Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 24 (14.6.1906)
- Date
- 1906-06-14
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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fix. 24 Seite l<> Ter Israelit. > > Juni 190♦’■ schüft, d. h. wir glauben und erkennen, dri kalrem Blute, das Sürdhafte einer gewiffen Handlung, üben sie aber doch aus Eigennutz, Bergnüqen u. drgl.. oder aber wir sündigen mit lalter, ruhiger lieber legung aus Unglauben, Gleichgültigkeit oder gar aus Verachtung eines Gesetzes, wir lehnen uns gleichsam muthwillig gegen Gesetz und Gesetzgeber auf. Ersterer ist ein «sin letzterer ein שישע wie חדי sagen: ששע־ד אלו הם־דיש. Tie Nebenbestimmung ש־אל• soll entweder bezeichnen, das! von einen! ש־אי• (also ein דש־אי הש־שע oder daß von einer Auflehnung gegen ein jüdisches Gesetz die Rede ist. Ein ש־שע ש־אי• ist also nicht vom Iudenthum auSgeschloflen, sondern ein ״-׳אל, der sich die muthwillige liebertretung eines oder mehrerer jüdischer Gesetze zu Schulden tommen läßt. Wer nicht mehr zum Juden thum gehört, tann wohl ein 5ישע. aber teil! ישדאי sein: am wenigsten aber ist dieser Ausdruck mit dem eines Ketzers zu identificiren. Somit häite ich nun Ihren Vorwurf größtenll-eils zurückgewiesen 1 aber fern sei es von mir, je zu heucheln, am wenigsten aber mochte ich, in vertraulicher, freundschaftlicher Mittheilung, andere Gesinnungen aussprechen. als diejenigen, die ich wirklich hege, selbst wenn mich strenger Tadel treffen müßte. Und so must ich frei und offen betennen. daß ich Herrn G—. Ilreizenach u. Eons.— zwar für sehr gtlehrte, gebildete und geschickte Männer halte. kurz für Alles, was Sie immer wollen, nur für keine — Juden. Ich rede hier nicht von der Persönlichlcit dieser Männer, bewahre! es ist lediglich eine wissen schaftlicbe Meinung, daß nämlich diejenigen, welche sich wirklich zu den Grundsätzen dieser Männe: bekennen, und darnach handeln, nicht wie Juden glauben, nicht wie Juden leben. Und wenn es jenen Männern freisteben soll, ־, רבגוr:, die ־*־־־ und alle ־:די ודד:־ vor oder unter ihrem philosophischen Mikroskop dir Revue posiiren zu lasten, und nach Belieben zu mustern: so wird es uns auch unbenommen bleiven. eben!ene (ein philosophisches Mikroskop hat unser Einer nicht, aber Betrachtungen wird man uns hoffentlich nickt absprechen > vorbei defiliren zu losten, und nack unserer schwachen Einsicht ein Uriheil auszusprcchen. Tast jene Herrn die Tradition leugnen, lagen sie unumwunden, aber auch mit ihrem Glauben an die Göttlichkeit der ת-ה sieht es erdärmlich aus. Wie können sie, wenn es ihnen damit ernst wäre, die wichtigsten .חיכי נ־־,—, יחידי :צ־־ auf Grund abgeschmackter Hvpothesen. deren Unkaltbarkeit ihnen selbst einleuchtend sein must, ausgekoben wissen wollen, und solch ein reformirtes Iudenthum. als das alleinseligmachende, der Judenheit gleichsam ausdrängen? Wabrlicki. dazu gehört ein lehr weite- Gewiffen. Leute, die sich erfrechen, die ־נד־ ־־לד־ .excentrische Illusion verbreitende .stöpse" zu schimpfen: Leute, die in den Werken unserer Korbphäen. als אב: די־א ,p־:״בד, “:׳ nur ägyptische Finsteinisz zu erblicken vorgcben: endlich Leute, die sich nicht entblöden, Stellen aus dem Talmud zu verfälschen, und zu verdrehen, um den Nickt gelehrten irre m leiten: wenn solche Leute noch auf Schonung und mildes Urtheil Anspruch hätten! — Nein, wahrlich um eine solche Toleranz beneide ick Niemanden. Ich wünschte, Sic hätten das ncucstc Wcrkchcn des Sldenburger Rabbiners, betitelt: ״ :שתי,:c: oder .Mittheilungen aus den Briefen des Ben llsiel" gelesen. Sie wären dann gewist von der Wahrheit dieser Facta hinlänglich überzeugt. Ja diefe Leute die das Iudenthum zu verfechten stch rühmen, sind in der Tat die ärgsten Feindc des wahren Juden ihums. Ich lese übrigens י׳ ח—:r: ד־י׳ : c יי: בד wie folgt: שיש־ ־ד ־:׳ס-: ר-.— •א■:־ שא•: -.-ח די א־י־ אסיי" ח ב־ א־־", אד אד־, דש־ אד־, p־rc —־ , אש דם• עצרי, ־־־ י־ ב ש בחי־ה, יכז דכים־ בס־־ש־, *־•א חי־א א—r •י—יי־ דצ~ וי ב דע י־ א־יח יכב־ בבי־ ־,— ד אדס ־׳ח״ דעד ־־ כ:- ־:•צייד 'י־כ־יד, כי א— דשיש־ איי בשר בחי־־ זדב und finde demnach mein llrtheil nickt zu hart. Ich habe einst in einer Terafchak die Stelle der א־בע־ בניד, wo man daS ישעיח des ־ידע >der doch dicselb« Frage wie der כבtkutl nickt ausfindig macken kann, dadin erörtert. Wir können nämlick Alles und Jedes zum Gegenstände unserer linker suchung machen, jeden Zweifel aussprechen und darüber Belehrung verlangen: nur dürfen wir nicht aninastend unS an dem Heiligen vergreifen, weil eS uns unvernünftig scheint: dürfen daher nicht adurthcilcn, und um unserer Zweifel willen als Lehrer und Reformatoren auftreten. Bei den ג־ בכים heißt tü überall, ודיר. ב• ישאלך .er fragt, verlangt Belehrung": beim ־שע hingegen heißt es. :יהיה כי יאדד אליבד בכבד .er fragt nicht, nein, er spricht, reformirt. ״ ד־, העב־ד דואח לבבwozu euch dieser Tienst?" Ich bin weitläufig und leidenschaftlich geworden: wahrhaftig wider meinen Willen: aber Sie müssen das schon Ihren. Freunde zu Gute halten. Wenn ich auf dieses Vapitel komme, kann ich bei dem festen Vorsätze, kalt und ruhig zu bleiben, mich dennoch nicht erwebren, in Wallung zu komme». Und nun noch einige Worte zur Beantwortung Ihres wertben Briefes. Sie meinen, geehrter freund, der Ausdruct, ״wir verhangen keine thätliche Strafe" u. s. w. wäre jesuitisch. Ich erwide-re nur, dast ich unter dem Wörtchen w i r keineswegs meine Wenigkrit und ineiiiekgleichen bezeichnet wissen ivollte. Wohl weif: ich. dast wir jetzt keine Jurisdiction mehr Kaden. Bielmehr verstehe ick darunter die jüdischen Grundsätze überhaupt, und zwar. יא• שאין בל דעשר "1א" '‘יקיז עי; wiewohl jede Uebertretunq einen עינש בי־י שדיב nach sich zieht, aber leine thät liche SEcne verhängt die Torah ביהי א־ד auf Gesinnungen, Meinungen ohne Handlung: eine moralische Srraf? jedoch kann nicht ausbleiben. Sie behauvten ferner: jede Meinung über religiöse Gegenstände bat auch noihwendig unmittel׳ baren Einslust aus religiöse Handlungen, zumal da דציח צ־־כ־ח :•;ר. Bei weinen angeführten Bei spielen aber sehe ich dies gar nicht ab- Ter Glaube an ביאח ־דשי־ kann immer auf irgend eine Hand׳ lunq Einfluß üben, da ich durchaus keine דציה kenne, die mit diesem Glauben in Berbindunq stehet. Ich kann bei dieser Gelegenheit nicht umhin, eine merkwürdige Stelle des ידיכן in gedrängter Ztürze zu coviren: ־ע בי אד כדבים ביב:• שששעחי י־דאח אביחי״ אבה־ דאחגו כל דנהדיח, ישיאייך ד. עלי:י אח ר:'•־־. יא", כי- •ביי,בי זה לא ידק בעקי דחייה דאיד־, ב• ־:־ א ן חבייח;דיל:־ ידיח רדש־ה יאכיל דדי׳ ראיין •ב־, חד יא דקיבנת ועבירת בית דדק־ש רד חבל-, השצי דד:י אבל :די: יבב צ היא ה" רעילד דכא יד.־.ע:: ר;שש רתע:-. הנשיא ר:ק־א נ; ע־ו ידנצל דעחש ד:־ר;ם" •דר (עיין באי־ עי;יד ־לק ידית עילד ד ־ ש־ק נדני. בצת צי ב ת בחר heistt aber überhaupt nicht, wir wären verpflichtet, bei Ausübung der דצית an tif Ursachen und den Nutzen der.סציד zu denken: sonder» wir müffen sie mit Andacht üben. Wenn wir daher bei einer religiösen Handlung nur denken; wir wollen ein göttliches Gebot üben, und dadurch unsere Ergebenheit in Gott und seinen Willen an den Tag legen; so ist dies schon בחר genug. Ich behalte mir ror, so Gon will, in Zukunst über diesen Gegenstand ausführlicher zu sein. Sie fragen ferner, ob ich der Zeit gar keinen Einflust aus Religion einräume? Ich anttvorle, hätten wir nur vorerst eine Grenze »m den heiligen Berg gezogen, und festgestellt יא ת:ע - ־־ , so würde noch ein weiter Spielraum bleiben, wo wir uns frei bewegen könnten, und die Zeit ihre Rcckte geltend macken könnte. Aber >ver soll die Grenze bestimmen: und werden wir uns je darüber verständigen? — Eine Denk und Glaubreligicn, ohne alles Handeln ist das Iudenthum nie gewesen, und wird es niminer sein: aber was die Zeit vermag, ivird auch nur die Zeit lehren. Wenn Sie aber behaup'en, die ־ככד רתידי־ batten mit erstaunenswürdiger Freiheit den Geist aus llnlvsten des Buchstabens emanzipiert: so —- verzeihen Sie — ist dsts zwar nicht jesuitisch, wol aber G—ifch. Wv die Tradition dem Buchstaben der SchriN zuwider ist. halten wir dies nicht für Ne iorm, sondern kür göttlich überlieferte Erklärung der Sckrirt. wie r. B. ,-.ידצית את בש־ ,דן תה-. ׳ und dergleichen. Vrosdul und ähnliches beweist durchaus nichts, nach dem Grundsätze ־שק־ כיד רשקר, und ist, zu alle:! ,Zeiten, in Betreff des Mein und T׳in von diesem!steckte Gebrauch gemacht worden. Mein Bruder ist in feinem Hefte, das Sie gelesen, ausführlich in Betreff dieses Punktes. תקנת רב:ל ־ש:; waren heilsame Einschränlungen. aber keinem positiven Verboie vder Gebote entgegen. Im Vertrauen gesagt, bade ich gegen Pre digt und dergleichen, was die Sache selbst be trifft, gar nichts, und tadle nur das ängstliche Rachäffen der christlichen Ztrrche, halte es überhauvi nur für Form, wiewol man dies für Geist und Kern ausgibt. Aber irgend eine דצת עשה ייא תעשה als Schale abstreifen, wird die Zeit nieinals forderi: können, und nur der Urheber der Zeilen muß uns offenbaren, daß es jetzt an der Zeit ist, diese vder jene דציה aufzuheben: und zwar so offenbaren, wie er einst die Thora geoffenbart. Tiefer Grundsatz ist nicht neu. und Ihnen gewiß wobt bekannt. Aber auch eine erlaubre zeitgemäße Reform er fordert Autorität. Nicht jeder unbärtige Schu'junze, dem die Regierung den Titel Rabbiner beileg!, ist befugt nach Willkühr zu modeln. Ginge dies an. so möchte auch ich reformieren. Beten, würde ich sagen, Beten überhaupt ist nicht philosophisch, auch nicht gesetzlich religiöse Pflicht (nach dem •חפי־ יא ־א—ת/ רשבן». Soll schon gebetet lverden. so bete Jeder nach Belieben, wo und wann er will, in seinen eigenen Ausdrücken. Wozu Gebetbücher * Taii't Form und nicht Geist. Schale ohne >iern. Ein be stalter Prediger ist ein Söldling, der da muß. ivas er nur aus freiem Willen sollte, der das Wort Gaues für ein Stück Brod feil bietet: wozu nun ein solcher? Es predige lieber Jeder, der sich dazu bewogen fühlt, Mann und Weid, Jung und Alt, wie bei den Methodisten. Und glauben Sie »ur, unsere redseligen Frauen werden sehr gern die Gardinenpredigt in eine ssanzelredc verwandeln; und dann, gute Nacht! können alle unsere gelehrten Mode Theologen die Hände in den Schooß legen, und auf der Bärenhaut saust ausruhen. Vorläufig will auch ich mich zur Ruhe begeben; es ist schon spät in der Nacht, und ich sehe auch, Sie gähnen schon, aus langer Weile. Es in daher zeitgemäß, dem Gewäsche ein Ende zu macken. Auf baldiges Wiederschreibcn. Ihr Sie hochschätzender I. Deutsch. Literarische Doiiz. Von Herrn Rabbiner 2. flutna in (>> ifeortadt er scheint demnächst unter dein Titel עב־ח יעליב ואכה ein Werk, agadischen und halachifchen Inhalts, das, wie die m>s vorliegende» Aushängebogen bezeug »,!ich als eine wert volle Bereicherung unseres jüdische» Lilteralurschakzes dar stellen wird. Ter Verfasser, einer der ältesten und hervor ragendften Rabbiner Ungarns, Kat sich bereits durch eine :!leihe uusgezeichneier Schrine» aus verschiedenen Welneten des jüdstchen Interesses weit über den engeren .Ureis der belehrten hinaus einen klangvollen Namen erworben und beweist das demnächst erscheinenve Buch vo» neuem die un ermüdliche Schaffenskraft und ungebrochene •Arbeilsr'reude des geschätzten Mannes. Uuina verbindet mit einer gründ lichen Beherrschung des wcilschichtigen halachifchen und agadischev Stoffes eine ungewöhnliche hebräische Sprachgewandlbeit. Seine Schriften enivreblen sich darum dem empfänglichen Leier nicht nur durch ihre wissenschaftliche Vorlrefflichkeit, sonder» auch durch die Vollendung ihrer ästhetischen Horm. kmgegsvgens Sticker. Tie Persönlichkeit W 011cv uu& ihre modernen E e g n e r. Eine avologetifche Studie von Tr Josue Uhlmann. Herder!che Verlagsbuchhandlung, Freidnrg im Breisgau. Religio» und Sittlichkeit von Tr. L. Ludwig Tr. W. Brcilendach. Bra>kwede. Voucher Wiege dis z u in <'• r a b e von Tr M. Ascher. Mar Spohr, Leipzig. B a c e a I a n r e 11 s B e r 11 a r!1 u s }’ i s c a ״ ז r. Pincho. logische Sludie aus der Hölle. Teuioniaverlag, Leipzig Zur E r i e d e 11 s s r a g e und zur nii ch st e n H a a g e r Konferenz von W. Uiparsti. Pmikammer und Mühldrechl, Berlin. Briete an Eltern von Teipbode. Leonhard Sunion Nacht., Berlin E c st p r e d i g l e 11 von Tr. Adolf Bluinenlhal, weiland Raddiner in Ralidor. Aus seinem Nachlaß ^heraus gegeben von Tr. S. freund, Rabbiner in L nrowo. Jakob B. Brandeis. Breslau. Spinozas Religio 11 sdsgrist vo» Waller Prümers. iAdbandtungen zur Philosophie und beschichte, heraus gegeben vo» Benno Erdmann. M111 Mar Ltiemever. Halle a. d. S. Religion und Religionen von Ctto Pffeiderer I. H. Lehmann S Verlag, München.