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Der Israelit · 1906-05-29 · 22 (29.5.1906) · p. Seite 7

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
22 (29.5.1906)
Date
1906-05-29
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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2'.». TI ■11. l‘X»j. Irr Qfrjtlit. c»itf 7 'Mx >.' fehlen lassen, damit die seit 36 Jahren bestehende Anstalt nicht in ihrem Bestand gefährdet werde. Gegenwärtig ist hier Herr Isaak Meissel aus Jerusa lem iw Aufträge des Schulvorstandetätig. Das Frankfurter Lokalkomitee für die schult destehr aus d׳n Herren: Hermann Lehmann, Gebrüder Mosbachrr und Jakob Strauß. Berlin. 23. Viai. Tic Auslunnsstellc fHr jüdische Auswanderer nach Südamerika und den Eüdstaaten der Union schreibt uns: In Bezug auf das angebliche Schäcktverbot in Argentinien, sind wir auf Grund telegraphischer Benachrichtigung seitens der Direktion der Jca in Btxnos Aires, in brr Lage mitzntcilkn, daß der dortige Tierschutzoerein im letzten Monat vergeblich versuchte, ein Schäcktverbot herbei zuführen. Tie Tierärzte baden sich sämtlich dagegen erklärt, und damit ist die ganze Angelegenheit als erledigt zu betrachten. Breslau, 23. Mai. Ein gelegentlich-!: Mitarbeiter in Breslau schreibt uns: Ter als Stell- Vertreter zur Rcpräsentanten-Sitzung cinberusene Herr Tr. A l e r a n b er, Schrift- und Wortführer de» ״Liberalen Vereins", interpellierte in der letzten Repräsentanlen-Sitzung den Vorstand, weshalb an Sonnabenden die Friedhöfe nur von 11 — 2 Uhr geöffnet seien. Es kämen doch auch um 2 Uhr noch Züge, besonders aus ׳Dvertchlesien, an, die vielleicht Friedhofsbesucher mitbrächten. Er bittet um Adhilie. — In der'elben Sitzung wurde mit allen gegen zwei Slinnnen beschlossen, die Steuerstuie von!««׳<! bis 1030 Ml. Ein!o!!!1nen zur Gemeindesteuer nicht heranzuziehen, wodurch ca. 10<׳ Gemeindemitglieder, die größtenteils konservativ wählen, ihres Wahlrechts verlustig gehen. Selbst eine Resolution, in der der Vorstandersucht wird, nach Mitteln zu suchen, die die Härte der Maßregel mildern sollen, wird von der liberalen Majorität abgelehnt. H a m b u r g . 23. Mai. Dieser Tage fand die Vermietung der Stände der neuen Snnagoge. Bornplatz, statt. Zunächst waren die freiwilligen Spender hierzu eingeladen, indessen fanden diese schon die besten Stellen schon von den, wie man sagt, an der Schüssel Sitzenden vorweggenommen. Dennoch ging das Vermietungsaeschäst flott von statten, sodaß für die ziveite oder, richtiger, dritte Mietcrklasse wenig Auswahl blieb und diese nur noch die Hinter Parterres frei fanden. Es wurden alle Pläye rer mietet, der Gesamtertrag ist etwa 30,00« 1 Mk. «die Preise bewegen sich zwischen 30 und 10«) Mk.». Erst jetzt sieht man ein, was viele vorhergesagt, daß. auch noch 20«)—300 Plätze mehr besetzt worden wären. - - Tie zweite Rabbinerstclle ist nunmehr ausgeschrieben worden. Der zweite Rabbiner soll mit allen Vorzügen ausgestattet sein, wenngleich das Gehalt dieser Forderung kaum entspricht. Vor allem aber soll der zu Wählende ein bedeutendes Nednertalent besitzen: dieser Gesichtspunkt dürfte ausschlaggebend werden. Man ist gespannt aus die Probepredigten der drei in die engere Wahl gelangenden Kandidaten. UebrigenS gibt es in der Hamburger Gemeinde selbst eine ganze Anzahl von mit ד־״'־. ־־־א־ versehenen und über die nötigen wisienschaftlichen Qualitäten verfügenden Männern, die in der Lage wären, den Dberrabbiner auf der Kanzel zu vertreten. Der Shnagogenverband hätte sich daher die Anstellung eines zweiten Rabbinergänzlich ersparen können. Aus Baden. Ter Verein zur Wahrung der Jntereffen des gesetzestreuen Judentums in Laden sendet uns seinen Veri-cht über die VI 11 t «t V»« ♦ 1יי im Jahre 1905. Bezeichnend für die inneren Verhältnisse der badischen Juden ist folgende Mitteilung dieses Berichtes: ״Wir hatten die Absicht, aus Kosten unseres Vereins religiöse Vorträge in kleinen Landgemeinden halten zu lassen und dadurch zur Belehr ung und zur Belebung des religiösen Jnteresies bei zutragcn. Wir stießen indessen gleich bei den ersten Versuchen auf so viele Schwierigkeiten, daß wir vor läufig noch nicht in der Lage waren, dies« Bestrebungen in größerem Maßstabe sorNusetzcn. Es läge aber unseres Erachtens iw Interesse des Gr. Dbcr rats selbst der unter seinen Drganen vielfach ver breiteten Meinung entaegenzutreten. als ob die Ver breitung religiösen Wissens und die Stärkung des konservativen Judentums seinen Absichten zuwider laute." Ueber das neue Gesetzbuch, das der badisstx Dberrat bcrauszugeben beabsichtigt, sagt der Vor n-.no des Vereins: ״Wir werden dafür Sorge tragen, baß der Entwurf von kundiger Seite sachlich geivür digt wird und iverden unseren Mitgliedern über un i'ere weiteren Bemühungen in dieser die Allgemein beit so sehr berührenden Angelegenheit zu geeigneter Zeit Bericht erstatten. Schon jetzt wollen wir aber von neuem mit Ractidruck auf die Gefahr Hinweisen, tie den gesetzestreuen Minderheiten durch dieses Gebetbuch droht. Es bedeutet einen Angriff gegen das uralte Heiligtum unserer ehrwürdigen Teohilla. und cs ivird, falls seine Einführung zur Tatsache iverden sollte, Verwirrung und Zwietracht in die badischen Gemeind-n tragen. Denn, wenn auch die große Mehrheit einer Gemeinde gegen diese Reform nichts ein?»wenden haben sollte, so kann und dar»' selbst ein? kleine •Minderheit ein solches Attentat nicht ruhig binnehmkn. Unsere Mitglieder werden sich erinnern, daß der Plan der tfintiibrnng des neuen Gebetbuches mit die Veranlasinng zur Gründung unseres Vereins gab. Umsomehr ist es Pflicht eines jeden Mitgliedes in dem .Kampfe gegen dic'es Gebet buch nicht zurückzii'teben. Die Arbeit für die Snno ealwablen des nächsten Iabres. welche über das -chistial des Gebetbuches entscheiden werden, sollte daher schon sehr bald beginnen, und jeder Jude der cs mit seiner Religion ernst meint, muß nach Kräften dahin wirken, daß nur entschiedene Gegner des Re'ormgebetbuches in die Snnode gelange»." Der Vorstand richtet an alle «Msinnungsaenonen den drinaenden Avvell. dem Verein beizutrcten »nd fiir ihn zu werben, damir er in der Laae ׳'ei, mit «Ü »clg an der Erreichling unserer groben Ziele zu arbeiten. ke st erreich- Ungarn. Aus ökm WlkNkk «famrinöflfßfn. «Bon unterem gorreivmidemen.) Wien, im Mai. •א-. עדי:• אל• ־ב:־ב Untre Muhtul — da!- iind die ikinder. Des Judentums ganzer Jammer faßte mich, als ick an den jüngst gefeierten Sederabenden beim Rezitieren der ־:־ה an diese Stelle kam. Man mi'.ß die überaus traurigen, unsagbar jammeroollen Zu stände der jüdischen Kindererziehung innerhalb der hiesigen Gemeinde kennen, um zu begreifen, wie cs in dem jüdischen Herzen zucken, wie es das Ame mit licsster Rächt umsloren muß. wenn einer7 wie durch ein blindes Ungefähr eiwa dieses düstere Bild vor die Seele tritt. Datränenreiche Kapitel, welchedie Ueberschriit z-:z *—צע־ :־ trägt, hat 1a bei uns einen ganz besonders düstcrn Inhalt. Wir haben cs erleben müssen, wie der portugiesischc König Don Manuel, bevor er die Juden aus dem Lande trieb und sie in die rauhe Welt hinausstieß, den v?r zweifelten Müttern die Kinder von der Vrint riß und diese zurückbehaltenc Beute vermittels der Taufe dem Schoße der Kirche zutührte. Roch leben in der Erinnerung des jüdischen Volkedie bar barischen Maßnahmen des grausamen russischen Zaren Nikolai, der in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts auf gewaltsamem Wege die Russinzierung der Juden damit einleitete, daß er jüdische Kinder, kaum dem Säuglingsaller entwachsen, den Eltern entriß und zur Hut und — wenn man so sagen darf — Aufzucht seinen Kazapen übergab. Tie Folgen dieses verruchten Streiches blieben nichts destoweniger aus. Wie oft kam es vor, daß so ein jüdisches Kind, zum halbwüchssgen Jungen herangewachsen, von einer dunklen, unbestimmbaren Ahnung erfaßt, daß er in diese Sippe nickst hinein gebäre, die Schweinehcrde, hinter welche er gesteckt wurde, im Stiche ließ, lange Tage und bange Rächte durch Steppen und Wildnisse umhrrirrte. bis er eine jüdisch? Familie erreichte, de! der er Unterschlupf fand. Tost, wozu erst in dir Ferne sch1v«,f<n.' Welche Formen nahm denn des sogenannten tulti vierten Europas übertünchte Höflichkeit un- Juden gegenüder an! Während man hüben und drüben bei Hoch und Niedrig aus dem Gebiete ruhig den zügellosesten Lrgien sich hing»den durste, wcrr er dem Juden nicht gestattet in aller Zuckst und Ehren rin? Ehe zu schließen, so lange er den Nachweis nicht zu eroringcn vermocme daß kurst, die granzame Hand des Todes ein jüdisches Hans vorher in Trümmer gelegt wurde! — Indes sind a1׳ der Zähigkeit unserer unver wüstlichen Lebenskraft all die Maßregeln, die direkt auf unseren Untergang ersonnen woroen sino, elendiglich gescheitert. Unendlich uiiheilvstler jedoch sind die Verbeerungen. welche die moderne Schule mit ibrem Reliaionsni,!errichte anrichtet. In Wien zählt man etwa 5000 jüdische Schüler an Gtiinnasien und Realschulen und gegen 15inm> jüdische Klanen und Mädchen welche Volks Bürgerschulen on?r die in lctztei Zeit ansgek ׳mmenen Mädchenlnceen besuchen. Eine jüdische Oemeinde, die es oerstände, der ihr nach dieiei Richtung hin erwachsenden Ausaabe noll und ganz gerecht zu werden, was könnte die nicht zur Wiedereriiarkung des Judentums leisten! Statt dessen bat man es hier in zahlreichen Fällen erlebt daß jüdische Schüler vom!Religionsimterrichte direkt zur Tanse schreiten, andere wieder, um stst: jener läftiiwn Bürde zu entziehen, kaum daß sie das I->. Lebensjabr erreicht, sich als konfessionslos erklärten, von den überaus zahlreichen Fällen gröbster, wüstester Rcniten•, und ähnlichen Dinar ganz zu schiveigen. 'Rur das eine bat nian hier noch n׳e erlebt, daß. ans dem im Allstrage der hiesioen «ste meinde erteilte!! Religionsunterrichte ein wirtlicher Jude hervoraeganoen wäre! Ist das nicht ebenso!!?»traurig als beschämend.' «stelviß, cs soll ja nitfit in Abrede gestellt »erden, daß die Dinge ganz besonders schwierig liegen, daß man die Kinder, so wie sie von der Familie dargeboten werden, binn'bnien muß. ohne 'Wahl, ob sie eine jüdische Erzieh»!!? gerießen oder nicht, ohne Rücksicht. oh sie ein Mindestmaß an Begabuna. Eifer und Fleiß mithringen, oder nik't. Aber aera»׳e aus diesem ׳•!runde mii'sten hier ganz besondere Anstrengimaen anwehoten »erden, um wenigsten? bei dem größten Teile ein Ergebnis zu gewinnen. bei welchem die Zukunst der Gemeinde und das Judentum ans ihr Recht kämen. Wo aber eine O-emeinde aut diesem allerwichtiasten Gebiete ihrer Tätigkeit so ganz und gar versagt, wer könnte »hr alsdann noch, von moralischen Gesichk-punkten an-׳ ir-׳en>welchk Daseinsberechtignna zaerke.-nen? Doch halt, säst war ich selbst in den letzten Taaen nabe daran, eincn Ausnahmefall zu enidecken! Der Zu fall »ührte mich in eine jüdische Familie, wo ich den Sohn des Haui'es, einen jungen Studenten der Ebemie. bedestten Hauptes mit nickt rasiertem Gesichte — was hier als eine Seltenheit sondergleichen tsieht — bei seinen Studien vorfand. Ein von wir angeknüpsies Gespräck überzeugte mich bald davon, daß der junge Mann auch im Jüdischen gediegene unb ״.fir! 3t2!!n?n fcsnirtf nun fsln׳* Grenzen mehr. Bald gewann ich auch Gelegenheit, die Frau des Hauses kennen zu lernen, ein? wahrhaft gediegen?, eb?nso gebildete als eckt jüdische Tawe. der gegenüber ich mit den Gefühle» der Bewunderung und lleberraschüna übe? die von ihr erzielten Er« ziehungsresultatc nickt zurückhalten konnte. ״Ja. glauben Sie denn, daß es ganz unmöglich wäre." ver« sctzte die Hou-srau, ״rin Kind, das ein Wiener Gnmnasium besucht, als Juden zu erstehen?" ״Fast will es mir so scheinen," gab ich zurück, ״habe ich doch trotz der Enge meines Betanntcnlrrises es mit eigenen Augen beobachten können, wie Kinder aus durchaus srommen Familien in kurzer Zeit, nachdem sie in das Gnmnasiiin! oder die Realschule traten, mit dem Iudentilme und dem jüdischen Leben vollständig zerfallen waren ohne daß ich mir davon Rechenschaft geben könnte, ob die Umgebung, oder der dort erteilte Religsonsimterristst daran die Zcknild trägt." ,Run, was meinen Sohn betrifft," entgegnete die Dame, ״sc hat ihn weder das eine, noch das andere vom Judentum? abwendig gemacht leckt charakteristisch für die hiesigen Zuständel wir Eltern haben allerdings mit besonderer Wachsamkeit unserem Kinde gegenüber unsere Pflicht getan »nd vor allem im Hause für einen gediegenen Unterricht in Thora,

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