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Der Israelit · 1906-06-14 · 24 (14.6.1906) · p. Seite 5

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
24 (14.6.1906)
Date
1906-06-14
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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n. Quni IWHi, I>r ent» V!Mr i* 90 Pfennig haben wollen, von dem 3<trctariat de- Oberrats zugeschictl wird. Tie Berichtigung des Ooerrats sagt nun: .1. Kein Laienbeamler des Oberrats l-at ein Gebetbuch verfaßt.- Mir erwidern darauf: Gin Gebetbuch if! rerfaßt worden, ift verfaßt worden im Auftragdes Oberrats bezw. seines üpiritus reetor, des Ge^ Heimen Regierungsrats Tr. Mayer. Wer es versaßt hat, I•i nul^ju ״rUnsuchllch, cs!uilli Um treuen badischen Judentum gleich sein, ob der Baler dieses Wertes, der Berübrr dieses Attentats auf unsere ehrwürdige, geheiligte Tesillab ein beamteter Laie oder ein beamteter Theologe ist. Tie jüngste 2ynode bat ja die Mittel dazu genehmigen müssen. -OOO Mark wurden dafür bereitgestellt: allerdings mag es den kreidenden Kräften nicht angenehm ge wesen sein, daß die Genehmigung nur gegen eine ft a r 1 e Minorität erfolgen tonnte, wenn auch Herr Geheimrat Tr. Mayer die süße Oienugliiung haben durfte, sie wenigstens durchgedrückt zu seben. Turch diese Genehmigung wurde erreicht, daß mit allgemeinen. t i r ch l i ch e n Mitteln, mir Mitteln, zu denen auch die Gegner die>elaienhaften Opus beiz u tragen g e s ctz l i ch gezwungen sind, das neue verbesserte Geverduch da- Gicht der vadiscycn jüdischen Welt erbli.ien durste. Wie wir die Veranstalter des Ganzen zu kennen glauben, wird ihnen diese Tai sache — die einen schweren Gewissenszwang inoolviert das Gegenteil von Bedenken verursacht haben. ״-. Gin Gebetbuch der bezeichne len '1 r t ift überhaupt von!einer zu dem Overrat in Beziehung stehenden Persönlichkeit verlaß: oder mitverfaßl worden." Ja, iv e l ch e r A r i ist denn das neue Ost bcibuckW Trink aus dasselbe nickt jenes von etwa 4«<> Rabb'nen aus TeuOckland, Holland, Oesterreich, Ungarn eir. etc. erstattete Gutachten zu. worin die selben erklären. ״daß derjenige Jude. welcher nickt an die einstige Ankunft eines persönlichen Messias aus der Racklommenschast Tavids, an die Wiedervereinigung des jüdischen Volles im heiligen Lande und an die Wiederherstellung des in der Tbora gebotenen Opferkulrus «lciubt. als ein voni Judentum Abgescillener zu betrachten ist, daß ferner dieGliminier u n g oder Unterlassung der rituell c i n a e s ii h r t e n R c : i t i e r u n g der aus die e r >v ä h n t e n Verheißungen sich beziehenden G e b e t st e l l e n einen Ab fall vom Judentum involviert?" Glaubt man im Großh. Oberrat wirklich, mir einer solchen Berichtigung der jüdischen össentlichen Meinung die beruhigende Gewißheit ^!bringen zu tonnen, daß gegen diese Grundwahrheiten der jüdischen Lehre nichts beabsichtigt sei, daß aller Lärm unberechtigt, aller Widerstand der geseb.e-treuen Kreise in jeder .Hinsicht widersinnig sei? Man klammert nck an die Worte, die dem neuen Gebet buch vorwcrfcn, die Mrssiashorsnungen Israels zu verleugnen, und erklärt sie für unwahr. Ganz ab gesehen da״cn, daß der eine etwa? für objektiv un wahr halten kann, von dessen Wabrbeit der andere überzeugt ist, braucht nian nur die beteiligten Per sönlichkeiten. den Geheimen Regierungsrat Tr. Maner und seine getreuen Gesinnungsgenossen, die drei Herren Konf-renzrabbiner zu kennen, braucht nck nur jene bekannte Tutkothpredigt des Mannheimer Rabbiners Tr. Tteckelmacker in die Grinnerung zu bringen kIsraelit Rr. 91 1909), der an der Hand dcr ״Arba Minim" l!!> dartat. daß die Bitte un: Wiederherstellung der Korbvnaus überflüssig, daß oie Bitte um M״schiack nickt mehr zeitgemäß sei etc., um zu wissen, wissen man ssch don einem Gebetbuch zu rersehen hat, das derartiger Baterschaßt entstammt. 9״. Gin Brrsuch. irgend ein Geb-ibuch einer israelitischen Gemeinde oder Tckule des Groß- Herzogtums auszudrängen. hat weder von seiten eines weltlichen noch eines geistlichen Beamten des Ober-atstatta-funden." Oebr schön aekagt! Wir wollen es glauben, wenn man es behauptet, unv wir wollen es loben, wenn eS für die Zukunft so bleiben wird. Allerdings gibt es Leute im badischen Lande, die das letztere nickt glauben können, weil sie mit zuviel Mißtrauen in dieser Hinsicht dem Tristem gegenüber steben, dos di» hinab zu den kleinsten Gemeindcbeamien Hand langer der herrict^nden Richtung zu gewinnen sucht. Wohl wissen wir, daß nach einer volltönenden An tündigung keiner Genieinde das neue Gebetbuch gegen deren Willen ausgrzwungen iverden soll, da ,edoch in den mei'ien Gemeinden die gesttzeslreue M i n o r i rät den Gottesdienst aufrecht erhält, bei der Ab stimmung über die Ginführung in den einzelnen Ge meinden die sogenannte moderne Richtung aber der Zuhl ״uch vir anderen überstimmen kann, so ist doch nicht zuviel behauptet, wenn man sagte, daß es der liberalen Majorität ein kleines sein tan» und wird, der Minorität für den össentlichen Gottesdienst ein Gebetbuch aufzuzwingen, das die Majorität nickt will, iveil sie übecbaupt kriues braucht, und dessen Gebrauch der geietzestreuen Minorität zum bitteren Gcwissens'wang werben muß. Aber auch die Art, wie man vorgeht, um den eben erichikuenku Gebetbuchs G n t iv u r f. über dc^en Ginsi.brung die nächstjäbrig- Tnnobe ent scheiden soll, in den Gemeinden unlerzudringen, muß den febrirfiten Protest auslösen. Ta werden die Lehrer ausaesordert, die Aufträge der einzelnen Geincindemitgliever entgegen zunehmen und sie nach Karlsrube zu übermitteln. Diesehkstrcue Lekrer werden dieser Aufgabe nur mit innerem Widerstreben folgen, es gibt aber auch andere, die Nck nickt scheuen, den sabballichcn Gottesdienst zum Anlaß zu nehmen, um ihren «üfcr für die oberrätlicken Wünsche nach Perbreiluna dieses Ostbetbuches, nach dem kein Mensch Berlangen trägt, an den Tag zu lraen. Plan muß ja säst ein l?nqel in Menschengestalt sein, um einem Oderral, der nach freiem Gr niesscn aus den von der Tnuode bewilligten Mitteln jedem einzelnen Lehrer Gehaltszulagen gewähren kann, nick! jeden Gefallen zu erweisen. Tic herrschenden ^'iactstbaber iüblen ׳ick seit aus ihren Te"eln.?0 fest, daß sic alles unternehmen zu dürien glauben. Bielleickt ist aUr die Ttunde der Grlosung sür das gesetzestreue badisch« Iubenlum näher, als mancke glauben wollen. Yideant consules! G öln, 10. 'ami. Anläßlich eines Besuches der einer Handelsbochschlllec im dortigen schlackt hos vcrössenilichle die ״Köln. Zlg." einen scharien Artilel gegen das Tchäckten, in welchem in gewohnter Weise die ״Grausamkeiten' geschildert t״urdev. die da beim Tckackten geicßen ivorben seien. Tas Rad binat de: Gölner jüdischen Gemeinde batte darausbin in einer ׳'uschrit: erlvibert. die bas Blatt auch ver össentlickie. ^an» folgte aber ein zweiter schäckt gcaneriicher Artikel, dessen Verfasser ans die Ukaonten Gutachten der Tchlachtbosdirkkroren binwirs, im übrige» allerdings zugab. zur Beurteilung der reli giösen Bedeutung des Schächten? nick: kompetent zu sein. Rr. 019 vom Juni liest man nun in der .Kölnischen Ztg." folgendes: lieber die religiöse Lene der Lchachlirag« binel uns das Kölner Raddnial folgende Bemerkung zu ver össentlichen: ״Was die religiöse Lene des Lchachlen« de trifft, »der welche die Redaktion der .Ztolniichen ,zenung kein zuslandiges Urteil adgeben will, so bemerken wir. daß saniliche Radbmer Teutschland»!«der religiösen Rick lung in einem vor zehn fahren vrrössenilichte» iKurachle» da- Lchachlen als in Bibel und Iradnion religionsgeieizlich begründet und rur die Bekenner des Judentum« ver bindlich erwiesen baden." Gin« ähnliche Grklarung send«! uns die ״Trete Bereinigung für die Inleressen des orlho doren Judentums", nur daß diese das Lchachlen au» ein göttliches Gesetz zurückfübri. Oesterreich-Ungarn. Rabbinerwahl in Krakau. , <Dvn unserem Korretvondenten.» Krakau. Juni. In der Sitzung dcr israelitischen Gemeinde- Vorstandes am Montag ist endlich die erst- Gntschcidung über die R a b b i n e r w a h l ge fällt worden. Richt, daß man ssck über die Personenfrage geeinigt hätte. Auf der Tagesordnung stand nur die einigermaßen eigentümlich anmutrnde Trage, ob iiberbouvt eine Rabbinerwabl auszu schreiben sei. Ob eine (.Gemeinde, wir Krakau, über he.u:׳t einen Rabbiner benötige, oder ob ein solchee als entbehrliches Lurusstück zu betrachten sei. Ter letzteren Ansicht huldigten lL von den _M Gemeinde rate». Tarunter waren nicht bloß Reologe, sondtkii auch leibhaftige Kastiniden. Glü,kliä>er!velse de sitze» wir in de! Person des neuen Präsidenten, Hxrrn Tr. Samuel Dilles, und des Vizepräsidenten, Herrn Julius Tchoniretler, Männer, die bei allem ״Ttrisinn" sich als Pertreter der rrligiösen Interesse» der Gemeinde fühlen und demgemäß, in dejahtiidem ■3i»nt dirimierten. Gs ist also im Prinzipe ent s>-ssi,v,״ daß d,e «»Ilusaemeinde Krakau einen Rabbiner braucht. Tie Auswahl unter den 1' Kan titalen ist ziemlich schwierig, da es meistens zu junge oder zu alle Leute sind. Tie meisten Aus sichte» hat Rabbiner Tcholem Lilienseld aus Podtja jee durch seine Gklehrsamleit. seine weltliche Bildung und sein repräsentierendes Aeußere, als rriäier Gutsbesitzer unabbängig, und durch -nergiscties Utuftreten bei Turchsiihruug wichtiger Tragen de ianiil. Terselbc hat in Pvdbajcc mit großen Kosten den Bau eines ordentlichen Tpitals durchgesetzt. Bei einer höchst vedroblichen Persammlung rutbenischcr Bauern, welche zu einer Temonstration für das allgemeine Wahlrecht in Podhazce zu lausenden zu sammenstrv'ute» und ihrer erregten und feindseligen Ttimmung gegen Polen und Juden durcheilte Juden Hetze Lust machen wollten, gelang es dem mutigen Manne. Die Massen zu Uichwicytigen und ihre An schuldigungeii zu widerlegen, namentlich dadurck, vaß er ihnen eines seiner noch nickt ganz oolleiidelen Häuser als Persammlungslokal unentgeltlich über ließ. Gin ganzer Mann, wie es einst der sel. Rab biner Baruch Mejsels in Krakau in sturmdeweglen Zeilen war. Tie Gemeinde braucht dringend eine Hand. die mit den zerrütteten, geradezu unhaltbaren Zustände aufräumt. Tie Jugend verwahrlost in reli giöser und damit auch in sittlicher Beziehung immer mehr. Ramentlich die Mädchenschulen bilden ein geradezu iudentumsreuides Glemeul heran. He de finden sich ganz und gar in den Händen des latholischeu Klerus, selbst hinsichtlich der Tchuldücker. Und dach schreibt das Gesetz Interkonfessionalität dcr Tchule vor aus dem Papier natürlich. Tie riluelle Beaufsichtigung der Lkdensmitlel läßt sehr viel zu wünschen übrig. Jeder Ileischhauergrselle in unbeschränkter Hierr, ebenso jede Geslügelhänblerin, uno ob Maraaiiue odc- Bu!!-r, darum kümmert sich niemand, st'lan lcsst hier immer noch in der träum haitrn Täuschung, daß die Krakauer Ileisckhaue. »»och wie früher zu den Gelehrten gerechnet werden könnten, ''luch beachtet man nickt, daß die neue Tcchnik rituelle n-rage» geschassen hat, von denen unsere Altvordern keine Ahnung hatten: daß bei spielnveisc bei Butter ein.״ :״״°r׳a oortommen kann, daran denk! niemand. Gs würde zu weit führen, vier die zahllosen Agenven aus,»zählen, die in den Wirkungskreis eine; Rabbiners gehören. Ta dock schließlich di-!Kernunil über die Indolenz aeßegt bat. so kann man für Oktober die endgültige Regulierung der 'llabbinersragc durck die üüahl erwarten. V n g z a n v. London. V Juni. Ter Präsident pes Zio nisten Pereins in Twansea erhielt unterm Juni vom Auswärtigen Amte folgendes schreiben: 2<״ir. Ich bin beauftragt, den Gnipsang Ihrer weiteren Zuschrift vom LO. o. M.. welche die ^chasfung eines unabhängigen südisch-n Ttaales in Palästina behandelt, zu bestätigen, und zu erklären, daß die Regierung deiner kgl. Majestät zwar, falls sich eine Gelegenheit bieten würde, eine Besprechung und günstige Berück sichtigung der Tacke nicht von sich weisen werde, aber in de- Ausführung des Borschlaqes Tchwierigkeiten erblickt. Uren Beseitigung nicht von der Disposition oer Regierung Tr. kgl. Majestät abhängt." — Richter Gvnis Tulzberger aus Rewyork. Herr Ussishtin, der Führer der zionistischen Anti Territorialisten. sowie Herr R. Tokolow, Redakteur der hebräischen Tageszeitung ״Hazephirah", weilen seit einigen Worden in London und sind in oer schiedenen öffentlichen Versammlungen für zionistische bezw. territorialistische Provaganda als Redner aus getreten. — Mr. Rathan Laski. in Manchester, ist zum sfriedensricktcr ernannt worden, mit welchem

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