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Der Israelit · 1906-09-06 · 36 (6.9.1906) · p. Seite 3

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
36 (6.9.1906)
Date
1906-09-06
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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ü. Geptemver 1906. bnfiövenmrrunq immrr schli mmerwerd^ Hqn, i'ic der Welt erklären, was Rerorni und D'nlio dorie dogmatisch und reH^iöo von einander scheidet mögen J i e bekunden, da״ zwischen der ״^wchschule n"1r Wissenschast des Zudeitkums" und dein ״Rad dinerseminar zu Berlin" eine unüberbruckdare Miuft gähnt, über die kein theologischerZonmeur mwoegzutäuzeltt vennag. Die Wahrheit acht'ihre״ Weg, und s,e >v:rd siegen ohne Rücksicht aus Zahl und Ruinen ihrer Borkämpser, aber kürzer und sriedlicher ivird dieser Weg der Wahrheit sich gestalten, wenn alle, die ne 'bekennen, nicht nur-im ,rillen Herzensgründe sich eins fühlen, svnd rn osien und vor aller Welt die Hand sich reichen zu dem sic einenden ge nieinsamen Bekenntnis. * « * Das Schichfal äer banögemeirräen. VI11 anderer Stelle dieser "Rminner verössenk lichen wir unter der Ueberschrift ״Landflucht" einen beachtenSwerlen Aufsatz, der sich mit einem jedem Kenner der jüdischen ״Bolkswirtichait" ivohlvcrtrauten ernsten Zeitprvblein beschäftigt. Dag dieses Problem einen doppelten Eburukio trägt, sozialen und religiösen, wein der Berianer überzeugend nachznweisenworaus wir aber die '!nsmerksamkeit besonders lenken möchten,das in der V ersuch, die unheilvolle Entwicklung nicht als uns Ergebnis ei»es n»a»ihaltsam sich vollziehen den ״Ruturprvzesses hinznnehme», sondern stattdessen Intellekt und Willen der beteiligten Kreiie zur bewnnten Gegenwehr ans'zurusen. Wenn der Bersasser sich dabei zunächst an die Landbevölkerung selbst wendet, io scheint uns dies der Ergänzung nach der Richtung zu bedürsen, dasi cs Sache der führende» geietzeslrenen Streife Deutschlands wäre, dem Problem in e׳sio Linie durch Lchaffnng zuverlässiger Unterlagen, dann aber durch eine zieibewusite, plaumäsiige Woblsahrts arbeit zu Leibe z» rücken. Die grosie, von Heinrich Sohn rer! angeregte Wohli'ahrtsbe wegung, die aus dem "Wege der Belehrung wie der praktischen wirtschaftlichen Arbeit der all gen!einen Landflucht entgegenzuwirken strebt, kann nach ihren Grundlagen und ihrer Methode auch für uns Znde!! vorbildlich sein. 'Wenn dir ״Zreie Bereinigung" vielleicht in Gemein ninvt mit dem ״Ber ba n d d er S a b b a r s r e u » d e' '׳ch enrschlösse, eine Touderkonnnissiou zur 'V^ear beitung der hierher gehörigen fragen einzlisetzen, '0 ivürdkn sich ihr sachkundige Männer ans allen >1 veiien zweifellos mit Freuden zur Bersügung Nellen, und nicht nur die Zdcen, sondern auch die Mittel zu ihrer Bcrwirklichung iverden am Ende nicht fehlen. Wo ein "Wille ist, ist auch ei» Weg, und nichts adelt mehr als die nüchterne praktische Arbeit im Dienste der höchsten Zdeale. Rgr! Der Atrarltt MX X X X X־X X־X־X1־C־X X X X X X■ Abonnementsbetrige pro M Quartal 1906. Wir krtlaar« ►Ult«• Vplrmhcr mit kr Ifla׳ zl,b«»g ►rr nbonnementsbeträoe pro 111. Quartal 1906. tlr («•rbf►«יו« rrf»(ftt tari► \arhnahmr «wirr 7.11*rhla( ►fr Mprvrn. tOir rmpIrblfM ►«•brr ► rlnflcak turkfrlgf ►:Inamlilunc ►rr l'oalan• Hrlnuni; smrtf« 'Variafrlparnif iH ►Ir alr1(t\rlnar tfialrakaa« ►«» Wflragro für ►«« »Irrli11|4 ־i1rfnl frbr \u fmpfcblf». Verlag des .,Jsraelir 6 m. b. fi. ■ X X X־־X־X־X־X־X־X־X־X־X X־X X X» Unsere Derehrl. Poflabonnenten bitten wir um re(bt?eitige Erneuerung des Obunn-m-nix jum i. Ontober. ״־■׳־־-־ ׳־׳־—— ״CandnucM.“ Bon Heinrich Eiasrädter» ,zranvurl a M. Die jüdische Bevölkerung Deutschlands har es in den zwei Jahrtausenden, die seit der Grün düng ibr-er ernten Ansiedelunge» vergangen sind, : rn einer eigentlichen Scfchastigkeit nicht gebracht, z vr't gezwungen, nicht selten aber ailch freiwillig har sie ihre Wohnsitze verlassen und neue auige ' sucht, obwohl eine solckie Unstetigkei! im Ebarakter der Znden nicht begründet in und recht viele! Rachtcile im Gefolge hat. j Zi» elften Zahrhilirdert gab es nn Süden j Deutschlands kanm ein Dorf, in dem nicht eine grösiere oder kleinere jüdische Gemeinde gervcsen iväre. Dagegen war die Zahl der Znden in den Städten verhältirismäsiig sehr gering. Als aber später infolge der Rreuzzüge und durch die fana tischen Bersolgunaen unter Rindfleisch, Arrnleder u. A. unsägliche Leiden über unsere Glaubensgc nossen kamen, da wanderten Dausende in die öN lichen Lande, besonders nah Polen, wo sich ihnen eine Zufluchtsstätte bol, und so schmolz die Zahl der jüdischen Gemeinden bedeutend zusammen. Ein weiterer Riedergang der Lanbgeineinden begann im vorigen Zahrhnndert, als nach «tfc Währung der Freizügigkeit viele Zaden in die Städte übersiedelten. Sie hofften dort aünstiaere Eriverbsverhältnisse, bessere «Gelegenheit zur Ansbildung ihrer Binder und einen angenehineren gksellsciiastlichen Berkehr zu nnden. Diese ״Land flucht" dauert auch gegenwärtig noch an, wenn auch naturgemäsi die Äuswand'erung ganzer Za milicn aus den Dörfern nicht mehr so hniisig vvrkomint. .Hingegen werde» safl sämtliche junge Leute zu ihrer berilflichen Ausbildung in die Stadt geschickt, und die »ikisien kehren nie ivieder! für die Dauer in ihre Heimat zurück. Wenn sich dieser Auflösnngsprozesi auch in Zukunft »ortj Xr JW «fite 8 . setzeri sollte, so müssen in absehbarer Zeit die Londgknikinde» nach und nach vollständig aus sterben. Eine derartige Entwicklung lit vom religiösen Standpunkte anis ticiftc zu bedauern, denn die decken und treueste» Stutzen des Zudentiims ivaren noch lininer ans dem Lande zu treffen «Rite religiöse Schulung der Zugend, strenge Be obachtnng der Sabbatruhe und der Speiiegksetze. ein reines ,rrrmilienleben, Hebung altjüdischer «Rntsreundschast und ei» frommes BRrlten de» Hanssrauen, das sind die angensälligsten Merk male, durch die sich «^. s. D auch heute noch eine grosie Anzahl von diehillath aus dein Laude vorteilhaft von den ״ansehnlichen" Sradtgcmein den unterscheiden Es in ja auch nicht zu verkeniicn, dasi für das religiöse Leben die "Berbältnisse aut »׳ein Laiide viel günstiger liegen als in der Stadt Durch dir kleine Zahl der Schüler, die »richer zur "Bersügung stehende Zeit und die Ersparung groszer Schulivege wird der Religionsunterricht begünstigt. Die Sabbarlieiligung criorberl weniger Cl'fer, da sich die St 1»1&וו tirnft danach richtet und eine vollständige Sonntagsruhe nicht eingesührt in Und selbit die ״Lauen" entichliesien sich kanm zu eiueni oflenen Gesetzesbrnche, da eine natür liche Achtung vor de!» Hrrgebrnchten und eine geivine Scheu vor den übrige» «^rineitidemik gliedern sie davon zurückhält. Bei einer Benin dernng ihres Wohniitzes aber eriolgr alsbald der Abfall vom «besetze. Sie haben da keinerlei Rücksicht mehr zu nehme», die vielen schlechten Beispiele reisicn hin, und sollte sich doch einmal das «^cwi'scn regen, w Wirdes mit der Behaup runq beruhigte Es geht nicht anders' Selbst Leute, die sich »ieinals dazu bringen könnten, ihr «Geschäft am Sabbat z» öftnen, lassen ihre minder von vornherein bei >kaufleuten eintretrn, die das Arbeiten am Sabbat zur Bedingung machen. Diese inngen Lente üben bei ihren gelegentlichen Bcirlchki» >1» der Heimat, dir in der Regel an Feiertagen erfolgen, einen sehr nachteiligen Ein flusi aus. Rur andeutungsweisk sei noch erwähnt, dasi mit den Landgemeinden ein arosicr Deil jüdischer Poesie der anziebendsren Art dak'tt'chwittder. Heimelt es uns doch schoir an. wenn w׳r ein sremoes Don benichen und dort «Raubensbrüder nnden' >Dder Haft du, freundlicher Lese», noch nicht das ivarnie Wodlgesübl kniviunden. das die alriüdische «Risisreuiidichasl. die schon dem ^inde angeboren zu fein ׳cheint, bei dein Ziemden er zeugt, den eigeiitümlichen ^zauber, de» der Schabbos in einer sromincn Landriemeinde um uns webt Schildern läsit sich das schiver, - noch ׳chiverer aber der tiefe Eindruck, den der Besuch emrr dem Berfalle prcisgegebene» Synagoge auf uns ansübt' Wer >e einmal in einer solchen »nt seiner Begleitung das Minchagebcr vemchtcl hat,!סס don die erblindeten Zensier, die bestaubten Pulte, m1u>, ivvüen wir mit ♦>:» Lagen in ׳.'lmctiiag dringen, die al׳v aus unserer Rechnung ausscheiden. Zck nrhinr des daN! rund:iOv Lage an. Unbesäiadel der IVO Zadrr. die Z ,"ckinen noch von Heine ad wünsche, werden Lir cs in r rdnung finden, wenn >ä> für unsere Rechnung mit dein ■"י• Bsaii» das normale Viren'enaller von 7V »vaiirc an rik Ujiic. Dazu fehlen Ztine» heule noch •־»» Zahle. 2ir; geivinncn also, wenn Lie die Limagoge dis^dahm air cticnlagen »leiden, V>0 mal -■> Lage gleich * - י יי Lage, ca. V Zadre." mein vis-r» v!s durch rin pifinninendei. Xopi jn!>׳n icin Einversländnis mir dieser Rechnung andeuieie, r iä> erinuiigt fort! ״Run winen 2ie, das; es leine denere Vedensversiche i׳!gs Police girbl, als drc pünkrlichc Beieiligung an» ge ׳ niainrn virdrt niorgens und abends. Rabbi Zochanan das uirgrwöhnlich höbe Alter, das in Babitlomen errl wird, lediglich daraus;uriickgefübri.?urch Zbre einandcrfrtzungen ist nur das viel einleuchlrnder ge den, als es nur vordem war. Wenn der vobn der n>»g rnlsvrichl wenn, wir die Weisen lehren, uns vo>. 1׳ mir dcinsklben Maste wieder grintücn wird, m» dem genienen liabcn, so ist für da> >?pser an Zeit, das durch den Lvmrgogenvesuch bringen, ein unvegren;les henk an Zeit, alio ein langes ".'eben, der raiionelle, vrcchrndr Ersatz. Und nun verscher;en Lie ״ck mit cm lgrwinn von zwei Zähren, dir Lie durch Sicht ch der Lvnagoge herausichlagen, die ungezählten Zavrr ' ״ז״יי״ו V-brnr, tic Zhneu s- »ch:r wären, s:: rin Lickt zahlbarer Wechsel. Lo au; >» doch keine ,Z.rma ' ^rdrn. und solche Zeugen und Bürgen, wie es Rabbi banan und alle unsere großen Okelstesküriten nnd» durnrn sich auch kauni zu», zwenrn Mal nnden.?der inrinrn Lie nicht V" ^katt!edrr Anrworl zog mein stzreund dir Uhr und zeigte ne nur mit den Worten ..Lehen Lic, wir ick ein gevlagier Mensch bin. es n, ,c'st viertel aus;we>. Zck sollte schon eine Birrtelstiinde in, Oicichäst sein. Birlleicht besuchen sie mich einmal dorr in, Vause der Woche, dann wollen wir unsere Unrerhallung sorlschen. Zbre Anregungen intcrersleren mich sehr, wenn ick auch bas eine oder andere daran auszusrtzen hätte." Wenige Lage später balle ich eine Nollektr für einige arme s>amilirn zu machen und suckle zu diesem Zweck auch meincnZrcund drin:. Zch tras!m Bureau einen armen iüngen Menschen, der ibn un, eine Oiabr für dir krank dar niederliegendc Multer ersucht batte, aber dabei übel absubr. ..Was kalten 2>r von der -'»udr.iiglichkrii eines so iüngen, krästigen Menschen ^״ sagte mein Zreund zu mir gewendet, ״?er in stark und sollte seldec arbenrn um e1w»rs;u verdienen, ttalt denen legi er ׳ich aus dir faule -V>ant l.nd bettelt " Zch hatte alle Ursache »11 £1nbl1<f an׳ dett erbonren Beitrag zu meiner Kollekte nietne Herzensmeinung e»ntt weilen iür mich zu behalten, um diese schlechte rrirbrriauue nicht noch zu erdSbrn. zumal der arme Me,»sch, adgeschreckl durch diesen Empfang, bereits lautlos verschwunden war ..Aus men» Urteil", denierkre ich. ״können ne im vor liegenden Zall nicht viel geben, denn ich d»n Partei. Zch komme nämlich selber heute als Bettler zu Zhnrn. es handelt '.ich r׳"' OoNeltf fiir die niiflflfWf'fti? Ka-N die man doch nicht so nackt und blos ziehen lallen kann tck müßte also schon deshalb für meinen Zunngenoslen Partei nehmen.- ..?as ist eiw,׳s ganz anderes. 21e meinen da» auch!edenialls nicht im Ernst, wenn 21e nch mn diesem un verschämten Bettler idenrin zieren ■ .,Zch diide es allerdings nur nn Lcher» gesagt, aber im Ernst gesprochen, in der Umerschled zunswen dem armen Menschen und mir nicht so grost. wie Lir viellfchi glauben Einem bittenden Armen eine itabe zu verweigern da» ivird so leicht keiner tun. dem noch ein ׳»ihtendes i״erz unter der Weite schlägt,?a^egen einen Bettler adzu iveisen, dazu entschiiestr nian nch ichon leichter Za. man beredet sich heutzutage, diese Abweisung als eine soziale Wohltat zu feiern llnsrre moderne Anschauung degradiert die Armen kurzweg zu Bettlern und man bat dann leichte» Lpirl; dem Bettler verschließt man dir Lür. Ader ick m meiner Einfalt bade trotz mannigfachen Rachdenken» noch nicht testttelle» könne», wo der Arme aufddrl und wo der Bettler aniängt W«1rum bin ich kein Bettler, wenn ich L!e um rrnc!'»,rbe für meine »iviirkte ansprech«, und worum ist es der arme Mensch da, der vorhin da» selb« getan hat '-״ .Zch hmfr der Unterschied!!cg! doch a»i der vvmp Lir wollen nichts iür nch. nur für andere, der!unge strolch aber kollefrien »ür seine eigrnr Lasche.״ ״Eniichuldigen sie, da» summt nicht ganz Mich treibt die Armut und da» Elend der plötzlich auSgeiviese ne» Armen zu Zhnrn, und den!ungen Mann >agl dir Ürankdrit seiner Mutter von Haus zu Hau». Wir sammeln beide nicht sür un» und ich weist niw«. ob mein ttvllrge durch die Rot »״ Ho»s» n-ch; nech kesser sür sr;nc Lollc!!» legitimiert ist, alt ich sür dir meinige.״ Vächelnd ging mein Zreund über seine Sasse und gab mir meinen Beitrag. Er war so stark hlMrr meinen Er

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