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Der Israelit · 1906-07-19 · 29 (19.7.1906) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
29 (19.7.1906)
Date
1906-07-19
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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Seuilleton-Beilage zu Nr. 2() bcs ״Israelit". uilldon. Sam011 und Phinlia» in der Iudengalse. Bon Arthur Kahn. s״ <׳.•iadiftnul ocibotcn. ״Wd)t mal hinaus", bofnljl Berez beit mit dci»;'Ibrüiimnt des '.UiittaivMiiriuv bcidiäfti^tni Kinderrr xVd)tclv'. X'nmt, als fit* allein wate», ivandte er sich zu &1’י" am Cfc» »izenden schneidet!md hielt ihm eine» tii-UTiimm inn tvai! dar übet, was man sich, seiner Hausehre und de! Ehre der Kinder, insonderheit der Töchter schuldig lei und kam endlich aut (Kustav V!11lbacher z» sprechen. Berez ward immer erregter und geriet allmählich in sörmliche 'Wut. jechiel suhlte sich aber sehr gekränkt. Hatte Bete; kein Bettrauen;n dem guten Charakter seiner Tochter:׳ ״,Vt! Hab gemeint, du gönntest mir das ('Mi'icf meiner Binder, Bete;, aber ich seh schon, es gibt keine jrenndschast." Was? hatte er recht gehört׳' Cr, Bete.; Storch, der dem Schneider tausend Beweise innig »er jrcundichast gegeben, sollte neidisch ans ihn sein? ihm das ''ntid seiner minder mistgönnen? 20״‘r“ schrie Bete; non Schmer; und Wut übermannt, ich bin mißgünstig ans dich? und das sagst Su, du mein ,freund? Ct regte ׳Workc ivnrden geivechselt. Ses Schusters Stunnie klang wie das dumpfe Brüllen eines Vowen, io daß die (Gesellen bleich vor;'Ing» die Werkstatt, und die;itternden Schneiderskinder die Küchentür verriegelten. Bon einer w schreck lichen Seite hatten ne de» >011» so gutmütige» Biesen ine;»vor getan»!. Mil einem das gan;e alte -Haus durchdrolmenden Schlag hatte 'Bete; die Stiibentür ms Sckilo geivorien. Mit schiveren Schriiten verließ er jechiels Wohn»»,;,;uvvt hatte er nirchtbar bei >e1ne1n diesseitigen und künnigen Vebcn geschtvoren, nie mehr des nndank baren Schneiders Sckiivelle;» betreten. jechid >aß nne gelahmt aus seinem Stuhl- Cs n׳ar ihm wie ein böser Traum, der ihn sassungs los gemacht. Cr wollte vom Stuhl ansspringen und 'Bete; Nachrufen, er möge doch;tirückkehren, wollte den Sclavergekränkten tut! Bet;eihi1ng bitten. Cr iühlte, >a er wußte e> sogar, daß Bete; je;» schon seine Schrine verlangsamte, ui» nch;nrückrusen;u lassen, 1;nd er wollie den ,freund bitten, aber er vermochte nicht sich zn rühren. Cs n׳ar alles wie erstarrt an ihm. 'Bach geraumer ׳^eii »eckte Bella von ihrer Schtvener ,vlora und det Bi'utter gefolgt den Kops herein und ne iahe» besorgt den Bater n»e geistesabwesend vor »ch H1n»arren. .?Boas habt ihr vorc^liabt?" trug die Tochter und legte lene die Hand auf des Baters Schulter, jechiel;nckte;nsaniinen und brach dann in lautes, krampfhaftes Schluch;en aus. Crschrocken be trachteten die cKattin >ind die ,Kinder de» iveinen den Barer, >0 etwas hatten ne noch nie erlebt.;'Us 'Bete; in die Werlßaite trat, »cl es Koppel und dein langen j׳ak sofort ans, wie bleich und eernort er ansiah. Sie schielten von ihrer;Ir beit nach dein »ninm schassenden Bieten, der mit verhaltener Wut ans das Kcder Hopste, als wolle er es;» Blattgold schlagen. Was niit dem Meister panirt sein mochte? jsak grübelte dakiiber nach. Sollten die paar Bubend Mehlklöße, die etwas;» n׳» geraten waren, Berez vielleicht Magendrücken verursacht haben? Koppel verhielt ßch 1nänschen»ill. Cs lag etwas schwüles in der trübe», düsteren Boven» berlntt, etwas melancholisches, verstimnieiides, das ans die (Keinüter druckte. Boch nngennitlicher wurde es in der Werkstatt, als über derselbe» das ׳ianken und Weinen von Männer »nd jranenstiininen hörbar ivnrde. Hahneniann, der Musikus, schien noch schlechter gestiinn» zu sei», als seine <Keige. Cr fluchte und schriedie jran zankte dazwischen und die blonde Marie heulte,;'ln diesem Familie»;wist ivar der verdutzte Bacher Bnnnewitt schuld, der mit der hübschen Tochter.Hahnenianns öfter am iKäßchen beisammen stand als dein .Hilfsnachtivächter lieb war. Cr suchte durch eine wohlbeinessene Tracht Prügel seine Tochter von ihre» Smnpathien für den Tangenichts;11 kurire» und merkwürdigerweise stand diesmal die Mutter ans Seiten ihres Mannes. .Hahneniann drohte seiner Tocher mit einfachem Totschlag, ivenn sie sich noch einmal unterstehe, mit dem Bnnnewitt;nsaniinen,;» kommeii. ״(Gerade den schlechtesten judenkerl in der ganze» Stadt sich ziini Schatz anszusnchen", schrie .Hahneniann. ״^a, 'venn's noch ei» seiner Mann war', wie jechiels Bella ihr Liebhaber, dann wollt ich nichts dagegen sagen." Berez hörte nichts von dein l'nim; er hörte heute ivieder recht schlecht und das ivar auch ganz gut. Cr wäre sicher von Beuern in Born ge raten und Koppel hätte darunter zu leiden gehabt. Bicht nur im (Käßchen nitd bei beiden Hand iverkern herrschte die friedlose Stinininng.;'Inch bei Maier Korn loderte wieder Unsriede im Hause und Kontor empor. Ser neue ^Zwi» hatte eine nir Korn sehr trübe Borgeschichte. Maier Korn hatte von einem Baumeister, der nötig Geld gebrauchte, ein schönes Hans vor der Stadt gekauft. Ci» gefürchteter Wucherer, der;uni tKlink für die Hilden ein Christ ivar, hatte dem bedrängten Baumeister hart;»geietzt. Ser steinreiche ״Bentier" Johann Baptist Mund schenk, dessen Beuten aus dem Mark kleiner Handwerker und Bauern gesogen wurden, glaubte sich schon ini Besitz des schönen Hauses, das weit hin sichtbar auf einer hochgelegenen Stelle erbaut ivar. Sa nberbot Manr Korn den Wuckierer »in einen beträchtlichen Betrag und erstand das stolze Gebäude. -Hier wollte er jetzt ruhig leben, keine tKeschäste mehr treibenhier sollte seine kranke jrau ruhig ihre Tage verbringen. Kein Wagenlärin, kein Schreien und Bnie» arbeitender ,Fuhrleute und Knechte, kein Staub vou Frucht und Mehl, kein Geruch von Hel und Spiritus oder Weinhese sollte die Kranke behelligen wie seither.;'Inch seine Privatgeichäste m tKemein schat't mit Schi» und;'!nibacher ivollte er a»s , gebe». Troizdei» er bisher große Suinnien er worben wollte er allen Spekulationen entsagen- (K,,»av Viinbacher war ihm in der lebten;;m envas;11 waghalsig geworden und seine nur;11 1»t und zu viel aus eine Karte.;'Hs »ch das Viebesband;ivischen iK״»av und der schönen Sckmeiderstochter langsam zu lösen begann, ohne daß es;11 peinlichen Bedereien ge kommen war, der junge Vimbacher jetzt noch häufiger ivie zuvor zu Korns kam, ivas doch meist Cnnna gelten mußte, überlegte Maier Kor», wie er de>> Inintigen Cidam von seinen kühnen Spekn lationen ab »nd solideren (Keichäftsunternehin unge» wieder;»lenken konnte. ׳Huveilen »legen doch B"׳e>B'l >" >h>>> aus, ob so großzügige Spekn lationen nicht doch einmal mit empfindlichen Ber lütte» wechseln würden, iviewohl bisher alles >'o überaus glücklich verlausen war.;hinbachers Hauptgeschän ivar >a;»dein so groß, daß für einen rührigen Mamma»» »och ein großes, sicheres Criverbsseld blieb, jedenfalls, so beschloß Kor», wollte er allmählich;nrücktreten — er ivar ja >'ehr reich um endlich auszuruhen. Sabbatnachniittag hatte Korn seinen getvohu ten Sckilas gemacht. Sa ging es ihn, plötzlich durch den Kops einmal in icincut Buch nach;» sehen, wie denn eigentlich seine geschäftlichen Be ziehnngen je;» »nt Vinibacher standen. Cr betrach tete das nicht als etwas am Sabbat ungehöriges. Sas Buch lag, jedermann unzugänglich, in einer Kanette int Kontor. Cr erhob sich von seine», Sofa und ging langsanie» Schrittes durch den langen Gang, der das Wohnhaus mit dem (Ke schästsranni verband. Unweit der Türe blieb er plötzlich wie angewurzelt stehen. Sas Hängeschloß war enisernr, die Türe war nur leicht angelehnt. Ci» seiner Cigarrettengernch drang aus der Schreib »nbe. Simon, der seit Wochen auf der Bei»׳ ivar, rauchte überhaupt nicht- Siegfried hatte die Gewohnheit des Cigarrettenraiichens aus jrank reich mitgebracht und iveiter fortgesetzt. B'tteriid vor;'lusregliug, leise vorwärtsschreitend, lugte Korn durch den Türspalt. Sas Her; klopfte ihn, zum ׳Zerspringe», er begann;1, zittern. Mit hervorguellenden;'lugen sah er Siegfried am dein ledernen Sofa liegend, eine Cigarrette in, Mund, großen Bingen nachblickend, die er kun» voll in die Vn» wirbelte. Ter Türe den Bücken zukehrend, saß Cu»na auf einem Stuhl über eine Schreibmappe gebeugt sie schrieb. Cs konnten Sekunden, es konnte» Minutrii» es konnte eine Cwigkeit geivesen sein, aier Korn hätte nicht gewußt es aiizugebe», wie lange er da an der Türspalte gestanden »nd aus seine Kinder hingestarrt hatte. Cr fühlte verwirrt mit beiden Hände» nach seinen Schläfen, als!volle er eine böse Bision abwehren. Sann ivard es ihm allmälig dunkel vor den;'lugen, alles ver schwamm wie in einem Bebel vor seinem ver löschenden Blick. So iveit war es gekomine», daß seine eigene Kinder, die solches nie im Hause vor sich gesehen, ivie zum Hohn gegen die Clter», die heiligsten Traditionen mit j-üßen traten, und noch da;11 ohne irgendwelchen Grund, nur aus frcvelhasteni Ueberniut! Und gerade Siegfried, den er für sein bestes Kind gehalten, erfrechte »ch, im Clternhaus zu verhöhnen, was Bater und Mutter heilig ivar, den Sabbat! Cndlich hatte er sich erholt,;Virn kam ein schrecklicher ׳Zorn über ihn und iviitend die Türe mit den, j-uß a»s»ose»d, stürzte er sich, seiner Sinne nicht mehr!nächtig, auf die erschreckt;!!!an1me1»ahrende!! Geschwister. Siegfried war rasch ausgespruiigen und schleuderte, bleich vor Schrecken die glimmende Cigarrette von sich, Bnn folgte eine furchtbare Szene. Cnnna suchte vor dein sich ivie wahiisinnig gebärdendeu Bater zu entfliehe». Sie schrie »»ausgesetzt, daß es durch das ganze Haus gellte.;'Ins ihr r ildes Geschrei waren die -Köchin und das Sienstinädchen herbeigerannt. ״Uni Cottes willen" riesen beide erschrocken, ״hören sic doch ans;» schreien - unsere arme jran hat schon eine schwere Hhnniacht davon bekoinuien." Gleich daraus erschien Cmil. Cr hatte, wie stets des nachmittags, am Bett der Mutter ge sc'ssen, mit ihr gesprochen und ihr vorgelese», als das (Keschrei Cinnias das Haus durchhallte. Sein sonit gelblichblasses <Keucht war inarniorweiß und wie versteinert, unbeweglichdie Haar Brücke zwischen den Brauen war über den toterschrockenen;'lugen in die Höhe gezogen. Cr machte eine tragische Bewegung mit dein rechten;'Irin, und das Schreie» der Schwester »berbietend, rief er: ״jhr habt meine Mntter getötet!", schlug ivie in großem, nnbändigeni Schmerz laut schallend die Hände;»ianniu’it und lief laut weinend rück;11 der Totgeglaubten.;'111 Stelle des Schreiens, Schinipsens und Schlagens trat plötzlich eine tiefe Stille. Mit erschrockenen (Kesichtern sahen alle dem Savon eilenden »ach. Witternd vor;'lusreguug und Schrecken, schlürfte Korn zum Krankeuzimmer. -Leine jran lag puls und atemlos in ihrem Bett. Bor ihr kniete'Cinil, die kalte Hand der Mutter

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