Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 22 (29.5.1906)
- Date
- 1906-05-29
- Page
- Seite 14 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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')Ix. 22. Teil» 14. Ter Israel» 21'. Mai 11« Hi. Indes war eS drei Uhr» geworden, das Lernen endete mit "״,קדיש דרבנן dessen Verrichtung als srommes Ehrenamt sich der Staffier der Anstalt, altem Branche getreu, nicht nehmen läßt. Um vier Uhr wurde in den verschiedenen Kursen שגדה gebetet, wobei Zoglinge daS Vorbeteramt versahen. Man konnte nickt nur aufmerksame Stille und würdevolle Andacht b;- obachten, sondern auch de» verständnisvollen Vortrag der Gebete. Man sieht und hört, daß seitens der Anftaltslehrer auch in dieser Beziehung ״gearbeitet* wird mit Rücksicht aus das zukünftige'Amt der" Zogstranfenfaffe für die Schüler und auch die Einrichtungen für ein Krankenzimmer sind längst vorhanden. Wie die Rechenschaftsberichte ersehen lassen und wie das gesunde Aussehen der Schüler bezeugt, wird indes von den Vorkehrungen nur äußerst selten Gebrauch gemacht. Bereits funkelten die ersten Sterne am Himmel und meinen Augen bot sich ein selten schönes Schauspiel: die Zöglinge zündeten die Ehanuka-Lichter an. Einer nach dem andern trug mir entsprechender Melodie die רכה:! vor, während die Anwesenden laut I k «•mV ***** V. Ä <*«f ~ z«*־ -- «MV <JUiU |4lUl/41lU Inneres der rinsiatts-ryoagoge. linge als -:דד Es sind besondere Stunden der Be- Handlung der Gebete gewinmet, wobei das korrekte Lesen eine Hauptrolle spielt, ganz abgesehen von den .דיני הפיר, die ja ohnehin im ״ ארבn durckgenommen werde».') Ta eine volle Stunde vor Nacht den Zöglingen frei gegeben ist, um die Vorbereitungen üir הד״קה גי־ דהניבה treten zu können, so war genügend Zeit, unterdessen auch die .Näumlichkeiten der Anstalt genauer zu besehen. Wir schreite» durch die einzelnen Lchrfäle und bcrrackten die zahlreichen Lehrmittel für alle Sparten des Iliitcrrickts. Infolge edler Vermächtnisse in die. Sckule im Besitz einer?׳"^-Sammlung von ansehnlichem Umfange. Es find alle nur irgend nennenswerten 'Werke aus den vcrfchicdenflcn Gebieten >י»י<!-״7 “*•"ח אידיזא פהד n“•״ר־א ״ — vorhanden, oft in mehrfachen Ausgaben. Bemerkenswen in wohl ein ׳שכ״ש. der zu Lebzeiten des י־ ייסף הא־א in Venedig gedruckt und zum Teil mit Handickrifllicken Notizen des ־־' י״ש "פשא׳ הע77י<־ des Verfafsers von היכפיה ייש versehen in. Das dürfte für die Quellenforfchting bezüglich des bewcglen Lebensganges unseres -“׳ er imuierhin von Bedeutung sei». Sämrlichc שפר^כ-^chränke sind in bester Drdnung. Gerne hätten wil noch ein wenig uns daS Vergnügen gegönnt, die reiche Auswahl von seltenen Eremplaren 01 mustern, doch die Uhr mahnte zur möglichst ökonomischen Ausnützung der noch verfügbaren Zeit. Es galt, nun die Schlafräume der Zöglinge in Augen- 'ckein zu nehmen. Sie find im obersten Stock belegen. Lickt und Luft, Reinlichkeit und Aussiattung enifpracken vollauf den Anforderungen der Hngicne, die ja im modernen Schulorganismns eine fo grosze Nolle spielt. י1ז-ז1ד s.ma in corpore *huo. das ist auch echt jüdische Lcbensnorm, wenn wir an alle die hier einschlägigen Anivclfuiigen der Weifen denken, die auch schon etwas vrn aiiier Nabrung, vorteilhafter Kleidung. Wohnung und Schla»z1mmere,1lr1chtuna verstanden, die darin fo welikuiidig waren, wie vielleicht mancher ,Weltmann*, .׳er nv.r als .wclrfckcu* sich die alten רכשים vorsiellen!an». Es logieren indes »ick! alle Zöglinge im An sialisgebäude, fie find zum Teil auch bei den Lcbrcrn der Lckulc in ׳Wohnung. Es besieht auck eine eigene t) rinrb wird re die Woiveniidrn -:r mit;1 d«r<da»>wu»n,->, ־,*•■.•■.יי o>e<i-'«e:1hr11 — adaeteti.-n . _ 5«*־ »י. .י׳ niiturflcm&f• do׳ ■Vrmrnrenntm« und den cvrach• <c0< '<־ b111ba!<c6e» Ivrfidmt. zahlreiche Lichtlein von der Anstalt hernieder auf die Straße, Israels nie erlöschende Geisteskraft der Welt verkündend, ״ אורה זו תורהLicht* bedeutet die Gotteslehre! Zuletzt wohnten viele Zöglinge wunschgemäß dem ״Entzünden" unten in der Wohnung des Herrn Kassier Eldold an, und sogleich ging es in corpore zum מעריב Gebet nach der Snnagoge. Wieder sehen wir in altgewohnter Weise Herrn Eldod als Ersten die Synagogenpforten öffnen und die נרוח •72 ׳שעוה, die ihrer respektablen Größe nach wohl einen halbe» Tag brennen könnten, an der שגורה aufstecken. Mit außerordentlich lauter, in tiefer כו:ה erbebender Stimme trägt er die כרכוה vor, denen ein allseitiges!אש folgt. Es ivird שעריב gebetet und שער ציר gesungen, indes nicht in der traditionellen Melodie, was Fremden auffallend erscheint, jedoch seit erdenklichen Zeiten so gehalten wird. Es werden auch die sieben weiteren Strophen angefügi, welche im קצוי־ ש7״ה und audcrorts veizeichnel sind. Nach Schluß des Gottesdienstes und nach Einnihme der Abendmahlzeit gönnt man der wackeren Schar der Schüler gerne auch die löhanuka-Freuden. welche in 1111־ schuldigem Gesellschaftsspiele fick! bieten: das Leben nach streng jüdischen Normen soll den jungen Leuten schön und angenehm erscheinen. Gerade die Iugendcindrücke verwischen sich nicht so leicht, gerade hem- Öe ist es nötig, die Jugend in freundsich ungezwungener Art sich zu gewinnen, ans daß fie vertrauensvoll sich uns anschmicge. lind als wir von Hochberg schieden, Hallen wir das Gefühl, in seltener Weife ein paar Stunden Ehanuka gefeiert zu haben in einer aufblühenden ״שיכה im Herzen unseres deutschen Vaterlandes. Unsere frohen Einpfindungen vereinigen sich aber in dem einen Gedanken, in der Erinnerung an den großen Gründer der Schule N. Elosor Cttenfofer ־צ Das Belhamideasch bleibt sein ewiges NuhmeSdenkmal, welches im Laufe der Zeit in seinen Segenswirkungen nur stets wachsen wird. ׳Wir glauben unsere Betrachtungen nickt besser schließen zu können, als das; wir in großen Zügen den Lebenslauf des 7" צריה hierhersetzen.'i N. Elosor Ottcnsoscr war aus Weimarsschmieden bei Mcllrichstadt gebürtig und erblickte am Erew Sukkos 5550 , 17'.G) das Licht der Welt. Sein Vater R. Naftali C. war daselbst Kultusbeamter, siedelte aber bald nach .xicineibsiadl über. Dem Sohne gab der gelehrte, fromme Mann die bestmöglichste Erziehung, obwohl unter drückenden Lebenssorgen stehend. Elosor trieb einen kleinen Hausierhandel. Eines Tages abei warf der ideal angelegte Knabe ^tock und Bündel weg und rief, sich verzweifelnd im Grase wälzend, Gott an um einen bessere!» Lebensunterhalt. Damals suchte die Gemeinde NU. Scheinfeld ״einen Lehrer (Melamed> * Auf den Wunsch feines Vaters nahm N. Elosor die Stelle an. In feinem neuen Wirkungskreise lehrte D. nicht nur, er bildete sich auch eifrig weiter, wozu ihm ein dortiger!almudist — Nabbi Kusel — Gelegenheit bot. Als einst Elosor C. in Mi. Scheinfeld schwer erkrankte, pflegte ihn di: Tochter Nabbi Kusels in aufopfernder Weife: später untersiützle sic Cttenfofer auch, als dicfcr nach aründlichcr Vorbereitung die ״שיכה des N. Wolf Hamburger 7צ״: zu Fund betuchte. Das Mädchen wurde später feine Gattin. Bauern stand damals unter dem Einsinß der gewaltigcn Ilmwälzungen in Deutschlands Sraatenleben. Auck die jüdischen Verhältnisse Bayerns wurden von der neuen Zeit berührt. Man widmete sich den prosanen Wissenschaften und lenkte dabei oft in unjüdische Bahnen. Die Neologie erstarkte. Unter dem durch Herzensgüte und Frömmigkeit gleich ausgezeichneten Wolf Hamburger in Fürth schloffen sich die Thorabestissenen enger zusammen, obwohl die altehrwürdige Gemeinde schon vom Zersetzungsprozesse ergriffen war. Elosor zählte zu den besten כהוריש der ישיבה und als es galt, die Stelle eines More-Zedek in Aub zu besetzen, schlug N. Wolf Hamburger sogleich £. vor. Don verheiratete sich auch N. Elosor. Nach achtjährigen, Wirken erfolgte (1828) die einstimmige Wahl zum LrtSrabbiner von Höchberg bei einem festen Gehalt von 883 Gulden und Nebenverdienste». Vorlänger- und Schächteramt versah C. mit bis 1835, um sich nach dessen Niederlegung desto ungestörter dem Lernen widmen zu können. Hatten ihn doch schon von Aub her Bachurim nach Höchberg begleitet. 1*34 bestand Nabb. C. erfolgreich eine von der Behörde verlangte Prüfung. Bald darauf zog er von Drl zu Srt. um mit Feuereifer für die unglücklichen Palästinenser zu sammeln, allen selbst mit gutem Beispiele vorangehend. (Als sich einmal seine Einkünfte verminderten, gab er anstattt des Zehnten, ein Fünftel davon ab). Doch blieb das ״Lernen" stets die Hauptfache. Von seinem eisernen Fleiße kann man sich eine Vorstellung machen, wenn man bedenkt, daß er in fünf Jahren den ganzen Talmud mit sämtlichen Konimentaren durchlernte: er stand morgens um 2 Uhr auf und begann zu lernen. Mit Tefillin und Tallis saß er vor seinen Folianten, dem Irdischen entrückt, mit Tefillin und Tallis ging er auch über die Straße zur Synagoge, von den Ehristen mit ehrfurchtsvoller Scheu begrüßt. Die ganze Nacht des Bersöhnungstagcs verbrachte er mit Thorastudium und Beieu, obwohl er alle הפלית an dem hl. Tage verrichtete. Seine Wohnung war ein Heiligtum, durch prnnklose Einfachheit ausgezeichnet, nur für die Mizwans keine Sparsamkeit kennend. R. Elosor blieb kinderlos, doch feine Schüler waren seine Kinder. Es ist geradezu unmöglich, seine Liebe, Hingebung und Aufopferung für sie mit Worten anszudrücken: sie war grenzenlos! Wie viele von ihnen befinden sich heute in Amt und Würden, die an R. Elosor einen Vater hatten! Daß die armen Zöglinge ein großes Kontigent bildeten, war selbstredend. — Das Wohnzimmer war zugleich ״Lernzimmer", um den Tisch gruppierten sich Nabbi und Bachnrim. Profanen Unterricht nahmen die Schüler in Würzburg, Zell oder Heidingsfeld. Wollte man doch in jener Zeit lernen 7יששה, ohne gerade sich dem Lehrsache zu widmen. Seit 185(1 ״ahm die היה einen größeren Aufschwung. Es Wir wlgen vier dem von Herrn Sauvrledrer (k'Lwege— tzoUiberg tarueileUle» ״'«.'-?bei! und Wirk,׳» de» :Kiibbmer* Lazuru« ״׳ttenuocr f. A, ru bejietm &uut den ct1<tu1u1«fJ'firr 'jmuel i-ldod-Soüiderg. ('rfanfidit des AnslattsgeväudeS. wurde Nabb. I. M. Schüler aus Autenhausen (geftorb.!סייר in Frankfurt a. M.> berufen, und später Nabb. Jakob Ehrenreich aus Auienhaufeu. welche beide in