Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 25 (21.6.1906)
- Date
- 1906-06-21
- Page
- Seite 4 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2446951-9543451-9888752--0458-7374958- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
'.’<r 2> Sfitf ■1 Ter Israelit welche m mehreren LrNchaiten der Gegend Sektionen baden, starl daran, die Bevölkerung gegen die Inden und die Inlelleltuellen auizureize». itx c^ouvrrnenr, an den nch die Inden wenden, weigert sich, die Juden zu beschützen In Saroki «Beffarabieni wird ein Programm offen durch einen gcwiffe» Kaltonsanskl vorbereitet. .'lllgemeine Flucht der Juden Lillbaue» beginnt da» Gleiche In Pinsk und Unigeduiig macht man »ich von Stunde zu stunde aus Metzeleien geias». Keine kommerzieUen und industriellen Traiisaklionen mehr, alle» «lebt st>U Tie .Kosaken und eine gedungene Bande au» der Bevölkerung begannen brreii» dieser läge die Laden zu Plunder» Ter Widerstand. den die Banditen fanden, schrinl ne iur den -lugenblick zum Ruckzng veranlaßt zu bade»." Al.ch ctiizelne deutsche Firmen sind i» Bialnffok maleriell schwer geschädigt worden Tie ,Frankfurter Zciiung" ist!» der Vage, in dieser Bez»cbung bereit» da» folgende Tele gram,» ans Berlin veröffentlichen zu tonne» ..Auf die bier enigegangenri, Nachrichten über die (fr riglilise in Bialustor dal nch das Auswärtige Amt. weil dort auch deuliche Staatsangehörige und deutsche Inlereffen bedroht sein dursten, niil einer BorilcUung a» die Peters durger Regierung gewandt ." Der Versuch, mit allen!1fillcln T>c1hin zu wirken, daß neue Greueltatcn in Russland verhindert werden, ist die ein.׳ Aufgabe die z» ersüllen bleibt: die andere Aufgabe besteht darin, den Opfern von Bialvstok sc schnell als möglich inalerieste Uniersiüt'.ung ,utei! >v«rdeu zu lasse». Die seilen׳:׳ de: Hilssvereins entsuiidlen Delegierten sind dtausiragt, mit äußerster Beschleuiüauna das materielle Hilk'siver? ln crganisieren.?!e.Nrfaljr' maitriolifliiditt .Vtlrbrrn '1*011 Tr. Raphael Breuer >» Frankfurt a. Bl. In der Tal. es kann nicht geleugnet werden: der Analogien, der Aeknlichleiten, der pdtisischen gleichbeiten zwilchen Mensch und Tier sind recht viele, und es ist die Zeit vielleicht nicht allzufern, wo vcn modern wiffentchaktlillKr Seite der Annag qc'tellt werde!! wird, ein״, allaerneincn Tier und Menschen tcngreseinzudcruten. um ein Fest der Verbrüderung zu feiern, den Rainen Mensch oder die Vczeicl!׳.׳.ing Tier ab׳,»schassen und auch äußerlich zum adägnalen Ausdruck zu bringen was wissenschaftlich längst 11111׳ unangreifbaren Dogma sich verkärlet Kat, den Men׳ schen nur als einen höhere», entwickelteren Grad. als die veredelte Raffe der allgemeinen Well der Tiere ׳,u!*zeichnen. Warum sollte man noch ׳erner an den übrilonnnentn Vorur!eilen testhalt.» wenn die Wiffenschati längst zu einem Resultate aelanat ist. dem die Well oknekin früher oder später ivird zu fallen müffcn. Warum dem Eigendünkel des Menschen noch ferner Rakrung geben, ivenn seine Alleinbcrrschaft, sein Vorzug im Reiche der gtschövilichen Natur eine tr» i ff c n ו ehe! 11 i id> 1ibfr11n1nt>e1u Antiquität und Aberglaube ist, warum den Menschen vcr bimmeln, wenn einen Teil seiner ypbfpriitf* auch das Tier verdient, warum die Eifersucht des Elesan'en reizen, wenn seinem Anspruch aus Gleichberechtigung in der Wertschätzung der Menschheit wiffenschaftlich lie Berechtigung nicht abgesprochen werden kann. Eine solche gründliche Revision der menschlichen Grundanschauungen über Welt und Mensch wird aber glücklicherweise nicht nur von der Gegenwart, d. h. von den Trägern des materialistischen Gc dankens der Jetztzeit gefordert, dieses Verlangen reicht weit zurück, in die Urzeit menschlichen Rach tentens und menschlicher Irrgänge. Was Keule gesagt wird, klingt neu, nicht weil es ne» ist, einen neuen Inhalt hat, nur deshalb, weil das Gewand ein an deres und ein stilgewandtcs Geschlecht eine sehr glückliche Formulierung für uralte Anschauungen aufzutieiben tvuszte. Die Form, die Sprache, die Gedankenfassung ist neu, nicht der Gedanke selbst, der Inhalt, den die Form umkleidet. Das ist aber natürlich keine Widerlegung der Sache selbst. Man weist eine An schaumig nicht zurück, indem man ihren Geburtsort virändert, die Zeit ihrer Entstehung um Jahrtausende zurückverlegt und der Gegenwart ihren Anspruch auf Originalität als unberechtigt nachweist. Man hat einen Philosophen noch nicht widerlegt, ivenn n׳an cusdectt dasz seine Gedanken nicht mehr ne», daß seine Bücher Plagiate sind, daser asten Denkern treuherzig »achschivätzt und überhaupt unfähig ist, einen eigenen Gedanken z» haben. Das ist keine Widerlegung, mit solchen Rachwciscn leistet man der Geschichte einen kleinen Liebesdienst, deckt aber da nicht den Irltum ans. der einem plagiierten Slistcm zugrunde liegt, macht den Verfasser höchstens lächerlich, bohrt ihn aber nicht in den Grund. Wer darum meint, den Darwinismus und seine Ausläufer dadurch ans der Welt;׳.! schaffen, das׳, er zeigt, wie der Grundgedanke des modernen Materialismus vom Staub des Altertums bedeckt ist. zeigt Talent zu historischer Quellenforschuna, polewistert aber nicht gegen die modernantike Richtung des geistigen Lebens so vieler nnler uns, trifft den Gegenstand nicht in seinem Kerne, der deshalb an und für sich doch eine Wahrheit enthalten kann, auch wenn der Atomismus und verwandle Richtungen bereits denselben Gedanken gelxikt und hundertmal der Verlauf der menschlichen Geistesent- Wickelung über diese Weltanschauung inzwischen zur Tagesordnung übergegangen ist. Haben Darwin und Haeckel in den Grundzügen ihrer Snsteme nur in modern begritslicher Abwandlung antiker Gedanken rcihen sich als Fortsetzer gewesener Philosophen und nicht als schöpferische Bauer und Erfinder gezeigt, nun so bat man mit ber Aufdeckung dieser historischen Tatsache weiter nichts gesagt, als das der Materialisnius ein sehr alles, lebenskräftiges Ding sei. an dem die Theologie mit samt ihren .Helfershelfern iah!- tausendelana herumbolemisieren können, ohne ihrer Danerkrast na'iezukommen, daf: der Darwinismus nur Zeit und Gelegenheit braucht, um sich in den Gemütern immer wieder von neuem festzusetzen, das. mau ihn wobl verjagen, aber nicht töten, verfolgen ober nicht vernichten kann, das; nur ein günstiger aben, obne zu bedenken. das! ein vergittere» Tlciicb «Bericht de»» doch verbeerender ivirti at» Wochen und Atonale der Enthaltsamkeit von aller Tleiichkoii El» Mitarbeiter der Londoner ״Inhin«׳' dal au» Anlas! der Tleiichilanbaie den Lberrabbiner Tr Gaffer!» London interviewt Tr Gatter »leinle n a . solche Tnige seien unlrr der Herrschaft de» indischen Gcictce» unmöglich ״Tie Leute." t'o sagte er. ״lachen uder die Kleinigkeiten und die »iinnlioieii ^bter vanzen »»sere» «Gesetzes aber die ..Mikrobe" »V» die beule überall die HauplroUe spielt, und die Iuben haben es gelernt, die Mikroben der phvffscdrn nue der gelinge» Ent׳ arlung u! dekanip'e» c׳ d>,ago dal da» niosaische wese» wieder einmal gerechtierligl" Ittaiffrin t״ ngenie. s »׳Gelegentlich der Teier >dre» acdtzigffen >׳׳eb1111»lage» war inngff »1 de» Zcilnngen tKel von der in der »eber'chri»! genannte» Eikalserin die Rede E» dur׳!e den Leier» Idrc» Blaue» iinrreffani sei», eme Epiiode au» de!» Leben dieser ׳chwergepruile» ,Trau u! er '.'!׳reu. die mir deri7l׳errabl1׳ner von Trankreich. Monneur Eiidore, ai» ich vor vierug Iadre» denielben »1 Hoi» bürg p 0. gg. trat. ercadUe 'Wadrend der t'dolera Epidenuc 1°׳'.!״ besuchte die Uaffetin sanlNiche Tpualer. und dei entern dieser Besuche redete eine «chwererkrankte. die die iiaiseri» sur die ne be^ dienende Tcknoeuer dielt, ne . nirrne schweffer" an. Ai» die barnidertige «chweffer d>e kranke aus idren Irrlum .:!isiiiertiain inachen wollle. verdindene du Monarchin dio» in» den Worten: ..Laffen Tie doch, ich din >a io gern die Lchweffer der Armen " L,e besuchte auch daung 'die Ec 'angni» und Bonerung» Anffatteo Bei i^elegendeil eme» solche!׳. BEuche» ira׳ e» ׳ich da« ffc tu'allig ״, 'einem «aale ׳ oder »> ludischc Mädchen ׳and. unter itme» ein un!d von 12 l t Iadre», das deftig weinte. Ecrübri von dem schmerze der »leinen näderie sich ihr die itaiserin und sprach »e sanft an: doch war das Stint״ t׳on dem Anblicke de» Hoden Besuches so verwirrt, baß es anfangs gar keine Worte nndcil konnte, lttur aus mildes Zureden und die wiederboltc Trage, warum es so heftig weine, vermochte c» endlich de» Grund seines Cchmerzes nach und »ach in abgebrochenen Latze» hervorziiffammeln: ״Majestät." ries da» Stuid, ״ich bitte um t^nad» für meine arme Mutter: iie ist im Gefängnis, während zu Hause fünf kleine Minber nach ihr jammern, die keine» Pater mehr habe» und jetzt ganz vcrlaffr» üsd. Ich. die älteste, konnte bis jetzt »och bei >b»e» sein: K «ibein ich hicrdcrgekommen bin, sind meine »»glücklichen Geschwister ganz allem " ..Wie lange schon ist es her, baß Teine Mutter bon euch wcggesiidrl wurde," ״«cho» drei Monate." Tie )taiierm schwieg, »ab»! ihr Notizbuch und schrieb etwa» binei». .Und warum wurdest Tn bestraft'" ..Ich ging aus den Markt, kam zu einer Obstfrau, nahm einige Birnen und steckte ste ein." Tie rtaiserm winkle ihrer Beglctierin bedeutungsvoll, wie wenn sie sagen wollte: .Ta» ungltickliche Stinb' wie mancher mag wobl einmal L'bst genommen haben, und e» geschah ihm nicht». Treilich ist es ertappt wordea. und dem Gesetze muß man ׳eine» Laus laffen." Einige Zeit »achder die Mutter balle bereit» de» Rest ihrer Ltrai'e geschenkt erhallen ließ die Kaiserin den ׳Tberrabbmer Istbore zu nch bei Heiden. Ta beneide nch gerade zur >tra׳tlg»ng seiner Gesund heit in einem der Taunusbäder deiat d. trug der Präsident de» Stonnstorium». Baron von Rothschild, an. ob der _21 Juni 1906, Wind zu wehen braucht und er ist in alter Mächtigkeit und Sieger kraft wieder da. Weist man das Steina'rer des Materialismus nach, so läuft man Geiatzr, das Gege,1teil von dem. was inan zu bt weisen hofft, zu erhärten und sich selbst ins Fleisch zu veihen, ohne den Gegner auch nur im geringsten zu verwunden. Wir wollen dieser billigen Methode uns nicht verschreiben, reden uns vielmehr rin, der Materialisnius sei neu, wie der jüngste Tag. sei frisch, wie eine aufblühende Knospe und versuchen einmal, von den historischen Großmüttern dieser Geistesrichtung abzu sehen und uns rein auf die Sache selbst zu verlegen, den Kern der Anschauung selbst zu treffen und uns dann zu fragen, ob eine solche Weltansicht, wie sie der Materialismus lehrt, wirtlich lebensfähig sei, ob sie den normal denkenden und empfindenden Plenschen wirklich befriedigen tonne, ob nicht vielmehr das ganze Weltgebaude, das uns der Materialismus vor die Augen zaubert, eitel Blendtverk sei. gut für Kinder und Idioten aber ein nutzloses Spielwert für Ver nünftige und Erwachsene, die, wenn sie was amü santes sehen und erleben wollen, lieber ins Theater oder in den Zirkus gehen, jede Phantasterei aber streng von sich weisen, wenn sie über sich, ihre Stellung in der Welt und zu Gott, ihre Bestimmung und über den Grund ihrer Leistungspflichten sachlich ins Reine zu kommen wünschen. Da wird es sich denn Herausstellen, daß die wahre Wisienschatt, die nie uns *elbsi, den Erlebniffen unserer eigenen Welt dcn Schtvingungen unserer Seele, dem Verlangen unseres Herzens und unserem Wunsche, gut und groß zu sein, widerspreckffn darf, wenn anders sie das Attribut ״wahr" nicht verlteren soll, die kräftigste Bundesgenoffin jener Geistesrichtung ist, die den Materialismus verwirft, nicht weil er von der Philosophie, von den und den lebendigen oder gestorbenen Denkern widerlegt wurde und widerlegt n ird, die ihn schroff zurüctivkist. weil er, losgelöst von allen seinen zeitlichen Schicksalen, an und für s i ch eine Lüge ist und mit allem, was wir für wahr halten, weil wir, von einem inneren Drang getrieben, es für wahr halten muffen, nicht anders können, als von seiner Wahrheit überzeugt zu sein, in vollendetem Gegensatz steht und 00 ipso falsch sein muß. Eine andere Widerlegung des Materialismus in alter und neuer Gestalt gibt es nicht. Es ist nicht nur vergeblich versucht, Darwin und Haeckel damit ans dem Sattel zu heben, daß man zeigt, wie bereits ältere Denker diesen Sattel gedrückt und mehr oder weniger glücklich davon heruntergestürzt wurden, eine gleiche Impotenz, das Wesen dieser waierialistischen Jrrtümer zu treffen, verraten זotche Pole unter, die das Unhaltbare lind wiffenschciElich noch nicht Rachgewiesene der materialistischen Hnpotl-esen, auf welch'n der ganze Bau beruht, aufzeiaen. Gewiß, es soll nicht geleugnet werden, eine dankenswerte Rabbiner telegrapbisch zurück berufen werden solle, er be finde sich eben zu seiner Erholung in einem deutschen Bade. ״Nicht doch", ließ die Kaiserin erwidern, ״er möge uur recht gut seine t^esundheit pflegen." Nur seine Rückkunft solle inan fie wlffen laffen. '.ffatürtich teilte der Oberrabblner. sobald er wieder in Paris war, dies der .Kaiserin mit, indem er sich ihr zur Bersugung stellte. Tie Kaiserin bestimmte nun die Zeit, in der fie ihn zu sprechen wünsche, empfing ihn sehr gnädig und hieß ihn in einem Fauteuil »eben sich Platz nehmen. ״sie waren in einem Bade, woran leiden Sie denn?" ״An einem Halsüdel." ״O, do» glaube ich, Sic werden sich manchmal über Ihre Gemeinde zu beklagen bade» und da»» so heftig predigen, daß Ihnen der Hals wehe tut!" sagte die Kaiserin lächelnd. ״Toch da» dringt mich aus den Gegenstand, um deffent willen ich Sie zu sprechen wünschte." Ich besuchte neulich eine Besserungsanstalt: da tand ich min auch einige Mädchen Ihres ttzlaudens, die ganz und gar in ihrer Religion vernachlässigt werde». Nicht nur, daß sie keinen Religionsunterricht erhalten, sie leben auch nicht nach den Porschristen ihrer Religion. Könnten Sie denn nicht veranlasse», daß ein Perein gegründet werde, der rS sich zur Ausgabe macht, für die Befferung solcher t^eschöpsr zu sorge».' der es ermöglicht, daß sie in ihrer Religion Unterricht erhalten und nach deren Porschristen leben"" lllaiürlich griff der Rabbiner diesen Plan sofort lebhaft am', und versprach sofort sein Mögliches zur Perwirklichung desselben zu tun. Er beriet sogleich eine Versammlung an gesehener Personen, unter ihnen Baron von Rolschild, und da der Porschlag allgemein Anklang fand, so war der Perem bald koiisiiluicrt; die Ebrenpräsibentschafi wurde der Kaiserin übertragen, die dieselbe auch sofort annahi». — n.