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Der Israelit · 1906-06-07 · 23 (7.6.1906) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
23 (7.6.1906)
Date
1906-06-07
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Scutlletcm53־eilaac zu 2tr. 20 יי Israelit" xxxxxxxxxxxx xxxx'xxxx'xxxx V־x x x x x x x x“kx V ti! V x x x ZU >f׳a x x x x'x x x1־ KiuiMLwN.?am»». Wiilitis i» Her Z11i»tW!sk. Bon -Arthur .Kahn. 's Rachdruck verboten. Maier 5icrr. bachle jetzt darüber nach, wie ec Tckifs aus dem Felde schlagen könnte. Das Rächstliegende war, das; er die bisherigen geschästlichei! i^e; Ziehungen zu Limbacher noch vermehrte und seine Privaten Geschäfte, die er in letzter Zeit mit ihm unternommen, noct weiter ausdehnte. ' 2oldic Gr Wägungen überwandten sein Mißtrauen. ob Limbacker doch nicht über seine Verhältnisse binauslcbt.-, Was so häufig bei den Juden, seit ein neuer Hug 1-üch Lebensgenuß Platz gegriffen, einen Rückgangs wenn^nicht gar ihren finanziellen Ruin herbeisiihrte In dem finanziellen Dreibund, den die drei reichsten Männer des Städtchens gegründet hatten, durfte nachKorn; Ueberleguna sein Freund Lchiff keine ihm gleiche Stellung einnehmen. ssach Lim bocher mußte er selbst die stärkste Macht bleiben: das ai.dere Ivürde sich dann schon finden, lim die!virk liche Größe des Limbacherscven Reichtums zu erg'ünden. beschloß Korn, aus niöglichst harmlose Art den sonst nicht viel von ihm beachteten Benjamin Rosenstein ein wenig auszuhorchen. Leit dem einen Fahr, das Betti bereits zu Hause war, hatte sieb im Benehmen Rosenßeins eine Wandlun.g vollzogen. di; wohl seinem Prinzioal und dessen Familie, nicht aber seinen Freunden entgangen war. Ter stille und bescheidene Mensch war noch stiller, est rief traurig geworden, was allerdings aus schmerz liche Greignisse in seiner Familie zurückgeführ! ward. Lein Vater, der bisher seine Familie trotz eines an gestrengten Grwecos nur kümmerlich ernährt halte. Irar vom Lcklagsluß getroffen worden. Die kleine jüdische Dorfgemeinde suchte nachKräften das ein getretene Glend z» lindern? jedoch ivaren die meipei! Juden im Torf selber arme Leute, die nicht viel zu spenden hatten. Der Dorfparneß beschloß, bei Limbacher .Hilfe zu suchen und dieser händigte dc.n Bittsteller eine namhafte Lumme ein und erböhre zu gleich den Gehalt seines Gehilfen. Als die Trauerbotschaft Benjamin erreichte und zugleich niederschmetterte. reiste er mit Grlaubnis Limbachers am selben Tag ins Heimatdorf. Gustav und Betti versuchten in lirb-.rickcr Weise, d.m fassungslosen Menschen zu trösten. Als Betti den bleichen, verhärmten Mann still bitterlich weinen sab, reichte sie ihm gütig die Hand und ihre schonen blauen Augen füllten sich mit Tränen. Zum ersten Male betrachtete sie den Gehilfen näher und fand, daß ec ein interessant aussekender Mensch sei. Die traurig blickenden Augen, der melancholische Zug um den Mund verrieten einen ernsten, grüblerischen Geist, was Betti aber sehr gut genel. Leit der Ltunde, in der sie ihm ihr Mitgefühl bekundet hatte, brannte ein heip.es, beglückendes Feuer in Benjamins Lccle. Zugleich war er rugelo-׳ geworden und noch trauriger wie zur Zeit, da den Batec der Lcblag getroffen und dauernd gelähmt hatte. Vergeblich!nackte er alle erdenkbaren Ver nunftgründe gegen das Töricht« seiner brennenden vew. Herrücken Mädchen mobil. Das schöne Bild, als sie in rein menschlichem Mitgefühl ibre Hand ihm entgegengestreckt und Tränen der Teil nab!ne um seinen unglücklichen Vater vergessen batte. erstand täglich in neuem, sich immel mehr ver sckönerndem Glanz. Leine Lcküchternheit wuchs immec mehr, je heißer seine Liebe entflamnite. und Betti ahnte nichts von dem schweren Liebesleid. und 4*1*wf « m«uf.. v e* .... .. wunmumfiut, l'lt jlC ITCUtlUCUt I)•!!!?• ^ie merkte hübet auch nickt, wenn sie bei risch dein schtveigsam Dasitzenden eine Platte kinreichie, wie dieser dann errötete. Lie ivandle ihm eine Lekunde lang das Antlitz zu. aber ihr Blick war dann flüchtig und mehr auf die Lchüssel als auf ihn gelichtet. Berührten zuweilen bei solcher Darreichung ihre Finger die des Gehilfen, dann zuckte er unwillkür lick zusammen und ein heißer Frurrstrom, der von tiefen Fingern ausging, durcktglüble und beseligte ihn. Wenn ihre Hand nach etwas langte, konnte er nie unterlassen, seinen Blick daraus zu ricbten. Wie loeiß und zart waren diese schlanken?ringer, ivie herrlich geformt dieser Handrücken! Maier Korn tat einen geivaltigen Fehlgcis!, als er einen vorsichtigen Versuch unternahm, Benjamin Roiensiein über die Größe des Limbacherschen Ge schästes auszuhorche». Gr konnte von dem ver schlossenen Menschen nur erfahren, was seine eigenen Geschäfte mit Liwbacker anging. War Benjamin allein im .Kontor, wenn Korn er'chien, s ichte dieser in gut gespielter Zerstreutheit einen Blick in die auf geschlagenen Bückxr zu werfen, dann überdeckte sie Roscnsie'n mit irgend einem gerade zur Kand liegen den Gegenstand oder llappte sie schnell;״. Während sich der Kontorist Rosenslein in Liedes fiebern zur Prinzipalstochtrr abhärmte, war sein junger Ghef gleichfalls in einen Liebestaumel ver fallen, c-er ihn inmitten aller seiner großen Lpeku lationsgedanken zuiveilen mit solcher Heftigkeit er atifs, daß er plötzlich das Kontor verließ, und spazieren ging. Merkwürdigerweise schasste der junge Baus mannssohn jetzt sehr viele neue Kleider an, obgleich die Lchränke vollhingcn, und was noch merkivürdiger war, ließ er die teuren Ltosic bei Jechiel Friedberg verarbeiten. Daß Gustav Limbacher ein liebenswürdiger und generöser Mensch sei, ivar längst allseitig anerlannt wölben. Wie er aber auf den Gedanken kommen kennte, bei Jeckücl neue Antüae ansertiaen tu lassen, setzte allseitig in großes Grsiaunei!. Dieses Befremden hatte seine guten ssriinde. Was nämkica Bcrez im Ltädicken in der Lckub- 1: ackerkunst bedeutete, das repräsentierte Jeckücl als Lckneidermei'ter. Während aber Bere;' Leistungen einer verschiedenartig gestalteten Kritik unterlagen, wurde Jechiel« Talent als .Kleiderkünstler dock ein stimmiger beurteilt, nämlich, daß aus seiner Werk stättc übeihalü't nur selten etwa! den Wünschen der .Kunden und den ehrlichen Absichten Jechiels Gnt sprechendes hervorainge. G: war allerdings viel Böswilligkeit und Ueberticibung in der abfälligen .Kritik älter Jechiels bedeut same Knusi, die im Leben und Fortkommen der Menschen eine so wichtige Rolle spielt. Wenn daher ein solcher Lump wie der verdutzte Baacker Bunnewilt behauptete. Jechiel selbst wisse niemals, was aus einem ihm übergebenen Kleiderstoff, ob Hose, Roch, Paletot oder Weibcrrock werde, so war das eine krasse Uebertreibuna. Aber infolge der mangeldaslen Ausbildung in seiner Lehr;eit. da kein gul christlich gesinnter Lchncidermeister den Juden knaben in die Lehre nehmen wollte, ja die Zünfte bis zum Fahre ld48 es ihirn Mitgliedern verboren. einen Juden in einem ehrlichen Handioerk zu unter weisen, war Jechiel ein Pfuscher geworden. Aller dings hatte er an seiner Fortbildung mit eiserner Ausdauer Icri!e»gec»lbe>!el, aber düs Vorurteil, das die Fuden gegeneinander hegten und bäuüg henke Nock hegen, übertrieb stark die Mängel on Jechiels Tüchtigkeit als Lchnetder. Gs iss auch möglich, daß die Leute kein richtiges Verständnis für Jeckiel« ideale Auffassung vor! der Kleidermackerkunst besaßen. Jedoch muß. um der Wahrheit die Ghre zu aeben. zugesianden werden, daß auch dem weniger kritischen Blick es nickt entzehen tonnte, daß, beispiels^eife zwei Rockärmel desselben Ltücks öfter recht stark in Bezug auf Länge und Weite von einander abwichen. Gbenso verriet Fecbiel eine eigenartige Geschmacksrichtung bei der Anfertig ung von Beiiilleiderv, eine Kunstanschaiiung. die man;״ iimn. iHuuciuimiui nicht »eicht hätte Ivicorrfinven können. ARgeseben von der verschiedenartigen Länge, geriet gewöbnlich das eine Hosenbein so enge daß es fick, fest »m die Glieder legte, wäbrrnd da« andere »ausfallend breit war. Aber nickt genug damit, daß Je diel allen Anforderungen der Lnmetrie offen .nokn Krack er »abm auch aus guten Litz nickt die Rück sckt. auf loelchrr mancher halsstarrige Kunde bestand. Kam dann der Kunoe zu Ft»biel, um ihm die angeb- Ii»chen Mängel voc Augen zu führe», so zeigte Jechiel unwiderleglich, daß der vermeintliche Fehler a» der kunstwidrigen Art liege. wir Weste und Rock getragen 1r»rde. Behauptete der Kunde, die Weste rutsche »ach oben und binteii lind der Rock stehe am Kragen u» vtrantwortliech iveit ab, sei auck unter der Achsel zu enge, dann packte Jechiel mit einem aus langer Uebung beruhenden Kunstgriff die beide» Kleidung«- stücke mit solcher 'traft an und ,iß sie so energisch nackt zwei entgegengesetzten tltickckunaen. daß der Darinsteckende nur mit Mühe gegen diesen doppelten Anprall das Gleichgewicht wahren tonnte, um nicht zu Booen zu fallen. Lo kam es kenn, daß Jechiels Ruf und Tckick sal die gleiche Ri»chtung »ahm. loie bei Bere;'. dem Lchutter. Gine dejondere Lpezialirat des Lckmriverbestand darin, daß er alte Röcke und Beinkleider >.»,» ״Wenden" bekam, oder kür die nachwachsende ststne ralion die väterliche und großwiter lickte Garderobe in proportionalem Maße reduziette. Gine Domäne Jechiels blieb aber trotz der lebhaften Zweifel in seine Kirnst!erschau. das Anserligen von Barmizivoh- Kleidern. Kein Mensch in der Lladt hätte eine Reuerung gewagt, indem er für seinen in die Geiiicinde eintretenden Lobn bei einem anderen Lckneiber als Jeckiel Friedbecger den ersten Rock bätte ansertige» lassen. Geschah es nun. daß jemand zu diesem Zwecke ein besonders seines Tuck kouste, anstatt, roi׳ manche wenig bemittelten Gltern taten, den väterlichen Rock diesem Ziveck z» weihen und man Jeckiel zu verstehen gab, das neue Gewand etwas ״völlig", das heißt, etivas qroß anzufertigen, damit der Knade es nicht zu rasch vecwachse, so tonnt! man darauf schwören, daß der Anzug zu knapp wuroe. llmgekehr! geriet ein andere«, von den Weitem ererbtes Kleidungsstück, das zum Barmizwohanzug bestimmt worden, so iveit und groß, daß man honen durfte, der junge Mann könne es dtrernst noch zu seine: Per lobung gedrauchen. Und bei diesem nicht sonderlich hock bewerteten Lcknkider ließ nun der voriehmste junge Mann in der Gemeinde seine Garderobe ausbessern und an. fertigen. In der Judengasse wnrde es sehr beifällig bemerkt, daß nun auch einmal einer von diesen reichen jungen Leuten, die sich sonst tvenig um ihre Ltammesgenossen kümmecten und sich über Latzunaen und Traditionen mit souveräner Verachtung hinweg sttzten, dem jüdischen Handwerker etwas zu verdienen gaben. Besonders wohlgefällig nahm es die Putzmacherin Jda Tannenbusch aus, daß, Gustav jetzt so häutig durch die Judenaasse aina. Trotzdem ihr Grdenwallen bereits die Zahl von wenigstens fünfunddreißig Jahren erreicht hatte, sah sie doch diel jünger aus und tonnte in ihrer stattlichen Grscheinung als ein hübsche« Weib gellen. Kokett, wie sie war. hatte sie anderen Damen, auch jüngeren, schon manchen Leelenkampf bereitet. Lie schien ein besonderes Ver gnügen daran zu finden, nickt nur Bräute, und vor x r **י t!n r«f < f kivjilll UWU-imtlUllt w-eun l f* » f1 Märcken sondern mich Frauen eifersüchtig zu machen, was ihrem Geschält trotzdem keinen sonderlichen Abdruck tat. Wie Mrei.s in unserer Grzähiung kurz erwähnt wurde, betrachtete sich der Botenaänger Moses Brück als der stille Verlobte Ibas. Da er von der Lchwäckie der G'.fersuchk ziemlich frei war. so nahm er die häusigen Neckereien über Jdas Gefallsucht mit philosophischer Ruhe hin.

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