Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 22 (29.5.1906)
- Date
- 1906-05-29
- Page
- Seite 21 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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.;1;«n זג)י! Leit, >> Ar 11 gegen den barmloftn Mann. Was hatte denn Schiss eine solche ('il< nötig, seine Tochter, ein einziges Kind. zu rerbeiraten? Warum zog er nicht, wie er längst veahsichtigre, nach Frankfurt, da ihn doch kein Geschäft mehr an dir kleine Stadt fesselte? Sein» Emma war doch fünf Jahre älter als Iomtoss Lcvntine und wollte ihre Eltern nicht verlassen, sondern in der nächsten Nähe ihrer kränkli.chen Mutter bleiben, wie er ssch einredete. Emma batte dies immer behauptet und Korn bezweifelte es nicht, dos, die Liebe zu ihren Eltern ihr diesen Beschluss diktiert bcitte (Fortsetzung folgt.) Heinrich Eine Ertablung von Friedrich Rott. I-t7 Ta war die blonde Kati, die Eirtiebie des vcr stordenen Grosslnecktes, von ganz anderem Schrei und Korn, Zwar hatte sie in den ersten Wochen nach dem Ableben ihres (beliebten öfters Tränen vergossen und ein schwarzes Kopftuch über ihr schönes blondes Haar geknüpft, doch als dann bald daraus ein neuer Eirossknecht getommen war, der zuerst nur mit den anderen Mcidcken gelacht und geschäkert hatte, da batte sie sich selbst gesagt, dass man mit Weinen und Trauern nicht weiter komme und damit nicht einmal dem Bersrorbenen einen Dienst erweise. Sie der lauschte denn auch bald ihr schwarzes Kopftuch mit einem von schöner violetter Farbe, das ihr ungleich besser stand, lind als der neue Eirossknecht voriiberaing und s!e unwillkürlich zu ihm hinüber blisste, da war er zu ihr gekommen und hatte ihr er klärt, dass er gar nicht gewusst, wie schön sie wäre, und sie batte ihm versprechen müssen, das hässliche schwarze Kopftuch nie tvieder zu tragen. Dafür baue er von dem Hausierer, der eben in den Hof gekommen war, ein wunderbar schönes Kopftuch von zartem Lichtblau mit prächtiger Rosenguirlande gekaust und batte dasselbe der blonden Kati geschenkt. Wer hätte da widerstehen können? Bald war der neue Eirossknecht der erklärte Geliebte des vor kurzem noch untröstlich scheinenden Mädchens, obaleick sse sich keineswegs für seine einzige Geliebte hätte halten tonnen, denn ibr Peppusch schien eine Art bäuerlicher Don Juan, der alle Mädchen umschwärmte. Er batte ihnen erzählt, dass er der mutmassliche Erbe des aröss ten Bauernbores in dem zlveitnächsten Dorfe jenseits der Berae sei. Und Geld müsse er haben, das war gewiss, denn er beschenkte alle Mädchen, und alle waren dem schmusen Burschen gut. Nur die Kati ärgerte sich zuweilen über ihn, weil sie cs nicht gewohnt war, die Neigung des Geliebten mit so vielen zu teilen, aber in Wirtlichkeit konnte sie ihm doch nicht gram sein. Aber auch die Dorsburschen waren dem Peppusch gut, wenn sie sich auch nicht selten äigerten, dass er auch mit ihren Mädchen schön tat; aber einer, der mit allen tändelt, meint es mit seiner ernst. Er aber meinte es mit jedem gut. An Sonn und Feiertagen in der Schenke, wenn da einer mebr Durst batte als Eleld, gleich war der Peppusch zur Hand, der die Zeche zahlte. ״Wann i a mol blank bin, werst vor mir zahlen," pflegte er zu sagen, ״des is so Brauch bei uns daheim." Die Burschen waren von Herzen einverstanden und schätzten den frei aiebiaen Krossknecht vom zweitnächsten Dorfe jenseits der Berge nach Gebühr. Und weil sie wussten, dass er'S gern b'örte und innigen Anteil nahm an dem Wohlergehen der Drtstnsassen, so erzählte ihm ein jeder von seinen Berbältnissen und den Berhältniffen seiner Angehörigen und bald kannte er iede Familie des Dorfes nebst ihrer Perwandtschaft besser als di» Dorsinsassen einander kannten. Es war an einem Sonntag Nachmittaa, der Peppusch batte versprochen, sich zum Kegelspiel in der Dorsschrnlc einzufinden, doch dieses eilte ihm nicht allzu iebr, noch stand er im Hof mit den briden Mägden, wog bald die schweren braunen Äövse der Einen in seiner Hand, bald streichelte er der Anderen die blonden Haare. ״Na. Peppusch." rief ein anderer Knecht, hinzutretend, ״mit welcher ssdlst Du's eigentli. mit der blonden Kali, oder mit der braunen Lisi?" Der Peppusch liess den munteren Bliök übe׳ die Mädchen gleiten. ״Wer die Wahl bat, Kat die Qual." Ter Fsraeltt versetzte er lachend, ״da drum tu i nie mähten, i halt'S mit alle zivei." ״Bist halt a so 'ner wie der Ringethosbauel is gewesen," sagte die Lisi, ״wer Dir heiraten tut. soll sich vorsehen, dass ihr'S nimmer so gekt, wie der armen Bäuerin drinnen. Hudak! — wie'- aus schaut —" Dir blonde Kati zuckte die Achseln. ״Da dran is sie sich selber Schuld, der Ningelbosbauer hat ihr eh nix g'tan." ״Du redst, wir de klug bist.' eisrrie di׳ braune Lisi, ״heisst das o»»!• nir tun wenn mer mit 'mal hört, dass er 'n Kind hat g'habt von 'ner andern? ״A was." rief die Kati. den Kops znriickwersend. ״das glaub' i net." ״Ob Du's glaubst, oder ni glaubst, da draus lommt'S ni on." ״Aber 's iS ni wahr," beteitertc die Kati. ״i weiss. dass 's ni wahr iS." ״Du iveisst's?" — woher weisst denn Du's? bat Dein Franz! Dir's g'sagt" Kati wechselte die Farbe und presste die Lippen aufeinander, als hätte sie cttvas gesaat, was ne nicht hätte sagen sollen. Die beiden Mädchen stritten noch eine Weile über eine Sache, die sie beide nichts anging, während die Burschen eine Berabredung trafen, wegen eines Rendezvous am Abend. Dann folgte die braune Lisi ihrem Burschen zum Tanz. ״Willst auch tanzen, Katcrl?" fragte der Gross lnecht, indem er den Arm um die Taille des drallen Mädchens legte, ״oder gehn mer z'ersl hinauf in'n Wald zu die Marienhölx. dorten ist's nock gar schön — " ״Freili ist's dorten schön." entgcgnete das Mäd chen, sich auf den Arm des Burschen lehnend. ,.Als dann gehn mer z'ersl zu die Marienhöh." Lachend und schäkernd schritten sie auswärts und schauten hinaus zu der strahlenden Sonne, die zwischen den von dunteln Tannen bekränzten Beraen ihrem Untergänge ssch allmählich neigte. Wie eine aus Licht und sliessendem Gold erbatite Kuppel sak Himmel und Erde aus. Lange Glutstrcifen slalterten ringsum vom brennendsten Flammenpurpur bis zuin weichsten, kaum gehauchten Rot, die kleinen Wölkchen gliäzen lichten t'ngelskopsen. Dem Mädcben ward's gar wundersam zu Mute. ״Schaust." sprach sie lächelnd, ״das seien gar wunderliebe Gesichterl, da drunten kunnt schon der Wenzelischko sein." ״War der gar so schön?" fragte der Pepvnsch. ״Na. un ob! da drum bin i a suchswild aus d' Bäuerin, dass, sic's 's arme unschuldige Hascherl entgölten lasst: 's isr a Sund u a Schand wie'S aus schaut aus das Graberl, alles wüst, Unkraut und Brennesseln, ka Kranz u ka Blümel u ka Nir. Hudak!" ״Aber Du sagst dock, dass Du weisst, dass es nick' wahr ist ״Freili. sreili, 's ist ni wahr." ״Fa. warum sagst denn Du das nickt der Bäuerin?" Das Mädchen wechselte abermals die Farbe. ״I sollt's der Bäuerin sagen? — Q Ferum. Ierum! wie käm denn i dazu'" ״Wie Du dazu kämst? Na. das ist doch ganz einfach. Das arme Weib härmt sich ab, weil's meint, der Bauer hätt's betrogen — und wenn Du lveisst. dass 's ni wabr is, da müsstest's ibr doch sagen." Sie hatten ssch aus eine Nasenbank iiiederge lassen, er dielt noch den Arm um sie geschlungen, während sie den Kops gegen sctnr Schulter lehnt», aber sie erwiderte nichts. ״Katerl," fuhr er bittend fort, ״möchtest Du wir nicht sagen, woher Du'S weisst, dass es nicht wahr ist? — Der Franzel bat eS doch gesagt und Hai doch beschworen, dass er die Wahrheit sagen wird." ״Er hat falsch geschworen." flüsterte das Mäd chen. in sich erschauernd, ״da drum hat ibn dock auch der Donner erschlagen." ״Das kann man doch nücht behaupten, wenn ihn auch der Blitz erschlagen hat. darum muss er noch nickt falsch geschworen haben." ״Aber er hat falsch geschworen, dass tvciss i!" ״Kati. liebe Kati. sag mir woher Tu das weisst." ״Das derf i keinem net sagen." flüsterte sie. ״sei out, Peppusch. frag' mi net, i kunnt sonsten —“ Thränen ersiictlen ihre Stimme, sie scblang beide Arme um seinen Hais und weinte leise. ״Armes Kind!" sagte der Grosskneckl mitleidig. Aus seinem inlelligenten Angesicht war der ge.vöhn lick zur Schau getragene Ausdruck des llebermiiis vollständig g»wichen und seine Sprache war jetzt mehr die eines Städters, als eine» Bauern. Das Mädchen i,1 ihrer Erregtheit merkte es nicht. ״Armes Kind, Du scheinst etwas aus dem «Gewissen zu haben, was Dir das Herz abdrückt." ״Frag' mi net, Peppusch! sraa' mi net! sei aut!" > -'Wenn ich mit sein soll. Kati. dann muss ich Dich fragen." ״Aber i derf ni reden! i ders ni! — sonsten Er schüttelte den Kopf. ״Du bist nicht gut t* raten. Schau Kind, ich bin Dir gut — nicht so. was man Einer gut sein nennt, dass man sie heiraten möchte —“ -Das weiss i ab, 'ti reictter Bauernsohn nimmt kan arm's Madel." ״Ick werde überhaupt noch lange nickt an's Heiraten denken, aber ich bin Dir gut. ,veil ich iveiss. dass Du ein gutes Mädchen bist und »einem Unrecht tun möchtest." ״Freist, freist, und von destwegen ״ ״Bvn desweaen bist Du verpflichtet, der Bäuerin zu sage», dass D» mir Bestimmtheit weisst, dass der Franzel gelogen bat." Das Mädchen schüttelte heftig abwekrend den Kops. ״Du musst. Kaki, Du musst. Schau, falsch schwören ist eine schwere Sünde, und des Franzels Seele bat vielleicht noch dafür zu leiden׳ d. h. nicht nur vielleicht, sondern ganz gewiss, denn die Ringel hosbäueri» das arme Weib, leidet doch auch noch durch ibn." ״Bon weswegen ist sie so 'n Patsch?" murmelte das Mädctxn. Er schüttelte missbilligend den Kopf. ״Schau, Kati, das gefallt mir nicht von Dir. dass Du so redest, denn es ist doch!nit Deine Schuld, dass die Arme so herunter gekommen ist." ״Mein Schuld!" schrie sie aus. ״Mi: Dein: Schuld habe ick gesagt, denn Du wcisst doch, dass das nickt wahr ist. weswegen sie sich barmt nnd Du sagst es ihr nickt —" ״Aber i der! ni reden!" ries sie händeringend, ״wenn Du's mir glauben möcht'st. Peppusch, i derf ni reden' —“ ״Weshalb nicht? — weil Du's dem Franzel ge schworen hast?" ״Und Hab' dabei die Hand auf 'n Kruzisir qr legt, da droben aus der Marienhöbe. — Sinkst», dass i ni reden derf?" Er schüttelte den Kops. ״Und wenn Du ihm nun geschworen hättest, dass Du des Bauern Geld tasten aufbrechen wirst, hättest Du das auch getan?" ״Das is doch ka Red. wer so was tut, wie Du rcd'st, den holt der Büttel." ״llnd wer so was tut, wie Du tust, den trifft die Hand Gottes, die auch den Falschschwörer ge troffen hat." Das vollblütige Mädchen erblasst» bis auf die Lippen, ein Schauer durchrieselte sie. sie barg das Antlitz in den Händen. Der Grossknccht schien im Augenblick nicht auf sie zu achten, sinnend blickte er vor sich nieder. ״Sag' mir doch. Kati, ich Hobe den Franzel nickt gekannt, abtx allgemein sagt man. dass er ein anständiger, braver Mensch gewesen ist. dein keiner Böses zugetraut hätte." ״Es hätt' ihm Kaner nix nachsaqen können." siel sie erregt ein. ״Aber wie bat er denn solch' schwere Sünde, wie eine falsche Zeugenaussage auf sick laden können? — kannst Du Dir das erklären" ״Leider Gott's ja!" versetzte sie. mit dem Schürzenzipfel sich über die Augen fahrend, ״leider Gott's! — mir scheint, er hat's weaen meiner getan." ״Mir scheint wegen meiner — beissi das g'wiss. regen meiner." ״Deinetwegen hat er Lüge ausgesagt' — das beqreiafe ick nicht." ״Weil Du's ni b'greisst, wie man Ein? gern haben kann. — Aber der Franzel hat mir gern q'hokE — er bat immer g'saat. er wüsst nimmer, wie er