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Der Israelit · 1906-08-09 · 32 (9.8.1906) · p. Seite 6

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
32 (9.8.1906)
Date
1906-08-09
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Rr. 2 .2יtnt « Tfr ,Israelit Berlin, 5. August. Unterm 4. ftuli rich tctc daS Zentralkomitee der Alliance fsraslitc Universelle an den französischen Minister des Aeußeren das sollende Smreiben: Herr Minister' Dir Nachrichten ans Rustland lasten uns den Nus druck eines neuen «»tnnrtzrls in £öeffa defsirchten Der Gvuvernrur dieser Tladl bat fürchterliche Drohungen auS geil osten. Dir israelitische Bevölkerung £ drssaS ist in Bestürzung, (!s ist Mrsahr, dast wir sie zuni zweitenmal Räubern und Mördern ausgrlirserl leben. Tie weist nirmanörn, der sie schützen ivirb. Es girdt!»doch eine Art Lckutz, den dir sranzdsisaie Regierung den Uitglück lichrn gewähren könnte, indri» sie nämlich ini i»asen von £drsta Schiffe unterhielte, um dir Bedrohten und sUüch tigen auszunebmen und unter den Zchutz der französischen äf zu stellen keine politische Rückitcht widerrät diese adnir, dir von der Menschlichkeit geboten wird, und wir kennen flirr persönlichen st»rsühlr zu gut, als dast wir an einer günstigen Slusnabmr unserer Bitte zweifeln könnten.״ ^11 Berfolg dieses Olesuchs, das vom Zentral Komit«' der Allianee fsrafliie Universelle im tcrcssc der vom Vlcrflften bobfoljtcn Cbcffocr Hilden an den sranzüsischcn Minister des Aeußeren ge richtet ivorden ist, statte der Präsident der '?Uliancc Narcissc feven, da der Minister auf Urlaub ist mit dem Direktor der politischen?lngelegeu steilen eine längere Utilctrcdung. Der Direktor erklärte, dasz die Negieruitg fnsorinatioiien erkalten statte, die lediglich ans Mitteilungen der französischen und englischen Konsitln beruhten und die darin übercinstiinmten, dasz die Bewegnng, die in Odessa eingesetzt stabe, augenblicklich znm Stillstand gekommen sei. Infolgedessen liege für die Entsendung von Schissen zur Aufnahme von flüchtigen kein nnmittelstarer ״?lnlasz vor. Uestcrdies sei diese Masznastmc nicht leicht zu nestmen. Ohne Präzedenzfall könne sic leicht als eine Einmischung in die iilneren Angelegenheiten des fandcs gcdelltet iverdeil. fedcnfalls werde der Minister den angeregten Schritt im Auge stcstalten und iverde wostlivollend prüfen, ivie iveit der?ln reguiig folge zu geben sei. Hierzu sei bemerkt, dasz der Grund für das auszcracivöstnliche Ansuchen der "Alliance fsrac'lite ivastrlich nicht unbedeutend gewesen ist. Wenn man sich erinnert, ivelche entsetzlichen und ver beerenden Olreneltaten vor ivenigen Monaten an der jüdischen Bevölkerung von Odessa verübt worden sind, so wird inan die Unruhe begreifen, die durch die erneu "Anzeichen eines iieucn Pogroms ln Odessa hervorgerusen iverden innszte.?ieuereil Nachrichten zufolge sind durch dix beklagensivcrten Borkviumnisse vom 25. und 24. fuli nicht nnr eine gröszcre fahl fädcn und Wostnnngcn dcmo liert und ausgeraubt Ivorden, sondern nicstt lveniger als sechs blüstendc Menschenleben sind den Pogrom beschützet!« zum £ pser gefallen, fwei, (bewert und Trcbelew lvurden auf der Stelle getötet, die anderen starben in den daraus folgenden Tagen im Krankenhaus. Die höchste» Beanilen des Odessacr Biilttärbezirks!:!achte:׳, istne!׳:!! .׳. kranken Hause Besuch und forschten sie aus. Das binderte aber nicht niestr, dasz sie an den Kosakenkngelu verbluteten. Wie in BialMtok griff das Militär ein, sobald sich die fnden der "?lusplünderung ividersctzlcn. Dasz ein Hause echt russischerMänner, armen Ustrinacheru, Struiiipnvirkcrn. Wäschern und färbern das letzte Hab und (Mut raubte, lieft das Militär gleichgilrig. Tas sollte viclmestr eine gerechte Nache dafür sein, dasz zufällig ein mal ein einzelner Mofaf seine ^Niedertracht mit den! festen gebüßt statte. Es slestt seit, dasz der Mofaf Wassili Schuraivleiv in ein Haudgciuenge geriet als er mit dem rlfufc: Nieder mit den ,Silben' durch die dicht besetzten (lassen ritt. Nicht cnviesen in, dasz fudcn es ivaren, die istn erschlugen. Wenn diesmal das iveitere Umgrcisen des Pogroms verhindert lvurde, so in das ivostl zumeist dein einsichtigen entschlossenen Eingreisen des Stadtgouvcrneurs Generalmajor Grigorjeiv zuzuschreiben, der nicht müde wurde, in den be drosttenen Stadtteilen persönlich die Bolksmcngcn zu ocrustigen. tm? aufm-u״ des Oberbefehle Habers Baron Kaulbars, der an die in das jüdische Krankenhaus (^eslüchrckeii eine Beschwich tigungsansprache stielt, hätte kaum Eindruck gemacht, auch die Berstchcrungen des zeitweiligen General gouverneurs <N?neral»!ajor Karangosow hätten kaum irgendivo Glauben gesunden. Nichtig in, dasz solange es diese obersten Spitzen nicht wünschen, ein Pogrom nicht in die Erscheinung treten wird. Berlin, August. König Oskar von Schweden crnpnng gestern im Seebad Marprand einen deutschen Jude», um von ihm den ossencn Brief des Dr. Münz an die Staatsoberhäupter gegen die fudeiinetzeleieit in Nuszland entgegen zunestnien. Wie die ״frankfurter,Leitung" berichtet, erividerte König Oskar, er bedaure die Pogroms, aber er als König könne nicht wohl dazu Stellung nehmen. Er dürfe seinem fände nicht das Unglück bereiten, das daraus entstehen könnte, wenn er als König ctivas in der Sache tue. Schivede» müsse aus seinem exponierten Posten gegenüber Nuszland sehr vorsichtig sein. Er!volle morgen seiner Negierung den ossencn Brief vorlegen. Er m'isse alles seiner Negierung überlassen. Der König sagte: ״fch glaube nicht, dasz die Metzeleien iviederkomnien werden". Berlin, 2. August. Am Montag und Dienstag, den 25. und 24. fuli, weilten stier die Delegierten der ״Bereinigungen füdischcr Akademiker" von München und Straszburg i. E., um mit de» Bertretcru der B. f.A. Berlin über die Gründung eines , Bundes Jüdischer Akademiker" zu beraten. Die feftsetzung der Bundesstatuten und die Stellung, die der Bund gegenüber den Borgängen innerhalb der jüdischen und akademischen LÜelt einnehmen solle, waren Gegenstand der zivei Tage dauernden Berstandlungen. Am Dienstag Abend ivurdc durch einstimmigen Beschluß der Bund begründet, ^iini gegenwärtigen Präsidialvcrein ist die B. f. A. Berlin gewählt und daraus deren Borsitzender cand. phil. f. Wohlgemutst statuten geniäsz zum Borsitzenden des Bundes ernannt ivorden. Herr Wohlgenrntst, Berlin, Augustttr. 20, ist zur Erteilung von Äuskunst gerne bereits Der Bund strebt alle Bereinignngen jüdischer "Akademiker, die aus dem Boden des gesetzestreuen fudenrums stehen, ziisamiiienzusassen, damit sic geeint einander zu stützen uiid stärken vermögen und nach auszenstin eine Phalanx bilden gegen alle das Judentum in feiner fmegrität bedrohenden ^eitströinungen. Dieses stestre fiel kann nur erreicht werden, wenn alle wahrhaft jüdischen Kräfte, die der akademischen Welt ange stören, sich einen. Der ״Bund jüdischer Akademiker" richtet an die gesetzestreuen Glaubensgenossen die dringende Mahnung, alle diejeiugen, die einst als akademische Bürger zugleich die Träger der jüdischen Wahrheit sein sollen, zum Anschluß an feine Organisation zu veranlassen. K ö l n. Wie der ״Köln, ftg." berichtet wird, ist in den letzten Monaten eine grosze Anzahl jüdischer Einwanderer aus Nuszland und Nuiilänien in fcrusalem eingetrossen. Man ichätzl die Zahl der Eiinvanderer, die sich in faffa ausgeschisst staben, auf ."»00. Die Einivanderer staben sich hauptsächlich in der Nähe der Städte Namleu und fndda niedergelassen, fast das ganze frucht bare fand in bereits in Händen der fuden, die es mit groszem (beschick und viel flcisz bearbeiten sollen, furzeil durchforschen jüdische f-innn; leute die (Kegend östlich v m fordan nach Kerak zu. Man hat sehr fruchtbare» Boden gesunden, nur bilde! die "?käste von Beduinenstämmcn ein Hindernis der friedlichen Ansiedlung. Die finauz leute staben sich daher mit der türkischen Negierung in Berbindung gesetzt und sie um Schutz gegeii Ueberfälle von Beduinen gebeten. —?lach der ״Welt" Hai sich eine Gruppe von Gerim, frühere Erdarbeiter in Nuszland, die im Winter nach Palästina gekommen sind, jetzt in Schimschon, in der "?laste von Tibcrias, auf der fea ge hörigem Boden als Pächter niedergelassen, ferner ist eine Gruppe kaukasischer Berg,11den, gleichfalls Erdarbeiter, mit ctivas Bermögcn angekommen, die sidi eventuell in Transjordanien niederlasscit ivollen. S. August 1:״*;. Aus der Breslauer öemeinöe. Bon unserem Korrespondenten) BreSlau, im August 100»'׳. Die ״Hundstage", welche allentstalben im (ifc triebe des öffentlichen Hebens eine Pause einrreken lassen, sind auch im Breslauer jüdischen Gemeindeleben sehr merklich in Erscheinung getreten. Kamps zwischen Gemeindeleitung und Opposition, der gerade im frühjahr anläßlich der Borftands Wahlen der Israelitischen Krankenverpflegungs- und Beerdigungsanstalt und wegen des Beschluges der Nepräsentanten betreffeild die Befreiung der Eensiten von Mk. '.»00—1050 von Steuern und Wahlrecht so lebhaft entbrannt war, ruht jetzt , vollständig dock, nur um später desto lebhafter wieder aufzulodern. "Wie berichtet wurde, hat der ״Bercin zur fürderung der fntcressen der Synag.-Gemeiude Breslau" in einem Exposs den Gemeinde Bornand ersucht, den Beschluß in Angelegenheit der Steuerbefreiung dahin abzuändern, daß Die von Steuer Befreiten in irgend einer Weise ihr Wahlrecht dennoch beibehalten können, fn derselben Per sammlung des genannten Bereins, welche dieses Expose genehmigte, beschloß derselbe, sich mit einem Protest an Den Negierungspräsidenten zu wenden im falle der Ablehnung seines Ansuchens seitens deS Borstandes, oder falls dieser die "?lutwon auf dasselbe auch nur allzulange hinausschieben sollte. — Der Borstand hatte nun die Besprechung dieser Eingabe des Bereins ans die Tagesordnung einer ״??kitte fuli abgestaltenen Nepräsentantenversammlung gefetzt; auf Ersuchen des Hauptvertrekers der fnterp'ellation, des Herrn Professor Dr. Badt, der gerade auf Neisen war, wurde aber die Be sprechuug verschoben. So steht denn diese gewiß recht interessante, voraussichtlich sehr stürmische Debatte noch bevor. * Plan zweifelt stier nicht im geringsten daran, daß der Borftand der Svnagogen Gemeinde nirin nackgeben wird, weil er das neue Machtmittel, welches ן er sich durch die Beseitigung von mehr als 400 oppositionellen Wählern auf so einfache Weise geschaffen hat, uidzt ohne zwingende Gründe aus 3 Händen geben dürfte. Die Aussichten, die Macht der für den tonscrvativen flügel so verhängnisvollen Gemeinde leitung endlidz lockern zu können, sind also sehr gering, fuzivischcn sind durch Tod und Krankheit in die Neihen der Nepräsentanten Hücken gerissen worden, fodaß die Stellvertreter allmäblich vorrücken, von denen noch weniger Gutes envarten ist, als von den Nepräsentanten selb». Was sollen Konservative z. B. von einem Mann erhoffen, der jüngst die erste (Gelegenheit, die ülh istm als Nepräsentantenstellvertreter geboten, zu der famosen fnterpellation benützte, der Borstand möge die beiden jüdischen fricdstüse, die jetzt dem Publikum am Sonnabend nur tum 11 2 zu gänglidi und, auch während späterer Stunden dieses Tages geöffnet lassen, weil ja doch auch iloch am "?lack׳ mittag füge aus allen Nichtungen ankänien, welche doch auch friedhossbcsucher von auswärts bringen könnten, für diese — gelinde gesagt — >eln׳ soilderbare Begriindung der fitterpellation Hanen selbst die ganz links stehenden Nepräsentanten und Borstester nur ein vielsagendes fächeln übrig, sic ift aber charakteristisch für den Geist, der in diesem Nepräsentanten Stellvertreter verkörpert - in. Oder waS soll man dazu sagen, wenn^ ein anderer Nepräsentanren-Stellvertreter seine Tock ter durchaus in den ersten ״nenn Tagen" des Monats getraut festen will uild nachdem beide Breslauer Nabbiner diese fumutung selbstredend zurückgewicsen statten, einen ansivartigeu ״Nab biner" sterilst und die Traunng dennoch zum be absichtigten Termin vollziehen läßt? Das sind die Aussichten, die der konservativen Nichtung in Breslau erblühen,?lber vielleicht ist cs besser, je weiter man nach links steuertviellcidit rückt dadurch der Zeitpunkt näher, an welchem endlich tmd» eine reinlicheScheiduitgzwilchen beiden Nichtungen vorgenonunen werden muß. — DaS?lmtsblatt der Kömgl. Ncgierniig bringt die?!achricht, daß zur Annahme der Stiftung von fuliuS und Anna Schottländer in Breslau

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