Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 23 (7.6.1906)
- Date
- 1906-06-07
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2446951-9543451-9887981--0405-7374907- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
9Jr. ■i l. Seil» (>. Ter Israelit. 7. Juni H«OtJ. und HadmdbUn. deutsches *Jtcid). Frankfurt 6. M., t>. Juni. Tie 'Rabbiner- Kommission der ״freien Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" trat heute zu einer cius allen Teilen Teutichlands starl besuchten Gcneralversammlung zusa'N'iien. Indem mir uns anssührlicken Be rieht Vorbehalten, sei einstweilen der Verlaus der Beratungen des ersten Berhandlunastages kurskizziert. Ter Vorsitzende des Vorstandes. Rabbiner Tr. Breuer, begrüßte in marinen Worten die Er sch-ieneuen, insbesondere auch den als Etas׳ anwefen den Herrn Tberrabbiner Tr. Ritter aus Rotierdam und ernannte Herrn Rabbiner Tr. (.ז a r 1 י ׳ bach Lübeck zum slelloertretenden Vorsitzenden, Herrn Rabbiner Tr. Wolf Köln zum Sckrift sükrer. Im Aufträge des Vorstandes erstattete Pro:׳. V ^ו t ו4> ז ( # f h X4I• t.-c« )lUJ!eei I ihre kt streckenden E kschäffsberichl, der ein impv'anles Bild von der ׳oeitnmsassenden und zum Teil überaus erfolgreichen Täligkeir der^Rabbine! Komminion gibt. Rack!andrer Tiskuüion wurde beschlossen, die morgige Tagung mii einer Belvrech ung des bedeursamsten Gegenstandes der Tagesordnun:. der zwisckten der Ireien Bereinigung und der Bereinigung natitionell gesetzestreuer Rabbiner schwebenden Berdandlungen zu eröffnen. Hierauf er sralkeit Rabbiner Tr. Schisser Karl-rube ein oründl-che» Referar über die Ausübuna der דצצ־ T!e Rachmiiragsüyung brachte zunächü eine leb d-'re und ׳'ehr fruchtbare Tisku«ion über das Tr. Tchfsser'schr Referat, das, durch weiteres wissenschl'lliches Mattiial ergänzt, von einer Redaktion-:- rrmm׳si:sn arbeite: und dann verössenr!:ckn werden fr-,. Hieraus ergreift Brov. Robb. Tr. E ri b n Tulda rar Wort zu einem groß o.noelegren Bor:rage über .Zie t׳'r!!är»na Herr, rir ־r*r", der aus der o.üaeu'-inrn innerr-oliritch-en Lage der Iudenhei! ^errus Sie zweckmäßiosten 'Wege in der 'B-׳tampf»ng ich 1 brfrindltchen 'Bestrebungen zu tennzeichuen fach: Trinen Vorschlägen wurden in der an tV '׳eß,enden Tebaire iveiterc Anregunaen zur Teile ׳e stell!. Morgen derichter Tberrabbiner Ti. Lerner- .׳:!:ono. über die ..Bestrebungen zur Tchasfung einer t'esamloraanis'Iion der preuß'smen Iuvenveil" Rtal>.o!<!-1relror Tr. L a n a e Iranksurt a. Atz. i:l>׳» ״-n ״Bund gksttzkstieuer jüdischer Lebrrr". Berlin. B«. Niai. Tas Provinzial Schul trllegiun! für die Provinz Brandenburg hat über t ic Tkilnabiiie andersgläubiger Tchüter am evaugc li'chen Religionsunlerricht folgende Bersügung er lassen: ״Wenn ein noch »iitit 14 Jahre altes schul p׳i:c!:!1gcs K.ind!n einer anderen Kvn;es׳'io» als der des 'Vereins ünter.ichiel!:erden soll, so i«: crsorder lich. dasz beide EUernleile eine dahingehende Er tiärung persönlich oor dem Borstebcr der Polizciver!׳alning - in Be.Iin der einzelnen Polizeireviere oder vor de>u t'audrat. Anstsrichter oder Notar aus lruetlich zu Protokoll abgeben. Ticlf Be'nmmung siudci nicht nur bei sonder» auch in den Jollen Anwendung, in denen beide Ellern de'.sclben Konfession angehörcn." - Tamit erledigt sich für die Provinz Brandenburg, und da an ׳,»nehmen i'>. las, die Verfügung aus höhere Anordnung zurückgehl und taRr gleichlautend wohl auch für die anderen Provinzen erlassen worden, für die ganze Monarchie der brziigliche Punkt der Borstelluna, welche der ״Verband der Deutschen Juden" ru der Beratung des sog. Toleranzgesetzes an den Reichstag gerichtet hat. Wik man sich unbkquknik Wähler vom Halst schafft! <Von unserem Korrespondenten.) es.,,.,: Wenn nicht aller Änschein trügt, beginnt es sich im Breslauer Gemeindeleben schon jetzt wieder zu regen. Ten ersten Anlaß hiezu gab wohl die vor einigen Tagen stattgehabte Wahl des Vorstandes der ״Israelitischen Krankenverpflegungs- >.1nd Beerdigungsanstalt חב־א קז־י*»א" bei welcher, wie vorauszusehcn war. die Kandidaten des ״Liberalen Vereins" mit grofzer Majorität gegen diejenigen des ״Vereins zur Forderung dcr Interessen der Synagogen-Ge meindc" gewählt wurden (mit etwa 2r>0 gegen 150). Tamit mnszle die Angelegenheit eigentlich erlcdigt sein, ivenn nicht die Art und Weite, ivie der Vorsitzende der ־רק, welcher auch dem Vorstande der Synagogen-Gemeinde angebört, die Wahl leitete, zu vielfachen Beanstandungen Anlaß gegeben hätte. — Redend'?! sei bemerkt, dasz die Nachkommen dieses Vorsitzenden der ק.-! und Vorstehers der Trmagoacn- Gemeutde zum grostcn Teil bereits getarnt sind. — Tieter 'JJ’atm, der wegen seines herrischen Wesens übrigen? nichts weniger als beliebt ist. lies; keinen einzigen Antrag dcr Opposition-zur Abstimmung zu. ja er wagte es sogar den Führern derselben, Männern, welche in asten Kreisen der Gemeinde dir größte 'Wertschätzung und Hochachtung geniesten, den 'Vor- Wurf ins Gesicht zu schleudern, sie wären nicht gekonimen uin sachlich zu unterhandeln, sondern um Zank und Ttreit hereinzubringen. Ta außerdem der Wabltermin stanitenwidrig zu lang geheimgehalten wurde, wahrscheinlich um die Gegner zu über rumpeln, beabsichtigt man, gegen die Wahl Einspruch zu erbeben. Nock mebr wurden die Gemüter erregt durch den Beschluß, welchen die Repräsenkantenversamm lung der Tvnagogcngemeinde in ihrer letzten Sitzung faßte. Wie schon früher berichtet würbe, hatte man den Gemrindovorstand längst im Verdacht, das Ge meindewahlreckrt weiter einschränken z» wollen. Tbgleich er diese Absicht bis in die letzte Zeit wiederholt leugnete, hat er sie nun doch verwirklicht: «eine Vorläge, die Eensiten von 004—I0r>0 Mk. von de: Gemeindesteuer zu befreien, womit 407 Ge׳neinden1italieder auch ihres Wablrechtes beraubt werden, wurde vor: den Repräsentanten mit allen gegen zwei Ttimmen zuin Beschlusz erhoben. Unter der Maske einer sozialen Wohltat brachte der Vorstand diesen Antrag ein, und so r'and er selbst bei denjenigen Re- Präsentanten Entgiarnkommen, welch: nick; im Ver dach! stehen, des Vorstandes Handlanger zu sein. Man braucht aber teinen grofzcn Scharfsinn zu besitzen, um einsehen zu können, worauf diese ״soziale Wohltat" in Wahrheit allzieit, »amentlich ivcnn man ihre Vorgeschichte kennt. Tie Fürsorge dieses ״liberalen" Vorstai.des für tlcine Leute begann nämlich - sonderbar genug — erst in demselben Augen blick, als sich oor etwa zehn Jahren die -rsle Tppofitton bei den Reprasenlantenwahlen zeigte und man bemerkt batte, dasz sich diese zum allergröfztcn Teil cus den Kreisen eben dieser kleinen Leute rekrutierte. Vis dadin schien es die »icnschensreundlichen Herren gar nicht zu berühren, daß den kleinen Leuten das Ausbringen der Steuer so schwer siel. Nun erst wurde die niedrigste Ttenerstuse - - <000—000 Mk. Einkommen) - mit Steuerfreiheit und Verlust des Wablrechts beglückt. Ader es nützte nichts. Tie Tpposttion wurde dennoch immer stärler, und als dei den Wahlen 100:2 zwei erzüberale Tlätzen 'oes Vorslanbes durch die Tppo':tion zu Stestvertreteru kcrabgedrückt iruede» und diese IltzRi gar bis zu zwei Iünftcl astcr Ttimmen angewachsen war. da regle sich auch das soziale Gewissen der Herren Machthaber: sie befreien die nächste Steuerst«?? (000— I0.־s0 Mk. Einkommen» von der Gemeindestcuer und rauben ihr das Wahlrecht, womit sie wieder m:l:r als 40יי oppositivneste Wähler mundtot gemach! baden. Tebon jetzt wird angekündigt, dass auch v;, nächste Ttenerstuse bald die'es Vorzuges teilhaftig!:׳erden soll. Wahrscheinlich will man erst den Ausfall der nächsten Wahlen abwarten, um zu sehen, ob die bisherigen ״sozialen Wohltaten" schon ausreichen, den jetzigen Machthabern die weitere Herr schaft zu sichern. Immerhin must, man dem Vorstande zugeben, das׳ er damit einen sehe geschickten Tric ausgespielt bat: er gibt sich den Anschein der?fiirsorae für die kleinen Leute und schasst sich zugleich 400 unbequeme Wähler vom Halse. Und bas alles mir lächerlich ge ringen Tpsern. Ter Struecausfall beträgt kaum mehr als 2?>00— 2000 Mk., ein Betrag, der bei der überaus günstigen pekuniären Lage der Tnnagogen gemeinac nicht die geringste Rolle spielt. Um die Wohltätigkeitsbeuchelei noch zu veevoll kommnen. stellt man es den von der Steuer Befreiten cnheim, freiwillig zu zahlen und dannt das Wahl recht zurüllzukanfcn, weil man schon vorher die Er fahrung gemacht hatte, daß sich von Leuten mit so kleinem Einkommen niemand zue freiwilligen Zahl ung meldet. Von gegnerischer Seite wurde nun der Antrag eingebracht, den Leuten trotz Steuerfreiheit ihr Wahlrecht zu belassen, oder sie von der Steuer Pflicht nicht zu entbinden und ibnen dafür ein anderes Aeguivalent — etwa in Iorm einer freien Tempelstelle od-er dergleichen - als Erleichterung zu bieten; der Vorstand lehnte aber alle Anträge rundweg ab. Taivit sind seine wabren Absichten ins rechte Lickt gerückt. Tast dieser Beicklust der Repräsentanten bei a"en recktlich und vernünftig Denkenden einen Sturm der Entrüstung bcrvorgerusen bat, braucht nickt erst ermähnt zu werden, und da auch juristische Bedenken gegen die Berechtigung desselben norliegen sollen, hofft man die Regierung, der das Bestätigungsrecht -usteht, zur Aushebung dieses Beschlusses bewegen zu könne». Mögen diese Bemühungen von Erfolg sein! Der X. Dklkgikrtkntüg der ökulschkn Iionistkn. <Von unserc-in Korrespoudei'teii.» Hannover, den ä. Juni Ter Erö'snung von Parlamenten pflegt in aller Welt eine feierliche Handlung voranzugchen. Tie Zionisten erblicken ja gern in Kongreß oder Landeskonferenz die llrform eines jiidis.chen Parkaments. Wir lassen es unentschieden, ob Juden eines derartigen Gottesdienstes entbehren könnten, die sie ja mir jeder an jedem Morgen beginnenden ,,Tagung" einen Gottesdienst inaugurieren sollten. Die präch rige Synagoge der Gemeinde Hannover zierten am Morgen des Telegiertentagcs nur recht wenige Zio nisten, die der Anzahl der erschienenen Delegierten nur in mäßigem Grade entsprachen. Der Telegiertentag war gut besucht, über 100 Delegierte waren anwesend. Tie Tivatte trug vielfach einen etwas nervösen Charakter, denn die auf dem VII. Kongreß entstandenen Gegensätze ivaren noch nicht ausgeglichen. Auch beute nach Schluß des DelegiertentageS bestehen sie und die bündigsten Erklärungen vom Vorstandstische, ״daß Friede sei", ändern nichts an der Tat sacbe, daß eigentlich niemand bekehrt ist. Ti- Ianfarc. tie den Telegiertentag beschloß, ist eine Ehamode, Die Debatte war vielfach leidenschaftlich erregt, aber man muß den Reichtum an begabten und gewandten Redner» bewundern, die bis auf geringfügige Entgleisungen mit großem parlamentarischen Takte sprachen und ungeteilte Aufmerksamkeit fanden. Neue Gesichtspunkte traten nicht besonders zu Tage. Tie Mitteilung Pros. Warbnrgs, daß einer von zivnist ischer Seite begründeten Kommission Geh.-Rat Goldberger und De. Nathan in Berlin angehören, und diese eine Avienlung des gegenwärtig stark an »chwcllenden Auswanderungsstromes nach Palästina :rstrede, wurde von den sogen, ״politischen" Zionisten mit sehr gemischten Gefühlen ausgenommen. Man will eben keine Palästina-Kolonisation ohne die öffentlichrechtliche Si-cherung und gab auch lebhaft dieser Nkberzeugung Ausdruck. Die Misracknsten wurden bei der Diskussion über die zionistische Presse aus den Plan gerufen. Es wurde geforderl, daß die fübren den Parkeiblätter kulturelle fragen in gründlicher und schonender Weise behandeln. Tas ist in einem