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Der Israelit · 1906-09-06 · 36 (6.9.1906) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
36 (6.9.1906)
Date
1906-09-06
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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iiicra rische Das Trcihcitsproblcm. Ans ve»1 3ti\1cub11ri1c eines jüdischen *}(fabcmifrr#. 26et;um eilte» Mal einen Blick in das philosophisdie Wetiiebe int, wird;uitftdnt uev l'Iiifft tein non der 1;enn1lth,en 'JJien^e einander widersprechender Einsichten und Veiiriiieiiiungen und wird vielleickn, angewidert von der 2lrt, wie man da »nt den heiligsten Gefühlen imd Uebec;engu׳.׳.gen gewissermanen Zangball spielt, und von der geringen Sid>crheit, d.e im lepten Wrtr.i&e alle vinl0i0vI1i>che!1 rebuftionen bieten, wenig erbaut, sich sdilenuigit ans die trrra fmna des kaum verlassene» aeiunöe» 'AK e 11 f di e n » e 1 f10 n be־>;uriicknüdite», tun von liier ans de» a-lud, der .i>0ffnnnrt<jl0M1\fcit und e,on;cn 'int^neinn^ über alle und jede Philosophie ailsrilsvredien. Und doch in gerade die Bielgenaltigteit der philosophisdie» Vehrmeinniigeit das ndierne Zeidieu der Mnnt Mid ^iutc der Phiiosovhie ieibei, nnd wäre Ifinüintmiijteit, so Ian ,e l'iem'dien ans iirii heraus 26abvl,cit '»dien, aus bem Gebiet der i'biioioobie ibentifd, mit Epigoneiitentum, ja Degeneration und Untergang. Henn von jedem, der sid, mit dem Rainen »nd der 26ürde eines Philosophen schinückt, erwarten wir vor allem eine eigene U e b e r ן e n g 11» g , eine iol i e aber las» sich nidu von Autoritäten, übet bannt »idit von mitten ge- Winnen von dort fotitmt höchstens eine e i 11 n n g, keine Ueber;eug11»g , sondern in das reimte Produkt der P e r > ö II l i di k e i t, wie sie durch ^eneimlnn nnd ^elbnmbeit geworden, in bervorgewadneil wie eine Pslau;e aus verborgennem Grunde, und solange es Philosophen, also Persönlichleiten, giebt, solange wird streit und Hader das Losungswort i» ibrem Vager sein, nnd diesem 31reit und Hader in kein Ende ab;»seheu, nodi ein Ende;11 wünsdien. '\1t dies iiliii in der Philosophie überbaiipt der ,voll, t'o gan; besonders gegenüber dem Problem aller Probleme,!euer Rätselnage, n» deren Vöning bis!cvi nodi jeder Philosoph, doch was sage ich Pliilosovb, nein, jeder denkende Menidi gearbeitet bat und die deniiodi von (*סיי iieratloii;11 tR'iieratio» loeitembt, niibeantwortet, jit nodi niebe;ngeipipt, gebeimnisvoll den v>ie1n a11;iebend, al - winke ibin liier tvidntet Vobn, nnd doch ibm dann tamend H.uale» bereitend, wen״ er chr näli.r getreten, die t'o das getreue Abbild der Tpliinr in er>t lodend und vielversprediend. dann »nt Vöwenvrangen;ertlei'diend idi meine gegenüber dem Z-reiheitsproblem. 26!ilst Hu einen Menidie» le ne» lernen, io frage ilin anö iiadi der Zreiheit. Sie nt der idieibeimnft, non dein aas »»;alilige 26ege nadi allen Rick, tiiiigeii sübren tie in das 3duboictb, an dem üdi tniS ...». .*־ * k ■ ,.,.»י.- ,>vuu׳ tuuiuui, ־1!ן ui uci I der die Persönlichkeit am unverfälschteste» Wider ' ftrnblt. Väf;t sid, nimmer;11 einem blutleeren Begriff abstrahieren, will erlebt sein, oder wird nie verstanden. 26 s soll ibr gegenüber der l>ol,e Metbnrtt pliilosopliisch gelelirter Heduktio» nnd die Maske fremderAntoritäten, da es bod,'.Utentdien von Alei'd, und 2Mut sind, um die es sid, liier bandelt. 20 wenig es aber;wei Mensdie» giebt von genau der gleichen Beschaffenheit, so wen g giebt es Menschen, die dem Zreiheitsproblem gegenüber sdileditbin dieselbe Stelluug einuehmeii lieber Z-reibeit pliilosophiereii, heisu seine Erleb niffe er;äble11. Und was id! darüber erlebt babe, mödite id, schlicht und eintad, er;ählen 26ann;um erneu Male das 26ort Zreiheit an mein Hchr klang, dessen vermag id, mich nicht mein*;11 eutnnneu. Lind ja 11ns allen die erffe» Vebeusjahre, die wniiderbarsten unseres gan;en Etdenwandels, später wie mit einem tiefen Schleier verhüllt, durch den kein Vicht blick dringt, wie ein langer, süsser, tranmloser Sdilaf, der erst bei unseres Vebens 2lnsgang uns wieder umsängt. — Tod, vermute id, wo bl, das; id, es;um ersten P.'ale hörte an dem /yeft, das ihr geweiht iff, jenen 2lbenden, die inisere Ratio« seit Jahrtausenden begeht, bei dem Brote der 5kned,tschast der erriliigenen Freiheit sich freuend. ״Has ist das Brod des Elends, das unsere Bäter gegessen im Vaude Mi;raim. Heute wieder Kuedue, werden im nächsten Zahre wir frei lein." ,^d, svrad> die 26orte mit, merkte, das; die ,vieibeit etwas kostbares fein müsse und überaus Erstrebenswertes und lies; mir im übrigen das Brod der Mm־d,t,d,au gar wohl munben. 2lch, was war mir damals Freiheit, was >i1׳ed>t׳diast — —: ^d, war ja Minb und glücklich. -- I'a ging mir;um eritenmal das 2^erstä1ldnis '»יו pharaonisdie Mncdittdiart ans, als id,;ur ^djule kam. die mir gar bald ei»;weites Mi;rai1n wurde. Hier lernte id,;11»! erstenmal die Freiheit ersabreii, denn hier regelte sich alles und, Zwang. 2.kl'erk1t>!1rdig 1 Eine Ahnung von der 2ü׳deutuug der Freiheit ging mir aus in dem Bewuntsein, sie nicht zu bei,ten. Her 26üle des Vehrers das l,ochste tretet?' Unterordniiilg und Gehorsam das höchste Gebot' Zu dieser Zeit hatte ich nur einen brennenden 261>11sd11 gros; sein, Gros; sein und nei sein war mir dasselbe, lind waren die troffen nicht in 26ai,rheit frei, die so uiigescheut und kühn am Herrn Vebrer Vorbeigehen konnten, otme ^ilm and, nur grünen;11 müssen? Und in bet' Tat war mir damals das Zdeal aller Freiheit, einmal den Vehrer nicht;11 grüne» zu brauchen. Schönste Zeit der Kindheit' 26arnm kann man ,ich ihrer erff treuen, wenn sie ans immer vorbei, >!e ent verliehen, wenn man längst ihre salsdien Zdeale belad,elt? Heu» and, id, ward gros;. Und die erneu Zeiten, nachdem id, die Schule verlassen, iverden mir ewig erinnerlid, bleiben. Es waren glücklidie Tage. Za, damals fühlt' id, midi frei. Aut' Ruhevolsteru liegen, in die linde Vutt schauen und aus jeder vorbeizieheuden 260lke ein Schlos; phantasieren, eigens tür mich gebaut, in dem ick, schalte und walte nach Belieben, ohne die mindeste sremde Einrede. da;u der Traum von Ruliiit und <6rös;e, Ehre uild Unsterblichkeit — — nill davon, es ist vorbei und kehret nimmer wieder. Es kam die erste E!1t1ä»sd,n1,g. Gar bald merkte ich, daN id, wob! frei 1'ri. יסייי׳■ diese Zrc! beit mehr in einem Richtstnn bestehe, denn in einem Tun und daher wohl nid,t lauge dauern werde, llm es kur;;11 sagen, ich trat ins Veden hinaus, und dieses Veben stellt an mich das erste aller se'ner Gebote: 26erde Berussmensdi, denn anders kann ich did, nid,t biand,en. lind 010 ich diesen Rus hörte und ihm voll Reugier Zolae leistete, siehe, da war es and, mit meiner Freiheit vorbei, und ick, mad,te gar bald die traurige Ent deckuilg, das; ich das Veben in der Schule nun mit der Schule des Veben» vertauscht habe, dieses aber die Z-uchtel gan; anders;» schwingen ver stehe als weiland der Herr Vehrer. 26e!d, traurige Entdeckung! 26ir alle werden, ohne utnern 26illen und ohne das; wir es hindern können, in eine de stimmte Zeit und in eine bestimmte Gesellsdian hineingeboren, und beide verlangen von uns bei Strase der sozialen 2<echtung, das; wir ihren 2111ordiiuiigeii, ja Sitten und Gebräuchen uns widersprudislos siiaeil. Und and, in einem Rechts staat leben wir, d. h. in einend Staat, der alle Perkehrsverhältniffe nad, (besehen regelt und diesen t^esepeu ,;wangsweise Gehorsam verschafft. Tas Recht anerkennt unsere Freiheit: aber mir, um mit desto mehr 2,'adidruck von uns verlangen;11 können, feinen Anordnungen itadizilkoinmeii: Hu bin frei, alfo liegt es in Heiner Hand und hängt es von Heinem Entsdilllffe ab, mir zu gehorchen, also kann id, es and, von Hir ver l a 11 geu. lind id, fdiaute midi bei meinen Kanieraden um, die mir als .Enaben voll Eigenart und Selbnheit vor 2lugeu schivebten, und was war aus ihnen binnen wenigen Zähren geivorden. 26eld> schöne 2lnlageu waren hier verschüttet, wieviel 2lnmut, Z-rohsinn und Viebe hier verloren gegangen ' Hie sid, früher so her;lich aneinander gesdimiegt, so offen ihre iunersteu Gefühle geäunert, so vertrauensvoll, so neidlos zusainiiiengehalten — — —: verschwunden Anmut, Zrohsjnu, Eigenart, Bertrauen, Hingabe, ״ ״atl dessen konventionelle 211isid,ten, konventionelle Reden, konventionell geschliffenes Gemüt — waren das nod, die .Knaben, die so voll Hoffnung gefd,wärmt von der Zeit, da sie einmal grofr fein würden und nun sie es geworden ׳—j war es der 21kühe wert, es zu sein? 26areu ne jetn

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