Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 25 (21.6.1906)
- Date
- 1906-06-21
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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9h 2־., wtnt 2 _ gemeinden ofi flfr.uj in tot״ in sich auf uno auch, wo dies niciit geschieht. ist dcren Zahl doch stattlich genug. das Zusammengehörigkeitsgefühl auch in ter ״HkiuIk" so lebenskräftig. um nach einem Ausdruck in der Lefsentlickicit tu suchcn. 20 blühen z. P >" Berlin Bereine btr Rawilscher, der Schlesier. der Lissaer, der Mes ritzer u. v. a.. die allerdings die in, Juvengefetz ausdrücklich als solche vorgesehenen Auf gaden der Snnagogengemeinden zu erfüllen nicht als ihre Aufgabe anselxn, in der Tatsache ihres Bei einigungsbeskrebens aber doch die alte ideale Güter gemeinschast darstellen, »nd die ihre Wirksamkeit als Ferment rar Auslösung landsniannfchastlicher Eongregeuionsbildnna l׳ei sachgemäßer Anleitung und mit staatlicher Unterstützung leicht tu entfalten verinöckten. ferner aber und vor allem: die Divergent der religiösen Anschauungen und Betätig ungen innerhalb der Iudengemeinden Preußens, der Gegensatz zwischen Drthodorie und Resorm, der Ab stand ein drastisches Beispiel zu wählen der Iobannikstraße in Berlin von der Artillerieitraße :'2, ist dock wohl auch schon aus den ersten Blick deutlich und breit genug, um zum mindesten erkennen zu lagen, daß eine Vernunft und sackgemäße Beeilt flufsung dieser Entwickelung nur so crsoigen tan» und darf, daß sie dem Flusse der raschen und kräftigen Betvegung breite Straßen baut, daß iede Einengung und Schmälerung derselben aber zu Hemmungsbildiingen und Stauung-Vorgängen sük, ren muß. deren vkrhängnisnoslen Wirkungen auf die Dauer kein Organismus gewachsen ist. Bon allen diesen Erwägungen bat sich der Entwurf des Herrn Geb, Hofrats Dr. Rosin mi! l'ewundernswkrtkr L'bjcltivilät völlig freigebalten. Uno wir wären die Achten, ihm daraus einen Bor Wurf zu n.acken. Denn die Dinge s o zu schauen, dazu geboren nicht sowohl noch so ausgebreitetc staatsrechtlichePenntnisse dazu genügt nicht ein mehr ober weniger platonisches Interesse an den Schick salen und Ausgaben der Snnagogengemeinden - nein, das ersordcri eine innige Bcrtrautkeit mit den Freuden und Leiden, den Sorgen und Strebungen derjenigen, die man mit ״Wohltaten" beglücken will: dazu gehört ein Leben i n der Religion und nt i t der Religion, um zu wissen, was ste lehrt, was sie gebietet, was sie zu fordern hat: das bedingt einen!»eiten Blick her die (Grenzen des Studierzimmers sprengt und kinausdringt in die fernen, um daS Zukünftige der Entwickelung in ihren Anfängen, die treibenden Prüfte in ihren Wirkungen zu erschauen. Daß Herr Professor Rosin diese und noch andere Eignungen, die den berufenen (Gesetzgeber der?luden Preußens zieren müssen, nickt besitzt — das gereicht ihm nickt zum Dorwurs: wohl aber der Mangel an Selbsterkenntnis, der ihn trotzdem fick als erwählt erscheinen ließ, tväbrend er noch nickt einmal be rufen ist. Das Rezept, nach dem der Entwurf gearbeitet _Ter Israel«__ wurde, in. im Grunde, furchtbar einfach; nur daß > dar Einfachste hier nicht eben auch das Beste heißt. Ein bloßes Additions- und Mulliplikarionserempel von etwa folgender Art: Baden kennt in feiner Judenorganisation einen Sunagogenrat und eine Synode; geben wir dem Judentum deso viel größeren Preußens noch einen Snnagogenausschuß und z 10 e i Synoden, dann iss der ausgleichenden Gerechtigkeit Genüge getan und dem Bolle bleibt die Riligivu erhalten.!Bon größeren Gesichtspunkten und (^danken — man mag den Entwurf wälzen, wie man will — keine Spur! Doch, halt: die Einfuhrung des Proporz für die Pirckenwahlen iss wirklich etwas Reuts und wird dafür in der ״Begründung" auch gebührend unterstrichen. Und die Befürchtung is: nicht adzuweisen, daß es einer Tätigkeit der Herren vom D. I. G. B. als Erzieher der Preußischen Juden gelingen wurde, sie mit der Zeit zu einer geistigen Genügsamteil zu ״erziehen", die in solchen Quisquilien wirkliche Großlaten sieht. Sei es drum: >vir sind nickt bösartig genug, um io bescheibencn Raturcn ihre Daseinswonne zu vertümmern. Eine Prilik der einzelnen Bestimmungen des Entwurfbleibe eint nt nächsiwöckentlichen Artitel Vorbehalten. Heute zum Schluffe nur noch ein kleines, aber doch immerhin reck! bezeichnende- Faktum aus ״Einleitung und Begründung" de- Entwurfs! Wie Herr Professor Nosin in der Einleitung hervorbebt, hat Herr Rccktcanwalk Macho! in Pönigstein ״in umfangreichen Atten stücken" die Iudengesetzgebung der deutschen Staaten zusammen und dargestellt und ihm damit die Grund lagen für seinen Srganisationsentwttrf geliefert. Für die Betverlung diese- Matcrials iss es nun von einigem allgcnteii'en, und für!!».- Stthodorc von hervorrag-mdeni speziellem Interesse, daß Herr Mack.׳! (vgl. S. 27» zwar von der A l l i - r a c I i t i ז rtt 0 n P 11 l t u s g e m e i n d e in W icsbaden fett zu stellen vermochte, daß sie die Reckte einer Synagoge» Gemeinde besitzt, cs ihm aber verborgen geblieben zu sein fck?int, daß dasselbe auch für die Israel. Snnagegen Gemeinde A d a ß Iisroel zu Berlin zulrisst. Diese Penninis hätte man aber mit vollstem Recht sollen voraussehen dürfen bei Männern, die der Gesamtheit der preußischen Juden ihre Organisation vorzeichnen und allen ״Richtungen" gereckt zu werden nngedlick den Bort'ap haben׳ ihr Fehlen beweiss, daß diesen Männern He Kenntnis dcr Leben-verhältnisse wichtiger Gruppen der orihoderen ״Richtung" mangelt und die Borhebinaunaen einer gereckten Behandlung und Bewertung der selben also nicht aeaebcn sind. Als ein Snmprom dieser unzureichenden Kenntnisse von den Be^bältnissen der ptkut'ziscken Drthodorie muß es daher auch gclic», toenn Herr Pros. Rosin mir nnverbrüchltL,em Ernst sich aus die bekannte Rede des Herrn Benj, H i r s ck zum Beweise dafür beruft, daß, die Prin zipicn seines Entwurfs sich weitaebender Billiaung _21. Fun, ltHKj. auck in orrhodoren H.rei'en erfreuen. Wir honen durch Aufdeckung per Tücken und Rücken, welche der E»r nun' für die Lchthodorie enthält, am Ende auch nie verrrauen-scktassen Elemente in unseren Prei'en dabin zu ftibre!!. daß sie mit uns in den Ruf einssimmen: (V e a ן » diesen Entwurf, alle 10' a ת ח auf hie Schanzen! ID U OTsdj«OTM1n)d0dba1M. Die ^udetimetzeleten in Äialvstok. Ter Hilf-vcrein der deutschen Juden stellt vnaus den telegraphischen Berichten, die ihm über den Bialhssoker Pogrom zugegangen sind, die Nachfolgenden Mitteilungen zur Verfügung: T ie erste :'eachrichl, die wir über das schwere Unglück von dem untere Glaubensgenossen in Bialvftok detrosse» warden und, erhielten, war von unserem Grcnzkomilee in Proftken, Tas Telegramm war in der Rächt vom tu, bis I l, Juni anrgegeben und lautet folgendermaßen! ״Reitende ans Rußland, sowie mit henligem Abendzuge emgelroffenes rufsisches Zugpersonal berichten, daß Stadt Bialvfiok von Militär umringt nt. tu der Stadl selbst wiederholen sich Kiichinewer c^reuelszenen. Vielleicht konnte Petersburg drahtlich intervenieren," Eharakleristssch für die Lage war es, daß wir in Berlin von den Ereignissen trüber als untere Petersburger Freunde unterrichtet waren, Tie ersten Telegramme, die wir aus Petersburg erhielten, sprachen die Hoffnung ans. daß es stch wobl nur um einen unlergeordneten Krawall handeln würde. Leider hat nch diese Annahme durchaus nichl bestätigt Ein Telegramm vom lt>, Zum. '.',22 Uhr morgens an der rnssi scheu issrenze aufgegeben lautete bereits folgendermaßen! ״Metzeleien dauern in verflärkiem Maße fort, Militär balt noch immer Bialnstok zerniert und Hooligans morden und plündern Rach dem Walde rsseftüchlete׳ wurden von Militär umzingelt und ermordet Augenzeuge» erzählen, ein Lsnzrer bade auf dem Bahnhof selbn 2 Turchreisende ohne Anlaß mit feinem Revolver erfchoffen. Außer den dort ganiifonierlen vier Regimentern und kommandierten Koiaken ist ein Regiment aus Breftliiomsk zur Ausführung der Metzeleien zugezogen worden, Bialnftok soll dem Boden gleich gemacht werden. Allgemeine Panik ergreift auch die umliegenden Städte, Wenn nicht von oben sofort Halt geboten wird, in überall Schlimmstes zu befürchten. Ans gestrige an Kommerzbank Bialvfiok gerichtete tele graphische Anfrage, ob Metzeleien forldauern, ist soeben eine telegraphische bejahende Antwort eingelrossen. Tele gramm lauter, Bialvstsk tZ.lt l'.hr. Tut das Menscheumögliche, avvelierk an die öffentliche Meinung " Wir entsandten ferner sofort 2 Berichterstatter nach Bialvfiok, Ter eine nahm seinen Weg über Proftken, der andere über Warschau Ta Bialvfiok bisher vom Militär umzingelt ivar, so gelang es erst einem unserer Bericht crstatter nach Bialvstok zu kommen, der andere ist einstweilen nur dis in die Räbe von Bialnstok gelangt. Badirdtes Synagogen-ldyll. Ein Spaisommermorge» Warm und freundlich durchdrmgl die böberstelgende Sonn« da» entfache ländliche Gollesha»» mit ihrem leben weckenden Strahl, als freue ne sich, daß nicht nur draußen auf wogendem Aehrcnfeld, daß auch in Menschendcrzen. in den ״'emutem dcr Be lenden da drunten manch Saatkorn de« Eulen und Edlen zur Reife emporwachst, da da» Jahr zur Rüste gebt. Würdevoll schreitet der Vorbeter. die Thora, dir sieg aekiöul«, schildgewappnele, im Arme die Stufen des kleine» Almemor binad. der beiligen Lade entgegen. Heul' bat er nch wieder einmal warmgesungc» und getagt an de» io oft gesprochenen Worte», die so alt und und doch so ewig!ung Zn die Klänge de- ״Iedallelu" binein drängen nch ibm die zukunilücheren Worte der Schritt und de» Propheten die er eben gelesen und die ibn er weiß nicht warum gerade beule mächtig, beglückend und doch mit solch schmerzsichen, Wed gepackt, als gelte es Abschied zu »ebme» von einer Weil der Seligkeit!md des Friedens! ״lind wieder wird c^oit Tein Eott stch Temen Ber rrirdenen zuwenden »nd sich Temer erbarmen unb wird Ttch sammeln aus all den Völkern, wobt» Eoli Tem <tkotl Tick zerstreut. Und ob Tein« Verstoßenen am Ende der Erde welle», von dort wird Tick deimsammeln tH-n Tein Eolt und bo» dc-7l Tick ergreifen: Tich beimdringen zu dem Lande und Tick beglücken und vermehren mehr als Teine Väter," lind ich bringe sie beini zum Berge meines Heilig lums. und ich erfreue üe im Haute meines!9.׳Vetos ibre Emvoropfer und ihre Mablopfer zum Woblgefalle» auf meinem Altar Tie Tammecstund. des Fasttags steigt vor ׳.hin herauf, all die Taufende. Zebnlanfende der Väter unk Mutier, die mil müdem tiorver, geschwächt vom Zastei: und Erleben, an dcr unverrückbaren Eiiideuligkeii und 'Wahrhaftigkeit des Verheißuugswcrtes die Seele gestählt, öie Vater und Mutter, die in den Tod gegangen, felig. ohne »liieren ttamps weil sie sicher wäre», daß ihre ferne» Enkel einst, von diesem (ftottesworl geirage», beimkebre» wurden, auf eigenen, Boden der Menschheit die Herrlichkeit eines reine»!üdn'chen Volks leben» zu zeigen — ״Haichiweiiu baick,ein, wenofchuwo chadefch ,omenu kekedem " Mn Hellem Akkord ׳'chüeßt der ttnadench.״. und die eniiiebende Paute »»׳! den träumenden Vorderer in die Wirklichkeit zuruck: Warum s ihm fo >r-eb ,st ums Herz׳c Ach >a. da in s das Papier in der Brnstlaiche über dem klopfenden Herzen, ein Papier »nd, ebc er mit Ziß gadal die t^emcmde aufruft, im i^eine den Btußafdienst im Heiligtum wieder einmal »iitzuerlebcn. gilt s ,eru, Tolmetsch de» Papiers zu sem. vom Almemor berab das ׳Tffendarungs wort des 'Tberrates der Fsraelnen zu verkrin den Vert.chwunde» die Traume, nur das ׳Web ist gedlieden Für neunzig Pfennige io lauier die.ttunde, die er letzt von gcbeiligler Stätte dcr laiii'chendc» ftetneinde zu künden bat - für neunzig Pfennige k.tn» jeder treue badische Israelit das neue im Eeiste dcr Wabrbeil und der gereinigten badischen Togmarikerzeugte oberrätlich badische «^tedel buch erstehen, auf daß er und feine ,ttmder selig werden und es ibiien wohlergebe auf Erden, :'rach Erscheinen kostel's viel mehr also eilt, tbr Turstigen. eilet zum Wasser, gebt, er« werbt es, stärkenden Wein und iieebrende L'kilch Weiler darf er nickrs tagen, nichts - so sehr cs ihm auf depe Lippen zuckt und rminer erregter das treue Herz schlagt l» der Brut: nichts von all den schönen Tingen, die außer gutem Truck und holzfreiem Papier für neunzig 'Pfennige das oberroiüch badifchc ctebetbuch denen bringt, die cs gläubig an die Livven brückeil. Sie sollen 's ja. so will s die zeirtfiihlende Hobe Bebörde. nicht allzuklar erkennen, die Irenen Schasse!», was in den Spalten des holzfreien Eedelbuckies für neunzig Pfennige lauert - das religiöse tssefühl soll ja nickt verletzt, nur unmerklick revidiert werden . dürfte er reden, wie würde er »nt sdlammen zungen predigen, Lun macken dem gepreßten vwrzen, das zwar für die auf Eruiikzehalt und Zulagen angewiesene .ttinderfchaar dabeim in Liede schlägt, das aber nickt minder drum den löilicben Eegenfaiz empftndet zwischen bitterer Beamrenpstichl unk dem treuen!udifchen Bewußtsein Langsam falte! er fein Blau zusammen. —- Sabdaih in s. man toll nickt weinen — die Wahrheit wird dock nicht sterben — ne wirk dock Recht behalten, die Tbora dadrüden. die steggekrönte, fchilkgemappnete, im .Rampfe mit dem :'keunzigpfenniz itzebetduche, beimsammeln wird Eotl ׳ein Volk von den Enken der Erde trotz iTberrat und Religionskonferenz, auf bochrabender Zions böhe. in Karlsruhe nickt, in Jerusalem lein Heiligtum grünten, der Tavidssproß besteigt — ob auch ^verrat und Religwnskonferenz proletneren — den Tbron des ctzottesrcicves und von dem belebenden Hauche der Eottesmachl