wohnung und »׳an den braven '?Nanu aufs Lager, schlich sich an die blühende Tochter heran, die durch keinerlei Zu reden und ׳.>N'ahn1l11gen vom Krankenbett des Bakers zu entfernen war. Bald daraus lag Leontine im 'Nebenzinnner, gleichfalls erkrankt: bald heftig phantasierend, bald mit halbgcschlo» ׳enen Augen apathisch, bcivegungslos. Zn dieser kritischen Zeit achtetetcn die Leute mehr als somst au׳ sich, und einer gab dem nndein gute stc'atschläge, ivie man die gc'ährliche Krankheit am ehesten von sich fern halten könnte. Am Gäffchen »standen Koppel, Hahnemann, die Gesellen Zechiels, Peter und Herzchen plaudernd beisammen. Es ivar gerade noch etwas vor Z-eierabend, denn bei der unerträglichen Hiyc hielt inan es in den 'Werkstätten nicht ans, und viel Arbeit lvar auch nicht da. ,stonicvung »'olgt).

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