Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 25 (21.6.1906)
- Date
- 1906-06-21
- Page
- Seite 7 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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21. >u; 1P<K Ter Q»rjel1t «eil« 7. Ar Berlin, r>. Juni. Temnächsi ׳oll die offizielle Eröfsnungssrirr der Kunstgewerb, - schule .Bezalel" in Jerusalem statt finden. Am Unterricht, dir bereits Anfang März begonnen hat. nehmen 14 Schüler ,5, aus Rußland. 3 aus Galizien. 2 aus Bulgarien und 4 aus Jerusalem) teil. Tie meisten Schüler haben bereits eine hinlängliche künstlerische Ausbildung genosten und manche sind von einer vielversprechenden Begabung. Es wird deshalb ganz leicht werden, einige von diesen -Schülern zu tüchtigen Lebrcrn für späterhin an an deren Lrten des Landes zu begründe»d>e Filial onstalten der Jerusalemer .Kunstgewerbe'chule aus zubilden. Auch die praktische Unterweisung im Teppichknüpfcn hat bereits begonnen. Es itebl zu erwarten, das; man nach einigen Monaten an die eigentliche ge:verbliche Produltion Herangehen könne. Biele erwarten diesen Augenblick mit großer Unge duld, leider viel zu viele! Tie Begründung des ״Be.zalel' ist von der Jerusalemer Bevölkerung mit großer Freude begriisit worden. Man erooöt all ge 1-win von diesem Unternehmen eine wesentliche Bcfferiing der ökonomischen Berbaltnisie. Alle ge funken. arbeitsküchtigrn, von der Cbalukah nicht angekrantelieii Elen.cnie scharen ftch um den ״Be.zalel". Einige hundert haben sich als Arbeitsbe Werber vormerken lasten. Leider iverden nicht die Wünsche aller so ra'ck bcsriedigt werden, rebr v׳ele haben sich auch zur Teilnahme an den Abendkursen angemeldet, aber leider sind die jetzigen Räume uoch zu klein, um alle sasten zu können, reulicti isl es. das; dieses aussichtsvolle llnternehiiien wohlwollende Förderer, insdesondere in Teutschland gesunden die die Begründung der Tchnle ermöglicht haben. Unter anderem sind dem Berein drei jährliche Schiller stipendien zu je 3l>o Rc'k. und ein Jahresbeitrag von 1 »ריח יי Mt. zug-gangen. Tie Stipendien sind da;» bestimmt, den begabteiten, aber unbemittelten Schülern Mittel für den Unterhalt zu verschasscn. ,Wie aus einer Mitteilung de! ..Welt" hervorgebt. hat der ״Bezalcl" im Gegensatz z׳u anderen Jerusalemer Schulen bisher keine Geanerschan beim dortigen lliadbinat gesunden, und wir hassen, das; dieses Ber hältnis auch weiterhin bestehen bleibt und die Leiter der Schule hierzu dadurch beitragen, dasi sie in jeder Beziehung, besonders hinsichtlich der Bildhauerei, den Ansosverungen des Rcligionsgefebes sorgsältig :siech nung tragen T. .sied.) Berlin, 13. Juni. Ain Samstag, den lo. Juni, fand in den Räumen des .Hilfsvereins der deut scheu Juden eine Sitzung der galizischen Kvmmistion, unter Zuziehung einer Anzahl tompeienler Persönlichkeiten, statt. Bon dem Hilfsverein Wien für die notleidende jüdische Bevöltecung in «Galizien waren die Herren Tr. Pappenheim und Tr. Lederer nach Berlin deputiert worden. Als Bertreter der Jcwit'h Kolvnisalivn Asiociation war Herr Justiz rat Tr. Edmund Lachmann erschienen. Aus Ham bürg wobnte der Sitzung der Borfttzende des jüdischen Zweigkomitee» des deutschen RationalkomiteeS zur Bekämpfung deS Mädchenhandels. Herr Gustav Tuch, bei. Tie Grvsiloge für Teutschland war vertreten durch Herrn Jnstizrat Timendvrser und Siegmund Bergel ber Hilfsverein der deutschen Juden durck Herrn James Simon und Tr. Paul Ralhan. Auf spezielle Einladung wohnte der Sitzung ferner Herr Bankier Ernst Caro Berlin bei. Ihre Abwesenheit entschuldigt hatten die Herren Tr. Hildesheimer und I. Wisloch-Franksurt a. M. Tie Wiener Herren waren in der Lage, neue Projekte dorzulegen, um unseren Glaubensgenossen in Galizien Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Einen besonders erfreulichen Aufschwung hat die Spitzen- Häkelei qenvminen. 'Aus den Berichten, die die Wiener Herren die Güte hatten, zur Verfügung zu stellen, teilen wir die folgenden Tatsachen mit: N e u s a n d e z: In der Sitzung der Srtsgruppe wurde bervorgehoben, wie sehr dieser Erwerb den verschämten Armen dieser Stadt zugute komme. Sambo: Tie Spitzenhäkelei bewährt sich ausgezeichnet und entwickelt sich von Tag zu Tag: es sind 52 Arbeiterinnen, durchwegs arme Mädchen und Frauen, beschäftigt, für welche dieser Verdienst eine wahre Wohltat ist. Es unterliegt keinem Zweifel, daß wir noch höhere Summen an Verdienst erzielen werden. T l u m a c z : Alle klammern Tut an die Spiyenbakele: unt es sind schon beinahe 0<־ Mädchen. Whgvda: Ich habe über öo Schülerinnen, wcnn ich abends spazieren gebe, vor allen Häusern sitzen die Mädchen und häkeln. Tie Industrie ist wirllich ein Segen für alle. Bon Bolechow höre ich. daß die Mädchen bis zu 5 fl. wöchentlich verdienen. P i st n n : bittet um Einführung ber Hatcl inbuftric. N a d w o r n a : Tie Sache macht grosrariiae Fortschritte. Etwa 1"0 Frauen und Mädchen arbeiten lind verdienen '» lo .Kronen wöchentlich. G l i n i a n v : Es verdienen solche Mädchen 7 und 3 ilrpmn w׳׳ct>entlich, die noch nie ivußlen, was Arbeit und Berdienft ist und sind sehr glintlich. Unter diesen Umstände» wird alles 'siotivendige geschehen, um die Weilerverbreiluiig der Spitzen ba'elei zu fordern. Ter Wiener Hilfsverein über nimm» die'e Ausgabe. Alltcitige Zustimuung fand der Plan. Analpba beicnschulen in Galizien zu errichten. Ter Wiener Hils-.-verein ist mit den Bcrarbeitr» briraul worden, die notwendig sind, um derartige Schulen iiis Lebe.׳ zu r»׳en. Turck׳ die Tätigkeit des Herrn Tuch in Hamburg besteht bereit-: eine H'Utx Schule in Lemberg. Andere Pcvjeile, die vorgclegi ivorden tmä. wurde» bis auf die Einzelheiten durctxze'prochen. mußte aber allseitig konuarierl werden, das; noch eingehende Untersuchunaeii ongeste»! iverden müssen, bevor an die Berwirtlichuna der Pläne herangetreien iverden kann. Ta es außerordentlich schwierig ist, aum von Wien aus die geeigneten Jnrormarionen und die nötigen Telails üd-r die Berkaltniste in Galisien zu erkeilten, so bewilligte der Hilfsverein der deut sehen Juden in Uebereinstimmung mit der tiroßlcgfür Teutschland 4000 Kronen. ausschließlich ni dem Zwecke, damit eine gceignete Persönlichkeit ange'lell: wird, die Galizien bereist und die einschlägigen Ber bällniste iludieri, >v daß aus Grund de: so ge sammelten Materialien zweckmävige -'!oridläae fvr die Weitern! brune. des gali'ischen Hilsswer'-: gemacht werten lönnen. Aus B a n e r n, 14. Juni. Ter Landesverein für israelitische .Kultusgemeinden in Badern oe schloß, nicht dem B e r b a n d de: de׳.!! s ch e n Juden beizutreten. sondern dem selben nur einen Beitrag von l"o Mt. zu;ableu. Tiefer Beschluß kann wohl als ein Beweis dafür gelten, baß man in Badern die Politik, die der Ber dand der deutschen Juden inauguriert Kat. nicl.i billigt, und auch der geringe Beitrag, den man als Pflästerchen aus die Wunde legte, kann an dieser Tatsache nichts ändern. Taß man in Badern nickt gesonnen ist, mit den Berbändlern und Ge meindebiindlern durch Tict und Tünn zu geben, das zeigt denn auch die überaus erfreuliche Stellung »ahme des Landesvereins zur Trganisationssrage. Es wurde nämlich eine Resolution angenommen, worin der Landesverein sich gegen alle Be strebungen erklärt, die auf die Be gründung von K o n s i st c> r i a l und Sdnodaloersass ungen undderal. gerichtet sind. S t r a ß b u r g i. E.. 13. Juni. A n 10. Juni fand die Wahl zweier weltlicher Mitglieder des israelitischen 51 o n sistoriums für Untcrelsaß statt, aus der die Herren Aron Turlacher in Straßdurg und Meder Scheger in Sberrbnkeim als Sieger hervorginqen. Tie Gewählten waren von der mehr konservativen Partei als 51andidaten ausgestellt, ihre Gegner waren die Kandidaten der Loge ״Bne Brith." Ter Wahlkampf war äußerst heftig, und besonders der eine der .liberalen" Kandidaten mußte <׳ne scharfe Kritik über sich ergehen lasten. Man brachte vor. er habe in der Rechtssache eines Restaurateurs in Winzenheim, der dir Konzestion zur Errichtung einer jüdischen Speisewirtschaft nachsuchte, sie aber von der Srtsbehörde nicht erhielt und Berufung ein legte, als anwaltlicher Vertreter des Bürgermeisters die Aeußerung fallen lasten, die Juden brauchten keine besonderen Wirtschaften, sie sollten ruhig mit den Andersoläutigen zusammen Schinkenbrötchen effen. Au? ber Gegenseite wagt« man dieser unk anderen ö.hnlic!>«n Btl:auk:r:ngkn nicht unzioeideutig >» n irxr spreche», und cs 11׳»ß zugegeben iverden. daß die -Kritiker »es Logrntanb,baten nickt llnreh! batten, loenn sie b-hauvtere». daß Gl.tie religiösen Ansckau unge!׳. eine,. Mann nicht befähigen, in jüdischen An geleg,nl-eiten mit;»,entscheiden. Tie Mehrzahl der Wähler scheint denn auch diele 'Innch! geteilt zu kttben: aber es lag doch linmerhin nick; außer dem Bereich der Möglichkeit, daß die Loge ihrem Maiu.e den Sieg errungen hätte. In diesem Falle >״üren die vielen gesetzestreu,n Juten im Unrerelsaß gewiß gut in׳ .Konsistorium vertreten gewesen. Mo» braucht sich nur einen Augenblick solch, Möglichkeit;u vergegenwärtigen, um zu erkennen, welche Ab surditaten jüdisch, .Konfiftorialverfastungen;»läge fördern können. Interessant dürfte es!ein ,u er fahren was man aus Seiten der .Liberalen" für de» Karl bedrängten Herrn in die Wagschale werkcn -» ׳ollen glaubte. Cr sei. >'o wurde feierlich erklärt, mit Her; .mb Seele dabei aevefen. als es gal: den »nglüCI'ciw׳» ״'laubensgenosten in Ruf'land zu Hil'e Zu kommen. Cr siebe an der Spike vieler jüdischer Hilisvereine und gehöre t-em Srden Bne Briib," an. Tas also und die t^iaenfctxificn, die ein lüdisciier .K'n'iZtvrialrak besitzri, muß! Ja. wenn tas .stoniistoriuin ein Hilfsverein nstire. so ließe sich al.'ent'alls darüber rede!:. Ta aber birst- Behörde die Befugnis fw» über bas religiöse Wob! unb Wehe t.׳r jüdischen Gemeinden zu befinden, io wirkt es cinigcru'.aßcu komisch, wenn das liberale Wahl komit-c die hier wiebergeaebene Konduiteliste seines Kandidaten mit dem emptnilisclsen Ausr,,׳' stk ließt: ,.Sind das nicht Eigenschasten eines echten Israeliten?" wäre iibriaens ein Irrtum,;u meinen, daß die beidrn neugewäblten Mitalieder des .KonsitioriumL das gesetzeslrene Judentum ver träten. So weit haken es die elsästi'chen Juten noch nickt gebracht, und sie werden es wokl auch kaum dahin bringen. Sie werben erst dann ihre Rechnung finden, wenn das .Konsistorium einmal den Weg alles Irdischen gegangen ist. Gs ist wichtig, dos alles sorgiältig;׳.! registrieren denn die preußilche Judenlx'il soll sich daran cine Lehre nehmen! Oc st erreich - Ungarn. ^ik Distrürkspriisidkiittli an der Tlrürit. IBvn »nleren, Korretvo,identen.I Budapest, 12. Juni. Tie israelitischen T i st r i k l s p r ä s i d e n - l e n versammelten sick heute im großen Saale der hiesigen Resormgcmeinde zur Abhaltung einer ordentliche» lsteneralveriammlung. Wer sind die israelitischen Tistrikispräsidcnten? In Gemäßheit der .Kongreßstatuten vom Jahre 1die ursprünglich für ein einheitliches ungarisches c3 e s a m t j u d e n t u m geplant waren, sind sämtliche israelitische Lokal und Bezirks-Gemeinden in Ungarn in 13 Tistrikte cingetcilt. Jede Tistrittsreoräsentanz wählt aus ihrer M:lte einen Prä׳'cs und die Präsidenten dieser!3 Tistrikte bilden zusammen das israelitisCe Landespräübium, welches das einzige tolleaiale L a n d e s o r g a n zur Ausführung der Bcschlüste des israelitischen LandrskongresteS — der alle drei Jahre hätte stattsinden sollen — bildet. Zum Wirkungskreise dieses Landes-- Präsidiums gehört auch die Lberaufsicht über alle aus Mitteln der Gesamtheit errichteten und erhaltenen, oder subventionierten israelitischen Landesunterrichts- und Wohltätigieitsanstalten. nach den hiesür festgestellten Normen oder einzelnen Kongreßbeschlüffen: ferner die Anberaumung deS regelmäßigen, alle drei Jahre einzuberufenden, sowie eines etwa not» wendigen, außerordentlichen israelitischen Kon» S r e s s e s. So war es geplant. So wurde es im Kongreß» statut kodifiziert, nachdem die wahrhaft gesetzeStreurn Mitglieder de» L2nd»«iongrefleS den Sitzungssaal bereits verlaßen hatten. Aber in der Wirtlichkeit hatten diese Konareßbrschlllste niemals praktische Geltung. (Bis heute sind von den 18 Tisirikten neun noch nicht konstituiert, weil auf den Territ״rien derselben keine einzige organisierte neoloqe