Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 29 (19.7.1906)
- Date
- 1906-07-19
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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tRt. 2». 2tne 10. bähen Ärmlichen Äomcffioncn. Wir sind hoher überzeugt, dost fein ehrlich denkender (ihrift ec uns verdenken mirh, wen» wir zu dieser ouch für un» so euuneni gewichtigen Troge entschieden Stellung nehmen. Unser Eintreten für die Äon« fessionsschule ist in der Tot von keiner Leite — Herr Steinhordt natürlich ausgenommen — 01» Einmischung in christliche ^nteressenkreise ongesehen worden, ouch nicht vom Zentrum, oh gleich bacfelbc sonst — ivo» ihm nicht zu ver denken - mit Eifer dorüher ivocht, dost ,ich die sogenonnten ״idischen Blauer nicht ia seine Angelegenheite» einmischen. ^m (Gegenteil: da» beste, wo» über die Mo» sessionsschnle gesagt worden, so hob rühmend ein konservativer AbgeotHneter hervor, dos hohe in unserer Petition gestanden. Das mag jo .Herrn Steinhardt dost verdriesten, ober er hol mit ,einer Belehrung über politischen Takt hei dieser We legenheir wieder einmal sehr donehen genösse». W,r hohen ou» unserer Borliehe für die Mo» fessionsschule nie ein -Hehl gemocht, ober wir hohen nicht sür dieselbe im allgemeinen agitiert, vielmehr und wir erst in dem Augenblick damit hervorgenelen, 0 l S es im ,)iitn e 1,' c d c r bedrohten jüdischen Bolk s s chule n >1 bedingt nötig iv 0 r niid auch da nur inner halb derieiiigen Grenzen, die uns als ^uden ge boren und. Demgegenüber konstatieren wir, dost der s'ehrerverhand ״ch seinerzeit in Massel prin zipiell 0»s den Stondpukt der Simultanschule und zwar ganz allgemein gestellt und diese seine Stellungnahme in alle Welt hinansgernsen, durch Wort und Schrift urbi et orbi verkündet hot. W e r hot sich also i n den Streit: oh Simultan ober M o n f e n i 0 1i s s ch n l e e i,1 g e m e n g t, der V e h r e r v e r b a 1, d oder wir? Aber .Herr Slelnhardl macht unS noch einen schwereren Borwur»', oder vielmehr gleich zwei au» eiiimol, er zeiht uns der ^nkonieauenz und der Heuchelei. Er leistet sich nämlich folgende Behauptung: ״Aber jene Mreise hängeii den Mantel noch dem Winde; sie sind »n politisch liberalen Baden und Hessen mit den Simultanichulen rvohl zu»',iedeu und petitionieren im kirchlich reaktionären Pteusien um die Konfessionsschule." Zunächst möchten wir ou -H. Steinhardt die Troge richten, was er da von unsrer ^mriebcn heit mit den Simultanschnleii in Baden fabelt. Wo habe» wir jemals Gelegenheit genommen, uns mit der ,z-orm der Boltsschnien in Bad^u zu be»ossen? Es kann stch doch auch nach seiner Austastung nur um Hessen - Darnistadt handeln und da erklären wir, das; H. Steinhardt, indem er eine »al'che Prämisse seht, es sich hübsch hequem inachi, lustige Schlüsse zu ziehen. Wir wären mit der Simultonichule zufrieden? Wir, speziell in Hessen Darmstadt, die wir unsere Berhältuiste um denen des beuochharteu Murhesten zii vergleichen Beranlastniig genug haben, haben uns niemals der Einsicht versch ossen: dort ein blül^'ndes jüdisches Schulweien, em tüchliger, stredsawer, ׳elbstbeivustter ^ehreritond in ge sichertet׳ ausköiuuilicher Stellung, bei nns dagegen em neben den christlichen Bolksschulen nebenher lautender jüdischer Beligionsimterricht, der nie nials die Amorilüt erlaugen kann, ivie der in der jüdischen Bolksschule erteilte! ferner die unjüdischeri Anschanungen, die die jüdischen Minder durch den Unterricht in andren Fächern in sich einsaugeu. Und, was den Vehrerstand betrist't, einige jüdische B'eligionslehrer in Staatsstellung, die übrigens bei iveltem nicht an die der jüdische» Bolksschul lehrer hiilanrelcht, und der Best — ist Schivetgeu. Eürade in Staaten mit Siinullanschuleit kann de» >>id11che Lehrer, falls er ohne Boreingenom menheit urteilt, nicht anders, als überzeugter Au hänger der M o n » e s s t o n s 1' ch u l e >u werden. Gen!ist lästt sich auch mit der Simultanschule oliskomineii nud das bloste Eiutreien »ür dieselbe hallen wir keinesivegs für ein Eharakteristikum der Beelogie oder gar tür ein Zeichen des Ab falls, wie uns unter um Insinuationen nie ver »rgener Mollege uu:ers:cllt, wohl ober betone:׳.׳<״.׳: .׳. TtX ^»TOflll. dost wir in dem leichtsinnigen Am'geben der jüdi schen Bolksschule, wie es in neologen Mreii'eil der ollaemeine ^»g ist, ein durchaus unjüdisches Gebohren, eine Bernichtutig der vitalsten Interessen der jüdischen Oiemeiuden erblicken, ,^a, auch das bloste Mokettieren mit dem (Gedanken, die jüdische Bolksschule zuglutsten eitler vermeintlich höherstehenden Schulgottung der allgemeine Staats schiile — zii opfern, müssen wir einerseits als eine bedenkliche Kurzsichtigkeit, anderetieits aber auch als unverontwortlichen Leichtsinn erklären! denil dadurch wird bei der Begierung und den herrschenden politischen Parteien die Meinung hervorgernsen, als ob es uns Hilden in Wirklichkeil gar nicht um die Erhaltling unserer Schulen zu tun wäre. Wenn Herr Steinhardt es mit ,'einer weiteren Torderung ernst meinen sollte, die Mitglieder des ״Blindes" in Frankfurt müszten aus dem dortigen, allgemeinen Vehrerverein anstreten ,veil er an»' dem Boden der Simultanschnle stehe, so ist dies ge rode von seiten des H. Steiilhardt eine ,'ehr »>! überlegte Forderung und er ist sich der Mon sequenz derselbeii sicher nicht bewnstt gewesen. Wenn man schon ,vegen dieser Dinerenz, die für die jüdischen Mitglieder eines allgenieinen, inter konfessionellen Bereins doch nicht von einschneidendster Bedentnng ist, niid zwar um ,'0 tveniger als es ,'ich dabei, wie die Berholtnine iilir einmal liegen, lediglich um die Trage handelt: ob im Allgemeinen die Schulen gemischt christlichen Ehorokter, also Matholike» und Protestanten zu sainmen, oder konfessionell geschiedenen Ehorokter, also Matholiken für »ich und Protestanten »ür sich, haben sollen, wenn also wegen dieser mehr innerlieh christlichen Differenz die jüdischen Mitglieder ans einem Bereine sollten anstreten mimen, sobald sie distentierender Meinnng »'ind, wie kailii dan!z -Herr Steinhardt verlangen, dost man 1» einem Berbande bleiben »oll, in dem die krast'esteil tMegeiit'äpe in den Griindanschanullgen klaffen, wo den Eilten jeder begründete דנהנ heilig ist, während die Andern göttliche (besetze, wie Sabbat und Speisegesetze mit Tiisen treten. So kehrt »ich auch hier der Pfeil gegen den Schüi.am. Ten Haupttreffer glaubt aber H. Steinhardt mit folgender Berdächtignng, die alle »eine Ent steUungen noch überbietet, aus,'vielen zu können. Es ,vor ein verteufelt schlauer Gedailke, die ״süddeutsche Srthodorie" und den Bund geietzes treuer Lehrer dafür verantwortlich zu niochen, wenn sich die bürge der jüdischen Vehrer in Preusten künttig nicht bessert. Herr?iutun Tv. Adler kanil dos Berdieint »ür ,'ich in Anspruch nehmen, zuerst aus diese ^bee gekommen zu ,'ein; ,'ein getre 11 er Schildknappe, Hert Steinhardt, hat ne dann in zweiter vermehrter Auflage heransge gegeben. ״Es bleibt eine traurige Tatsache, hast der ,Tortbestand der jammervotteu Berhältnist'e innerhalb des jüdischen B'eligionsschulwesens durch das Eingreise» gerade derjenigen Mreise herbei geführt ivorden ist, die als die alleinigen Ber tretet׳ des echten und wahren Tudentums gelten ,vollen0', .״ äuszerte ׳'ich Herr Direktor Adler in seinem Bortrag, gehalten an» der ,Tubiloums Versammlung in Esten. Und woran» gründet sich diese ״Tatsache?" Man höre und staune' Aus Betreiben des Berbonds d. d. T »vor in deii 24 eine Bestiiiimung ausgenommen worden, ivonach es t'ür zulässig erfüllt unirde. das; überall dort, ivo keine östentlicheii jüdischen Bolksschule» bestehen, die allgemeinen Schnlver bände die Sorge »ür den jüdischen B'eligions unterricht übernehmen. Bo» dieser ^"lässig keil erhofften Adler und Steinhardt Wunder dinge. ״Es war zu erivarten", so orakelt der Letztere, ״dost durch diese Bestiinniung die An stellnng »nd Bert'orgung der jüdischen B'eligions lehrer zu einer allgenieineii Pstich! gemacht lind ,'0 mit einem Schlage die traurige bürge der jüdischen B'eligionslehrer. die die Lchofseustreudigkeit notwendigenvcii'e bceinflusten must, beseitigt werden ,vürde." Ha kan, die bö׳'e ״süddeutsche Orthodoxie" lind »etzte es d rch, das; d,e׳'e Be stiminung gestrichen lind damit die Aussicht am alle d!e erho״tr״ berdirürn D'"ge hrieiriot n״,rde. 1!׳. Jul, 190<;. Diese Behauptung von Adler und Steinhardt er klären wir sür ab'olute Absurdität! ober es liegt Methode in der Weste, »vie dieser Unsinn vor getrogeit wird Um es gleich vorweg zu nehmen: die lässtgkeit, von der oben die Bede ist, bestand schon früher und sie besteht alich heute noch fort, da ja sür die ,üdstchen Schulverhält niste ouch hierin der sr»tu» <!no ausdrücklich amrecht erholten blieb. Gchon früher waren die politischen Gemeinden berechtigt aber nicht verpflichtet - für den jüdischen Beligions un erricht Sorge zu tragen, aber sie haben mit wenigen Ausnahmen keinen tGebrauch davon gemacht. Dos wird künftig ivohrschcinlich ebenso bleiben und Herr Direktor Adler und -Herr Steinhardt werden vergebens auf die Berwirklichnng ihm kühnen Träume warten. Es ist auch gar nickt ivüns che nsivert, dost die Schulverbände von ihrem Beckue Gebrauch macheti, denn was ist das sür ein Beligionsunterricht, den ste einrichten würden ' Stellen »ich doch die Herren Adler und Stein hardt w an, als wäre ihnen nichts davon bekannt, das; alle Bemühungen des Borstands der Berliner Gemeinde, die Erlaubnis der oberen Schulbehörden zur Einführung des hebräischen Unterrichts an den christl. Bolksschulen z»1 erlangen, gescheitert sind. Wenn daher dieser bsteblingsivunsch der .Herren vom Berband ersüllt ivorden lväre und Tausende jüdischer Minder, die jetzt entweder in jüdischen Bolksschnleu oder in betonteren Religions schulen ihren Religionsunterricht erhalten, sich mit dem alsdann in christlicheil Schulen von jüdischen Lehrern gegebenen Unterricht in biblischer Geschichte und systematischen Religionsunterricht begnügt hätten und ohne Menntnis des Hebräischen onfgewochsen wären! wäre denn diese slistematische Berkümmerling jedes wirklichen jüdischen Religions nilterrichts in den Augen jener Herren, die stch als die beratene» Wortführer der religiöse» Tngendiiiteresten geberden, als eine so ideale, so an presteilswerte Errungenschaft anznsehen gewesen?׳ Untere Bertreter haben also von einem ver meintlichen Erfolg des Berbandes nicht das mindeste vereitelt. Sie haben den Antrag auf Streichung des Absatzes 4 des ursprünglichen $ 24 gestellt, einmal »veil er ein Superstlium darstellte, dann aber allerdings auch, iveil ste vermuteten, da,; hier durch der obligatorische Ehorokter des jüdischen Religionsunterrichts durch eine Hintertüre in das tretet? hineiiigebrackit werden solle! sie haben fick, wie die Erreglliig der Herren Adler und Ste!!! hardt beweist, darin alich nicht geirrt. Wenn also der bü'hrerverband für alle Bersäumniste, die er verschuldet hat. einen Sündenbock siicht, so ist das ja »ehr begreiflich, aber er möge stch nur getrost einen andern suchen, da wir in der Tat, wie diese Darlegung den Herren beiveist, zu dieser Funktion sehr ungeeignet niid. Wir können uns schliesslich der Bemerkung nicht enthalten, das; es bei richtiger Würdigung der Sachlage schwer fällt, bei den mitgeteilteii Ansfälle» an den Ernst unsrer Gegner zu glauben , sie machen vielmehr den Eindruck eines Rückzugs Manövers nach einer verlorenen Schlacht, wobei man, nin einen leidlichen Abgang zu erzielen, nochmals einen Hagel von Geschossen aus den siegreichen Teind loslästt. Den Leitern des Lehrer verbands mag doch eine Ahnung aufgestiegen »'ein, ivie unüberlegt sie gehoiidelt haben, als sie sich bei dieser in die vitalsten ,Tragen des ^"gknd Unterrichts eingreifenden Angelegenheit derTührung des Berbandes d. T anvertrauten. Dieter drang von Anfang der Bewegung an am die gesetzliche Gleichstellung der jüdischen Bolksschnleu mit den christlichen, ein Berlongei:, durch ivelches, ivenn es Gesetz geworden wäre, diesen Bolksschulen das Lebenslicht 0uSgebl0>k1l worden lväre! obgleich wiederholt ans oiese Tolge ansmerksam gemacht, kam er auch später immer und immer wieder darauf zurück. ׳Twor sucht Herr Steinhardt den Eindruck hervorzurufen, als ob der bE hrerverbond in diesem Mamps an hervorragender Stelle gestanden, das; er d׳e jüdische Bolksschule in Preusien gerettet habe! 1» Wahrheit aber war seine Mitwirkung eine ׳'ehr