Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1906-06-21 · 25 (21.6.1906) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
25 (21.6.1906)
Date
1906-06-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2446951-9543451-9888752--0454-7374954
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Israelit Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum Begründet non Dr. Lehmann in ülaioiz 47. ZcryrgüNg. ijfrnnhfr.rt n. W., drr: 2j. 3um 1900. 28. Kitvau §bl?b. . Iä £5. Der ISraelit erscheint jeden Donnerstag. ׳Abonnements: Gewöhnliche Ausgabe Mk l.5»0 vierteljährlich, Heslausgabe aus itunttdruckpavier Mk ".i vletteljährlich. ,Ausland«. Preise für die qew. AuSqabe: Oesterreich 2 Xr., Rußland l Rub., England 2 sh, Aincrika 50 cts, Niederlande 1,20(1.) Abonnkineiit« bei allen Rasta׳״» il'e». ״,,«,»׳!»׳».s, direkt bei der Expedition, Heslausgabe nur direkt. Inserate: W Pfennige für die sechSgespaltene Eolonel-Irile! Rabatt nach Tarif Inicr Ucuan» cd,... nur durch Ha äsen st ein & Vogler A..G in Frankfurt a. M. und deren Itltalen. KM- Wir bitten, von nun an alle Sendungen gefl. an den Verlag de» »Israelit* W. m. v. H., Frankfurt a. M. richten \n wollen, da von letzt ab auch der Druck hier erfolgt. Zzum (Huartakvechlel. « « Wir bitte« unsere l*o*t-.4bounent«»u, ihre BrfteUungeo bei der Ponanstatr ihres Wohnortes eevAt»« ttix erneuern zu wollen, damit Verzögeruugen in der Zustellung vermiede« werde«. ^rrlafl ks.Zsrnrlil' lt. 01. d. H. Neue; LUeb! Schon hatten, nachdem die ruflischen Astern, die eigentlichen historischen Tage der Judenmeheleien. friedlich vorüber ivaren, auch pessimistisch denkende Beobachter zu hoffen gewagt, daß die Aera der organ? steilen Pogrome vorüber und daß die Zeit gekommen sei, in der unsere russischen Brüder glualich mit ihrem Alltags elend in den friedlichen Kampf um ihre Menschenrechte eintreten könnten. Mit furchtbarer Gewalt hat das grosse Schlachten in B i a l h st o k. über das wir an anderer Stelle berichten, diesen schönen Traum zerstört: wieder sind dieselben dunklen Mächte an der Arbeit, die zum Entsetzen der ganzen Kulturwelt die Oktober Metzeleien ins Werk gesetzt hatten, und die jetzt, da die Tätigkeit der Duma der Regierung unbequem zu werden droht, die Zeit wiederum gekommen wähnen, in Judenblut die russische Revolution zu ertränken. Imst möchten wir fürchten, das, dieser neue Ausbruch der Bestialität im zivilisierten Westeuropa nickt denjenigen Widerhall finden wird, der in den Novembertagen doch bei einem Kreis von menschlich fühlenden und mutigen Männern zu konstatieren war. Zu rasch stumpfen sich die Gemüter ab. und wieviel fehlt daran, dass man die Judenmorde und Judenpliinderungen als eine ״berechtigte Eigentümlichkeit" des russischen Staatslebens anzusehen beginnt! Umso tiefer mögen wir Juden das unsagbare Weh unserer russischen Brüder, den Jammer der Gemarterten, die Todesangst der Zurückgebliebenen mit durchleben: vie'e innere Gemeinschaft ist ja die erste Borbedingung für alles prüfcnve Erwägen und für die helfende Tat, an denen es auch in dieser schtveren!)tot, wie allezeit, nicht fehlen wird. Das tznebelgelek. I. 10. Berlin, 10. Juni. Der Schleier, der so lange das Roün'sch« Ge setzgedungswrrt bedeckte, ist dank dem Eingreifen des ״Israelit" endlich geliisiet. Bis zur vorigen Woche befanden sich nur tvenige preussische Ge׳neindevor stände un Besitze des ״Entwurfs eines Gesetzes über die Organisation der israelitischen Religionsgesell schaft in Preußen," verfaßt von Geh. Hosrat Dr. Heinrich R o s i n . orüentl. Professor der Rechte an der Universität Jreiburg i. B.. im Aufträge des Au?; schusses des D. I. G. B., der den Entwurf zur Begulachtung stellt. Ter Gemeindebund hatte die Bor stände ersucht, den Entwurf vertraulich zu behandeln. Allein, abgesehen davon, dass die Oeffentlich - keit eine vollen Anspruch darauf hatte, über Natur und Charakter dieses so lange geheimnisvoll behandelten Opus endlich Aufklärung zu erlangen, und gegen die Brrkehrtheitcn und verhängnisvollen ssolgen der Gesetzgeberei. mit der sie beglückt iverden soll, lauten Protest zu erheben, war überdies die schulmeisterlich brüske Art. mit der zur Strafe für unabhängige Kritik die Herren vom D. I. G. B. das Ersuchen des ״Israelit" um Mitteilung des Ent wurfo vor einigen Wochen a'׳lehnen zu dürfen glaubten, ganz geeignet, jeder Rücksichtnahme auf deren Willen und Wünsche zu überheben. Die Herren müssen es endlich einsehen lernen, dass die ״orthodoxe jüdische Ecke" sich weiter ins Land erstreckt, als sie 01 glauben scheinen, und dass sie das Recht, sich geltend zu macken, trotz der Philipp׳on und Konsorten, zn behaupten wissen wird. Zur Sacke! Man hat unserer Zeit von berufener Seite den Borwurf gemacht, dass sie. im Gegensätze zu der vorangegangenen Periode, an ge׳ setzgeberischem Unvermögen kranke, dass ihre legis laioriscke Tätigkeit über Not und Gelegenheitsgesetzt, kleinliche Polizeimassregeln und veratorisches Bevormundungsbeainnen nicht hinauskommt, die grossen Gesichtspunkte aber vermissen lasse, von denen die Gesetzgebung der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts so glänzende Proben bietet. Wer den vorliegenden Entwurf gelesen hat. wird zu diesem Urteil erst recht geführt worden sein. ״Das Unzulängliche, hier ward's Ereignis" — das Wort ver» dient als Motto dem Entwurf voranzugeben —; und hätten die Herren vom D. I. (S. B. ous dieser Erkenntnis heraus die Sekretierung des Entwurfs beschlossen j!e wären verständnisvoller Zustimmung in weiten Kreisen begegnet Dir Neuorbnnng der Gemeindeverhältnisse Preußens es fit eine Per speklive von immenser Breite und Tiere, die diele Aufgabe dem berusenen Bearbeiter eröffnet. Um nur einige Punkte kurz zu berühren׳ Die Entwickelung der Grössenverhältnisir. welche sich im Laufe der Jahrzehnte vollzog, hat die Bestimmung aus ■״» des Gesetzes vom Jahre 1*47, wonach das Vorsteher« amt unentgeltlich wahrzunehmen ist. für die Grossqemeinden unhaltbar gemacht und faktisch dieselbe bereits vielfach ausgeschaltet oder ein geschränkt. Es wäre ein Segen für die Svnagogen Gemeinden, wenn oirsc Borschrisi l-rsri-igt und damit zugleich das Mrhältnis zwischen Vorstand und Repräseniantenversammlung eine Neuregelung in der Richtung erführe, wie sie etwa dcis Gesetz über die Kommunalverrvaltunq bei Abgrenzung der Be sugnissc und Pflichten zwischen Magistrat und Stadtverordnetenvcrsammlung einschlägt. Warum sollte, was kleinen Kommunen reckt und billig und mit den vollendetsten Ehrbegriffen wohlvereinbar erscheint, für die Verwaltung mehrtausendköpsiger jüdischer (ssemeinden — von Riescnkompleren wie Berlin zu schtveigen — nicht angemessen und zulässig sein? Jerner, de: Aussaugunqsprozess der Kleingemrinden durch die grossen, der m den allgemeinen Verhältnissen allzuwohl begründet ist. um aufgehalren werden zu können, fordert rechtlich wi» tot״׳chlich geradezu gebieterisch die Aufhebung, mindestens die weitere Beschränkung des seit IH12 bestehenden Parockialzwanges für die grösseren Snnagogen« gemeinden. Tatsächlich: denn es braucht schwerlich erst unter Beweis gestellt zu nxrden, dasi mit der räumlichen und quantitativen *immer grösser anwachsenden Ausdehnung dieser Gemeinden die Bor aussehungen, aus denen die Parochialeinheit beruhte, mehr und mehr aus dem Wege geräumt werden, da die Weite der Entfernungen die Möglichkeit, tre geistige und religiöse Bielartiqkeit die Neig« u n g zu übereinstimmender Betätigung religiöser Interessen und Empfindungen völlig unterbindet. Berlin W. ist nicht nur räumlich von Berlin O. ge trennt, sondern es klafft auch im Durchschnitt der religiösen und allgemeinen Weltanschauung sicherlich ein tieferer Spalt zwischen ihnen, als z. B. zwischen Neustadt und Pinne, denen gleichwohl die Wohltat der Autonomie zugebilligt wird, während sie den Berliner Stadtbezirken versagt bleibt: und nicht anders ist es zwischen dem Zentrum und den Aussen bezirken, und nickt viel anders in vielen anderen Grossgemeinden. Aber auch ck»- jnirrechtfertigt sich die Zerlegung der grossen Gebilde in kleine Vereinigungen. Nehmen ja diese Grossgemeinden den Bestand der kleinen Nachbar׳ oder Provinzial-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.