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Der Israelit · 1906-05-29 · 22 (29.5.1906) · p. Seite 8

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
22 (29.5.1906)
Date
1906-05-29
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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^י) Nr. 22. Sri« 8. Ter Israel:!. Mai Mischnah und Talmud gesorgt." — ״Wie war es nun in der Schule?" forschte ich bei dem jungen Manne weiter. "Was icti da zu hören bekam, «'!reift an das Unglaubliche. Tie Mehrheit der Schüler an oem in Rede stehenden Gmnnasium sind Juden ihre Puil belief kill׳ auf über dreihundert. Mein Gewährsmann war ^er einzige, der am Sabbat weder schrieb, noch zet.bnktk. Welchen Hohn und Spott er deswegen vor leiten seiner jüdischen Mitschüler über siet, bat ergehen lafTen müssen, das hier wieder zu erzablen. wider׳ strebt meiner Jeder. Wohl aber ist es bei den meisten jüdischen Schülern stehende Gewohnheit, wahrend der Pause durch den Genus; eines belegten Schinken brotes sich für die 'Anstrengungen der darauf solgendrn Religionsstunde zu starten. Bon welch verödeter Gemütsart diese fugend ist, kann man am besten an den von ihr verübten Spanen erkennen. Es gehö-rt nicht zu den Seltenheiten, das; der gestrenge Herr Reliaionslehrer am Pesach beim Betreten der Ltas'e aus dem Lehrertische ein Schinkenbrot geschmaci׳ voll serviert vorsindet, was manchem der Herren eher ein Lächeln, denn ein Wort der Entrüstung entlockt. Um im vorhinein einer Täuschung zu begegnen, sei bemerkt, das;!vir - von den übrigen abgesehen — hier etwa an 7 8 Mittelschulen haben, in welchen die Juden die Mehrheit der Schüler stellen. Tie religiöse Haltung der jüdischen Schüler ist «r• der einen genau so wie in der anderen. Toch. lassen wir es daian genug sein.' Wenden tvir uns einem freu diaeren Bilde zu, wenn auch von diesem noch immer das Wort gilt! ״Tes Lebens ungemischte jv:eubf ward keinem Sterblichen zu teil." So fand jüngster ^scit hier eine össcr.kliche jüdisch» ׳Kerssrm'nliin,׳! ssatt in welcher aus der Mitte der Bevölkerung heraus über den unjüdsschen. dem wahren Iudentume gerade;;! seindskligen Geiste, der sieb im hieügen Borstande gegenwärtig breit macht, lebhaft .Ulage c!efährt wurde. Man glaub» diesen unheilvollen Einfluss in erss״r Linie aus d׳'e fturif der jüdischen Geldaristokratie;11׳ rüekzusühren, welch׳ über einen aeichlossenen Block von 12 Skimmen versiigeud, den Vorstand in jeder Be;ikbnng und nach jede׳ Richtung vollnänd'g beherrscht. So wurde jüngst eine Teputation im Präsidium des Lorslandes vorstellia, um darüber ttlage zn rühren, das; an sämtlichen Schulen hier der Reliaion-unler:!chl unbedeckten Hauptes erteilt werde, die Binder somit ge;wn.ngen sind, da- "8־א" yrr, die j'i di scheu Gebete, selbst die ivenigen Bapitel aus נ־איב: und .—r, die sie lernen, unbedeckten Hauptes zu rezitieren, wodurch sich die Leitern in ihrem Gewissen gekrankt fühlen. Veinertt sei. dos; diese Bors.ellung nicht, wie man billig hätte erwarten sollen, von ortbedorer Seite ausgina. Tie hiesigen Orthodoren lassen sich dies ״nd noch vieles andere viel schwerere Schäden im Betriebe des Religionsunterrichtes - auf dir zu rüekuikommen sich noch Gelcaenkeit bieten wird -- rubig gefallen. In;ivei Lager gespalten, sind s:e voll.nis damit beschäftigt, sich gegenseitig in Schrick zu halten und kommen daher nie dazu, zu irgend einer Al!ivn auszuareiren. Tie Tepukalion wurde jedoch;iemlich ungnädig empranaen und ihr bedeutet, dass mit ibrew Beaehrcn durchzudringkn sie gar keine Aussicht habe. Gegenüber dem Hinweis auf die Ueberhandnahme der Tauien — wir näher» uns brrei!« der Zahl 7׳K» in einem ein;igen Jahre! meinten die Herren im Rare der Gemeinde: er«! wenn wir noch vieles andere von diesem veralteten Ballast lals solcher er scheint den Herren ohne Wahl und Unterschied alles, was jüdische- Gesetz, Vorschrift und Sitte befiehl» üver Bord werten, würden die Taufen adnebinen! Run möchte ich dock ivenigstens ein einziges Beispiel daiür sehen, das; ein nach Vorschrift des Judentums rmlerrichtelcs Bind, das vor allem daran gewöhnt worden ist, religiöse Handlungen stets in ge «veibter Stimmung, die für uns unbedeckten Hauptes l iebt deutbar ist, vorzunebmen, später zur Taute überging. Einer der Herren vom Vorstände, der in jener Versammlung anwesend war, versuchte es. fiir die schart angegriffenen Bollegen eine Lanze zu brechen. Tie Schassung der Bnrie der jüdischen Geldaristo kratie stellte er als ein Hauptverdienst des vormaligen Präsidenten Klinger bin. In seiner Sorge, wie die jüdische Geldaristokratie. in deren Reiben die Taus« die schrecklichsten Verheerungen anricktek. dem Iudentume zu erhalten wäre, glaubte er nichts Ge eigneteres tun zu rönnen, als sie mit der Verwaltung der Gemeinde zu betrauen. Tass man auf dem Weg» dieser Logik folgerecht auch dghin kommen inüszte, für das Amt eines Gärtners keinen für to geeignet, als den Bock zn halten, scheint dem Herrn wobt in: Augenblicke entgangen zu sein. Geradezu über wältigend jedoch war der Rachweis, den er siir die Richtigteit des Vorgchens des vorigen Präsidenten der Gemeinde zn Rühren versuchte. Hat doch der jungst hier verstorbene jüdische Millionär Rudolf A. söge 240,000 K. für jüdische Zlvecte testiert. Wäre er mit dem Mandate eines Bultusvorstehers nicht betraut worden, so wäre ja auch diese Summe zu den vielen übrigen Millonen in die Hand« «einer längst gekauften Nachkommen Ubergegangen! Gin 'schöner Trost wabrlich! Einer aus der Mitte der Anwesenden gab hierauf folgendes zum Besten׳ Anläßlich einer Trauung, welche ein hiesiger Bultusvorsteher für seine getaufte Tochter in einer der o,rossten B-rchen Wiens veranstaltete, hiess eS in einem hieraus bezllo licken Zeitungsbericht: Es ging bei dieser Trauung genau so geräuschvoll zu. wie bei allen ,.israelitischen Trauungen" in dieser Bircke. Ob der finanziell? Erfolg wohl auch solche Ehrungen wett macht! R u f; l a n v. Petersburg. 20. Mai. Gestern starb hier Herr Tr. Isaak Dembo, der Verfasser eines bekannten Wertes über das Schächten. Petersburg, 20. Mai. In Petersburg und I 4 i -vV tiltu IV» l VVII I »« « k* . für die Gleichberechtigung der Juden Resolutionen angenommen, in denen die jüdischen Mitglieder der Tuma aufgesordert werden, sich zu einer besonderen parlamentarischen Gruppe zusammenzuschliefzen. Tadurch soll in allen jüdischen Angelegenheiten ein »achdrüctlicheres Auftreten der jüdischen Teputicrten er möalicht werden. R o w o - W i l e i s t. 24. Mai. In letzter Zeit bat die Auswanderung in unserer Gegend die höchste Stufe erreicht. Iasl jeden Tag wandern Juden nach Amerika aus. Meistens sind es junge Leute, di« infolge der .Krisis, die Russland jetzt durchmacht, keine Arbeit finden. Herzzereissende Szenen spielen sich oft bei der Trennung von der Iamilie ab. Tie Hinausziehenden versvrechen meist, ihre Verwandten bald nachto!nmen zu lasten. Ihren kleinen Besitz verlaufen die Auswanderer meist be deutend unter dem Wert, um nur die Neisckostcn aufbringen zu können. Odessa, 24. Mai. Unter der hiesigen jüdischen Bevölkerung herrscht fortdauernd grosse Erregung. Tie Antisemiten vertreiben Proklamationen, in denen zu Iudenbetzen ausgerordert tvird. B r i s t, 24. Mai. Hier kam dieser Tage ein Trupp Emigranten aus Shitomir an. Tie Leute begaben sich zu einem Agenten Bialkin, der sie über die Grenze bringen sollte. Ta sie sich mit diesem aber nicht über die Bezahlung einigen konnten, so wandten sic sich an einen anderen Agenten, in dessen Begleitung sie die Reise fortsetzten. Bialtin aber hatte ihnen gedroht, sie würden seiner zu gedeuten haben, und er machte auch diese Trohung lvahr. In Iwangorod angelangt, wurden sie von der Gendarmerie verhaftet. Ter Agent hatte nämlich die falsche Anzeige gemacht, die Auswanderer seien politische Beibrecher. Kiew, 22. Mai. Tas Kieiver Hilfskomitee für die von d-en Oktobcrpogromcn Betroffenen hat von privater Seite und von verschiedenen Anstalten 402.032 Rubel, von dem Hilfskomitee in Shitomir 1000 Rubel und aus dem Ausland 441.042 Rubel vereinnahmt. Tavon haben bisher 847.604 Rubel für Hilfszweeke Verwendung gesunden. S i m t e r o p o l. Tie Untersuchung gegen die Anstifter des hiesigen Pogroms ist beendigt. Es soll eine Anzahl von Personen, darunter auch Polizeibeamte, in Anklagezusiand versetzt werden. Tie Untersuchungsprotokolle umfaffen mehrere Bücher Tie bei dem Pogrom Beschädigten baden ihre Ar: spräche auf Schadenersatz in Höbe von zusamm׳,; 320,000 Rubel geltend gemacht. O-rmizcht-z. München. Anläßlich des (;"r! Jubiläums am rer gangenen 7": בעי״־, richleie» die Herren Moritz I-euchi wanger, Erster Vorsitzender der p're. Rabbiner Tr. Werner und Iuilizrai Liner, Erster Vorsteher der jüdischen, Gemeinde, ein Huldigungstelegramm an Le Königl. Hoheit den Prinzregenlen Luitpold, das an, andere» Tage folgendermaßen erwidert wurde: ״Seine königliche Hoheit der Prinz Regent entbieten den Teilnehmern an der gestrigen hunderijährigen Jubel seier des Vereines für die Allerhöchstdeniselben dargebrachie Hutdigung ihren besten Tank Berchtesgaden, den I l. Mai I'.*u*: In! Allerhöchsten Aufträge Ireiherr von Wiedemau». Ge»eraladjuia11l." Gegenüber anliiemilische» Strömungen, die «ich im hiesigen Magistrat in letzter Zeit, wen» auch nicht erfolgreich geilend machten, benützen wir diese Gelegenheit um auf den Hobe» gerechten Sinn Sr. Königl. Hoheit des Prinz Regenten hm zuweisen, der den Traditionen des banenschen Herrscher Hauses folgend, feine konfessionellen llnterichiede bei seinen Unlenhanen kennl. unerwähnt möchten wir den liefen Eindruck lassen, welche» am Sonnlag Mittag bei der I-eier aur dem?״v!ö N2׳ die Wechselgesänge von paiienden דל^ר־יב:. 2'Err אר ב!'א »sw., zwischen Herrn Kantor Kirschlier und dem unter Leitung des Herrn Lehrers ssrei stehenden Ebores aur uns machte». Wir geben der Hostnnng Raum, daß nicht mir in den Moiuenten des I-estesrausches, sondern auch m der I-otgezeil im zweiten Säkuium unseres Vereines das 'Andenken an die Wirkiamkeit des erste» Jahrhunderts anspornend und begeisternd sich erweist, und wieder zur neue» Blüte jene drei ״Wellensäulen" gelangen,, deren Pstege «ich unser Verein zur 'Aurgabe gesetzt "ילל: 'ל rילל׳:-!״ ~ Brünn. Mai. Tee ״gemütliche" Abend der zur «leiieralvenaminlung hier weilenden mährischen Kantoren, hat Ausschreitungen gezeitigt von einer 'Ar!, wie man iie selbst bei den hiesigen jüdische» Berhältnisien nicht rür möglich hätte halten sollen. Rachdem eben erst Kol Ribre ans dem Klariere gespielt «vorbei! war, erhob sich einer der Gäste zum Vortrag eines Liedes, das in seiner Genieinbeil jede» anständige» Menschen mit tiefem 'Adicheu errüllen mußte. Tieses Gefühl bindert uns auch hier dieses Lied wiedezugeden. Wir begnügen uns zu sagen, daß selbst ein Antisemit niedrigster Sorte nichts Aergeres zustande bringen kann. Tie Teilnehmer des ״geinüilichen Abends" jedoch stieße» «'ich bis aus einige Ausnahme» daran nichl, ja sie sangen sogar de» Refrain unter großer Begeisterung mit. Unter einein Teil der 'Anwesenden und auch unter den i» den Nedenlokalitäten rersammelten Restauranlgästen, entstand eine berechtigte Aufregung. Herr Redakleur Hickl pro testierte energi׳'ch gegen das Weilenlngen des Liebes, wurde jedoch von! ^berkamor Haller zur Ruhe verwiesen. Trotz dieses von einem Teile der 'Anwesenden, wie wir mit We nuglnung konstatieren können, auch ron Kantoren erhobenen Protestes «orderte man den ״Sänger" ostemalir au«, fort zusadren. und das Pndliknm, darunter die zahlreich rer sammelte Tanienwelt, brüllte den Refrain des die jüdischen sz-rauen schmähenden Liedes mit verdoppeltem Eiter. Rach Beendigung dieses Langes erdal «Ich Herr Tr. Theodor Haas das Won und gab in erregten Worten seiner Ent rüstung Ausdruck darüber, daß Juden in einer so schmäh lichen ׳Weise ׳'ich selbst verspotte». Er wurde t׳on einem förmlichen Geheul unierdrochen. Bald daran« bedeckien die Länger wieder »rrnm> ihr Haupt und sangen andächtig die Keduschal«. Personalien. Bingen. 22. Mai. Herr Rabbiner Tr. Grünield in Biugeii. der einen Rur' nach Magdeburg erhalten Hane, bat sich entschlossen, diesem Rufe nicht Iolge zu leisten. Bukarest. 2:1. Ria«. Ter langjährige Kassier des königliche» Hofes, Herr Major Brociner, wurde zum L derstlientnant befördert. Lderitlieutnant Mauricin Brociner. der den türkiich-rumänischen!Z-eldzug als Sergeant mit Auszeichnung mitmachte, wurde bei der Erstürmung po» Grit'itza schwer verwundet und aus dem Schlachtfelde ieidst zum Lieuluant befördert. Interessant isi das jetzige 'Avan cenient des Herrn Brociner insoser», als er der erste unk einzige Jude ist, der einen solchen Rang in der rumänischen Armcc je bekleidet bat. Mailaad, 22. Mai. Tie Mailatider Gemeinde rer lor vor kurzem ein sehr angesehenes Mitglied Lav. 'Arnold o di Tavidi llsigti Terselbe war Hauplredakieur des von Paul Montegazza gegründete» Journals ,l-a narnre", femer einer der Gründer und Tirektor von ״l,'iu׳lnjtri»''. Briefkanen. T. W. in T: Selbstverständlich ist das erlaubt

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