Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 23 (7.6.1906)
- Date
- 1906-06-07
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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T. Mai 1900 Nr 2:1. Lene 2. — ' ■M » -■ l ralnnq tti Vorlage eingesetzten Kommission eine durchgreifetide Wanderung. Wir haben dir Beschlüsse der Kommission,seiner Zeit rnitgeteilt uffd tonnen jetzt zu unserer Freude konstatieren, das! das Abgevrdtietenhaus ihren Verbefferm^en seine Zustimmung erteilt, ja noch einige Iveitere für uns günstige Acnderunqen dorgenommen Hot. Die endgiUtigc Raffung. der hauptsächlichen die Volksschulen betreffenden Stellen des Gesetzes lautst:? 24:. ״Für vir L-rrtchlung, Unterhaltung und Verwaltung oer für 1»o,sa>e '1 »wer veslimmken uns mit juvlichen Levr kräitrn zu besehenden öffentlichen Volksschulen gelten vis aus weiteres die jeht bestehenden Vorschriften mit der Mastgabe. dag der ß «!7 'Rr. l> des Gesetzes vom 29. Juli 1817 über die Verhältnisse der Juden lGesetzsamml S. 20.1) für den ganzen Umfang der Monarchie zur An- Wendung gelangt. Tie zur Unterhaltung solcher schulen Berpilichteien gelte» als Tchulverbandc im Sinne dieses besehe». Werden die in den ßL 19 bi» 29 mwäbnten össentlicheu Volksschulen von jüdischen Bindern besucht, so stnden bet Ausbringung der )tosten für die Erteilung von jüdi schein Religionsunterricht und binsichrlich der Anstellung von jüdischen Lehrkräften an diesen Schulen zu»! Zweck der Erteilung von jüdischem Religionsunterricht, sowie hinsichtlich der anderweite» Beschäftigung der hierfür an gestellten jüdische» Lehrkräfte an diese» Schulen bis aus weiteredie jetzt begehende» Bestimmungen Anwendung Beträgt in einer öffentlichen Volksschule, die nur mit katholische» oder nur mit evangelischen Lehrkräften besenr ist, die Zahl der einheimische» jüdischen Schulkinder dauernd »lindestens zwölf und wird in einem solchen Falle der Religionsunterricht »ur dieselben durch von der Snnagogengemeinde bestellte Lehrkräfte erteilt, so nndel Zj 07 Rr 9 des Gesetzes vom 2:1. Juli!947 sinngemäße Anwendung. ^i;r hi# «*rridjtunc; יןיי״י «?rn cifcn«!:chen Volkcichulrn. an welchen nach ihrer besonderen Verfassung, abgesehen von den, Halle des 21M. 2, christ liche und jüdische Lehrer zugleich anzustellen sind, bewendet es bei dem bestebenden Recht. Für di« Provinz Hannover bewendet es bei dem liefen vom 7. Marz 1800 jGcsetzsa»n»l S. 22:1> jz 1 Rr :1. belrenend die Untcrstützuiig de» jüdischen Schul wefens der Provinc durch den Provinzialverband.-? 41 (an Stellt des früheren? 28, Abs. 6s: .Sofern sich tn der Stadl mindestens 20 jüdische Volksschulkinder beftnden, tritt außerdem der dem Dienst ränge nach vorgebende oder sonst der dem Tienstalter nach älteste SrtSradbiner ein, oder wen» ein solcher nicht vorbanden ist, ein anderer vom Vorstande der jüdischen Gemeinde zu bezeichnender Rabbiner." Der Absatz 1 des $ 24 weist gegenüber dem Kommiffionsbescbluffe nur eine kleine Hirizusiigung redaktioneller Natur auf. Die Absätze 2. 4, ö des Paragraphen lind dom Plenum nicht verändert worden, Eine wichtige Aendernng enthält jedoch der _Ter Israelit_ jetzige Absatz D-. Derselbe lauletc in der TOT[ btt Kommission angenommenen Form als Abscrtz-^ .Liegen' die Voraussetzungen des - 21 Abss^. für jüdische Kinder vor, so bleibt es den Tchulvert<änden überlassen, für den Religionsunterricht nach Maßgabe der dort gegebenen Vorschriften zu sorge«. Machen sie von dieser Befugnis keinen Gebrauch, fv findet 8 07 '}Ix. 9 de« Gesetze» vom 2:1. Juli 1047 (Geseysamml --S. )0:1) stnngetkiäßr Aiiwendniig." Hier' ist nun der erste Satz gestrichen und der zweite dementsprechend anders eingrleitet worden. Wir betrachten das darum als eine Verbesserung, iviil 71 rt,4י K#m hr.77 h•« 1*7 7— * 1 ד•'; «•>•• « *•> 4•»«. 4n«m|| tv•« vv|vY»V||^IUlt •CUt׳t 11UU4 in Fällen, in denen der Schulverband nir jüdischen Religionsunterricht an einer christlichen Schule gesorgt hätte, dieser gerade so wie der in § 21 geregelte Religonsunterricht fiir christliche Minderheiten obligatorisch gewesen wäre. Angesichts der vorhandenen religiösen Gegensätze haben wir doppelt Ursache, einem jeglichen Zwang auf religiösem Gebiet entschieden ieind zu sein. (5s ist denn auch sehr erfreulich, daß in der ziveiten Lesung Herr' Ministerialrat Schwartzkopff Veranlassuitg nahm, ausdrücklich י.!! erklären, daß der jüdische Religion?- vnterricht keinen obligatorischen Ehor a k t e r tragen solle. Ist demnach die Stieichung des Satzes 1 des ehemaligen Abs. 4 in $ 24 als eine Sicherung der Gewissensfreiheit freudig zu begrüßen, so ist auf der anderen Seite keineswegs, wie es den Anschein haben könnte, ein Rachteil irgendwelcher Art mit dieser Aendernng verknüpf«. Denn was der Satz besaate, daß nämlich die Schuloerbände befugt seien, an den nichtjüdischen Schulen für jüdischen Religionsunterricht *u [ח?י)זח, bei?!rirb bfriii? in bcin Albtet1 2 Paragraphen durch die dort gewährleistete Erhaltung des Status quo ausgesprochen - und obendrein noch ohne eine Einschränkung mit auf die Cchülcrzabl, wie sie in dem beseitigten Satze enthalten war. Insoweit durch dcn $ 24 nicht für den jüdischen Religionsunterricht Vorsorge getroffen wird, batte die Kommission durch eine Resolution die Regierung eusaefordert,?Nittel in den Staatshaushalt einzustellen, um den Smiagogengemeinden die Beschaffung dieses Ilntruichtee zu erleichtern. Die Regierung hat sich in den Plenarverbandlungen bereit erklärt, dieser Resolution zu entsprechen, und Herr Ministerialdirektor Schwartzkopff fügte aus das Er suchen des Zentrumsabgeordneten Marr, den anzu st eilenden Sbnagogenlebrern ein aristöminliches Gehalt zu sichern, i.och hi» zu: Diese Anregung ״wird bei uns auf einen fruchtbaren Poden fallen, f 0 n ff ’f 0 n ת t c ja auch de r H w e ck des Antrags der Kommission nicht erreicht werde n." 1 1 ' . ׳ ׳ Was den Absatz 6 des Z 28 des ll^gierungsentwurses anlangt.-so best'immte dieser, daß/sofern sich in einer Stadt eine öffentliche jüdische oder jüdisch - cbristtsche Söhule befinde. der Rabbiner in die städtische Schuldeöutation eintrete^ wenn er am Ort lovhne. Der von dem Abgeordnetenhaus an Stelle dieser Bestimmung eingefügte r 41 trag: abgrsehru duvou, daß ec oem Anlrage der Kom Mission gemäß den Eintritt eines Rabbiners nicht von den- Vorhandensein einer besonderen "jüdischen oder jüdisch-christlichen Schule abhängig macht, auch erfreulicher Weise deni Umstand Rechnung, daß an den weitaus meisten Orten, wo die. nötige Zahl jüdischer Schulkinder oder sogar eine jüdische Voltsschule vorhanden ist. lein Rabbiner seinen Sitz bar. Bedauerlich ist. nur, daß für diejenigen Städte, in denen zwei jüdssche Gemeinden bestehen, nicbr der Eintritt je eines Rabbiners der beiden Gemeinden vorgesehen ist. Wenn dort beispielsweise der neologe Rabbiner das höchste Dienstalter bat und darum Mitglied der Schuldeputation wird, so sind die Jntereffen der GeseheStceucn dann gewiß nicht in guten Händen. Allerdings dürfte die Anwendung der Gesetzesstelle, die ja mir non ״d e r jüdischen Gemeinde" spricht, in Städten mit zwei selbständigen staatlich anerkannten Gemeinden großen Schwierig leiten beaeanen, aber es wäre schon aus prinzipiellen Gründen gut gewesen, wenn das Gesetz auch hier die bestehende Situation einmal deutlich zum Ausdruck batre gel.rn7g.-n lassen, und es ist schade, daß man auf gesetzrstreuer Seite zu spät auf die Unzu länglichkeit der in Rede siebenden Bestimmung aus merksam geworden ist. Ueberlchaiien wir die Gesamtheit dessen, was erreicht worden ist, so ergibt sich, daß eS in der .Hauptsache bei dem bislierige» Status gepliebrn isi. Die vorhandenen j ü d i s ch e n V o l k sschulen Preußens sind vor dem Untergang bewahrt, und auch der Errichtung neuer öffentlicher jiid i s cb e r V o l k s s ch u l e n steht nichts in, Wege. Mit erleichtertem Herzen sagen wir es und in dem Bewußtsein, daß damit das preußische Judentum einer unberechenbar schweren Schädigung entgangen ist. Und die Genugtuung über diesen glückliehen Ausgang der Volkssckulkampagne läßt »ns gern vergessen, daß nictit alle Wünsche, die wir gehegt, Erfüllung gefunden haben. Nicht in der?it ötjMstjI-kliisslklW >> «Mud. 1 Äon uniertin Korrespondenten! London, den I. Juni Tie Heimarbeit, auch dezeichnender Weise das Schwitz svttem genannt, tft schon lange ein Schmerzenskind der Sozialpolitik«!: Tas dnlere Ejo,p j.tr ׳Menschen, die in ihren Wohnstätten für Hungertod»« eine enorme dlrdeilslast bewältigen, und, um auch »»r die Mitiel für die dringensten leiblichen Bedürfnisse zu gewinnen. v>e Rackl zum Tag machen müssen. diese» eilend ließ allinahlich das «Gewissen der Oeffenilichkeil nicht mehr ruhig, und man degann, über die einschlägigen Verhältnisse einzebende Nnlersuchnnge» vor zunehmen Tie s Z in Berlin vcranstattelk Heimardeil» ausstellung, die mir ihren Enthüllungen große» Aussehen erregte, bat nunmehr auch l» London Nachfolge gefunden Ti« Leitung . Tailv New»- ist die Unternehmer!» des Werke». Ti« Londoner 'Ausstellung ist sur die Juden vo» de ionderem Antererle. In t^nglaiid gehört ja ein iebr großer Teil der jüdii'ch«» Bevölkerung rur ardeilende» Klane. Weit aus die Mehrzahl der au» Rußland dorthin ausaewanderlen Juden ift in der Industrie brickäfiigt Taß davon ein Teil!ich in nicht besonder» guter Lage denndet und infolgedessen eine Beute des SchwitzsollcniS geworden iß. das kan» nicht denriiten werden Aber diese Tatsache wurde von Iledelwollenden bedeutend übertriebe», und io war e» seil Iadrcn gang und gebe, daß man dl« jüdiichen Arbeiter arger Lobndruckerei deschuldialr 'Auch debauptete man im Zusammcnbange damit, daß die Zwischenmciiter. die die '?lrbcite» der großen Firmen von dcn Heimardeilern auSsühren ließen, u»n größten Teil sich au» den Kreise» der eingewanderteu Juden rekrutierten Tiefe Irresubrung der öffentlichen Meinung war ״icht da» undeveutenste ver Momente, die die englische 'Alien Bill ins Tai'ein gerufen haben Tie irtzige Ausstellung hat aber den Beweis geliefert, daß jene Behauplungen verleumderischer 'Absicht oder ober stächlichen Beobachtungen entsvrungcii sind. In dem vom Komitee herausgegedenen Führer durch die 'Ausstellung nndel sich ein 'Aussatz von James Macdonald über die Heimarbeil im Schneidergewerbe, welcher eS als eine Tatsache ieststellt, daß schon zu einer Zeit, als »och gar keine Juden >n diesem Industriezweig tätig gewesen, da» Lchwiysvstem in den Wohnungen der Schneider zu hoher Brüte gelangt war. T adei stellt gerade dieses Gewerbe den größten Teil der Heim arbeiier. Tie 'Ausstellung zeigt, daß das sweating in London keineswegs aus da» vorwiegend jüdische Lstend beschränkt ist, während man bisher gewohnt war, dies als die Lchwitzkölle kar anzuseben. Interessant ist die Tatsache, daß Aerade im Raiiien der christlichen Religio» in England die «chlimmste Ausdeutung der Arbeitenden betrieben wirb. Tie englischen MissionSgesellschasten lassen bekanntlich all jährlich eine Rieienmaste vo» Bibeln drucken. Das Falzen der Druckbogen wird von ibnen mit l Pennv für hundert Stuck bezahlt, was wöchentlich 9—K> Schilling aus»!acht 'Mil der so aus billigste Weise her gestellten Litteralur geht man dann auf die Iudenbekebrnng ans. In der 2>»S stellung destnden sich »ur zwei zur jüdischen 'Arbeiterschaft gehörige Personen, eine Zigarctlenarbeiterin und einen «chrriner Ta» beweist allerdings nicht, daß die Zahl der unter dem Schwitzi'vstei» leidenden jüdischen 'Arbeiter so ge «>ng ist, daß die berufenen jüdischen Kreise nicht nötig hätten, der Sacke ihre höchste 2li!smerk!am'eit zuzuwenden. Ader man kann immerbin sagen, daß die 2>»ssteN1,n.1 für die Jude» im allgemeinen recht erfreuliche Resultate ge zeitigt bade. ein Lag des Schreckten;.!Skizze aus der Zeit der iiallenüchen Renaissance!. I. Tie italienische Renaissance kalte .in» F<rr>׳r>׳ der beul,ge» Hauplstadl der .-,leichnamigen ita!.c,.is>»,en Provinz. eine der schönsten Städte des an Schönheit so reichen Küsten lande« des adriatischen Meeres gesch7.rnen. Gebäude und .Kirchen aller 'Art, Denkmäler und herrliche Olartenanlagen zierten die Straße» und Plane, und trat »1a» erst i» das Innere der Prachtbauten, so entzückten wunderbare Gemälde und kunstvoll ausAesübrie Fresken das!,.״inende 'Auge des Beschauers Kiinne und Wissenschaft erblühten hier an der :Mündung des Po. Hier war es, wo Ludovico 'Ariosto sich mit seinem große» romantischen Heidengedicht. dem ״Rasenden Roland-, unvergänglichen Tlchlerrnhm u»v die ungelelllc Bewmlderung der ganzen gebildeten Welt erworbem hier wirkte der hervorragende Humanist und der größte Schul meister des Jahrhundert« Gnarini als Prinzenerzieher und hier sang hi»i»1ell»och jauchzend, oft aber auch zum Tode de trübt der Liedlingsdichter der Italiener, dessen heftige Teelenkämpse unser deutscher Dichterfürst dramatisch behan deUe: Torauaio Lasso. 'Aach an jüdischen Gelehrten war die Hauptstadt der Herzöge von Este nicht arm. Einer der bedeutendsten unter ihnen war der 'Arzt und Schristgelehrte Rabbi A s a r i a b ben M 0 f e d e > R o s s i. T tefer saß an einem schönen Soinmerlage des Jahres 1571 in dem Studierzimmer seinean dem Palazzo della Ragione ge legenen Hauses. Er batte viele Rächte hindurch nicht ge schlasea, denn sein lieses Wissen i» Verdindung mit gewissen Warnungszcichen. die er zu erkennen glaubte, ließ ihn ein großes Unglück, das über seine Heimatstadt hercinbreche» sollte, vorausabnen: mit konnte er bis jetzt den Zeitpunkt, wann es eintrenen würde, nicht genau seststellen und darum machte er die :'lacht zum Tage, um beim Schein der Lampe aus!eine»! Bücher» auch dies noch tu gründen. Ader beule war er mit seinen Forschungen z» Ende, er wiißie es destiinml: noch im Lau!« des heutigen 2iachmiltage« sollte die große blühend«, damals mehr als 100000 Einwohner zahlende Lladt einem iurchldaren Erdbeben zu!» Lpser fallen. Tie Behörden von Ferrara, denen er seine Bcfürchlungen mit teilte, lachten ihn aus. Ter schwache, gelbe ausgetrocknete mit Fieder behaftete Stubengelehrte, der wie ein Sterbender dahenchltch. »hm glaubte man nicht: dem, so dachte man, malle» wohl seine Fiederträume die schrecklichen Bilder vor. und auf dessen Warnungen hin konnte man sich nicht entschließen alle die tzerrOchen Schätze der Stadt im Stiche zu lassen und. mit dem Notwendigsten bedürdel. in di« weiten