Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 24 (14.6.1906)
- Date
- 1906-06-14
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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iNr. 21 Seite t Ter Israelit. flu$ Briefen von S.R.fiirfd) Ts?.•׳ III. בה Sehr geehrter Herr Rabbiner. Sie haben mich durch Ihre lieb« Zuschrift vom 3. 2ept. v. X sehr erfreut und bin ich Ihnen Herzlichen Dank dafür schuldig, daß Lie der Fortsetzung unseres jüngst begonnenen Briefwechsels so freundlichen Vorschub leisten, und hätte ich gewiß Ihren werthen Brief schon längst beantwortet, wenn ich aus die darin angeregten fragen einigermaßen I5־rfreulicheS 1>on Bedeutung mitzuteilen gehabt hätte. Tie gratulieren zur Emancipation meiner Rabbinatsangehörigen — dieser Glückwunsch beruhet wohl auf einem Irrtum. In den bürgerlichen Ver hältnisien der hiesigen Israeliten hat in neuerer Zeit keine Veränderung stattgefunden. Die jüdischen Bewohner des Iürstenthums Birkenfeld, das auch un screm Großhcrzoge huldigt, aber bet) der großen (!ntfernung durchaus außer Beziehung wie zur diesseitigen Regierung, so auch zu meinem Rabbinate stellet, sind kürzlich durch Erleichterung ihrer pol׳- tischen Bürden erfreut worden: dies hat jedoch aus unsere hiesigen Verhältnisse keinen Ginfluß geübt. Unsere bürgerlichen Beziehungen sind schon seit 8 bis 0 Jahren regulirt und sind, bis auf einige Beschränkungen im Handel, erträglich. Das religiöse Leben in unserer Gegend, von dem Ti: eine Schillerung wünschen, hat wenig Eigenthümliches, und das Eigenthümliche, das ihm ist, ׳!: nicht gerade das Erfreuliche, beruhet aber einem großeit Teile nach in der lokalen Zersplitterung, in der sich das Goluß im nordwestlichen Deutschland ^n Vv#v /ומר״י#« ttnK 1 לn ftvivjt« v)»» *»»»«*1 ** “ ״מ ׳•••- Iißrcels Zerstreuten nur in ganz kleine Häuflein g:- sammelt. Gemeinden von 10, ", 4, ja 2 Häusern sind die gewöhnlichsten, fast keine, die bedeutenden Hamburg und Altona ausgenommen, erbebt sich über 20, und viele, recht viele wohnen ganz vereinzelt in Dörfern und Tlecken. Keinen Begriff hat man beh Euch im Tüden, noch weniger im ganzen Osten. von dieser Zerfvlitterung, und will man das Goluß recht seben in feinem -w und —r, so muß, man zu uns kommen. Der Anblick Kat auch feine erfreuliche, ja erbebende Teile. Denn, wenn man siebt wie trotz dieser jammervollen Vereinzelung überall mit jedem Einzelnen selbst das jüdische Leben sich hingeflüchtet, trenn man siebt wie das Judentum Mreift genug batte, jeden Einzelnen selbst in Mitten einer ganz anderen llmgtbung in seiner Eigentbiimlichkeit zu erhalten und diele Eigentbümlichkeit auf Tohn und t^nkel vererben zu lasten. tvenn man siebt wie, selbst wo nur 2 jüdische Häuser zusammen leben, ja oft wo nur eine? isi. sie, ungeachtet nicht geringer Nabrungslasten. dock! überall von je her Alles aus geboten haben, um das für ihr eigenes reliaiofe Leben und für die religiöse Erziehung ihrer Binder Er forderliche ru beschaffen - fo beugt sich der Geist vor der göttlichen Allmacht, die im Iudentbume waltet, und freut sich an dem Gedanken, daß auf so lanaer. fo jammcrbrfäeter Wanderung das Volk nickt alles Anrecht an den Rainen ־:״ etngebüßt. —- Aber der Anblick bat auch sein Betrübendes, bot sein sehr Trübes zumal, wenn man nickt nur der Vergangenheit den Blick zuwendet, sondern die Tvuren der Tageseinwirkung in der Gegenwart siebt, und mit fragendem Tinn in die Zukunft sckaut. Tie ermesien nemlick von selbst, daß was in solcher Zersplitterung vom Iudentbum sich bei den Vereinzellen erka'ten. nur rein das äußere, im Leben mit verwebte s'hn konnte, aber von der Lehre und ihrem Geiste weniges nur feine Ttätte finden konnte. Als nun die sranzösifcken Krieaszeiten in unsere Gegend mit allein ihrem Weckfelvollen und llnstäten in Er werb- und Iamilien-Leben kamen, da machten sie schon vieles locker, und Vieles, was ererbte Gewöhn heit guter alter Zeit erhalten, ging zu Grabe und die das Leben von dem G'ist der Tbaurob und der Tradition emaneipirende Richtung der Zeit findet überall ja, wo es im Leben bereits locker aeworden, bereitwillige Jünger. To gebet es in progressiver Steigerung von der Elbe zur Weser und darüber hinaus zu uns. Wir sind der Markstein. Denn unser westliche? Rackbarland, OstfrieSland bat weniges eingebüßt von den Schätzen älteren Leben?. *» flt tflftfilt rem tttiibb Tr. t? 9 :יז enft e! n in Mo4docb. SflL Rr. 21 ift auch nicht so zersplittert, lehnt sich auch in mehr als einer Beziehung schon an Holland an, wo am wenigsten noch die religiösen Lande im wirklichen Leben gesprengt sind. Käme nur in Ostfriesland und Holland zu dem bestehenden äußeren Leben der rechte Geist, solange jenes noch bestehet, daß neben dem praktischen Leben die Thauroh wahrhaft aufblühete und jenes dann nur ein Erzeugniß von dieser würde, es dürfte dieser Blick nach dem äußersten Nordwesten ein tröstlicher sehn. In der Elb Weser- •)prfttfone:.# r♦• c * *־. vir.-"v (tMVVi un <»UU ju; UIC ^UlUllfl Wenig 3roft, — rauben tonnte und kann ihr die Zeit Vieles, — geben weniges — am allerwenigsten erwarten von ihr. Daß Sie meinen Versuchen nicht ganz Ihren Beifall versagen, schmeichelt mir sehr. ' Tie haben gaitj recht daß ich überall darin die Tradition voraussetze. Ich will ja kein neues Iudenthum schaffen, sondern das Bestehende wo möglich in seinen Ideen erfassen »nd darstellen. Indirekt und ungesucht dürfte sich gletchwohl aus ihnen einiger Beitrag dazu ergeben zu zeigen, wie, weit entfernt eine heterogene Anbtldung an das eigentliche Gesetz zu sevn, in der Tradition vielmehr erst selbst der Begriff des Gesetzes sich aus einanderlegt, und dort daher auch ganz allein der Boden ist zur regressiven Ioeen Bildung über's Gesetz. Nichts bedaure ich so sehr als daß es mir nicht gelungen seh so populär geschrieben zu haben, als ichs wohl gewünscht hätte: denn für Theologen vom ffache hätte ich, wenn auch nichts Anderes, dock anders geschrieben. Dr. Pb'lippsohn in Magdeburg kenne ich nur aus seinem schönen Zeitungsunternehmen, stehe aber in keiner näheren Verbindung mit ihm. Das Ihnen früher einmal angedeuteie Vorhaben ist im Laufe dieses Sommers nicht fortgeschritten, ist vielmehr auf, bis jetzt noch nicht zu beseitigende Hindernisse gestoßen. Mein Onkel H. Mendelsohn in .Hamburg ist ein höchst achtbarer, lebendig für alles jüdische Interesse fühlende Mann, seinem Stande nach Kaufmann, gleichwohl, wenn gleich ohne eigentlich gelehrte Bildung, jüdisch litterarisch gebildet und namentlich i in Handhabung des neueren hebräischen Stils höchst l ausgezeichnet.*» ׳ Und nun. mein Werther, ist es ja wohl Zeit Ihnen für dieses Mal Lebewohl zu sagen, und unter herzlicher Erwiederung Ihrer wohlgemeinten Wünsche mich Ihrem ferneren freundlichen Andenken bestens zu empfehlen. Leben Tie reckt wohl, und erfreuen Sie bald wieder mit Ihrer geehrten Zuschrift Ihren Ergebenen H i r s ch. Oldenburg 1838 Jan. 18. *) OTeiur Sammlung cnt&iitt einige Lrigmalbricse Monde!- Wims, in klassochem Hedräislü gesltirikben. Löwemlein. wwd NacbHcbtcn. Deutsches Reich.?Frankfurt a. M.. 7. Juni, i G e n e r a l - Versammlung der R a b b i n e r - K o m - Mission der ״freien Vereinigun g". Zweiter V c r h a n d l u u g s i a g.1 Um 9 U6r wurde die Sitzung mit der Fortsetzung der tags vorher abgebrockenen Diskussion über das Dr. Eabn'sche Referat eröffnet. Zunäckst gelangten weitere Anregungen zu dem schwierigen Probleme der zweckmäßigen Ausbildung für den Tckackterdienst zur Besprechung. Von einigen Seiten ivurde betont, daß zum wenigsten nach der negativen Seite dadurck sofort etwas geschehen könne, daß man solche Ausbildungs- > > Liuni Iv m slätten, die sich als ungeeignet erwiesen hätlen, ve könnt gebe und dadurch iveiteren Tckaden verhüte. Weiter wurde der Wunsch ausgesprochen, daß die in der Kommission vereinigten Rabbinen keinem »ran didaten 7,:-ה erteilen sollten, der nicht wenigsteneine viermonatliche praktische Ausbildung in vu--e- und ב״קה Nachweise. — Angesichts der bedauerlichen Stellungnahme oer ״Kölnischen Zeitung" gegenüber dem Schächten, wurde beschlossen, dem über die lokalen Grenzen hinaus einflußreichen Blatte eine üü‘u>muui.‘t (jiuiiun^ i*.utr oen reugiösen Eharakter der vu--e> zur Veröffentlichung!u übersenden. — Realschuldirektor Dr. Lange- Frankfurt a. M. berichtete über den ,.'Bund gesetzesrreuec Lehrer", der sich trotz aller Anfeindüngen in erfreulichem Maße entwickelt und der als ein Bollwerk jüdischer Gesinnungsstärke auch vom Standpunkte der Allgemeinheit Beachtung und Förderung mehr als irgend ein Vereinsgebilde verdient. — Rach kurzer Pause ergriff alsdann Lberrabbiner Dr. L e r n e r Altona das Won zu seinem mit Spannung ertnarteten Referate über die ״Bestrebungen zur Schaffung einer staatlichen Gesamtorganisation der preußischen Iudcnhett". Der Redner entwickelte in eingehender sachlicher Kritik des Rosins'che.r Entwurfes die schweren Gefahren, die sich für das gesetzestreue Judentum aus jeder einzelnen der von Rosin versuchten Problem-Löfungrn ergebe und schloß mit einem scharfen Proteste gegen das Unterfangen des Gemeindebundes, ״im Namen dcr Gewissensfreibeit, der Gemeinde Autonomie, der rabbinischen Würde und des hoch über allen stehenden Religionsgesetzes." Nach lebhafter Diskussion, in dcr aus der Geschichte des badischen Judentums mancher charaktemsttsche Zug zur Kennzeichnung des Konsistorialfvstems mitgeteilt wurde, schloß sich die Versammlung einmütig dem Proteste des Referenten an. — Mit großer Wärme Ivurden die vertraulichen Mitieilnngcn über die Verhandlungen der ״Ireien Vereinigung" mit der Vereinigung traditionellgesetzestreuer Rabbiner entgegengenommen. Nack einer angeregten Aussprache gelanate einstimmig eine Resolution zur Annahme, die den Standpunkt der Rabbineriommission zu dem bei den Verhandlungen in Betracht kommenden Hauptproblem präzisiert. Mit Dankesworten an die zum Teil aus weiter Ierne herbeigekommenen Teilnehmer schloß der Vorsitzende die Verhandlungen. Zu sreundschaftlichem Gedankenaustausch hatte am Mittwoch Abend die Teilnehmer ein vom Vorstande der Israelitischen Religionsgefellschaft daraebotenes Diner vereint, bei dem mit manchem ernsten und heiteren Wort das Betvußtsein der Gemeinsamkeit vertieft und die Kraft gestählt ward zum .Kampfe für Lehre und Gesetz. Berlin. 11. Juni,?für Zwecke der Auswandererfiirsorge in Bremen sind vom Hilfsperein der Deutschen Juden in der letzten Sitzung des geschä st s führen den Ausschusses auf Antrag von Herrn Rabbiner Dr. Rosenak in Bremen 8000 Mk. bewilligt worden. Im Einvernehmen mit den Behörden zu Bremen »verden daselbst sanitäre Einrichtungen getroffen werden, die in bestimmten leichten Krankheitsfällen eine gründliche ärztliche Hilfe ermöglichen. Den Auswanderern, die innerhalb der deutschen Grenze erkranken, wird damit eine große Wohltat zuteil. Sie sind nun in der Lage, ihre Gesundung abzuwarten ehe sie die Reife über See antreten. Dik Berichtigung öks baö. Oberrats. «von unserem Korrespondenten.) Karlsruhe, den 11. Juni. Die Berichtigung des Sekretariats des Großh. Oberrats der Israeliten in der jüngsten Nummer des ״Israelit" gibt Anlaß zu einer kritischen Beleuchtung dieses Schriftstückes, das in dcr Art seiner Abfassung bei den Unbeteiligten und Uneingeweihten die Meinung erwecken könnte, als habe der Großb. Lberrat der Israeliten überhaupt nickt die Absicht, gegen unsere Tefillah ovrzugchru. Daß diese Absicht besteht, kann keinem Zweifel unterliegen, zumal das neue, verbesserte Gebetbuck ja bereits erschienen ist und demnächst. allen jenen, die es zu dem überaus billigen Preis von