Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 32 (9.8.1906)
- Date
- 1906-08-09
- Page
- Seite 87 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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87 in diese jungen Herzen den Respekt vor dem Recht, die Pflicht der Gerechtigkeit, den Kultus der \ ernunft einprägen, wenn inan ihnen zeigt, dass die gegenwärtige Zivilisation in keinen! Punkte über den Kern unseres historischen Ideals hinausgeht, im Gegeutheil nur auf dessen erwirklichung hinzielt, und dass man sich ihm ohne Rückhalt hingeben müsse, wenn man das \\ erk der Almen fortsetzen und ein guter Israelit sein will? Im Laute unserer Lektionen konnten wir den tiefen Eindruck feststellen, den der Ge* schichtsunterricht bei unserer jungen Hörerschaft hervorruft, den Einfluss, den er auf die Richtung ihrer Gedanken übt. und wir sind glücklich, eine neue Quelle moralischer Energie innerhalb der Gemeinde aufsprudeln zu sehen. Auch die Mädchen haben merkliche Fortschritte gemacht. Sie lesen in der 1. und in der 2. Klasse geläufig das Gebetbuch, wichtige Stellen werden übersetzt Das Programm des Leitfadens wurde erledigt, und in der 1. Klasse wurde die Erzählung der nachbiblischen Geschichte bis zur Gegenwart fort geführt.“ Um die Entwickelung der Handarbeit zu fördern, bewilligte die Alliance der Gesell* scliafl ״Die Arbeit״ (Le Travail), die seit 20 .Taluen in Algier in nützlichster Weise für Ausbildung von Lehrlingen sorgt, eine beträchtliche Beihilfe. Dies Lehrlingswelk zählte am BO. Juni 53 Lehrlinge. Der Vorsitzende, Moise I). Stora, widmet ihm eine unermüdliche Thätigkeit, trefflieh unterstützt durch die Herren Bernheim und Macht out, Vicepräsidenten, Henry Aboulker, . Generalsekretär Fassina, Schatzmeister Meyer, I Beüoit Lcvy, J. Azottlai, D. Zäraffa. Adda und Salomon. Dank der Thätigkeit und dem Eifer des Comifös ist die Gesellschaft ״Arbeit“ eine der best organisierten, nützlichsten und blühendsten Institutionen Algiers geworden. Kein von ihr ausgebildeter Arbeiter verdient weniger als 2 Fr cs. täglich, viele bringen es auf 2.50 t res. und 3 Frcs. Endlich ist das weitere Aufblühen der im Jahre 1903 geschaffenen ״Vereinigung für gegenseifige Unterstützung“ (La Fraternelle) zu verzeichnen. Am 28. M ärz erhielt die Gesellschaft die durch das Gesetz vom 1. April 1898 vorgesehene ministerielle Bestätigung. Die Gesellschaft zählt gegenwärtig 116 Ehrenmitglieder und 52 ordentliche Mitglieder. Ueber diese Institution berichtet Herr Nahon folgendes: Der Verein ״Fraternelle“ leistet seinen ordentliehen Mitgliedern eine Krankenentscbadigung von 4 Frcs. pro Tag während der ersten beiden Wochen und von 2 Frcs. während der 3. und 4. Woche. Kr verschafft ihnen ärztlichen Be* such zu dem ermässigten Preise von 2 Frcs. und einen Nachlass von 25° 0 auf Medikamente. Er deponiert bei der staatlichen Alters-Pensionskasse mindestens 1 Frcs. pro Jahr und arbeitendes Mitglied Dieäe Depots werden auf Grund besonderer ('ontrollbücher gebildet; die Gesellschaltet׳ sind verpflichtet, die Einzahlungen persöulich zu bewerkstelligen. Die Gesellschaft hat die Verpflichtung übernommen, im Todesfälle eines Gesellschafters der Frau oder den Kindern die Summe von 11)0 Frcs. zu bewilligen, doch nur für den Fall, dass die Zahl der Ehrenmitglieder nicht unter 100 herabgeht. Seit seiner Gründung hat der Verein ״La Fraternelle“ in 16 Krankheitsfällen Hilfe gewährt, 31b Frcs. für 91 Tage; das Honorar für die ei forderlichen ärztlichen Zeugnisse betrug 45 Frcs. Die Gesellschafter gewöhnen sich, einen kleinen Btuch* theil des Krankengeldes der gemeinsamen Kasse zu überlassen, bisher im ganzen allerdings nur 14 Frcs. Der Gedanke gegenseitiger Unterstützung ist zu hoch und zu vornehm, uui in so kurzer Zeit bei einer Bevölkerung, die durch die lmudertjährige Gewohnheit des Hettolns heruntergeaOuiuiCu ist, fcaicfl 1׳ Ü99 £11 lassen, HOCll stellt sich uns kein ernstliches Hinderniss entgegen. Durch Vorträge und Diskussionen und durch eine unbeugsame Energie in Anwendung der Statuten werden wir uns bestreben, die Erkenntniss von dem Wert he jenes Gedankens mehr und mehr zu verbreiten“. Die Ausbildung der weiblichen Lehrlincre ist in allen Stücken von der Alliance geschaffen worden. Die Werkstätten für Wäschenähen, Stickerei und Schneiderei geben sehr schätzenswerthe Resultate. Sie stehen unter der Direktion von Frau Ruff, die sich ihrer Obliegenbeiten mit liebenswerthem Eifer unterzieht. In Consta ntine wuchs die Zahl der Schüler in einem Jahre von 230 auf 329. Die Schule ist in das Judenquartier verlegt worden und dadurch hob sich allmählich der Bestand an Schülern. Der Schulbesuch ist sehr regelmässig, trotzdem die Schüler in der Laienschule mit Arbeiten überlastet sind Die Eltern legen auf die religiöse Unterweisung mehr Werth als auf den Elementarunterricht. Im übrigen giebt Herr Nahon den folgenden Bericht: ״Der Unterricht hat seinen normalen Verlauf genommen. Nachdem wir im letzten Jahre eine Vermittelung zwischen der modernen und der am Orte hergebrachten Lehrmethode angewandt, sowohl die Eltern befriedigt, als auch gute Resultate erzielt hatten, sind wir in diesem Jahre in derselben Weise vorgegangen und werden es auch im nächsten Jahre thun, ohne dabei