Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 29 (19.7.1906)
- Date
- 1906-07-19
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr r!« ®ntc 2 Discite in■ ntti ziirnien, |1m! mindeste» ober sie veranlassen miiffcii, bntck) eine 011! ähnlidrcr <^nmh!«!זן einbenisene Benamminnr; yt prüscn, ob bi•• ^erljältttiife noch dieselben •cieit. ‘Wir wurden hier vor einem Rätsel stehen, ivenn die (beschichte nicht lehrte, daß wiederholt hochgesinnte Monarchen und edeldenkende Be gierungen in ihrem eisrigen Bestreben, den Bol kern (Mutes zu bringen, die eutgegenstehenden Zn leressen und Hindernisse so sehr überleben hoben, dag die geplanten '^obltoieii >t»d (beschenke von allen Kreisen der llntertonen als drüikende Han einpsuuden wurden. Ter Entwurf' zahlt nenn Titel und hundert;»׳einndzwauzig Vlrtikel mit zahlreichen Paragraphen. '.'ln Mnutrlc» für eine M'inderlieii konnten wir darunter iiidits niiden als den durch Absatz - und den daraus iolgeuden Paragraphen ge schickt perklausulierten ersten Abf'alz des Paragraphen -t, der 1» der Theorie das Bestehen r>er ichiedener •!i'eligionsgemeiiideii an demselben Trte zuläßl, und dann die mehrmals!niederholte, ziem lich belanglose Beteuerung in den Motive», das! die Delire hei sei. Tie ganzen Schrecken des neu einzusührenden Becziments zeigen dagegen schon allein Artikel ** und HM bi* (5>1tw»rts. Vitt. ■״ ייTic obere Rettung der gemeinsame,, Aiigelegcnhcitc!! der Israeliten des (Mroßberzog kums sowie die Beriretung der israelitischen Be ligioiisgeineinschast im ganze» steht demTberrat zu. Er Hot seinen Si|z in Tarmstadt und besteh aus einem engeren und weiteren Bat. TeinTberrat stehen zur Tnrchsühruug seiner Berfügunge» keine Zwangsmittel zu (B'bok. Lolche tonnen ans 15rsuche» nur von de» Mreisämtern angeordnet werden." Vlrr. HM Abi. I. ״Zu dein Geidiäftskreis des engeren Bares gehört die Beschlußfassung über alle Augelegenheilen der Beligioiisgemeii! ichan, iviveik sie nicht dem looitcvcu •träte oder de!!! Borsiizendev überwiesen sind und unbeschadet einer andenveilen Begelung durch die Geschäftsordnung insbesondere .׳e. Bun solgen dreizehn Ausgaben des Tberrats und als vierzehnte: ״die ihm e 110 0 s o II st I! o ch di! r ck! (M e s e p 0 d e 1 B e r ordnung ü her! r agen iver d end e» (Me!cha ile." Mil andern '.!׳Amen: ׳i» dem We schaitskreis des Tberrats gebärt die Beidilußsassiing : ü b e voll e VI11 gele g e »beitend e r Mt eligio 1! s g e in e! n s d) a f t- Wie der Cbernit auch gewählt werden soll der (i'iituiurt hat hierüber noch nichts (Genaues, das! siebt seit, daszei ne 'Behörde genieinsani über Beologe! n::d Trthodore he׳.׳sch־׳ <<׳׳oll. Babbiner.Beliaions lehret, Mulinsbeamte, U n t e rr i ch ts p l a!! und; V e b r b I!;11 e r , über alles har der T bet rat zu l׳e finden. Böte dieser T bet rat, besonders der regierende! Der J-rarln. ' engere Bat, z> sommengesebt sein wird, das läßt sich au§ der Zusammensetzung der Biermännerkom Mission, der!vir sür die Bearbeitung der׳ Ent n'iirss dankbar zu sein haben, schon erraten. Tie geseizestreuen Hilden werden es sich also gesallen iaffen müssen, ihre Babbiner und Lehrer, den Hehr plan und die Lehrbücher des Beligronsunterrichts einer Behörde überliesert zu sehe»,deren Glieder über die (Grundpfeiler ihres Glaubens, die Göttlichkeit der Thora und die einige Berpflichtnngskrast des vom Sinai gegebenen Gefklzes, längst zur Tagesordnung Übergange» sind. Ta in den großen Städten die Majorität der Israeliten zu den Beologen zählt, io ist leider nicht zu zweiscln, dass auch die Wahlen zu den! weiteren Bat in solchem Sinne anssallen würden. Angesichts dieser Tat sachen bedarf es nicht vieler Worte mehr, um zu zeige», we ld) ei ner!1 »erträglich e n M n e d) tung des Geistes und Gewissens die Tr t hod oxe 11 \וet se ns bei A n n ahn!edes Cf־n t wurfe* entgegengehe 11. ,'s» guter Absicht, aber salsd) beraten und von > irrigen Boraussetzungeu ausgehend würde die mit!!,echt ob ihrer Toleranz gerühmte hessische Be gierung es mit ihrem Gesetze zuwege bringen, dasz die orthodoren Israeliten innerhalb ihrer (Baubensgemeinsdiastrechtlosen Heloten wer den. Tos will wo» in Tarmstadt keinesfalls und das kann, das darf, das soll 111 d) t t 0 i 11. Wir hassen zuversichtlich, daß der Entwurf nicht Gesetz werden ivird. Tie hessische Begiernng und die hessischen Handstände werden sich eines besseren belehren lassen und aus eine den Zuden zngedachte Wohltat verzichten, die sür eine große Zahl nicht Wohltat, sondern T.ual und Plage bedeuten würde. 30cbcnrtm6fdH1u. Zum russischen flusroanäerungsproblem. Ter frühere amerikanische Gesandte in Mo» nantinopel, T sca r Sr raus, der zur in London weilt, hat auf einem ihm zu Ehren ge gebenen Tiner der ״Maeeabaeans" eine bemer kenswerle Bede gehalten, die nicht nur im Hin blick ant die reiche politische Ec ahrung des Bed ners, sondern and) durdi ihren nnmittelbar ein lenditenden b<11׳ srnis beherzigt zu werden verdient. 1!*. ifuii n*-: Wenn man ihn frage, io meinte Straus, ob er Ztoitt, Zionist oder einer derjenigen sei, die glauben, das Sdiickfal der russischen Zuden rverde sich in Bußlaud selbst entscheiden, so müsse er bf | kennen, daß er den drei Parteien zugleich! angehöre. ,Vit stehe, daß die Einwanderung ״,rch j Ainerika nicht i'oivohl im Interesse der wohl habenden amerikanischen Zuden, als vielmehr in,! Interesse der Einwanderer selbst solange ״och! Möglid,keit gehemmt werden müsse, bis das ״״. ' geheuere s)im?)orfer Ghetto einige Entlaß״^ : durd) stärkeren Abfluß nach 'Weiten gesniidei, haben werde. Tie Erschließung »etter fändet, also Molonisation, sei ein absolutes Gebot der 'Borwendigkeit. Molonisation aber könne, das■ lehre die Geschichte, unmöglich mit der Gründinig eines unabhängigen Staates begonnen werden. Wir brauchen lediglid) Molonisation uiiler j Bediiigungeu, die Friede und ruhige Arbeit verbürgen. So besteht lein Unter schied zwisdren einsacher Molonisation und Terri torialismus, denn jedes kolonisatorische Umernehmen wird, ivenn es erfolgreich m, allmäh lid, zur Eiitsaltung lokaler Selbstverwaltung führen, namentlich sofern es unter britischer Ho heit erfolgt. Sollte aber aus diesem Wege etwaerreidit werden, so dürsten auch die Zionisten nidit zurüdstehen, denn nur einer ei n h e i tl i dien j jüdischen jvorberiiiu] gegenüber werde die englische ' Begiernng die ersorderlichen Zugeständnisse machen. ... Endlich dürfe nicht vergessen rverden, dcis; das Problem mit Kolonisation allein überhaupt nicht zu lösen sei, das Gros der russischen Zuden! sei in absehbarer Zeit dod) dazu verurteilt, i» Bnßland selbst zu bleiben. So in risse es miaus gesetzt das Bestreben der Juden sein, ״das (Me wissen der Bölker" zu wecken und sie an die PsUchten einer ״men)d)lid)en" Tivlomatie z»! mahnen.! Tic Bölker ü»d kkuie kninti d»׳ liiiswärtiac Poimi uni nie tKaidihfit der tl'i'rffhvemittel je f״n imtnimnbn ocifiuiprt, t>ah feine ־.Vntion einen Ieil ilirsr Becwifernnit ininlinnbelii, nnterbviirfen, aitbbemen ober in bnrbarödier nninewiiiiichei | Mmiier behnnbeln iniin, ohne ifbev;ic׳ili>ietten ־Jiotion auf ber 1 ervbe biunit Sdiaben .tn;1mi,ren. lltib mit bieiev ('tvnnblaite habe idi inieber nnb iniebev an untere tWrniernnir in V'önihinnton ar'vellien nidit 00111 rtaub punkte ber 'mbenheit ionbern ans beut iiintniirnberrn hninmiitaren oieiiditopnnfte, bau es eine ttierler»1n,t ber iirnnbleaenb'ien 'Pri»;ipien ber ׳.iientraiität von Leiten eines mit nns in treincb idmitlidien Bepehnnae» iteheiiben '.'anbes in, wen» es ׳eint ״ibudien llntertanen io hehunbelt, ban es üe oernrnu nnb »an '.'eiben nieberaebnidi an liniere Mtifren treibt. Vi!!i bieier i'lrmibUiin’;ft liniere ')1'enieninn oorneiumati! nnb wenn ein '.'nnb, bas ioweit von Rnnianb entierni i'i >»>׳ bie '.!*ereinmten Liaate» bies tut, io iollte es linnlnnb, b a s i 0 v i e! nähe r ׳!!,׳>!' n « U11 b l i e n t, in 11 ־, e b 11 i a di >1 n v f e r e v M r n 11 111 >1. it>ir miiiien nbei bie'en Probieiiien n e in e i 11 i a 111 111 ^loinor• Feuilleton. Karlsbader badebriel. '1 a c i s b a 0 den!■'■ ,'11111 l'HH■ ־.,UlinlHlidi. 10 tun ,'111111 an nngeial'c ivi11u-iiu־i1111 allen küi.iiern aller '.׳ander v»e1 utile über und aus ciarisbad. B,id als ׳Plaudereien über das mtevitationale '.׳eben und i reiben in bieier idionen 'J'abejlabr. bald alö erlitte dt \1l!d'e ׳.Irliiel aber Murinbiiaiionen und biaieiiidie 11.׳»r׳e1i»ngen iiir 'inrbediiritige Tainen ibnnten aber and! Bendne übet Mosen irirlidnt 1.׳ln idneiben und eine ,vadr,.ן!!״:!:־ *in ,'\11n>r liere (onnie ,־,anre?oalten *rillen über manbelnbe ("olb und T :!!!1.■׳!.׳!.'.׳'aii.biit״•׳ die von *r üb bis um ז alle ׳Promenade 10eae mllen. der ' ״ m!!ar isbad wen von dielen und lauiend .ruderen Lenen aus betraditet und bentnleben!11 werden. Loviel min midi iederaewandte M11r״ane bereits über bteie in den idroniten der kr*el> aeborende Badeiiadi ireidnieben!hrbeii. das r lie!!־.■׳! fr'dnH'it iidi nidit und wer nur entleer inanen in dein vor tbnr auiireidilageneu Bndi eines iicti iiinivab-eiiki erneueruiieir k>(enia׳ennr.11nes cu leien ver Nein, wer aus dieiem >'111011111 und vtetnebe 1u einer?diliiüiolfletrin# (telainren vennair hier linde! er inne ׳tiectnrunq i'öeit nati'viid'rr ale* m den I'aieinsiorcreu der ihruslidien Umgebunft und geidmiilntien ''cebundeuln׳» aui der eiaenen L!krolle. 1r1!re,t iidi hier die aus aller ycvun vatroet 1l11)1r1nn1r11i1[01nmi׳e11 jeiu11Y1111׳umiki!. ,.... Vldii von den tauiend 1"ev>loaenbe1ten und Prliduen des ■! rinerir״ * ■e i, . I»n lid! die Meni.kien iorchoier und, ioweit iie die sdiöne Eigenidratt überiraupt benven, liebenswürdiger und pigänglidrer. Und wenn mir nun iintfitrbiiden!!! dieies anmntig und glanzvoll aut und ab iironiende iBwoge, prirgen üdi uns in tenelnder '.'lbwedis luug tarnend (Zmdrüde ein, wohl wert geballen zu tverden. yat emii die Ltiradienverwirrung am lunnbau zu ׳.Uabvlon die 'iUennten auseinandergetrieben, jo scheint es hier die Batiouen zuiaiunieuzuireiben. Teutsch und uu ganich »1 allererster'.'!nie. daun englisdi. russisch, bvlmüsdr, l voliiiidr. ruinainidr, weuiger sdrou iranzosiidi. selten spanisch ' und tan gar nidit italienisch, lausende iremder '.'ante! idiwirreir au unier Chi׳. Tasz aber audr die ®״rachen tro I rnidier airikaiiisdrerundaiiatcsdier '.'änderbetvobiier hier ge . ivrodien werden, dar! man sowohl aus den Iimbten wie auch aus den kihnnognoiuien nidit weniger '■)סיbetaue idiliein’ii.! ,'!es und Turban und Burnuslrager bewegen iidi zwischen den roileilen eleganter I'anieu aus Berlin, fondou, Buda pest. View z'lork und Betersburg Tie uiterenanteiien aller 1 dieser L radiieunwen lind wohl die .'iasiantrager wenig iieus tur mich, wenn audr inebi iiir die Mehrzahl der au! deren Ziurgaiie. lind gerade diese .'iatianirager üud es. ■ die e neu zu vergleichenden Blihnoguotniiitudieu airregen. : Ta beiradue >dr nur die Männer aus allen Seilen; des gebildeten kt*1 iieuropa und aus Amerika. Bieisteus '.'eine, die schon aui der yoire des '.'ebeus, lenrens ' der Treiiug stehen, nictrt ivenige, die bereits den eibiueg erreiihl haben, ,ihr Laiiuiielvunkt!11 der Lprubei; die uiugeren siudei maii ,״ehr am Müblbrunnen beisaunneu. wo auch das weitaus gröscere Taiuenkoutiugenl doiunueri. Tte 1'h'iichter dieser westlichen stulturirdger, dieser in neueiieiir Wiener Berliner und '.'ondvner Ldiniii gekleide ten .Herren, verraten leidn den Zived ihrer :)re>ie nach :.Ja'.'.׳,:!׳׳.b. iVraue bliche 1״׳d ■׳eibiidie iZZ,-iichtsiarbe. ver ärgerte, irir den Augenblick nur sailvergnügte mit > ,'vfitaninh ausaevoliterie ,'»üge iiilnen zu dem man unbe I reditigten 2d)lnfr, dasz hier das '.'eberlebeu die Weiüeo tätigkeil überwiegi. Mau sieht diesen.Herren svrmlich an, daü üe iidi mit ihrem .riompagnon tarlsbadreii gezanki. »ut ihrem Personal geärgert und wohl and! oft genug mit ihren ,vraueu so lebhaft imteihalten haben, bat! der Ar;1 ihnen dringend sozusagen .'!arisbad ans Herz lege» mußte. 2ehr sehr selten, daß mau unter diese» Patieme». Bruiuieuirinkern, alaneureu und ״Touristen״, denen >׳s einerlei zu sein scheint, wo sie galante Abenteuer erlebe» eines ,euer zahlreichen interessanten oder geistreichen Ne lichter fleht, wie sie in Großsiädten uns häufig begegne». ,'Innenleben und i'leistestätigkeit pflegt andere 2tc׳»wel zu prägen. Und nun belradite man sich die,üdischen.'!astanträger mu ihren langen Bärten und obligate» 2chläsenlöckche». Weldie inieresiauleu I5harakterkcipie! ,Treilid) find die ">f iiditer mein vorzeitig verwittert und um ihre Mund und Augenwinkel in ein gramvoller ,•zug gelagert. Todi wie lebensllug blicken diese Augen, wie überlegen husch! ec» ,;110, sarkastischen Tenkens über diese Gefickuer! ,fraglos, wenn man diele Mensdreu länger beubadrtet, wenn man ihrer Unterhaltung oster lattjdn, 1mm man, ob willig obev unwillig!ich geneben nidit bei den tausend und aber tausend weileuropäisdien sogenaiinien >!ultr>rträgeru wohl» das geistige Uebergewickrt. sondern bei diesen bald neugierig bald spült ׳sch oder mit leisem Abscheu betrachteten Malta» irägern, die schon längs! nicht mehr so unkultiviert 'iud. wie ne es vor wenigen ,Jahrzehnten noch waren Meine unsauberen Mi'!!>en oder fettig glänzende 2d1ubbezer, wie eiredem 1 sauber gebürstete seine seidene und damaüeiie Mattane. sorglich geputzie Ltietel, und die Leideiilückdie» mit einer 201010» gedrehi und gesettet, daß sie de!» sashionabelnen ,iriseurladen!,Ile Ehre gemacht hätten. Tie nur länig gepflegten Bärte wirken jdr^nlich benihigend neben den ausgezwirbelten Banen :.mere'r "׳׳>men Mäiinerii■!!:, die einennäiidigan die Baribindenpiuchoie des'-», ,!ahrhu»