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Der Israelit · 1906-06-14 · 24 (14.6.1906) · p. Seite 6

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
24 (14.6.1906)
Date
1906-06-14
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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iVr. 1-י. Seile •( Ter Israelit. (Ehrenamt die Magisttatswürdk für einen großen Bezirk Manckesters verbunden ist. Mr. Lasti ist Präsident der altjüdischen Gemeinde. Vor sitzender der Schectntah Kommission und Perwaltungsniitalikd vieler jüdischer Vereine in Manchester. — Das diesige Wochenblatt ״Jewish World ist von einem 3nnbitat erworben worden und wird nun von dem bekannte» Literaten Lucien Wolf, unter Mlwirkung von Israel .stangwill, redigiert. Man vermutet, dast die ״Jewish World" als Argali dir I. T. 0. dienen wird, obwohl die vergangene Woche von der neuen Redaktion berausgegebene sehr reickbaltige Probenummer in idrem Programme die eigentliche Tendenz des Blattes nicht zum Aus׳ druck kommen läßt. Italien Mailand, 1. Juni. In den italienischen Mitlklschulen eristiert an und für sich kein Religionsunterricht: auch nicht für Bekenner der christlichen Konseffionen. Die Volksschulen Kaden nur dann einen Religionslehrer, wenn zehn Schüler derselben Konfession einen solchen verlangen. Dagegen finden sich schon seit dem 10. Jahrhundert in den bedeutenderen jüdischen Ge meinden Italiens Talmud Tbora Schulen. in welchen neben dem hie und da sogar scbr eifrig ge pflegten Religionsunterricht, den Zöglingen auch das nötige profane Willen beigebracht wird. Allerdings hatten bis auf die letzte?.eit diese jüdischen schulen keine den Kommunalschulen gleiche Bedeutung. Jüngst erst erfolgte in einiaen Großstädten «Livorno etc.» die istleichstcllung mit denselt'en, die sich mit der Zeit wahrscheinlich aucb über die anderen «Gemeinden erstrecken wird. Von Be deutung sind gcgenivärlig die Talmud Thora Schüler in Livorno und Florenz. In Turin, Mailand etc. traten an Stelle dieser schulen die die Grundlage ihrer Eristenz mit der .-seit verloren tmben, Abendkurse, die den in den ö'sentlichen schulen fehlenden Religionsunterricht ersetzen sollen. In Aenedig gibt es eine wobloraanisierte Religionsschule: allein die Zahl ihrer Zöglinge ist sehr gering. Einige Schüler des Rabbinerseminars in T^orenz haben sich verschiedentlich um die Verbreitung und Vertiefung des jüdischen Willens in Italien bemüht. Herr Tvü richtete in ״II Eorriere Jsrae lities" an den P.'ailänder Rabbiner, Herrn Da Tano die Trage, ob es wohl wahr sei. was der Volksmund berichtet, dast, nämlich Herr Da T. erlaubt hätte, an Sabbat und Ieiertaaen den Weg in den Tempel, oder zum Besuche eines Kranken per Tramwan oder Eisenbabnzug zurückzuleget׳.. Genannter Rabbiner ^antwortet die ,Trage in einer der letzten Rummern derselben Zeitschrift verneinend: er nennt die Be Häuptling, als hätte er eine derartige Erlaubnis er teilt, ein leichtsinniges Gerücht. Dieselbe Trage wird in der letzten Rümmer jener Zeitschrift von I. L." behandelt. Dieser zitiert mehrere Talmud stellen, die da'iir lvrcctren sollen, es wäre unter ge- N'illcn lkniktänden gestattet, dergleichen Rerormen einzusühren. Das Vlärckon vom Talmud, der sich sclbst allletzt, svukt eben immer noch in manchem wirren Kovß N u s; l a nd. P e 1 e r s b u r g , x. Juni. Der Minister des Innern Kar dem Verwalter des öleneralgouverne inents Kiew. Wolnnien und Podolien eine Ber fügung zugellkn lallen, dast die nach den gegen wärtiaen Gesetzen zum Aufenthalt daselbst nicht de rügten jüdisctren Beivokner vorläufig, bi: :׳>r Regel uug der Iudensrage durch die Duma, nicht ausge wiesen werden sollen. Rach Meldungen aus Sorcli 1 Bellarabien> agitieren dorr ein Priester Katjusckanski und mehrere andere unbekannte Personen kerrig gegen cie jüdisci>c Bevölkerung. Dieselbe befindet sich in aroster Aufregung, und viele Juden verlallen die Stadt. Plan Imt sich von dort aus an den Prüf׳, deuten der Duma, Miiromzkw. um Hilre gegen die Lene der schwarzen Bande gewendet. Petersburg. 1. Juni. Die Abgeordneten -rs Honielcr Gouvernements haben an den dortigen Gkneralgouverneur »olgende Mitteilung gerichtet. »Wir erhalten von Homel beunruhigende Telegramme. Man fürchtet dort den Ausbruch eines Pogroms und bittet, dast energische Mastnahmen zur Verhütung von Unruhen getroffen werden. Wir kalten es für unsere Pflicht. Ew. Hochwohlgeborrn davon Kenntnis zu geben." 14• Juni l!K)t;. dast er nicht allein in die ״modernen" jüdischen Trauergebräuche, wie er am Anfänge seines Vor träges behauptete, keinen Ginblick hat, sondern über Haupt von jüdischen Trauergebräuchen nicht viel weist. In dem Titel seines Vorträges hätte das erste Wor^ .,Israelitische", fehlen sollen. * » * K i e w, 10. Juni. Das Kiewer Hilfskomitee für die bei den Oktoberpogromen Verunglückten hatte dem Berliner Zentralkomitee eine Aufstellung zuge sandt, wonach man zur Versorgung der hilflosen Familien noch.17,000 Rubel benötige. Das Zentralkvmitee hat darauf geantwortet, dast es 10,000 Rubel für diesen Zweck bereitstellen wolle Palästina. Aus ökm hkiligkn Landk.!Von unserem Korrespondenten.) Jerusalem, 27. Mai. Die neuen Steuergesctze, welche kürzlich ver öffentlicht wurden, lauten wie folgt: Einkommensteuer für alle türkischen Untertanen: I. Klaffe (aus den Aermsten bestehend) Piaster ״fach"*) (ungefähr 1 Mk.) jährlich, vom Ätz bis 70. Lebensjahre. II. Klaffe (für Kaufleute und Beamten) 150 Piaster ״fach" (ungefähr 10 Mk.) jährlich, von! Ätz bis 70. Lebensjahre. I I I. Klaffe (für Reiche) 400 Piaster ״sach" (ungefähr 80 Mt.) vom Ätz bis 70. Lebensjahre. *תלם־ד c*2:n sind frei von dieser Steuer. ASteria oder Militärsteuer haben alle Nicht- Moslemen zu zahlen. Diese beträgt 10 Piaster ״sach" (ungefähr 10 Mk.) jährlich pro Seele, von der Ge burt bis zum Lebensende. Die jüdische Gemeinde zahlt für ihre Knaben vom 1. —11. Lebensjahre. Wegsteuer 10 Piaster ״sach" (ungefähr 1.20 Mark) hoben alle Einwohner zu zahlen. Tür die Zahlung der die Juden betreffenden Steuer wird die jüdische Gemeinde verantwortlich ge macht. Jeder Distrikt hat einen ״Muchtar", der der Repräsentant der Gemeinde für diesen Distrikt bei dem Staate ist und werden die persönlichen Steuern, d. i. Einkommensteuer und Asteria, nicht von den Einzelnen bezahlt, so wird der ״Muchtar" in'S Gefängnis gesetzt. Baron Edmond de Rothschild in Paris zahlt jedes Jahr einen Teil der Asteria nicht das Ganze — wie irrtümlich in der ״Jewish Enchclvpcdia" bc richtet wird. Bei den gedrückten ökonomischen Verhältuiffen Jerusalems wird das Einkaffieren der Steuer für die jüdische Gemeinde jetzt eine traurige, schwere Ausgabe sein. * * * Jüngsthin liest ״Das Deutsche Evangelische Institut für Altertumswiffenschast des heiligen Landes in Jerusalem" eine Reihe von intereffanten Vor trägen lxilten. die auch dem großen Publikum offen waren. Die Vortragenden behandelten folgende Themata: 1. Die Via dolorosa in Jerusalem. 2. König Saul. 1. Götter und Sterne in Babnlonien. 4. Israelitische und altarabische Trauergebräuche. Bei letztgenanntem Vorträge machte der Redner. Pastor Lie. Trankenberg. die Bemerkung, daß er in die ״modernen" jüdischen Gebräuche im Trauerhause keinen Einblick bade: aber es sei anzunebmen, das: sie dieselben seien, wie die der Araber, die heute noch gerade so sind, wie in alten Zeiten. Dann begann der Redner erstaunlicher Weise von einem angeblich jüd. Gebrauch zu erzählen, nach ivelckem die Leiche, ohne Unterschied des Geschlechtes, von Trauen gewasäien werde, vom Leidienzuge, in ivelcixm die Trauen mit entblößtem Oberkörper und aufaelöstem Haare'dem Zuge voranginqen, von einer 40 tägigen Trauerzeit, während welcher man das Ungeziefer nickt ent ferne, und so noch von mehreren anderen Dinaen. die dem Judentume ganz und gar fremd sind. Von den Tdsttagen behauptete er, cs seien Beschwichtig ungen für eine zürnende Gottheit. Wenn man von d.e Ansükruna von biblischen Stellen, die רן־־עד betreffend, absieht, bot der Redner wirklich bezeugt. '> Äniuertunq: .Sack' oder gute« '»old ־!Seid na» Staat«׳ Kur« (KTfdmrt. Ter gewöbnli-iie Medsckidle hat Li Piaster, der Medickibie.Sack' Kat IN Piaster. Bis jetzt war die von 000 Kindern besuchte ״Evelina de Rothschild-Schule", die einzige jüdische Mädchenschule Jerusalems.*) Der Andrang von Hunderten von Mädchen bei dem alljährlichen Auf nahmetag nach Pesach, und die Verzweiflung der Eltern und Kinder bei Abweisungen wegen lieber fiillung der Räume, ist schon im ״Israelit" beschrieben worden. Seit Ostern dieses Jahres sind noch zwei jüdische Mädchenschulen eröffnet, eine von der Alliance Jsraelite Universelle mit 110 Mädchen und eine zweite von dem Deutschen Hilfsverein — unter Direktion der Edler von Lämel-Schule — mit 81 Schülerinnen. Somit ist jetzt für Erziehung und Unterricht von 811, also ungefähr einem Zehntel der schulpflichtigen jüdischen Mädchen Jerusalems ge sorgt. Die Evelinaschule verbindet jetzt mit ihrem schon lange eristierenden Handarbeitsatelier eine Hausindustrie — in der sie alle solche Arbeit ver langenden Trauen und Mädchen mit Anfertigung von Häkel und Radelivitzen zu Hause beschäftigt. Abnähme der fertigen Arbeiten findet die Schule im Auslande. Die neu eröffnete Kunstgewerbeschule ״Bezalel" hat 40 Schüler und Schülerinnen. Ein gut organisiertes, jüdisches Waisenhaus für Mädchen wäre dringend notlvendig. *' * *' Lag Beomer hatten wir hier ein schon seit Jahren nicht erlebtes heftiges Gewitter, begleitet von strömendem Regen. (Gewöhnlich sind die Spätregen schon gegen Pesach zu Ende.) Nachmittags hellte es sich etwas auf und man konnte Tausende von Männern, Trauen und Kindern nach dem nördlich von Jerusalem gelegenen Grabe Simon Hazadik s eilen sehen, um dort, nachdem sie in der Grabeshöhle ein Lickt angezündet, in den anstoßenden Teldern zu ״picknicken", d. h. stundenlang zu sitzen und Pistazien zu knuspern beim .Klange der ״Nakara" und ״Tambourka", welche Instrumente die eintönigen arabischen Melodieen Hervorbringen. In Tiberias am Grabe des R. Meier und in Mero!» bei Cafed sind die Lag Beomer-Zeremonien sehr interessant. Dorthin wallfahren zu dieser Zeit nicht allein viele Bewohner Palästinas, sondern auch jüdische Pilger, die eigens zur Trier dieses Tages von Persien, Nemcn, hauptsächlich von Bokhara kommen. Riesengroste, mit Spiritus und Petroleum genährte Treudenfeuer werden bei den Gräbern der dort ruhenden s־cr־ angezündet und es wird die ganze Nacht von Lag Beomer um das Teuer im Ring ge tanzt — Väter ihre kleinen dreijährigen Söhnchen im Arme haltend. Die Kleinen bekommen dorr zum ersten Male das Haar geschnitten. Die reichen Perser und Bokhara Juden werfen prachtvolle Gewänder, kostbare Shawls und wertvolle Schmuckgegenstände in das auklodernde Teuer. •) Wie Batten es für unsere pubtizistiscke Pstickt. ab »nb zu Uber die durck die iUdiicke PdilantBrvvie im Beiligen Lande unteeBaltenen Sckulen zu berickten. wollen aber nickt verfedien, dabei darausbinzuweiien. daß wir selbst dann, wenn diese «ckulen non grsrtzesrre.ien p,uden aeieitet werden, ein »11 ,udncken Sinne beiloöllr« Wirken derselden nur für moglick erackten feiern die Leiter d-n (Forderungen der dortigen radbimtcken Rntoritntrn Rechnung traaen. statt, wie es ieftt geickiedt, sick m Widerspruch z» ihnen zu setzen. Die Redaktion. UerntiscMes. (stleiwit,, 27 Mai ,Israelitische .Kinderheil statte in .Königsdors.Jastrzemb.» Tie in dem alt bcwäbrtcn Soolbäde .Königsdorf Jastrzemb im Jahre tMO gegründete israelitische K inderveititatte hat im Mai ihre Pforten wieder geöffnet, Tie Anstalt, die als eine ausgezeichnete Woblsabrtseinrichiung sich bewährt hat, be willigt unbemittelten .Kindern halbe oder ganze Treittellen und nimmt bemittelte .Kinder gegen Entrichtung der Selbst kosten auf. So gereicht das Institut den verschiedenen Be völkcrungsktaffen zum Segen. Tas schmuckvolle Anstalts gedäude liegt in der Räbe des große» Parkes mit seinen prächtigen, alten Baumbeständen und ist von schönen Karten anlagen amgeben, Tie Erhaltung der Anstalt, die der Törderung edler Menschenfreunde würdig ist. geschieht durch milde Beiträge, Nähere Auskunft erteilt der Vorntzende Rabbiner Tr Wilbelm Münz in Eleiwitz

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