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Der Israelit · 1906-05-29 · 22 (29.5.1906) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
22 (29.5.1906)
Date
1906-05-29
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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Feuilleton-Beilage zu Br. 22 bas ^sraelit^. x x x x x x x x x x x x x x X X X k x X Y־x x x"k x x x x Y־־k 'xVV^xyyxxxx xlT־x ~x~X X X X X lF^HÖUau(£tiOtnj« Jiimiiii u. Wiilias in Der -Uütnmii!(. Bon '}(rthur Jlahn. ~'J Rachdcuck verboten. Untfr denen, irelhe sich mit faxten ^Verniiitnngen nicht begnügten. sondern Gewißheit zu erlangen wünschten, befand sich Trau Wächter. Wenri man vicrzigtausend Tater und zwei heirat-fäbige Töchter bcsiyr, so bat inan auch ein unbestrittenem Recht zu wissen,!nie die eheberechtigten 'bVänner ans vermögen dem Hause über dar- Heiraten denken. Ware Mendele Wächter nicht ein grofer Schlemihl und allzubescheidener Mensch ohne Selbst bewusstsein gewesen, dann hätte er längst Üirf»t in diese dünkte Ang-, lege״, beit gebracht, War ihr: aber an «*bknbiirtiate1lLae»i>I abgina, besaf-, Trau Wächter seit der Crbfchast in überrei-stem Maße, S!e war die qer׳gne!e Person Mlarbeit zu erlangen, selbst da, wo die ganze im Dunkeln tappte. Limdackcr und Zorn aalten im Dtädicke:! als höchst gediegene >1nd verläßliche Auskunrtgeber in alten Ge!danar legen b1 ׳ ten, fo-veit Geldve׳׳?egenheiten davon au-aescht-nsen waren. Do beschloß denn Trau Wächter über Pcrmögensaillagen. die schon länitft gk'uach! wann, den Rat der beiden Autoritäten ein zuholen. Z!:׳z entschlossen ging sie eines Tages zu LimdaLer An'anglich war dieser envas zurückhaltend wurde ater allmäblich zuvorkommender. |vr ä'.'bertk ante Ansichten über Grunvkigcmuui, spanische und österreichische Dtaatspaviere, über Wcinst'-.kulationen und Häuserkaus. -)0. wenn man 1r׳iif,:•.’, wobin einmal die .Zinder beiraten," ׳kürzte Trau Wächter, ..!vürdc t-iau und! r:0u ci!1 .äau; :»lause». Aber ineine Töchter sind so an auf Bildung: fit wollen nur einen seinen Mm». de: ein bisck-en draußen j!, der Welt war — freilich ni bk den ersten besten - hiottlob, das haben wir vt.11 nötia. llcber bundert ^%r.hr einmal, hat jede» Z׳n> noch einmal außer den sünfund׳ twan;ig'aulev >U1׳!r״n, die i.-d niib-iebe, fln sgäne-s Vermögen tu erwarten. ^Da tonnen Zbre Töchter schon auswäbleu," erioiderte Vin:ha f!er vorsichtig, »A n lieb'ten wür^e ich eines der '".'ädchen hier in der Dradr bck-alten," — — Trau זיייa.l'ier sab Limbacker rrד.י«זrtun.יספסך! an. T׳eser an'wortetc bedächtig: ״Warum nicht? Mir ׳'o vielem Varvermögen krieaen Die auch hier einen ^chwieger'obn, den Die zu sich nebmen könne»." -^Z" mir ins Haus, meine ich nicht, Herr \׳im ' achel, mir hier in!׳er Diadi. Trau Wächter »ab ikn lauernd an. Tn Limbacher dämmerte nun der Perdacht aus, ^aß diele Trau seinen Svbn in iraend eine Be ncbuna zu ibrcn .Heiratsplänen beina.en könnt׳, Dbwobl er innerlich darüber einvört ivar. blieb e7 böflich und lenitc das Tlema wieder auf die Zaviialsanlage. -Im aber der Anmaßung dieser Dame eine gebübrcnde Zurechtweisung zuteil toerden ׳u lassen, nannte er ihr fv dorrende Summen, die ße anlegen muß, wenn sie feinem Rate in folcken D.nctkn folgen Wuf. daß s:e färmiieb zusammen truckte, Cr batte ibren plnmven Plan durchschaut und wußte auch ganz gut, daß es ikr um etwas aanz anderes zu lun war. als?einen kommerziellen Bei stand zu verlanaen. Da er aber nicht ganz ücker war. ob Trau Wächter nicht dennoch durch ihn woliie spekulieren lasten, und ihn auch große Unternehmungen beschäftigten, zu denen er nicht nur sein eigenes Vermögen einsetzen wollte, erbot er sich, ihr jederzeit auch mit lleinktcu Summen pastende Anlagen zu empfehlen. Rur halb desriedigt, aber durchaus nicht entmutigt, empfahl sich Trau Wächter, .?lein Baum fällt auf den ersten Hieb, dachte sie: und wenn sie mit Limbackers Hilfe ihr Vermögen vermehren tonnte, so tonnten sich ja auch ihre stillen Wünsche, mit dem Hause Ltiubackicr in Tamilienbeziehuug zu treten, noch erfüllen, Cile hatten ja ihre Töchter nicht, denn MävckM mit solcher Mitgift brauchen ja nicht gezwungen ledig zu bleiben. Limbacher saß noch lange nachdenklich auf?einem Stuhl hinter der Türe, (fr war durch Trau Wachte: daran erinnert worden, daß er heiratsfähige Zinder hatte und daß andere Leute sich mit dieser Tatsache beschäftigten. Seine Lieblingspläne nahmen von jetzt ab festere (Mcftalt an. Leontine Schiff als Schwiegertochter, Simon ,Zorn als Schwiegersohn, und alle Teile tonnten sich zufrieden geben. I Zur selben Stunde faß Gustav mit Benjamin Rosenstein im Zontor zusammenarbeitend an seinem chreibpult. ״Der Apparat ist zu schwerfällig," sprach er zu Rosenstein, ״man muß heutigen Tages mit solchen Summen, wie sie in unserem Geschäft stecken, viel rascher arbeiten. Tune is inoiiev, Zeit ist Geld, und es ist nötig, daß wir schnellere Umsätze machen, wenn wir nicht ins Hintertreffen kommen wollen." Dann erklärte er dem stumm znbörenden Ge- Hilfen, daß um! mindesten die Hälfte der Summe aus dem Betrieb hcrausgezogcn und aus andere Weise verwandt werden müßte. Crst nachdem er längere Zeit auseinandergesetzt hatte, wie dieser und jener Zweig aus dem Gesamtgcschäst ausgeschaltet :verdeu wüste, nab-n Rosenstein das Wort und brachte eine Reibe Bedenken, gegen die geplanten Aenderungen vor. 15-7׳ lei wahr, daß der Umsatz ein langsamerer sei, als bei den von Gustav in Ausstcht genommenen Aenderungen. Aber das Haus Limbacher lei bisher darin führend gewesen und habe keiner lei Risiko gehabt: habe trotz der etwas langsainen Methode stetan Ausdehnung gewonnen und au? fester Baus gestanden. Stirnrunzelnd batte Gustav zugebört, den Sorecher aber nicht unterbrochen, denn Rosenstein sprach mir solcher Wärme, daß Gustav fühlte daß innere Hingebung an die alte T׳rma dem Gehilfen die Worte diktierten. ״Run. wir werden »ns ja noch weiter darüber aussvrechen." beschwichtigte er Rofenstein, ״aber ändern und dos beißt auch verbessern, müsten wir doch vieles in unseiem Betriebe," Cs wurde aber in der nächsten Zeit nicht weiter darüber gesprochen. Gustav ward von den Honoratioren zu den für Tabr immer in gleicher Weise wicderkebrenden Testlicksteiten cingeladen. Trüber als Zorns Söhne war er in höflicher Torrn ersucht worden, dem <5äeilienverein als altives Mit glied bei zutrete!׳., obgleich er weder musilalifch ge bildet war. was übrigens lein Criorderuis zum Mitgliedwe.den bildete - noch auch eine Stimme zum Singen batte, was nickt ausschloß, daß er im Chor nntfang. Der Musikdirelwr Willemfen batte zwar in irüberen Jahren gegen folcke Mängel ernste Bedenken erhoben: später, als er durch Privatunter riciit d'efe Hindernisse, die hauptsächlich noch durch absolute Talentlosigkeit vermehrt worden waren, besciiigt halte, bildete Stimmlosigkeit und .Mangel an musikalisch,m Gehör lein weiteres Bedenken mebr. in den Zonzerten mitzuwirken. Die heilige hontia war ja ohnehin!.hon eine bejahrte Dame und bei ihrem Alter bört man nicht mehr so genau, wie in jungen Zabren. Simon nnd Siegfried fühlten sich ׳'ebr zurück gesetzt, daß fie nick! gleichzeitig, sondern erst geraume Zeit später wie Gustav, aukokfordert worden loaren, dem tßacilienverein beizutreten. Und da auch Betti. welche in dem sraniöstschen Pensionat Gesang׳ und sslavierunterricht genorsen batte, nickt nur im (5bor, sondern auch in Solopartien mitzuüngen gebeten worden war. so entstand bei .Zorns Zindern eine stille (srbitteruna gegen die solchermaßen bevorzugten Treunde. Am meisten fühlte sich Emma verletzt, die bisher vom Cäcilienverein ganz überfehen worden ivar. So musttalisch wie die anderen iungen Dome,, im Cäcilienverein war sie sicherlich auch und üe spielte mindestens nicht schlechter, als die übrigen in! Zlavierbetrieb tätigen Cinwohner. Und zur Zeit unserer Cr.zählung ivar alles, was nicht etwa zur Hefe des Voltes gehörte und nur aus der Boltsschule hervotgegangen war, musikliebend und ausübcnd. Crklärte dock di.׳ Trau Büraermeilter. wenn ihre Töchter vierhändig eine Souaie von Diabelli spielte!-, Beetboven fei ihr Lieblingsmusikant und aus Mozart laste fick am heften tanzen. Wollte der Crzähler m>- höflich aber aufrichtig die Wahrheit sagen, so dürste er die damalige Periode der Sing- und Zlavienaanie als eine Art musitalische Maul- und Zlauenseucke bezeichnen. Simon Zorn beschloß, für die ihm und feinen Geschwistern zuaesügte Zurücksetzung Racke zu üben. Nickt mit llnrecht vermutete er, daß die tührenden Honvraiiorcn im Verein keine größere Zahl Tuden wünschten und man die Zorns nickt den Limbackers als ebenbürtig betrachtete. Zinn Sil״es:erball schickte der Bereinsvorstand nicht nur an feine Mitglieder sondern auch an solche Bürger und Cinwobner der Rachbarorte, die man noch als seinesgleichen betrachtete, >ßinlad1.׳naen zu ziemlich hoben Preisen. Cinen Monat zuvor fand das große Tabreskonzcrt unter gleichen Umständen statt. Als nun an die jungen Herren Zorn solche Cinladiingstartcn geschickt wurden, retournierte Simon diefelven mit dem Bemerken, sowohl er als sein Bruder seien durch die in den Großstädten l-äufig oenostenen künstlerischen Leistungen derart verivöhnr worden, daß sie, um keine ungünstigen Peraleickae an irpfltpu. £י£?ד fei?1!, tm* nb?r ,י)0!)!ךי!זי Betti Limbacher, die ein Solo aus Tigaros .hockzei! singen sollte, mit, Simon, der dies vorausfab. beugte durch eine kluge Crklärung an Betti vor. Gustav wurde dann in den Vorstand des Cäcilienoereins gewählt und er nahm es mit diesem Chrcnamt sehr e׳.r!st und widmete ihm viel Zeit, So kam es denn auch, daß er von den geplanten Per änderungen in: väterlichen Geschäftsbetrieb mit Rofenstein lange nickt mehr sprach. Die neuen von ihm inszenierten Unternehmungen, an denen stck Schiff und Zorn beteiligten, nabmen einen sehr günstigen Verlaus. Der glänzende Crfola spornte ihn zu ausgedehnteren llnternehmunaen an, in denen Limbacher jedoch mit Rr Hälfte des eingelegten Zapitals der Hauvtbeieiligte blieb. Zeder Mensch, dem das Glück Crfolae ׳chenlt, ist in den Augen der Menschen besonders he»-דhrat und wird mit ganz anderem Maß ft ab bemesten, als derjenige, der sich nickt über die große Maste empor zuringen vermag. So erging es auck Gustav Lim׳ Hacker. Schiff, der anfing, den junaen. kühnen Zautmann zu bewundern, hatte gleich Maier Zorn stille Pläne geschmiedet. Mit Limbacher feit langen Jahren befreundet, — mit ihm 1'oaar aus du — benachtete er «s als einen schönen Abschluß dieser innigen Tre1!ndscha?t, wenn ste in einer Heirat der beiden Zinder noch weiter befestigt würde. Maier Zorn hatte aber noch weilergehendc Pläne. Tie büd'ch'öne Tochter Limbackers, die auch durch ,Herzensgute und eine natürliche Liebensmürtig keit bestrickte, ivar nach feiner Anstckt die einzige nürdige Dame, feine Schwiegertochter u! werden So fehl ihn auch die Söhne durch ihr eigenmächtiges Handeln im Geschäfte erzürnten, so war er dennoch nickt nur Geschä?tsmann. sondern auch Vater. Liebe und Cbraeiz wohnten auch in seiner Brust und beiden Gtsiihlen opferte er ein gewistes Mißtrauen, das ihm de! Glanz und die an unverecknete Berschwendungssucht grenzend? Lkbensführung im Haushalt Lim tackers einflößte. Sein seiner Spürsinn witterte bald in Zomtos Schiff den Nebenbuhler heraus und elfüllte ibn mit einer an Haß grenzenden Avneigung

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