Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 34 (23.8.1906)
- Date
- 1906-08-23
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Der ASraeltt. 28. August 1906 Rr 84. «eite 8. wiindkte» ^»de» stnd? Erschüttert es noch die «Gemüter, nenn onch den ruhig und nhnunqsios in srinein Haute iveileiidi» Fannlienvater der M01 aF kaltblütig »icderschicßk? Und in« Bunde ),'and rvürrt der Hunger. Mir״ 11111 ariuiu unu 1101 über dein B!t!t unserer Brüter dcrS bittere Elend, in dem sie leben, beinahe schon vergessen. Hören um׳, was der bekannte russische Schrift neller Sokolorv aus diesem Kapitel jüdischer Vcibcu v! erzählen 1ucin: ..Wir habcii feinen Gasung, wir hnben ein Fahr tcc• Aaftttkv Millionen russischer Fuden hungern Man Imt viel Viirm gemacht um bic Not der B>>uern Bon der Noi der Fuden l»u man geschwiegen. X" 1c Bauern sieden aus soieron örrnnd^ so varador es klingl, die Bauern sind bei all ihrem Eiend und idrer Landnot noch lausend mal reicher al» die?luden Ein kleine» Mast Zelbsiver waliung. ein wenig soziale und moralische Miilnir — und den Beschwerden der Bauern wäre abgedvli'e». Cb der Borschlag der Agrarpariei oder der der »adele» oder der der Negierung angenommen wird, in!edein Fall gewinnen die Bauern Millionen und idr Besitz, wird bedeuiend ver medrl. Wa» aber ist da» Schicksal der F>edo> Y Bür neben dem vollkommenen Brun diese» geschwächten und erschöpsie» Bolke» gegenüber. Der ivirischasiliche Stern der jüdischen Bevölkerung ist der Miuelsiand. aber diese» 8H»1eIstand und. soweit er überbnnpi noch erinieri. alle Machte un Begrin. gänzlich zu vernichten. Man in ge neig! zu glauben, das! nicht» der Tragödie der Pogrome, die sich vor den Eilige» der Belt abgespielt baben, an die Seite gestellt werden könne. Aber e» gibt noch eine andere Tragödie, die sich nicht vor den Auge» der Belt abspielt: das ist die T ragodie de» Hunger». Wie ui eine Erislenz möglich wenn Handel und («etnetbe stocken, wenn >cder Berkebr. alle. Sicherbeil, >eder Mrcbit und alle lliuernebin ungen nusgebört traben und alle Au»sichten geschwunden sind "?Hionnl» noch 1Ü da» Elend der russischen Fuden so grosz gewesen. E» scheint u»g>a»bl>ch. ist aber doch Tatsache, dass da» jüdische Gemondeieben in 'Hnsliand gänzlich varalvsieri in. Babbiner und Lehrer können nichi bezahlt werde», die schulen sind geschlossen. Wenn ein benarabischer Bauer einmal eine schlechte Ernte bat. dann bat er iveniger al» gewöhnlich aber er bat doch noch etwa»,?er!üdische Gewerbetreibende aber ist aller Mittel zum Veben beraub». Die Armut der russischen Fuden in so grosz. dasz, wenn eurer von timen noch e!» Paar ganze Stioein bat, er von den minder glücklichen Genoiien al» ein Plulokrat angesehen wird." Was vermuq a»e;esidjtS solckien Uiiizliides menschliche Hilfe, wenn sie auch ans noch so reicher nelle flösse' Mö1;e der barmherzige Baker tut Himmel Fsrneis ivebei erhören, die blinendenden Bannten schliesze» nnd ihnen baldige He; j > 11 > g gen׳a brr׳!> Eine neue Verfügung. wahrend drüben in England der ,zitdenmord in Perinanenz erklärt n-ird un» Tausende tu) ׳ltcher Fiibe», nm den Händen der Hooligan» und dem Hungertod;!> entgkhen,;nm Brander nab greisen müssen, hält die prenszische ch'rgiernng den Zeitpunkt rüt geeignet, eine Bersngnng zn erlassen, rvonach jeder r'l nowander er, der die prenszische Grenze passiert, den revidierenden v>'»endartnen eine bestimmte Summe baren t^eldeo vorzeigen muß. Tie Summe ist bet Erwachsenen ans 400, bei Kindern aus .»00 Mk. festgesetzt. Wer diese Summe!licht vorzeigeir kaint, wird znrnckgeschilkt. Diese Maßregel ist ebenso lnibe . reiflich, tute sie für die Auswanderer eine unsagbare Härte, ein rvahreS Unglück deberitet. Es hat einen Sinit, rvenn die amerikanische Union, die die einmal zum Eintritt inS Vniib Zugelasienen nicht mein׳ daraus entfernen kann, deil?skadrweis verlangt, daß die betreffenden Personen nicht gänzlich mittellos sind. In Preußen aber ist es der Regierung ja niöglich, dem ihr nicht genehmeil Fremden zu jeder Zeit das Gastrccht zu kündigen; wozu darin diese rigorose Forderung? lind dabei verlangt mair in Amerika nur 4 Mk., in Preußen jedoch :iOO—lkko Mk. pro Kops. Damit ist der großen Maße der bedauernswerte» Menscher, der Durchzug drirch Dcutrchland itach derr See Häfen, von ivv sie über den 5?;ean zn reisen wünschen, einfach unmöglich gemacht. Die großen Mehrkofferi aber, die entstehen würden, rvenn sie den Umweg durch die österreichisch ungarische Monarchie 'wählten, können sie ebensoivenig ausbringen, rvie das in Preußen von ihnen ge forderte Bermögen. Es ist undenkbar, daß die preußische : hierbei von dein hnnranen Motiv geleitet wrirde, deneil, die sich etwa in Preußen niederlassen rvürden, die nachher not* rvendigc Ansrvcisnng zn ersparen. Die erdrückende Mehrheit der Auswanderer hat keine Sehnsucht!lach der preußischen Gastsrcundlidjkeit. Die Re gieriing hätte also dann lediglich, um rvenigen einen kleinen Liebesdienst z» erweisen, de» Dari senden das bitterste Vcib zngesügt. Man komint saßt ans den i^edanken, daß die Regierung sich die Eventualität einer Answeisungsaktion nnd die unliebsarne öffentliche Kritik derfelben für die Znknnst zu ersparen sucht. 4?׳äre das der Eirund, dann hätte die Politik der Stantsraisorr iir Preußen allerdings vortreffliche Fortrckrritte gemacht.! lm Monat Elul. J Der Hochsommer geht auf die Reige. Die i Strahlen der Sonne nehmen an Krast mehr nnd! mehr ab. kühle?'«'ächte und keuchte?'kebei zeige» j den herannahenden Herbst an. Schon fallen gelbe j Blätter zur Erde, die Felder stehen kahl, das Getreide ruht in sicherem Behälter, nnd bald rvird der Sturm über die Stoppeln hinivegsegen. Und dennoch, um׳ suhlen uns noch rvie von sommer licher Pracht umringt, rvenn nntteir am Tage die liebe Sonne uns einige sremidlich warnie Stunden schenkt. Wir genießen sie nniso trendiger, als rvir jeden solcher Tage für gervonnen erachten, um wissen die letzten Gaben der schönen Wahres zeit umso höher zu schätzen, als wir im E^ein kchou ihren Berlnst ahnen und fühlen. Wie en vom Elternhause scheidendes.Kind das Angebinde nm so teurer bervertet, das in letzter Stunde ihm treue Liebe reicht, so ergeht es uns int Monaie Elul. Freude mii Wehieeut gcn.rscht, Freude d!:!.!, Wehmut verklärt und veredelt! das ist's, unser Inneres erfüllt. Wenn nun jederRatttrsreund folrfie und äbi. liche Gefühle in sich errvachen sieht, so kommt snr den Znden noch ein rveiteres Moment hinzu, > - unser elegisches Empnnden beträchtlich steigert. Der Monat Elul ist der Schlußstein des ablarffei, dei^zahres, er bringt einen im ,nenschlichci, Leben bedctttrtrigsvollen Zeitabschnitt, der unser?'e'achdenken anreqt. Und unzertrennlich enge ver kriüpst mit dem Fahresschlnß ist der Ansang eines neuen Zahres, beides stießt gleichsam in einander über. Schon die Altert hatten dies symbolisch dargestcllt dttrch ein Bild mit zwei Köpfen, von denen der eine rückwärts, der andere vorivärts schaut. Fm Grunde genomineii findet man dabei weder etwas Anffallendes, noch verrät es beion dere Geistesschürse. Fm Gegeilteil, man dari diese Fdeenverkörpernng höchst einfach neune», dem natürlichen Borgang entsprechend,?'«och weniger erhebt sich über das?'i'iveau des Alltaglichert, des allzunahe Liegenden die Gepstogenheit, daß Freunde und Bekannte siech (Rück und Segen rvünschen anläßlich der Fahresrvende. Wie oft liegen solchem Wunsche rein egoistische Motive zu Grunde, in lvelechem llmßrnge sprechen hier off inaterialiftische?'«'eignngen mit' lKan; anders der Fnde, rvenn er seil! ,יא*״ ה,:::;־ Fe!1 be gebt, ganz anders die Art der (Kesuhle und Wünsche, rvenn der T ischrinlonat naht. Hier ist nichts zu merken von '.,leunei־ lichkeite», von niechtssagenden Korinalitätetl, es fehlen die soge!׳.׳.r!>.;׳.ten ״k>1n111׳»ri>1nellen Lügen der .Knlturinenßchheit".?'licht im sinnenberauschende» Taumel der Gegenwart, still und geräuschlos be geht der Fnde den Tag der Fahreswende. Fl»» ist Rausch-Haschono der;ום ר,די*, der Tag des g ö 11 l i d) e 11 W eit«; e r i d! ts, die Zeit der strengsten Lebensprüslliig unter dem Auge des Allwiffende», der Einkehr und Umkehr. Ungleich moralisch höher stehen die Wnrrsche,- welche rvirbei Fahre» ansang hegen, sie rühren die zartesten Seite» unseres Herzens, ilild wundervoll verwoben ersecheinen damit geschidrtl iche Momente der Bet gangenheit, die gerade z» dieser Zeit besonders er greifend rvirken. Sechon den ganzen Elul?'.'«'onat beherrscht diese Stimmung, es ist die Weihe des jüdische»?'«'enjahrssestes. Hören um die?','e'ahnrvorte zur Elulzeit, die ein bekannter Antor an uns richtet. Ungekünstelt nnd i» ihrer iiatürliehen Einsaehheit ergreifend Kleines Feuilleton. Brückenauer Badebrief. B1 ü ff e 11 a n un Angiiii UHHi. Del mii» lehr liäiing jeme Briete mit einer Eniickml dignner enirliienen vstegt. io inöctite nncki 1111 von diesem Briet Piivilegiuin einnuil 1'»ebvnmt1 1 midie 11. Alle׳ eilt idmlbifle» 31c. bitte, ieln geebner Herr Beöeikleur, darr der >e,tvre׳diene 44e1debr1ei nickn eher mit der Pon von hier 1e>e>rq1na. E» kmn die» daher, das! er m׳d> niein geschrieben war. Da» letztere wiedennn bane reinen Grund in der \i>. .H'.'duc tagen b c r u t» m ä s! 1 gen Fndvlenz der >lu!gerne, eind zu denen zalite ich hoch umti reu Tag und We'dien. Denn wen die Her re׳» Medianer!11 einer Bade leer verurdeileie. den tenden t,e doch nickn doninn!eene Stein tle'vten. Dretckien. 4'rietrckireiben nnd abnlutien antreibenden Beerickitnngen. Die 4'ademe'ntckien baben nur vvei Fiele ve׳r Augen, bei Tag nicht» Inn nuh luidit» teme ׳Hube btitum. Hub wenn 1d> nun btrrmtt ven dicker goldenen ׳Hegel eine Au»nab1ne mache, io mödne ich de!d! um keine» Pro» über bte eirenzen de» Erlauble» Innau»geben! ertien» mit Biicktickn mit den getckiatzien Leterkro»,!weiten» »nt Bücknckir auf nione geuhätzte Getnndbot. 30 de schränke ich!m׳t> d-״׳» nur mit!!,,» W1tten»wertetie aut die Herupttlickien. 3otl icki da nein rwn den Pradilbamen erlebten, die teil ,?abren eritanden. von der tckmodigen NuUH'lir die t-rglich tue inunkalitckioe Cbicn ergötzt, von woblgepüeg'.en Bluinenbeeren von Alleen und lautdngen ׳Plätzchen. «!1 denen man weltverloren nch Träumen bin g,eb1. die nie ncb erfrillen? Da» tonnte inan tcbt.egi.di v.׳n!ebene Bade »u«e kckneiben. ,?in übrigen ivisten bie treund I liehen Veter nied?'eierinnen aee» ihrem Bädeker red» wohl,, j das! Brückenau am Bordende Bauern» liegt, hart an der > , »miütidien <81־et1!e, die inan mii wenigen 3cbrnten erreiehi. 1 E» in midi bekannt, das! Brückenau nnier den warmen j! 3trablen der ke'iiigiidien iünadentonne. wie in׳ zur j'.eit 1 i de» knnslünnige» tzndivig l. von Bavern >8-.>.',-I8 für diesen Cri autgmg. lieh ratdi entwickelte und onvor \ bliibte. Und wer e» nicht weis!, den erinnert der pracki!! volle »urtaal, da» Ddiinncktästlon de» Bade», an diele j bislvrische Talsache! au»drücklieh wen! aber da» in ,,Dank harken und Vicbc״ erruhlele Denkmal vor dein »nrsaale daraus Inn. E» ivurde vor mel>reren Fahren dem ״Gönner und Förderer de» Bade» Brnckenav״ gesetzt. Fn sitzender 3ieilnng, die ׳Hechle wie zum Segnen erhoben, den r'or beer um» Haupt gewunden, amtet die Gestalt mit de :Hube nnd Frieden, ivvzn unzwoseibasl da» ganze?Milieu bei irägi. Der jüdische Beschauer de» Denkmal» biobl sinnend bort neben' Unwittkürlieh drängt sich!!m! die Frage aus ״Wie konnte ein so knnsinnniger?Monarch ein geistig 0׳ hervorragender?Mensch, eine io sei. leite Herrscherersckeinung, >v>e sie Ludwig I. von Bauern darnelli, bezngtich der Gleichberechtigung nnd Gleichstellung 1 soner indischen Umenbanen so aiwattend wenig den j Gei» der wahren Toleranz und Freiheit betätigen '-"׳ 1 Woher diese» MitzverlicilliN» unter tzoi glänzenden Herr! schcrliigenden?״ Wir inüüen sagen, das; auch Ludwig I 1 ein Minh seiner Fe» ivar ibrein Banne konnte er nch nicht! entschiagen. ^׳׳׳׳^ Gelobt iet deriemge, der; die Feilen ändert. Die vielen sozialen und wirtschaftlichen - Beschränkungen, welckie gerade Bauern» Fuden lange zu ertragen butten und viele zur Emigration nach Amerika ,!ivcwgen. und läng» bem Gone der Bersöbnlichkot nnd > Bblde gewichen.!3b nch dieser Bergangeniiol wobt die Glau j ben»ge»oüen und Genossinnen erinnern, iveiche tn ״sus!on I A,ch>»lun״ nch alle hier ergeben? Fch weis; c» »ich,' Doch ge reckile Fwenei neigen in »nr aut. Hone in Brückenau — ivie die Herren t'lnii nch auozndriickol vnege» slark ,.ver iiide!". Mai! zähl!«׳ schon '>!> nnd <'.«> ׳pro!ein Faden nnier den Badegäsie». Auch boirr ist die» der Fall. 3Imc die Dirlisir zu studieren, kann inan diese Wal>rnei»11i»>!i teibn inachen. Z'IC ba» Aeuüoe i>e;oiftl's. F» den breiten׳Wandeigängen, am Brunnen. >n den diversen Billen, die .Kurgäste beherbergen, im Waldc und ans bei! Liranen erkennt inan sie. sogar an de» christlichen .Tafeln, ivo ne sich bei verbotenen Spoien und ltzeiränlen mederjetzen F Fa, >a! Fm Bergessen in ,?»!׳»> gros;. Sogar einen םלק>' würde e» vergesse» ivenn 11'י'» nicht wiederboit ibm eingeprägt! ׳זכר Erinnere dich, *א ׳ה־ככה vergis! Nicht so locht' Der geneigte Leser ineim viel leicht, c» seien liier keine riinelien Speisen zu erlangen, w das! jedem jüdischen »urgart von daheim etwa» ..»achge ichickt״ werden miit'üe, damil er nicht hungert Und am Ende könnte c» doch ,,:Htirfm»" machen, wenn an ,!Üen Ecken und Enden jeder seinen Spiritu»av1»1rat autiainmen >äs!!. einige Eier siedet und ein Paar Würstchen abkock»- 3.!vr!t gcrebit! Meinem einzigen jüdnchrn .Knrgasl braucd! die gnädige Frau etwas nachzusrnden, höchsten» «B׳td, keine einzige jüdische Dame braucht in Brückenau ihre .Küchenkunn zn zeigen, nur die FungenknnN, d. bhier, die Speisen zu konen, zu grnicnrn. Und dennoch! — Fck kann mir tatsächlich nicht vorstellrn, wir man sich nach de» sabrungen der letzten Fabrzebnte geniütlicher und wodler iüblen kann an der mchtjüdischen Tairl als bet den eigenen Glat1ben»brüdrrn und Schwestern. Berachtung aus LHihen Seiten in der wohlverdiente Lohn solcher Wenn. u»g» ie>seg» .U. Angcs'.cht: der so üdrraus g״׳׳svaen Geieg.nbeil HL'I zu leben, möchte ich ent derartige» Brrlraltrn niambn ״tiberalen״ Fuden geradezu al»?!';'??"י bezeichnen v'® rinde keinen anderen Ausdruck, wenn ich bedenke, >v. jüdische Unternehmer alle erdenkliche Mibe gebe», um weitgehendsten Anrorderungen zu genüge», nnd man wendet nch dennoch naserüinprend c>c״,!, 1,׳»>> u-cg. Doch will >« 114