Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 24 (14.6.1906)
- Date
- 1906-06-14
- Page
- Seite 70 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 2× ep/1047930
- Agen 1× ep/1043981
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70 Kolonie bei Kam leb gekauft wurde. Die Zahl der Templer in Palästina belief sich 18 «8 auf 850, 1884 auf 1300 Seelen. Im vorigen Jahre betrug zwar die Zahl der in den Kolonien leben■ den Deutschen 1371, die Zahl der Templer war aber auf 1116 zuriickgegangeii, der Rest bestand aus 239 Evangelischen und 16 Katholiken. Man sieht demnach, ein numerischer Fortschritt ist in den letzten Jahren kaum zu verzeichnen, wohl hingegen ein wirtschaftlicher, indem jetzt der grössere Theil der Kolonisten in auskömmlichen, ein bedeutender Theil sogar in guten Verhältnissen lebt. Die Kolonien in Jaffa und Jerusalem sind fast rein städtischer Natur, die Kolonisten sind grösstentheils Handwerker oder Kau Heute, die Kolonie in Jerusalem besitzt kein Ackerland und nur 1211a Weinberge, während in Jaffa neben 32 ha Weinbergen noch 15 ha Ackerland und 8 ha Orangengärteu gezählt werden. Auch die Kolonie in Haifa ist eine über* wiegend städtische, doch finden sich hier neben 33 Handwerkern, 13 Gewerbetreibenden, 9 Kaufleuten, 13 dem Beamtenstandc. oder liberalen ProfVssioncn angehöi enden immerhin noch 23 Winzer und Di Bauern. Die für Getreidebau brauchbare Fläche ist 28!) ha gross, dazu kommen 37 11a Weinberge und viel noch brachliegendes Weinlaud auf dem Karmel. Die Kolonie Sarona ist überwiegend landwirtschaftlich, indem sie 20 Bauern und 10 Winzer neben 24 Gewerbetreibenden und Handwerkern beherbergt, und über 300 ha Ackerland. 150 ha Weinberge, 24 ha Orangegärten, 2 ha M ahlanlage und 1 ha Oliveugürten verfügt. Die neue, etwa 15k111 von Jaffa gelegene Kolonie ist ca. 900 11a gross und dürfte sich zu einer für's erste fast rein landwirtschaftlichen Siedelung entwickeln. Alle Kolonien zusammen verfügen also über 1500 11a Ackerland. 231 11a Weinberge, 33 ha Orangen und Oliven. Das lebende Inventar besteht aus 180 Pferden, 9 Maultieren, 70 Eseln, 494 Stück Hornvieh und 257 Schweinen, dazu noch Ziegen, Hühner und ca. 200 Bienenvölker. Ein grosser Theil der Pferde und Esel gehört der städtischen Bevölkerung, oder wird doch des Lohntulirwerks wegen gelnlten. Wie man sieht, ist die landwirtschaftliche Bedeutung der Templerkolonisation keine sehr grosse; an! meisten leisten sie noch im Weinbau, indem sie über 4000 Hektoliter Wein produzieren, den sie auch schlankweg und zu guten Preisen exportieren, — erzielt doch in Stuttgart dei Templerwein 75—100 Mk. pro Hektoliter, also einen mindestens doppelt so hohen Preis als derjenige, zu dem die wohl etwas besseren palästinischen Weine der R 0111 s c 11 i 1 d'- sehen Kellereien in Hamburg momentan noch verkauft werden. Da das eigene Gewächs der Templergemeinde der Nachfrage nicht genügt, kaufen die Weinkandier von Sarona und Haifa auch noch grössere Quantitäten Wein von jüdischen Kolonisten, bezahlen ihnen etwas bessere Preise, als letztere in den Rotkschild’schen Kellereien erhalten, und erzielen trotzdem noch einen bedeutenden Profit. In Sarona sind drei Weinhandhingen mit eigenen Keltereien, Kellereien, Brennereien und Küfereien, sowie eine Schaumwein- und Likörfabrik, in der Kolonie von Jerusalem leben 2 Weinhäudler und 1 Weinbergbesitzer, in Haifa sind mehrere der Weinbergbesitzer und Kaulleute gleichzeitig Meinhändler. Ein weiterer wichtiger Erwerbszweig der deutschen Kolonie ist das Lohnfühl•werk. Viele der Fremden, die Nazareth und T i b e r i a s besuchen, fahren mit den M agen der deutschen Kolonisten von Haifa dorthin, ebenso liegt der M’ngenverkehr Haifa-Jaffa zum Theil inihren Händen 8arona versorgt Jaffa z. T. mit Milch und frischen Gemüsen. Haifa besitzt zwei Seifenfabriken, eine Bierbrauerei und eine Pampfmiihle, Jerusalem eine Bierbrauerei, eine Zementwaarenfabrik und eine Dampfmühle, eine andere befindet sich in Sarona; dass es den Kolonien nicht an Aerzten und Apotheken, Lehrern und Lehrerinnen fehlt, ist ebenso selbstverständlich, wie das Vorhandensein von Gastwirthschafteii in deutschen Siedelungeu, ja sogar die besten Hotels in Haifa und Jaffa befinden sich im Besitztvon Deutschen. In Haifa leben auch ein deutscher Ingenieur und ein Techniker, während in der Kolonie bei Jerusalem zwei Architekten, ein Meteorologe und ein Natural- Sammler aufgeführt werden. Durch die grosse Zahl guter Handwerker, Gewerbetreibender und Leute mit höherer Bildung, sowie durch den Kredit, den die Kaufleute gemessen, üben die deutschen Kolonien einen weit grösseren Einfluss aus, als wie der Zahl nach gerechnet ihnen sonst zukommen würde. Sie stellen eben die Pioniere westlicher Kultur im Orient dar, und auch die Palästina- Bank in Jerusalem, Jaffa und H aifa findet in den deutschen Kolonien eine wesentliche - Unterstützung. Auch landwirthschaftlich kann man sie als Pioniere betrachten: in der Einführung moderner landwirtkschaftlicher Geräthe, wie Mähmaschinen und Pflüge, sind sie den jüdischen Kolonien zeitlich vorangegangen, und in Bezug auf Futterbau sind die letzteren noch heute voraus. Mit echt schwäbischer Zähigkeit haben die Leute es verstanden, sich den ortenta-