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Der Israelit · 1906-09-06 · 36 (6.9.1906) · p. Seite 11

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
36 (6.9.1906)
Date
1906-09-06
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Feuilleton-Beilage zu Br. des ״Israelit". ellilletoi». ver Vaal-Zcbem von micbelstadt. I. <i0־ u!ar am Schmini Azcres öco ^alnco frfr'JH <1767 . Das Minchogebor ivar gerade vollendet, bei dem s>siemand aus der (Gemeinde fehlte; selbst die Rinnen Spnagoge war beme dicht besetzt. Aber der (ibasen hatte soeben auch einen Zahr- .Kaddisch gesungen, der sich mit feinen herrlichen Trillern, seinen lustigen und traurigen ׳Weisen hören lassen durste! Db es wohl noch einen zweiten Kreis aut (irden gibt, der es alw versteht die Zeiten in Melodien und '?loten umzusetzen, wie es bei uns der Zall ist, wo einige wenige langes laute genügen uni dein Hörer zu sagen: das ist Pcstach, das war Tischo-be aw, das bedeutet Ehannka und Purims! Alle gehobenen Momente des Zahres kamen in diesem Zahr-Kaddisch zu ihrem Rechte, und als sie in den Geistern und Gemütern der Hörer Revue passierten, begleitete die ganze Gemeinde leise die ergreisenden Töne, obwohl dies sonn fiuiu! oivtcic״ war. ־י״ליי׳ diesmal drückte selbst der strenge Parnes, Ehajim Sperier, ein Auge zu: vielleicht Hane er gar selber ein wenig mitgesungen, was sich nicht mit Sicher- 14 W)) Rabbi Lecket t'öb Wormser זצ״ל m M1 ck, elnadt. heit seststellen lieh Denn während der Phasen leinen Zahr-Kaddisch sang, hatte der Parnes seinen Platz verlasien und sich aus den, Alinemor postiert. Nicht weger! des Kaddisch, sondern wegen der viel wichtigeren Dinge, die ihm solgten und d:e es auch allein waren, welche die ganze Gemeinde ausnahmslos in die ״^Lchule״ gezogen batten. Unmittelbar nach Mincho erfolgte nämlich die Versteigerung der Zahres Mizwos, eine (Linrichtung, die selbst in denjenigen Gemeinden, rn welchen sie noch besteht, vrelcs von dem Reiz und der freudigen Aufregung verloren hat, die damals damit verbunden war. Ze eifersüchtiger die uns umgebende Welt über die lehren und Würden wacht-, distzu "-׳teilen batte, damit ,a kein Brosame davon den Juden zunel, desto rnebr ivare» die so Ausgeschlossenen darau» bedacht, ihrem Ebrgesühl im eigenen, heimischen.streife z,l genügen, und es in einer Weise lebendig zu halten, von welcher der groste Trost keine Ahnung hatte. Dieser kannte von den Zuden nur die Bärte, den zu Boden gerichteten Blick des Han stcrers, der nach (Held luchte: ivas wustte der von Ehre, was konnte der davon wissenv Er sah den blauen Mittel des jüdischen Viehhändlers, aber für das Herz, das daneben schlug, für das aus geprägte Ehrgefühl, das darin lebte, hatte - er keinen Blick und kein Verständnis. Und dennoch gibt es vielleicht kein zweites Volk, bei dem die Ehrenhaftigkeit, bei dem das kleine Wortckien. ״bckowed! ׳ eine so groste Rolle spielt, als bei uns. Bekowcd zu lebe», bekowed seine Kinder zu erziehen und zu venorgen, bckoived sich zu ernähren, in Ehren dazusredc!! vor etnev gmizen "Welt, die uns die Ehre abspreche» mochte, diesem Ziel galt und gilt das Rmgeir iind Kämpfen des jüdischen Mannes und Weibes in so ausgepräglcr Weise, dast nian sich wohl nach den Mitteln und Wegen nmsehen mag, die unsere Altvordern anwandten, ui» dieses Ehrgefühl zu wecken und immer weiter zu entivickeln. Eines dieser Mittel ivar der Verkauf der Mizwos! Ln Xv^ttucl «Io Thauro, unsre Ehre ist mrscre Zahne, unsre Zahne aber ist unsre Thora. Sie zu halten, ihr zu dienen, sie zu tragen durchs l!eben und in den Stunden des gemeinsamen Gebets sie zu öffnen, ne zu schliesten, zu ihr herantreten zu dürfen, das sind die ״Ehrenfunktionen", die!ede!»dlsche Gemeinde zu vergeben hat, sie versteigert sie für Weib, und die jüdischen ״Krämer seelen" geben ihr (Heid freudig dafür hu», dein» der Dienst der Thora ist ihnen ihre höchste Ehre. ׳.Im 7»usga»ge des Sch׳»»,,, Azcres, 2:: der Schwelle des SimchaS Thora, an dem die Tora zu Ende gelesen und wieder neu begonnen wird, wurden die Zahr-Mizwos, d. h. die Ehrenfunk tionen, vergeben, die für die Dauer eines ganzen Jahres (Geltung datt-u. Die alte Zelt war geradezu erfinderisch in ihren Ehrenfunktionen. Den Reigen erössnete: Zaji» Kiddusch: das Privilegium den Wein für Kiddusch liefern zu dürfen. Das konnte kein gewöhnlicher Mann kaufen, das erivarb der Reichnen einer, denn das ging schon in die dreistelligen Ziffern. Seit vielen Zähren »var das ein Privilegium der Zamilie Vöw, aber cs mußte jedes Zahr neu und Heist erkämpft »verden. Damals wurden au h eine Reihe anderer Ehrcnsunkrionen vergeben, die heute vielfach in Vergessenheit geraten sind. DaS Anzü»den der Tnnagogenlichter zum Beispiel am Sabbat- Eingang, das heute Sache des (hemelndedieners ist, galt damals als eine Auszeichnung, die für *«»,,?04» pvfmit♦ miirh* 4v I« »4 » V;/ 44« V k »n•• ו < i*■ . Zwei Mitglieder der Gemeinde, Ztzig und Maltis, die augenscheinlich nicht zu den Höchst besteuerten zählten, solgten der 2(erste»gerung mit groster Aufmerksamkeit, Ztzig war ein notorisch armer Mann, der zwei Söhne in England hakte, die ihren Vater, wenn auch nicht reichlich, so doch mit dem Nötigsten versorgten Zyig hatte seinen Zungen geschrieben, sein Bett, Decken und Kiffen seien für den Winter nicht mehr zu ge brauchen, er müffe ein neues Bett haben. Aus Zomtof schickten die Söhne dem Vater sieben Gulden, eine Summe, die für diesen Ziveck damals mehr als genügend war. Bald nach Zomtof, sobald es kalt zu werden ansängt, sollte das neue Ben gekauft werden, aber rimt weilen hatte Ztzig das baare Geld noch zu Hause in seiner Schublade liegen. Durch diesen Besitz, von dem Mattis keine Ahnung hatte, bekam Ztzig plötzlich Gedanken und Anwandlungen, wie ste sonst nur Sache eines Kozin sind, und er sagte zu seinem Schulnachbar Mattis gewendet, als eben Ehoson BereschiS pu Versteigerung aut' der Tagesordnung stand: ״Du kannst sage , was Du willst, es ist und bleibt eine groste Awlo (Unrecht), daß die Ke > zinim allein alle Mizwos haben sollen. Wnum? Beeil sie mehr (R׳ld haben Hier in Schul darf dos Geld keine Rolle spielen, hier ist vor t^ott!ober gleich, meinst Du nit midi r" ׳״.stem, ich mein s »st: und Du redest, wie Du S verftchst. Weiin ein Kozin von seinem (Held iveiker nichts hätte, als ein bischen schöneres Möbel und cm bischen mehr Supp und Zlench und Zimmcs Gemüfe, Zu Gemüse., lohnte sich s wirklich nicht ein Kozin zu sein. Ze mehr (Held, desto mehr Sorge hat ein Kozin, gehört ihm für die Sorge nicht eine Ennchädigling, dast er sich mehr Mizwos kaufen darfv Warum hast Du keine Kinno Neid., wenn ei» Kozin einen schottern Rock hat als?11v Warum sindest Du das in Drd nttiig und warum darf sich ein Kozin für sein Geld keine Mizivos kaufenv Wir stehen in Schul lischt mehr vor Gott als brausten auch, und am Ende konnnt's doch uns zn (Hute, wenn die Mizivos teuer bezahlt iverdcn. Ze mehr »Held die Mizwos bringen, desto kleiner fällt der Erech Gemeinde Steuer au»." ״Zch ivill vo.» den Kezinim nichts geschenkt" emgegnelk unwirsch Ztzig, ״ich biete mit." ("erade sollte der ״Al Hakkol" vergeben 1 verden, d. h. das Recht ihn morgen am SimchaS Thora aus dem Almeinor vor den Thorarollei» und der ganzen rhemenide vor;!!trage!!. Ztzig hörte sich für fein!'eben gern, und nun gar an SimchaS Thora, vor der ganzen ganzen (״emeinde' (Keid Hane er ja, er bot mit ״Ei» Gulden." ״Zwei Gulden " ״Drei." ,.Vier"', bot Ztzig. ״Bist Du meschugge?" raunt thin MattiS;״'» »"Kr ..Du denkst gewist nit dran, dast Du nach Zomtof auch zahlen mußt. Woher hast Du vier Gilden'?" ״,W״ ״Sechs ״Sieben", bot Ztzig, er erhielt den AI Hakkol zngeschlagen. ״Weiter »väre ich nicht gegangen^, tagte glückstrahieno Ztzig zu seliiem Schuiiiachüal, ,/iber sieben Guldrn Hub ich." ״Woher hast Du sieben Gulden?" ״Meine Zungen haben sie mir für ein neues Bett geschickt: ich Hab sie noch nicht angebrochen." ״Willst Du Dich die langen Winternächte jetzt an Deinen! Al Hakkol wärnieu'^ Ztzig lächelte überlegen und meiiite: ״Ein warmes Bett hätte mir die Winter nächte wohl getan, aber der Al Hakkol tut mir wohl Tag und Nacht und Sommer und Winter, so oft ich daran denke, und ich werde oft daran denken." Mattis freute sich mit der Zreude des a»men Mannes. Er war zwar auch nichts meniaer als reich, aber er hatte ivenigstens ein schuldenfreie» halbes Haus, und lebte von dem kärglichen Ver dienst seiner Hände, während Ztzig aus seine Kinder angewiesen ivar. Dabei ,var Ztzig ein Am Hoarez Unwissender, während Mattis sich schöner Thorakenntnisse erfreute. Er hielt e» nun für seine Pflicht hinter Ztzig nicht zurückzustehen und ivellte auch aus eine Mizwo bieten. Aber die Summeii gingen zu hoch, bi» zu aller letzt, da schien ihm das Gluck holder. Die letzte Nummer hieß nämlich: Ehippusch. DaS war das Monopol, diejenige Thorarolle, a»,s welcher von der (Gemeinde das Wort Gottes vorgelesen ,verden sollte, da? ganze Zahr so zu stellen, das die vorzutragende Stelle ungefucht beim Deffnen sich darbot. DaS setzte schon eine gewlffe Thora-Kenntnis voraus, die z. B. Ztzig abgegangen wäre. Rasch bildete MattiS mit Koppel, ׳einem Schuluachbar zur linken, ein Kon sortium, sie wollten die Mi zwo zusammen kaufei» und sich's nötigenfalls jeder fünf Gulden kosten laffen: für diesen Preis »var sie sicher zu haben, da die Kauflust der meisten bereitbereits befriedigt ivar. Fortsetzung folgt).

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