Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 23 (7.6.1906)
- Date
- 1906-06-07
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 2« «rite 8.!H U M « tt (. Petersburg. 27. 'JRai. Die jüoischen Abgeorpnetei׳ in der russischen Reicheduma haben einen besonderen Klub gebildet, welcher sich als ״Jüdischer MIuo“ konstituiert und den Petersburger Abgeord׳ netcn Advokalen Dr. Winawer pm Präsidenten ge wählt hat. '.'len den Mols jüdischen Abgeordneten, welche die Reichsduma zählt, sind zehn dein ״Jüdischen 8»?׳?#♦™♦»» D?» iibrinrn >mei die Ada. Ililles und Sltrpsipreki lehnten den Beitritt ab. Tie er- Härten jedoch gleichzeitig, das; sie die Frage dem Petersburger ״Bereine zur Erlangung der Gleichbe׳ rechtiqung der Juden" *1זזז>ן)ז0י werden. Sollte dieser der Ansicht sein, daß sic in den ״jüdischen ".lub" ein treten müssen, so werden sie ihre Mandate niederlegen. Petersburg. 28. Mai. Der Minister d-S Innern hat an sämtliche der (kröne gehörigen Fabrik.'tablisstN'.knts »in Rundschreiben gerietet, in dem gesagt ist. daß sämtliche jüdischen Arbeiter aus diesen Fabriken enllasien und solche dieser (könfeision nie wieder angenommen werden sollen. M i e >v , 27. Mai. Der Generalgonverneur von (zieir erbillt vom Minisrcr des Innern die An׳״Psu!1g. das, Israeliten, die in einem ihm untersiebenden ׳'tebiere gesetzwidrig ausierhalb der für die jiidiscbe Bedölterung oorqekchriebenen Zone wohnen, ermäcktiat werden, bis zur Lösung der Iudentrage du:!st die Reichsduma dort zu verbleiben. Sdessa, 24. Mai. Eine neue Iudeninet-elei drokt. beider haben die dicsigen Meiningen reine Möglichkeit, die Wc.drkeit ans Lieft zu bringen. Die Personen, denen der Schutz der ..Rübe" übertragen worden isi, haben nur den Stimmen der Presse" die Redesceibeit gelassen, die es übernommen haben, Mrnschrnkasi und Menschenvernichlnug zu vrediaen. rlnd man mufi es ihnen lasten. sie haben noch nie sc ausgiebia von ihrem Recht Gebrauch gemach?, als jetzt, Es vergeht kein Dag, an dem in der hiesige» ..Schutzpreise" nicht etwas Reue-, Sensaticn erregendes. das gegen die ,.Juden" gerichtet isi, erscheint. .,Die Iubenivähler haden die Stimmen üir die ."...betten ge?a!!0, und eae ersie lllei'stsdtima aebört gan- und gar den Juden. Den wahrkakten Rüsten und arm Väterchen Zaren droht eine grosie Gefafe." «?!anze Hausen von Ausrusen und Proklamationen, die zur schonungslosen Vernichtung der Juden aus-; _ v » .v... 1 ,. _»t T*ו -» «!«««• In ־*י» fL'iutm, luvium 1a׳c1uu uucmiu. »v vuiu•׳« ״. der Ermordung von Pogrednon. eines der Haupt Helden der Dklobergreuel. die von einem Sozial revvlutivnär verübt worden isi «nicm von einem Juden», wird in dreien Ausrufen den Juden zur Last gelegt, an oenen n an für das unschuldig vergostcne Blut Rache nehmen must. Der Rabbiner der Stadt Dichernoiottzv erhielt Briete, die den Vorschlag ent batten, in den Sdnagogen zu verkünden, dasi. ׳renn auch nur ein einziger Polizeibeamter erschlagen wird, r-atür die ganze judtsihe Bevölkerung in der Stadt, vom (kleinsten bis nun Olrösiten. niedergemetzel! toerden soll, und dasi die Juden den Dod von Poarednon mit ihrem Lessen und Gnt büsien sollen. Der Vertreter des Stadtbauptmanns. Giers, hielt beim Begräbnis von Pogrebnon eine sehr rührende '.siebe und liesi, sich unter anderem in bezug auf die Juden solgcnbermasien aus״ ׳Als ick und der Herr Skadlhauptmanii an deinem Bette standen, fragtest du nur eins: ״Wofür?" Unb als du im Sterben lagst, rief ft du uns zu: - ״Brüder, nehmt Rache!" Dein Vermächtnis werden wir heilig erfüllen' Wir >?erden dich rechen! Wir werden dich rache»!" So sprach (Mim-, der jetzt insolae der Abreise des Generals Grisojew nach Petersburg die Stelle des Stadtbauptmanns von Ddessa vertritt, Es isi üver fliifftg. auszutiihren, wie derartige Reden aut d׳e Heie des BvlleS wirten. Wir führen hie: zwei Dat fachen an: Bortge Woche versolgte ein .Hooligan plötzlich zwei jüdische junge Leute, die ganz friedlich aus der Skinnkasasiraße gingen: er schos: mit dein Revolver auf sie. Als die Rachbarn Schüsie hörten, liefen sie zusammen und fragten den Hooligan, wes bald er aus Menschen fließe. ״Das sind Juden und es isi erlaubt. Juden zu töten." Auf der Ateran» Ter P-raelit._ drowskaja schrie auch einer von diesen ״!vahrbaften Russen", das Messer in der Hand: ״Her mit den Juden, iw, schneide ihnen alle die Hälse ab. Ich iverde dafür nicht bestraft! Auf allen Straßen, an allen Ecken hört man uns. Bald werden wir die Juden niedermetzeln!" Und in einer solchen Atmo sphäre leben tagaus tagein mehr als 150,('•00 Juden! U(rmi$ch($$. Wrrltit, Mai. «on yochgescvayter «nie werbe» wir um die Veröffentlichung folgender (frfforuita ersuch!: ״Im Ber.chie der ״Allg. Peilung des Iudeniuins" über die jüngst ilatlgehadie Piavbauiii Feier findet sich ein Passus, der sehr teichl zu Mißverständnissen führen könnte. Es beiüt ,näniliit!: ״Besonders demerkt wurden zwei Gratulanten: Prediger Tr. M Lew», von der Refornigcnieinde und Tr H. Hildesheimer (Hs kenn׳ zeichnet dies die Bemühungen, die der Jubilar sich »in die Herstellung der unier den gegenwärtigen Berbälliiissen so notwendigen Etnigkeil unier den verschiedenen Parleien innerhalb des deutschen Iudentuins erworben hat." Es mag hierzu bemerkl werden, da» Herr Tr. Hil desbeimer weder in seiner Eigenschaft als Mitglted der Israel, Lnnagogen Gemeinde (Ada« Iisroeli noch als Tozem des Rabbiner Temiittrs ei» Mandat hierzu halte, da» die daher von ihm erwiesene Lvation aus eigener, persönlicher Initiative hcrvorgegange» isi und lediglich versönlicheii (Charakter trug." «Wir sind unsererseiis überzengi, da» Herr Tr. Hildes beiiner selbst seine (Glückwünsche unier vier 'Augen darge bratdl babcn würde, wenn er vvrausgei'eben bätte. in ivelcher Weise sein Besuch von der ״Altg. Pig. d. I." ausgebeniet Ivcrden könnte. Red.» Frankfurt a. M.. ׳!'-׳. Mai. Bts z:1>» II. Juni tindct hier in der ehenialigen Weihtrauenfchule «Weif,tränen siraße! eine titternsitionale Peitnngsaussiellnng statt, über welche die Tagesblätter schon eingehend berichtet haben. Neuerdings ist die 'AusneUnng noch um eine «eparattouet tioi! bereichert worden, auf die unsere Leser hinzuweisen, wir nicht verfehlen wollen. Tie Jüdische Bibliothek und Lesehalle, Itter > Bleichsiraße -'l p.» bat dort nämlich eine «ammlung von ca. .">׳» jüdische» Zeitschriften ausgestellt. Man findet dort z. B. fast sänuliche z. P. in Teuischland ertchetneiiden!udttchen Peilungen vereinigt, sowie mitten Teil der rnssich kebraischeiz Peitnngen. Ein Besuch dieser Aus slcllnng, sowie auch der Indischen Bibliothek und Lesehalle selbst, kan» daber nur empfohlen werden. Dortmund, '• Juni. An: letzte» Jene hatten w!r!»er!!׳.׳. Betsaale des Resiauran! Je!» Wolst durch die Einweihung eines neuen pp2:-" 8.״ eine recht stiminungs volle Feier. In dem aus diesem Anlaffe noch besonders mit kaitig gtüucm Laub festlich geschmückten und von vielen Lichtern erglänzenden Betraum hatte sich eine stattliche Zahl glaubenstretter 2ך.וד־• versammelt, um in doppelt freudiger Fesiessiimmung an der ׳z?(׳" Feier teilznitrhuien. Nachdem Herr Mendel Jos! aus Würzbnrg das .״׳״-.p- Gebe! vor getragen hatte, wurde unter begeistertem Gesänge der ganzen Benammlniig das neue 2:-״ durch Herrn Michael Thalmanu ausgehoben, der auch die ־.רז״גו.::• ro'C darüber sprach und die erüe ־;r־r daraus verlas, während ersigenannter Herr den Fesigoitesdiensi in eben iv weihevoller wir he>Zecbrbrndrc Welle ZN ('»de führte. Im 'Aissckillss'e an diesen Bericht möchten wir nicht unterlassen, alten jenen «pendern in Frankfurt a. bcrz Itchsi tu danken, durch deren gütige Gaben die (tosten dieses schönen "־ gedeckt worden sind. Pu ganz besonders innigem Tanke sind wir Herrn Isaak Mainz verpsiichtct, weil er Herrn Michael Tbalmaii», der sich der Mühe des «aminelns der erforderlichen Beiträge mit anerkennrns wertem Eifer gewidmet hat. hierbei in sehr wirksamer Weise unterstützte. ׳»löge sich aus der kleinen «ckaar?roinnier 2’*»rv in Tortmund bald eine kräftige Gemeinde entwickeln, in welcher das neue ספר noch viele Jahre seiner wichtigen Besiinnnung nnver'ebrt erhalten bleibe. TOoriits«, ׳-'> '»lai Aut das vom Vorstände der hiesigen israelitischen Religioiisgemeinde veranlaßte Preis׳ ausschreibcn über: ״Was bedeutei Raschi für seine Zeit, >vic wirkte er in der Folge und von ivelchent Werte »sind seine «chrisien für die Jetztzeit k" sind zwei Arbeiten ein gelaufen, welche betde mit einem Presse ausgezeichnet worden iind Tie Verfasser sind: (irciSradbiner Tr Beerinann Insterburg und Landrabbiner Tr. Toktor Eassel. Beide «chrssten werden dem Trucke übergeben. ttzonttanz, 2!». Mai. Eiwa «>0 russische Juden kamen gesicrn vormittag in trosiloscm Iusiande von Bregenz hier an und wurden von den hiesigen Glaudensacnossen mit «veile und Trank versehen. Unter herzlichen Tankes dezeugnngen tur die geübte Z'iachsienhüite fuhren »sie »ach Basel weiter. I-asi jede Woche kommt ein solcher Trupp «ktzi hier durch. Tuua Lzerdahelt», t Juni Am zweiten Lage pyor tand vier die teiertiche Weihe einer von Herrn Benö Paschlufz, der durch seine Irömmigkei: und Wohl« tatigkeit in weilen Preisen bekannt isi. getpendeten Leser Thora statt. Um > Uhr früh versammelte sich ein zahl reiche» Publikum in Herrn Palchkutz' Hause, wo dieser in kurzen aber inhaltsreichen Worten die Bedeutung de» LchreidenS einer Leser Tbcra darlegte. Tann wurde das Leier unter zahlreicher Begleitung in die Lvnagoge ge tragen und sogleich die .פי־שד von r>״:f daraus gelesen. EoSuowlu, Mai. Pur Gründung eines jüdischen Hosi'ital» in LoSnowitz haben die Hinterdltrdenen de» kürzlich 7. Juni I9«)6 verstorbenen Itaunnann» Herrn Abraham Aodak die Lumme von 2<»<K» Rubel gestiftet. Losnowitz besitzt nämlich noch kein jüdische- Hospital. Pmondlieit. Frankfurt a. M., 27. Mai. Vergangenen Mittwoch wurde unter großer Beteiligung Iran Rosa Frank zur letzten Ruhestätte geleitet. Tie' Verstorbene, die Tochter eines angesehenen, gelehrten und hochgebildeten 'Mannes. — war er es Noch der es »uerit versucht Kat. de»;'-'אינד ייא־נר. ui ein modernes Gewand zu kleiden hat sich ihr ganzes Leben lang ihrer Ab'tamniung würdig gezeigt. Ihr Haus war ein grttgcweibtes, 'Arme waren ihre Hausge nossen und ihre (iinder suchte sie in dein Geisie des echien Judentums zu erziehe׳.!. An ihrem Grabe entwarf Herr Lehrer Ehrmann Friedberg ein Lebensbild der Versiorbe neu, anknüpfend an den p::Ö£: דבריב נפרי לי בנעיד־ס אף י'> r,־rr .נהלד und forderte die 8Inder und Enkel aus. ihr nachzusirebe» au? dein Pfade der Tugend und der i\vr׳ ־ .׳צפים“rv:r. Mainz, «>. Juni. Vorgener» verschied im 'Alter von «i-, Jahren die Gattin des ersten Vorstandes nuferer Rcligions gesellschast, Frau Friederike Fulda. Tie Heimgegäugene zeichnete sich durch alle Tugenden des jüdiiche» Weibes ans, was Herr Rabb. Tr. Bondi "'p in feiner Leichenrede trefflich zum Ausdruck brachte. Ein großes tfefolge aus allen (ireisen der Bevölkerung erwies der Verstorbenen die leyic Ehre. רנצב״ה. Mafrtiou, i. Juni. In der ׳.»sackt des vergangene» Lonntag narb hier Rabbiner M. Iungrets p : im Alter von «'>>» Ial.ren, Ter Verstorbene war au ei ׳».»!!tglied der ortbodore» Landesrcpräsentanz. Tie 7v:"?and unter starker Beteiligung am Montag Nachmittag statt. liid)$dte$ Uereinswesen. Frankfurt a. M., ->. 'Mai. Ter isr. Hiltsveretn. der sich seit einer Reibe von Iahten mit der Fürsorge für erholungsbedürftige « ch n l k i n d e r und für die a r b e 11 e n b e >v e i b l i ch e Ingen ö beschäftigt, tvill in diesem Jahre von der Errichtung einer W a l d k o l o n i c für «chulktnder, wie sic int vorigen Jahre besiandei! hat, absehcn. Tagegen hat er einen Fond tür die erholuugs bedürftige Jugend gegründet, zu dem schon ansehnliche Beiträge zu'gesagt sind. Ans den Eingängen sollen besondere Untersiüynngeu in einzelnen genau geprüften Fällen ge währt, itnd die Erholung der bedürftigen (linder auch durch 'Anienthali Ui ieut׳ Lun ermöglicht werden, wobei für Bcaufsichtigung, und zwar auch für ärztliche, gesorgt wird. Tet Fond toll eine dauernde Einrichtung werden, und es sollen »ichl allein die Bedürfnisse für die Lchulkinder, sondern auch die (leite:! der Erholung s st ä 11 e für die arbeitende weibliche I 11 g c 111 bcsiritteii werden T icse Einrichtung besieht schon feit mehreren Jahren in dem vorssiglich geeigneten (iönig i. üd., und es isi bc absichtigt. dieselbe zu vergrößern und anszudehnen. Berlin, 22. Mai. Ter Verein zur Be k l c i d n n g armer jüdischer (t i n d e r versendet soeben feinen dritten Jahresbericht, au» dein bcrvorgeb! daß das vertlofsene Jahr ein recht betrtedigender geweien isi. Während der Verein im Jahre 1‘.hM :!2׳> (tInder be kleidete, und dafür Mark ausgab, sind im vergangeneii Iabre 4:Wt (rinder beriicksicktigt und dafür :!880 Mark ans gegeben worden. Tie Mitgliedcrzahl hat sich von :איי* a»׳ ׳!?!:> erhöht 'TEiesbadeu. Am 22. Mai fand die erste General Versammlung des vor kurzem hier gegründeten ״Vereins für indische Geschichte und Literatur" statt, der schon 81 Mitglieder zählt. In der Eröffnungsrede gal׳ der vrovssorticke Vorsitzende, .Herr Gericht-asseffoe Tr Friedinann ein Bild von dem Werdegang und den! segeitsreichen Wirken der ״Vereine für jüdische Geschichte und Literatur״ tn Teuischland. In Wiesbaden habe ein solcher Verein gefehlt, der den IndifsercntiSmu« und die Indolenz vieler jüdischer Einwohner bekämpfen könnte Bei der stattgefundcnden Vorsiandswabl wurden die Herren Tr. Friedemann «I. Vorsitzender», Ben. Lrrauß «kl. Vorsitzender», Tr. Hirsch >>. «chrsstsührcr>, Bertram Ltern «II. Lkbriftfübrer». Joses Baum Ktassierer», I Joseph, Bertb. (tabn, Tr. Laier, Rechtsanwalt Marrheimer «Beisitzer», einstimmig gewählt. Alsdan» nahm Herr Rabbiner Tr. Lilbersiein das Wort. Er schilderte wie früher bei den Juden jüdisches Wissen, mehr als alles galt, neben der Lvnagoge »and immer das Betb Hamidralch. Wenn sich auch die Peilen geändert baden, so wtffe man dock auch heute »och jüdisches Wissen zu schätzen Er verspricht sich »ehr viel von dem jungen Verein, der jüdisches Wiffen verbreiten und Liebe zum Judentum und zur Iudenheit erwecken will. Es isi zu konstatieren, daß Mitglieder beider hiesigen Gemeindensowie die Herren Rabbiner Tr. (iahn und Tr. Lilber stein in den neuen Verem eingetreten sind. Im Winter plant der Verein die Errichtung einer Tovnbee Halle, uni auch am dieiem Wege da- Inlereffe am Judentum zu ver breiten