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Der Israelit · 1906-06-07 · 23 (7.6.1906) · p. Seite 4

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
23 (7.6.1906)
Date
1906-06-07
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Nr 2:t. Seite 4 Die Juden in öcc Duma. Während aus verschiedenen Gegenden des russischen Reiches, besonders aus Odessa, in den letzten Tagen wieder recht trübe Nachrichten vorliegen — das ״Schwarze Hundert" scheint wieder eitrig am Werk zu sein , lann man über das russische Parlament fortgesetzt nur Erfreuliches mitteilen. Trotz der geringen Zahl, die die Juden in der Duma ausmachen, nehmen sie darin keine unbedeutende Stell׳ ung ein. Sie!verden in die Kommissionen gewählt ihr? Anträge finden Beachtung und in de!. Tröuiiru schenkt man ihren Reden ungewöhnliche Aufmerk samkeit. Man hat sich in dem Vertrauen auf die Vorurteilslosigkeit und den liberalen Sinn der Duma nicht getäuscht. Unter oem lauten Beifall des Hauses konnte der Abgeordnete Winawer in einer der jüngsten Sitzungen dem Ministerpräsidenten aus dessen Beantwortung der von der Duuta beschlossenen Adresse zurufen: ״Wcuum haben Sie nichts über die Juden gesagt? Wir sind die Vertreter von 0 Millionen Bürgern, denen alle die Rechte vorenthalten werden, deren sich ihre Glaubensgenossen in anderen Ländern erfreuen!' soviel wird man jetzt sagen können: Wenn die Duma über ihre reaktionären Feinde den Sieg davon trägt, dann werden auch für die rusiisciten Juden bessere Tage kommen.?ss cabbatprablnn in?rilmtid)>ll(11|Qt11. i»un einem uugarischeo Rabbiner. Schon lange verfolge ich mit grosser Freude die Tätigkeit der .-:*י •irr Vereine in Berlin. Breslau, Hamburg und Frankfurt a. M.. und mit inniger Befriedigung sehe ich den vor einiger .-seit gegründeten Verband der Sobbatfreunde in Deutschland eine schöne Entwi.kelung nebmen. So grosse Freude ich jedoch darüber empfinde, so lehr bedaure ich es. dass man in OrsterrTick Ungarn bieder noch nicht an die Gründung solcher Vereine berangetreten ist. Und doch kann niemand leugnen, dass sie dier nicht minder dringendes Bedutlnis lind, als >n Deutschland. Wer die jüdischen Verbällniffe in OesterreichUngarn Itimt, bet ioriss, welch grosse Zahl jüdischer junger Leute, die aus frommen Häusern stammen und in frommen: Sinne erzogen sind, in den grösseren Städten vor allem, aber keineswegs nur dort, der Versuchung des י1*י‘ שגהzum Opfer fallen. Sie zäben hinaus von den besten Absichten beseelt, in der sicheren Hoffnung, mit Leichtigkeit in einem am .-:in cnschlosienen Geschäfte eine Stesse zu finden. Drausscn aber treten alle die Schwierigkeiten, die sich hierbei trgcben, mit niederschmetternder 'Wucht an sie heran, und da niemand ihnen helfend zur Seite stebt, so ist es nicht verwunverlich, wenn ein arosser Teil in dem schweren Kumnse unterliegt. Wie segensreich könnten da Bereinigungen!virken, die sich die Slellenver mitllung zur Ausgabe machten und die Versicherung gegen Stellenlosigkeit ermöglichten! Ich weis: wobl, dass in letzter Zeit ein ortkodorer israelitischer Iugenbrerein cב—־ r-Kcr in Budapest daran ging, einen ־■ שכהirr Verein nach deutschem Muster ins Leben zu rufen, aber es nt mir nichts davon bekannt, dass der Verein auck wirklich zustande gekommen wäre, und, wenn dies doch der Fall iss, dass, er irgend welche Wirlsamkeir entfaltet hatte. Ich würde mich ftbr freuen, trenn ich mich irren sollte: aber jedenfalls träte es ein Fehler, wenn man sich daraus beschränkte in der Stisse tätig zu sein, unv es unterließe sich an die breiteste Oefsentlichteit bebuss moralischer und sinanziell'r llnterssiitzung eines solchen Vereins zu irenden. Wir stimmen geiviss nicht in den Vorwurf der Untätigkeit ein. den Herr Dr. S. Ziegler in .Karlsbad den Ortkodoren im allgemeinen gemacht lat. Herr Morir A. Loed in Iranknirt a. M. hat deittt'elbet׳, in seinem ostenen Briet in Nr. S 1000 riet er Blatter nachaetotesen, dass dteler ^׳or!^׳.»^s oegenüber der deutschen Drtbobotie nicht angebracht ■st. Zugegeben aber muss werden, dass er sür Oester reich Ungarn zntrifs!. Hier bietet sich den Gesetzes treucn in Oesterreich Ungarn eine Aufgabe von höchster Wichtigkeit, Diese Ausgabe ist nicht allzu schwierig. Tenn man kann ja die Ersabninaen der dentt.^p r:r -=או Vereine sich zu nutze machen. Ich möchte anregen, dass in Wien für Oesierrelch. Der Israrltl,__ Böhmen. Mähren und Galiz»en, in Budapest für Ungarn sich ein Verein bilde. Beide könnten sich zu einer einheitlichen -Organisation, entsprechend der des Verbandes der Sabbatfreunde in Deutschland, verbinden. Vielleicht wendet sich dieser Verband mit einer Aufforderung hierzu an einflussreiche Personlichkeiten unter den Gesetzkstreuen in Oesterreich- Ungarn. Es ist nicht abzusehen, welcher Segen der Judenhett dieser Länder aus einem solchen Werke entstehen könnte. Licht im iseiligttime. Bon A. M««uheimer in Lette! bach. Licht! Freundliches, sch«nes Wort. Welcher Zauber liegt in dir seit urdenklichen Zeiten, alles Hohe und Herrliche schliessest du ein! LicÄ war'ä, was der Weltenschöpfer durch sein Allmachtswort zuerst ins Dasein rief, mit .יהי אלר• leitete er sein üiierk, leitete er die Geschichte des ganzen Universums ein. Dem Lichte zu strebt jede Kreatur. Das schwache Saatkorn sprengt die Scholle, unter der es schlummert und ringt sich empor, dem Lichte ent gegen. Dem Lichte zu tvendet schon der Säugling sein Auge und belocijt uns, dass es licht ist in seinem Innern. ״Ein Licht Gottes" wird die Seele des Menschen genannt, die alle Räume unseres Initern durchflutet. כי נר שציד. ותורה א־י, jede Mi.zwa. jede heilige Pflicht, die!vir üben, ist eine Leuchte, unser Gottesgesetz ein Licht. Vom lichtumsloffeneii Sinaigipfel kam dieses Gesetz zu uns, und Licht bleibt ewig unser herrlichstes Symbol. In allen Phasen jüdischen Pflichtlebens erscheint bedeutungsvoll -- das Licht! Den Lichtgruss widmen fromme jüdische Frauen allwöchentlich dem einzreltenden Sabbat, mit dem Scheine einer kleinen Fackel geleitet der Haus Vater den scheidenden Ruhetag wieder hinweg. Kindliebe Freude erfüllt uns, wenn die vielsagenden Lichtlein am חנוכה hinausstrahlen in die kalte, düstere Winternacht, als Wahrzeichen des nie erlöschenden Thorageistes in unserer Mitte. Das ני ד,סיד, das ״beständige Licht" bildet einen nirgends fehlenden Schmuck unserer Gotteshäuser, es sehlt selbst im bescheidenen Dörfchen nicht. — Und wo des Todes finstere Gewalt erscheint, da halten wir ihm des Lichtes freundlichen Strahl entgegen. Neben dem Toten auf der Erde ruht es. im Trauerjahre, amIahrzcitstage darf es nicht fehten, — und gewiss wollen wir's nicht miffen bei frohen Gelegenheiten. Wenn die Dichter aller Zeiten und Zonen in besonders schwungvollen Worten ihrer Begeisterung Ausdruck verleihen wollen, dann greifen sie zum Bilde des Lichtes. Alles Wahre. Gute und Schöne verkörpert sich ilmeii darin. Und schlaget unsere Bibel aus, leset in Jesoia. Iirmija, IeclzeSkel oder anderen Profeien, für alles Hohe und Herrliche, das in Israels Lebensaufgabe und Lebensberuf liegt, wird immer und immer das Licht als Symbol genommen. .אורה n-cr״ u. dergl. sind stehende Wendungen, die überall rins begegnen im heiligen Schrifttum, die ständig wiederkebren im snnagogalen Leben und bei zabl reichen religiösen Gelegenheiten. Konnte oder durfte das Licht im Bolksbeiligtutne Israels fehlen? Wir lesen im dieswöchentlichen Thoraabschnitte folgendes: ״Gott sprach zu Moscbeh: Sprich zu Aheon und sage ibm: Wenn du löe Lampen anfleuchten lastest, sollen der Richtung des Leuchters zn die sieben Lampen leuchten. Ahron tat also, der Richtung des Leuchters zu lieft er seine Lampen aufleuchten, wie Gott Motckeh geboten hatte." — Das Anzünden und Herrichten des goldnen Leuchters im Heiligtume toar eine der wichtigsten nid bedeutungsvollsten Obliegenheiten im Priester dtruie. Ralchi weist im gegenwärtigen Wochenabschnitte au! den Schluss der vorwöchentlichen Sidra Kitt, »nt vettAusuiiiineithang lrerztit'iellen. An Ende von א?: c hörten wir von den Weiheqeschenken, welche die zwölf Stammsiirsten bei der Einweihung der StEts Hütte brachten. Da tat es Ahron im Herzen leid, nickt in gleicher Weise hierbei beteiligt zu sein, weder er selbst, noch sein Stamm (Levil. Gott aber sagte tröstenb zu ibm: ״Ich schtvörc dir. deine Ausgabe ist grösser, als die der Stammfürsten: denn du hast den Tempelleuchter herzurichten und anzuzünden." _7. Juni 1906 Wie die Wohnung Gottes ein konkretes Vordilv sein sollte für alle Häuser Israels ringsum, so ist der herrliche Leuchter do-rtselbst ein Symbol für den Volksgeist in Israel, für unsere ewige Thora. In der mündlichen Lehre sind uns zahlreiche Vorschriste:׳ mitgeteilt sür den mit dem Lichtdienst betrauten Priester. Jede derselben gibt uns bedeutsame Fingerzeige für die Auffaffung des echten uns rechten Priesterberuses in Israel. Stellen wir uns mit dem Profeten Meleachi den jüdischen Kaukten als einen gottgesandten Lehrer seines VolieS vor. Lrn dtssr״ Lippen man Erkennt nis und Unterweisung erwartet (Kap. 11, so ist der Priester am Tempelleuchter in jeder Hinsicht die treffendste Kommentierung dieses herrlichen Ge dankens. Es fehlt nichts, um das Bild in seiner Wirkung zu einem imponierenden auszugestalten. Schott das Wörtchen כהעלתך umschliesst einen bedeutungsvollen Gedanken. Empvrzu steigen hat der Priester ehe er den Leuchter an zündet. Der wahre Priester muss wissen, dass Selbstheiliguna Selbstveredlung seine höchste und nächste Aufgabe bildet, che er andern die Leuchte voraniragen möchte. Falsches Wesen, äusserer Schein, täuschendes Lippen werk sind für den jüdischen Priester mehr noch als Selbsterniedrigung und Entwürdigung, sie sind ge radezu Selbsttötung. Er muss erst selbst von Stuf-? zu Stuf? steigen, um andern Borbild zu sein. Sicher fällt das Steigen schwerer, als das Abwärtsgehen Doch jenes führt in die Gvitesnähe, dieses zum 2>er fall. Ein Priester darf nicht Mühe und Arbeit scheuen: allezeit rüstig vorwärts, mutvoll answärts. bleibt für ihn die Losung. Aus dem Worte כחעלתך leitet sich für den Priester auch die Pflicht ab. so lange beim Anzünden zu verharren, bis die Flamme von selbst a u f st e i g t. Ein flüchtiges Berühren zündet oft nicht, eine vorübergehende Mahnung lind Belehrung bleibt oft ohne Erfolg. Nicht alle Vrennstofse sind gleich, nicht alle Eharattere einander ähnlich. Es gilt auszuharren. bis von selbst das Licht emborfteigt. ־«dg דלקםז-ן iE-, Ungeduld und Jäh zorn sind einen! wahren Lehrer schlecht anstehend. Trotz aller Enttäuschungen, trotz bitteren Seelen׳ schmerzes traten die Profeten stets von neuem hin vor ihr Voll, zu warnen, zu mahnen, zu lehren und zu besiern, unbeugsame Optimisten, die mit ihrem Licht nicht so schnell weichen wollten, die dem Priester ähnlich erst dann ihre Aufgabe gelöst erachteten, wenn die Flamme in den Herzen und Geistern von selbst aussteigt. Jeden Tag ivar das Licht im Heiligtum zu ordnen, zu richten. Unser Leben setzt sich aus Tagen und Stunden zu sammen. In keinem GUede der grossen Keile dar» die Festigkeit und Stärke fehlen. Das Kontinuier liche soll nicht nur bei unserem leiblichen Sein in Er scheinunq treten, aus geistigem, seelischen Gebiete bleibt es aeradesc die wesentlichste Forderung, die Lebensbedingung. ...Kein Tag obne Linie." dieses be׳ rühmte Wort ist echt jüdischem Geiste entlehnt. Die Lickrtinstitution in Israels Heiligtum Kat den Ge danken treffender und schöner gelehrt, als das iroend ein Mensch könnte. Der wahre Jude findet jeden Tag. dass an seinem Lichte noch ettvas zu richten und zu besiern ist, er leidet nicht an Selbstüberschätzung, er kennt kein Erlahmen in dem Streben nach Der vollkommnnng. Die alte Thora gilt ihm als eine Offenbarung von heute, und ewig jung bleibt, ihm seine Aufgabe. Für jede Gegenwart muss sie von neuem begriffen werden, jeder Lebenstag ein neuer Arbeitstag. Der Priester sollte -— selbst für die'Sommerzeit — s o viel O e l in den Leuchter giessen, dass es aucb für die läng st en Winternächte hinreichend w a r. — Nickt immer sind Zeiten der Freiheit, der Sonne, der Wärme und des Licbtes. Der jüdisch? Priester hat auch an die kalten stürmrschet! Nackte zu denken und demgemäss Borkehrungen zu treffen. Gerade im Sturme soll sich unser Gersteslicht er proben. Und dauert die Nacht lange, uns ist nickt bange. Es ist gesorgt auch für die שכה Nächte. Es ist sogar im Sommer daran gedacht worden. Da? ist jüdische Art. Im Glücke nie unbedacht, im Glanze nie überhebend sein. Borausschauen und Vorausbauen, bann trifft kein Ereignis uns unerwartet.

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