Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 22 (29.5.1906)
- Date
- 1906-05-29
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
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dir 22 Stil« 1". Ter Israelit 29 Mai 199»'. ter von der Thora geschaffenen Weltanschauung dar. Der Thora G e i st und dir von ihm Geadelten sind zur Führung im Leben berufen, in alle mit gleichen! Mahr tu essende n! Recht und briiderliche^ Förderung des Men sch e n - glücke-. Dieser Lehre, die wir den f* 0 I t ״ r n in ruhigem — nicht werben den — Beispiel vorzuleben haben, sollen und müssen wir innerhalb Iis rvrlv m ii uii bei K 1 usl Geltung j U r e r s a f s e n uns 'bestreben , mit der der sein aus'ichliestlichrs :»leiht fordernde Gott uns segnet. Unterwürfigkeit und vorherrschend« Macht des Geldes ist das Ünestiick unserer (Gegenwart, Unwahrheit und Bergewaltigung sind die Bastard« ihrer Vermählung. Aus dem politischen Lelen der Allaemeinbeit überkommt dieser Fluch, der a׳׳s der Höhnung des göttlichen Willens («rnbt. das jüdische Genieinwesen. Dieselben, die dort, wo sie selbst in der Minderheit sind, dem Freisinn und der Ghrlichleit, dem!liechte »nd der Wahrheit huldigen, machen die Fehler und Schaden der Mehrleit nur un geübter nnd ungeschickter, wo sie selbst das Heft in Händen haben, und beweifrn so die Wahrheit des Psalmwortes, daß sie nur darnin als die ״Bescheidenen" dastel»en, weil sie, im Vergleich zu den Groszen der Staaten, die Armen sind. Der 2Hora aber und ihren! Geiste sind wir es im Gedenken an den Tag ihrer Offenbarung schuldig, das wir uns mit allen Mitteln innerhalb des jüdischen Kreises dagegen wehren, das׳, alle die, die sich um Goldes und Gcldeswillen im Leben abwendrn von der Tbora und ihre Diener verachten, die Leitung der jüdischen Angelegenheiten in Händen bekominen. Wir wollen n i ch t, daß der nichtjüdische Staat zu bestimmen ha!, was im Judentum Religion ist. Wir wollen keine staatliche Organi sation der prens.ischen Iudenkeit. Wir wollen nickt, daß in jüdischen Ostmeinden. die staatsrechtlich keine bürgerlichen, sondern religiöse Vereinigunaen darstellen, die L-il ung in Händen von Männern liegt, welche im Leben das jüdische Religion-gesetz nicht beachten. Wir wollen nicht, daß die Leitung von jüdischen (Gemeinschaften üdcrbauvt vorwiegend durch Männer geschieht, die nicht nach den Anforderungen des Schnickan Aruch,!'Höschen Misckvat "7. 22 'יזי״!י. gen igend talmutisches Wissen besihen. Wir w o ' l e n . daß das Gesetz der Thora Alleinbekerrs'cher ist jedes Gemeinwesens und der Gesamtsten Ieschnrnns. Rur ln allein finden einig wir uns zusammen unter dem Szevter der Tbora, nur so allein wird da? Leben des Einzelnen das Glück der Freiheit atmen, wird unser Volk in Kenntnis des Gesetzes nack innen kraftvoll, nach außen stark erscheinen, nur so allein bleibt kein Hohn, wird mächtiger Hebel zu innerer Reinheit und zu äußerer Macht die Gedentstier des Tages der Gesetzgebung durch Gott. Bezirksrabbinate? De: Zentralausschuß des Deutschen Rabbiner- Verbandes hat sich gegen die Ginrichtung von staarlicher Hierarchie ausgesprochen, mit der der D. I. G. B. im Begriffe steht, das Preußenland zu beglücken. Um aber doch keine energische Stellung gegen die leitenden Kreise einnehmen zu müssen, glaubte man auch hier nicht den Herren klar machen zu sollen, daß die designierten Konsistorialräte für solclie Aemter nicht Pasten, weil sie sich auch sonst um jüdische Dinge nickt kümmern, sondern man suchte und fand ein .Kompromiß und hofft nun wieder balancieren zu können. Die schon so viel erörterte Frage ist damit wieder aufgerollt, ob Preußen Bezirksrabbinate, die als staatsgesetzliche Einrichtungen anerkannt werden, erhalten soll. Wiewohl nun diese ganze Angelegenheit der staatlichen Organisation der religiösen Vereinigungen Sache der preußischen Jnbenheit ist, hat man gleich wohl einen banerischen Rabbiner zum Antragsteller ausersehen, weil ein solcher aus der Erfahrung eines Landes sprechen kann, in welchem es staatlich aner kannte Bezirksrabbinate gibt. Der niitnnlcr,zeichnende preußische Rabbiner schien wohl ivegen seiner Person׳ licken Gesetzeslteuc mir seinem Rainen geeignet dasür, jeder orthodwen Opposition von vorne herein die Svist.e abzubrechen. Unsererseits glauben!vir, als das Organ derjcnigen beiden ortbodoren Vereine in der preußischen Monarchie, die das Wesen des Bezirksrabbinates ohne Titel - nnd leider auch ohne Mittel durch ihr Bestehen bereits längst verwirklicht haben, dazu an erster Stelle berufen zu sein, ein Wort in dieser Frage mitznsprechen. Wir betonen es nebrnl-ei, daß die beiden Ver׳ cinsrabbinate lediglich die wesentlichen Laßen von Bezirks׳׳ahbinaten s!׳r st«b in Anspruch nehmen, die Pflichten, die Arbeit und das Wirken. Ehren und Einkünfte geben sie gerne preis. Wiewobl man nun von uns erwarten sollte, daß wir uns die Stunde herbeisehnren, die uns auch eine staatliche Erekutive sickert, um unseren Wünschen und Anordnungen mit Macht Rackdruck verleiben zu können, so wollen wir von vorneherein erklären, es liegt uns nichts ferner als der Wunsch, eine solch; zu erhalten. Rickt darum, weil unsere Rabbiner geographisch in ihrer Wirksamkeit beschränkt würden, werden wir mit allen Mitteln gegen das Zustandekommen von staatlich anzueriennenden Bezirtsrabbinatcii kämpfen: ihre Arbeit würde dadurch sich nur inten siver gehalten können, je weniger sie an Ausdehnung gewiniit und je weniger Ansprüche sie an Geist u! Körper unserer Rabbiner stellt. Wir würden vie mehr jeden staatlichen Zwang in irgend einer For darum in, Namen der Freiheit bedauern, weil dai! der Erfolg der Freiwilligkeit vernichtet ist. und d. Gradmesier verloren wird für die Zunahme d arbeitenden Kräfte im Dienste der Wahrheit und d Judentums. Verstehen wir eS doch überhaupt nicht, wie e möglich ist, daß es im Lande einer Kulturblüte, w Deutschland sie tcnnt, .Kultussteuern gibt. .Kai! man denn religiöse Ansichten durch den Staat b steuern? Der Staat ist ein Gemeinwesen. Alle gemein nlltzigen Einrichtungen muß er Herstellen. Wer dan n Genuß haben kann, muß dazu zahlen. Was gehen den Staat aber religiöse Sondcrverbände seiner Unte: tauen an? Wer für sie Interesse hat, soll ihre Kos׳ tragen. Ist das jüdische Ge mein beleben in Hollan! wo längst Staat und Kirche getrennt von einander leben, in seiner Lebendigkeit, in jenem al< seitigen Interesse, das es bei seinen Mitgliedern findet, nicht mnßcrgiltig? Freilich, die sehr Reick«!!, die im Leben ohne Gott auszukommen vermeinen, kennen die jüdischen Gemeinden nur dann, wenn ne beerdigt sein wollen. Was tut es? Dafür haben sic im Leben auch keinen Anspruch darauf gehabt, im Verhältnis zu ihrem Steuervfennig auf einem Gebiß; zu befehlen, aus dem sie selbst nicht gehorchen gelernt haben. Freilich findet man in Holland keine Prunt kerter, die sich Svnagogen nennen, aber auch keine Orgelpfeifen darin, und dafür auch leine ״abge splitterten" Gemeinden, wie die judenoerbändlicke Gewaltmoral die opferfreudigen Verteidiger der überlieferten Sittlichkeit »nd Wahrheit zu nennen sich erdrcißet hat. Freilich ist das ״über flüisiae" Geld in Holland nicht in Holz und Stein versenkt, dort wird es an lebendige Menschen angelegt. Schulen und Lehrhäuser. Siechenhäuser, Irrenhäuser, Altersheime, Kranken Häuser, Waisenhäuser, Suppenanstalten, Seminarien blühen dort, aus den Mitteln f r e i iv i l l i g c r Geiinnungsbetätioung errichtet. Freiwillig k e i t in fortschrittlichster Gesinnung könnte übrigens mancher Anhänger jiidenverbändlicker Herrenmoral aus den Statuten der ״abgesplitterten" Gemeinden lernen, die leine Kultnssteuern, sondern frei willige Beiträge erheben. Darum sind die holländischen Rabbinate auch mit gelehrten, gesetzes treuen, gestnmingstüchtigen, ehrwürdigen Herren be setzt, und die dort bestehenden Bezirksrabbinate schaffen Heil und Segen. Wie sähe es aber damit nun in Preußen ans " Es ist merkwürdig, daß einem sonst so scharfsinnigen Manne, wie es der preußische Mitnnterzeickner des beregten Antrages sonst ist, der Unterschied von sonst bestehenden und für Preußen zu schaffenden Bezirks rabbinaten entgangen sein könnte, sodaß er ko ruhigen nach Hause zurück. Es drängle Hirschel sich auszusprechen, aber sein Takt sagte ihm, daß er die Anrcgung dazu seinem Lehrer überlasten müste. Sie waren noch nicht lange gefahren, als dieser plötzlich zu Hirschcl sagie: ״Ist Dir der Zusaniinenbang zwischen Deinem HerzeiiSwunschr und einem andächtig gebeteten Minchagebet jetzt klar?" Hirschel, obwohl er aus eine Eröffnung des Gest1׳ äches hierüber gewartet harre, war doch von der Iln.miltclbarkcil betroffen, welche mit diesen Worten obnc llmschwcise direkt aus das Ziel losging. Aber dci seinem raschen Geist war er sofort gefaßt, so daß er aus die Frage nur mit den vier 'Worten antwortete: ״Ja »nd nein, Rabbi." ״Das verstehe ich nicht, mit mir mußt Du dcut-!ich reden," cntgegnete der Greis. ״Ich habe langst vor den inerkwürdigen Grfabrungen des gestrigen Tages gewußt, daß ein andäcknges Geber große Dinge bewirken kann, wenn ich es auch in der Wirklichkeit noch nickt so anschaulich ge- »eben habe, als gestern. Daß man aber in die Wistcn- »chait der Kabbala erst nach einein andächtig verrichrcren Minckagebet eingesübrr werden könne, habe ick aus dem bisherigen nicht entnehmen können." ,?Wer spricht denn von der Kabbala'? Ich wenigstens habe nie davon gesprochen, sonbern Dir immer erklärt, daß die Grsüllung Deines Herzenswunsches von Deinem andächtig verrichteten Mincka- Gebet bedingt ist," ״Gewiß." entgcgiiete Hirschel, ״aber mein Herzenswünsch war doch die Gii.führung in die Gcheimwissensckast der Kabbala: das habe ich mit deutlichen Worte» wiederholt dem Rabbi gesagt." ״Mit Worten hast Du mir es allerdings wiederholl gesagt." erwiderte der Rabbi, ..und wenn cS sich iini Deinen Worliviinich gebandelt hätte, so wärest Tu im Reckt: Deine Worte sprachen nur von Kabbala. Ich habe aber von Deincin.Herzenswünsche gesprochen und von de», behaupte ich. daß er sich mit dem, was Deine Worte sprechen, nicht deckt." Hirschel wurde bei diesen Worten wieder so rot wie damals, als sein Lehrer ihn gefragt batte, ob er mit seinem Wunsche keine sonstige Nebenabsicht verbinde. Aber er suchte jetzt »och den Unbefangenen zu spielen nnd meinte: ״Vorhin hat der Rabbi mich nickt verstanden, und jetzt verstehe ich de» Rabbi nicht." ״Ich habe Dich in Wirklichkeir vorhin ganz gut verstanden ״nd auch Du wirst mich verstehen. Tu kennst dock unseren Rosch-Hakohol Rcb Itzig Meisels, bei bcm Du SchabbeS immer zu Tisch bist, und seine siebzehnjährige Dockter Findel- Hier vergaß Hirsche! die seinem Lehrer schuldige Gdrerbieiung und fiel ihm ins Wort mit der vcrwundenen Frage: ״Der Rabbi weiß das alles? O, wie ist der Rabbi ein Wundertäter, dem alle Geheimnisse osten derlicgcn, wie einem Engel des Himmels: und ick Tor habe geglaubt, vor »icinem Lehrer ein Geheimnis haben zn können!" ״Sei kein Narr Hirsckel »nd füge zu Deinen bisherigen Kopflosigkeiten nicht noch eine neue. Ick bin kein Wundertäter und kenne keine Geheimnisse die nicht jeder gewöhnliche Mensch ebensogut ersabren könnte, als ich. Was ich vor manchen anderen viel leicht voraus habe, ist die Liebe zu meiuen Mitmenschen im allgemeinen, zu meinen Schülern insbesondere und deshalb auch für dich. Diese Liebe macht erfinderisch sie kann einen in die Pußta treiben, aber sie läßt einen auch zu Hause nicht zur Ruhe kommen. Als du das erste Mal an mich herantratest mit der Bitte dich in die Witsenschaft der Kabbala einzusühren und ich dich aus den anderen Tag bcschied, benutzte ich die Zwischenzeit, um mich ein wenig eingehender über dick zu erkundigen. Denn der plötzlich erwachte Wunsch. GhochmaS Hakkabolo erlernen zu wollen, kam mir etmas bedenklich vor-" ״Rabbi" unterbrach Hirschel seinen Lehrer, ״ick will ja gern alles erzählen." ״Jetzt ist's zu spät" erwiderte dieser, ״zweimal habe ich dich darnach gefragt und beide male hast du uichl spiecheu wollen, jetzt inußr du schon mir das Wort lasten: aber ich bin bald zu Ende. — Ich hörte also noch am selben Abend, daß du beim Roich- Hakobol um seine Tochter angehalten habest, daß er dir sic aber wegen deiner Mittellosigkeit verweigert und den Bene einer bestimmten Summe, oder einer Stelle zur Bedingung gemacht hat. welche, eine ge-