Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 22 (29.5.1906)
- Date
- 1906-05-29
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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/ A t 4 Ter Israelit. '2!*. Mai 100«. .ימ sich dort v.aA) 05!or* Verbleib z» er- , Da erfuhren sie von Simon, was sich ^/ag zugetraczen hatte. Sogleich eilte Vcr 4n die ״Rose", um den Wirt zu fragen, wohin /azen mit den Achseln gefahren sei, und ob man n>./s von seinem Sohne gesehen habe. Ter Wirt erwiderte, daß die Aepfel ihm selbst gehörten und in die Scheune gefahren worden wären. Tiefe wurde aufgeschlositn, und da stand denn hinter dem Tore, vicicy oor Angst und Schrkurn. zitternd vor Schuld׳ bewusttsein. mit niedergeschlagenen Augen, so recht wie ein armer Sünder — der ertappte Missetäter. Ter hat aber in seinem Leben kein fremdes Gut mehr angerührt und — am Tchabbos auch keinen Wagen." H. Uns Eltern liegt nichts mehr am Herzen, als das Wohl unserer Binder, und es ist daher gewist am Platze, tvenn wir oft und gründlich darüber nachdenken, auf welch« Weise wir es am besten fördern können. Tabei sollten wir vor allem aber eines nicht vergessen: — dast wir für unsere Binder arbeiten und sparen, daß wir sie in gute Schulen schieken und ihre Fortschritte überwachen, kurz, daß wir sie gut unterrichten und fromm erziehen lassen, das genügt bei weitem nickt. Es ist vielmehr durchaus notivendig, daß wir selbst uns an ihrer Belebrung und Erziehung ivesentlich beteiligen. Dies ist eine Behauptung, die wohl kaum ernstlick bestritten iverdcn kann. לבדך •לם־תס cr::v z2':z את ztm. ״Schärfe sie «Gottes Wortes deinen Kindern ein, lehret sie eure Kinder" sind dock Gebote, die wir uns täglich wiederholt ins Bewußtsein zurückrufen sollen. Aber nicht nur die Sckrift sagt uns das. sondern auch unser eigenes Herz, unsere eigene Erfahrung: denn nichts hasset so fett im «leiste und im Herzen des Kindes, ajs was ihm Bater und Mutter mir treuer Liebe ^ineingepflanzt. Erinnert euch dock eurer cigencn IKgend, ihr die ibr alle liebende Eltern schabt und nun selbst teure Kinder kesstzt! Klnnr ihr nickk Keule noch die tiefreligiösen Erzählungen, in dir eure gute Mutter ihre frommen Bclchrungen eingrtleidet. die schönen Sorücke, mit denen tte sie gewürzt Kat? Tvitbl: ihr nicht gegen wärtig noch den heiliaen Schauer, der euch dabei er griffen' Ist euch nicht jetzt noch im Gedächtnis, was euch der treubesorgte Bater gelehrt, sei es im Wege des direkten Unterrichts, der gelegentlichen Unteriveisung oder des beispielgebenden Vorlebens? Wenn ihr euch das alles vergegenwärtigt, so werdet ihr mir zu'timmen. daß f* etwas gibt, das kein Lrbrer bieten kann, und sei es oer nichtigste und hingebendtte, kein Erzielter, und sei es der frömmste und der aufovserndste. ein ״Etwas", für das es eben nirgends einen vollkommenen Ersatz gibt, das ganz allein die unmittelbare Einwirkung der Eltrn auf die ihnen von Gott geschenkten Sprossen erzielt. Dieser hervorragende Einfluß der Eltern auf ihre Kinder zeigt sich insbesondere auf dem religiössittlichen Gebiete. Es ist im Wesen der Religion und im Entwicklungsgänge des menschlichen Geistes begründet, daß dem Wissen das Glauben vorangehen muß. fromme Erzählungen und v e r - anschaulichte Belehrungen müsien gleichsam erst den »mnsänolich macken für die Saatkörner religiöser Erkenntnis, wenn sie überhaupt Wurzel im menschlichen Geiste fasten sollen. Nur das bleibt in der Kindesseele haften, was im Geiste aus Verwandtes stoßt, was sich leicht und ungezwungen mit den schon vorhandenen Vorstellungen zu lückenlosen Borstkllnngsreihen verbindet. Niemand aber kennt so genau die natürliche Veranlagung des Kindes, niemand trifft so leicht den Ton, auf den des Kinocs Herz gestimint ist. als diejenigen, die ibm eben von Natur aus am nächsten stehen, als die Eltern. So koinmt es. daß iin Geiste des Kindes alle Vorstell ungen, die aus den durch die Eltern bewußt und unbewußt vermittelten Wahrnehmungen und Anschauungen entstanden sind, sich am nngezwungensten mit einander verbinden, daß sich dadurch eine ganz bestimmte Geistesrichtung entwickelt, die sich darin äußert, daß das Kind als gut und schön und wahr empfindet, was seinen Eltern auch als gut und schön und wahr gilt, und daß es schließlich das Streben zeigt, dem Vorbilde der Eltern ähnlich zu werden. Was sie sagen, das glaubt es, weil s i e es saqen: sie bilden seine höchste Autorität, und dieser Autor!׳ tätsglauhe wächst, je inniger die Verbindung zwischen Eltern und Kind gepflegt wird. Je hin reißender also der Eltern Beispiel und je gründlicher und konseauenter die durch sie bewirkte Gewöhnung ist, desto größer und nachhaltiger wird das '!eber aewickt, das ibr guter Einfluß gegenüber schädlichen Nebencinflüsten erhält. Und wird durch die elterlicke Erziehung schließlich das Streben nach der Er kenntnis dcr Wahrheit — das Suchen nach ihr soll sich ja über unser ganzes Leben erstrecken —. die Vor brdingung zu jedem wahrhaft ethischen Handeln, her׳ vorgerusen. so Hai sie ihre Aufgabe voll und ganz erfüllt, ihr Ziel erreicht. III. Ein idealer Zustand wäre es daher, wenn die Eltern Erziehung und Unterricht der Hauptsache nach eine geraume Zeit hindurch selbst in die Hand nehmen könnten. Aber fcbcn allein die gegenwärtigen sozialen Verhältnisse lasten dies als unmöglich er scheinen. Ter Vater muß seinem Berufe nachgehen, und die Mutter hat häusliche und gesellschaftliche Verpflichtungen, die sie ebenfalls sehr in Anspruch nehmen. Besonders in den letzten Jahrzehnten haben sich diese Schwierigkeiten infolge der Verteuerung der Lebensbedürfnisse und des wachsenden Konkurrenz kampfes noch bedeutend gesteigert. Längere und intensivere Berufstätigkeit, Trennung des Geschäfts raumes von der Wohnung, wachsender Luxus, Ver mehrung der sogenannten gesellschaftlichen Ver pslichtungen, das sind Momente, die vor allem in den Städten leider gar zu häufig trennend zwischen Eltern und Kinder getreten sind. Und inöchte es uns nicht bedünken, daß gar mancher oft erwähnte Miß stand auf dieses Mißverhältnis zurückzufiihren iväre? Man spricht so oft davon, oaß Kinder Iic uligiö, sittlicher Beziehung nicht in den Bahnen ihrer Eltern wandeln, und diese Klage wird in der Stadt noch häufiger vernommen als auf dem Land«. Zuge geben, daß die Versuchung und Verführung in der Stadt viel größer ist, so scheint dabei doch der Um stand sehr mitzusprechen, daß auf dem Lande die Kinder mehr in der Umgebung ihrer Eltern und unter ihrem unmittelbaren Einfluß leben, und daß die Bande, die so fester zwischen ihnen geknüpft werden, sich auch als widerstandsfähiger und nachhaltiger eweisen. Gar mancher Abfall von Kindern frommer Eltern scheint uns doch zunächst vom Standpunkrr der Pietät aus unverständlich! Wenn wir aber erfahren, welch geringen Anteil zuweilen solche Eltern an der Erziehung ihrer Kinder nahmen, wie sie vielmehr ihrer Pflicht genügen wollten, indein sie, allerdings oft mit großen materiellen Opfern, bezahlte Stellvertreter einsetzten, so wird es uns auch begreiflich, daß der Einfluß der un erwünschten Nebenerzieher, wie Gesellschaft, Umgebung, Lektüre etc. den der eigentlichen Erzieher überwinden konnte. Angesichts dieser Verhältnisse ist es gewiß ein Glück zu nennen, daß es für uns Juden Zeiten gibt, in denen uns das strenge Arbeitsverbot aus den Aufenthalt in der eigenen Familie anweist. Sabbat: und Feiertage sind dadurch sowohl, als durch die gottesdienstlichen Verrichtungen, die sich ausschließlich an den häuslichen Tisch knüpfen, gleichzeitig zu Festen der Familie geworden. Sie soll der Vater nicht nur zu seiner Erholung und geistigen Er quickung, sondern auch — der Tradition gemäß — dazu verwenden, seiner Kinder Geist und Gemüt zu pflegen. IV. Geist und Gemüt! — Es ist öfters mahnend und warnend auf einen Fehler unserer modernen Erziehung hingewiesen worden, der darin besteht, daß die eigentliche wissenschaftliche und berufliehe Ausbildung vor der Gemütsbildung bevorzugt ttird. Der Grund hierzu ist ebenfalls in den sozialen Zeitverhältnissen zu suchen, die eben die Ansorder׳ ungen an dos praktische Können gewaltig gesteigert haben. Daß dadurch aber iin Laufe der Zeit schlimme Ersclieinungen hervorgerufen werden müssen, ist leicht qebäck muhte noch eine erkleckliche Anzahl ron Brödchen beim Bucker gedolt werden warum ' Vom ganzen Kuchen bekamen wir nur wenige kleine Glucke Tablngeaen machte sich meine Mutter anhelicbig. gleich nach Schul friirfa oacien zu laste» Tamil wäre eigeiu sich die Geschichte zu «*»יא und ne wäre doch weiter nichts wie eine Epiiobc Es kam aber »och etwas hinzu Als um neu» Uhr irud die Leute zum Mutta» i» die Svnagoge gingen, herrschte eine grosse Auiregung. Ei» io verwickelter Fall war noch me in der «Gemeinde vorge kommen. Unter alle» Rech!» und Menichhe>t»»ragen. die b>er durch das unvorberzuicbeilde Erscheine» eines »eueii Erden durgers au» der Weltbübne. die vier voraussichtlich für ib» die Manege war. auigerolli wurden, wäre» die Leute »ebr verichiekencr ׳Meinung, Rur in einem Punkte waren alle einer Meinung, wem nämlich die Gevatterschaft zniallc» werde Tas waren meine Ellern oder die Gebrüder Lob. cwei Männer bie ibrc» Rainen mit vollem Recht trugen und lauienbiach glänzend gerecknierligt ballen. So wenig, wen» Gelb zu verdiene» und gule Geschaiic zu mache» waren, die iüdiiche» Einwohner einander den Bonn» einzuraume» bereu wäre», io bescheiden und grossiiiüug traten ne alle ..Mizwau»", Edreiilalen und Ehre»- äniter ab. wen» nch Leute saube», welche die Koste» baiiir bestritten Obgleich mein Barer schon Inhaber niedrerer Gevatter kchaiten bei den ärmsten '^eweindeangeboriaen war. so »'and man es doch ganz in der Lrdnung. dass er auch diesinal eine solche jüdische LiebeSvstlcdt üderiiebme -20 kam es auch, aber mein Baler baue bereit» eine» Plan, der ibw »och bald viele Teilbaber vcrichane» sollte. Tas Borlesen aus der Thora kam ibm z» und er balle demnach iür die anderen Mischeberach zu sagen. Als Svrone au» dem Priesterstannu war er auch der erste der zur Tbora Gkrnscncn. Racdbei» er de» dem ibm gemachlen ׳Mi'cdeberach ssir sich u»b seine Familie eine Spende angegeben, bann »ür den Rabbiner, bie Borsteber, seine Freunde und die ganze «Gemeinde, spendete er sür den Reugeborciien noch eine besondere Gabe. E», leises Murmeln ging durch die Schul, das bier lind dort von leiiem Kichern iliitermückt war. Tann kam der Levite, dcr ein iebr verblüfftes Gesicht machte, a» mein Bater. obne seine Angabe abzuwarten, einen recht netten Betrag iür be» Knabe» zusiigte. Aber der Levi zürnte nicht, sonder» lächelte befriedigt. Man kannte ja ״unseren ttabn," den aus Gute. Geist und Humor zusammengesetzten '?.»!an» und seine unwiderstehliche Art zu werben. Schon webte es wie Heiterkeit durch de» Raum, durch den die Akdoina»» eben »och geklungen. Ter Tritte der zur Thora Gerufenen war ei» blinder, sebr reicher Man», vielleicht der reichste dcr Gemeinde, der zuweilen sehr generös war. Wenn dieser, obne Beibülse, die er nicht wollte, zur Thora schritt, dann wurde es mäuschenstill in der Svnagoge. Tie Majestät des Unglücks schritt mit diesem alte», reichen Man» durch de» Raum. Er stüsterie bei de» Segenspenbcn öfter meiiiem Barer ins Tür: als er nichts mebr sagte, fügte mein Bater aus eigner Machtvollkomnienbelt »och eine binzu, wobei für den Reugeborenen, ״den Gevatter der ganze» beiligen Gemeindeeine Summe derauskam. über die mein Bater vielleicht selber erschrocken fein mochte. Aber der Blinde lächelte, indem er >dm sein Gesicht zuwandte freundlich und mit einei» deutliche» Iejascherkooch zu. Bei den »achsolgende» war derartiges dann schon selbstverständlich. Tie Schlacht war gewonnen Eine nicht ganz lautlose Fröhlichkeit. eine cchtjüdiscbe Feslslimmuiig. begleitete den Gottesdienst zu Ende. Tie übrigen nicht A»sgeru»ene» nickten als die Svnagoge au» war, sa»,t und sonders ״ihrem Nah»- freundlich ״gul Iomtoszu. Was er damit »>e>»!c, als er ibnen zuries: ״auch mach' ich »och nachträglich Mischeberach-, das ersudren sic gleich ״ach de» Feiertagen T,e von ibm veranstaltet» Sammlung brachte dem ״Gevattermännchenem schönes Sümmchen cm und am Beschneidungstag, wurde alles in die Hände der beglückten Eltern gelegt. In der Zwischenzeit waren allabendlich bie Einwohner, besonders die Juden so zahlreich in den Zirkus geströmt, dass die schnell populär geworden Bezeichnung ״IudenzirkuS" ganz zutreffend war. Roch eine» Kronzeugen habe ich zur Seite für de» hier geschilderte» Borgang, das ist der Mohel zu B., dcr bei dieser Begebenheit eine wichtige Rolle gespielt hat. Sollte» ihm diese Zeilen zu Gesichte kommen, so bitte ich ihn sie als Freundesgruss, als Erinnerung an «angst entschwundene herrliche Tage zu betrachte». Meinen Käsekuchen habe ich jedoch an jenem Schwuos nicht mehr bekommen, weil das wichtigste Material dazu nicht zu beschaffen war. Ich habe bas aber jetzt gänzlich verschmerzt. IMaimouides über Körverüb«»ge«I Dass ׳'«ch in den Schriften des grossen MaiinonibeS auch eine Aeusserung über den Wert der körperlichen Ucbungen findet, wirst nicht überraschen, wen» man bedenkt, baß er auch ein praklischer Arzt war und eine ganze Zahl medizinischer Einzelschritten verfasst bat. In seinem berühmten philosophisch«» Werke, dem More. Teil III. c. 25׳, behandelt er die »icnicstlieben Handlungen in Rücksicht aus ihre Zwecke und fern«! hierbei aus gewisse Tinge zu sprechen, welche von einige» als notwendig und höchst nützlich, von anderen aber als q׳H entbehrlich betrachtet werden. Maimonibes führt hierbei als Beispiel die verschiedenen Arten der .Körperübungen a», welche bie Kenner der Heilwiffenschast als ein notwendiges Mittel zur Erhaltung clner dauerhaften Gesundheit betr.'-chte». Er fahrt dann fort: Wer daher körperlich« Uedunge» zur Erhaltung der «Gesundheit ansteUt, als das Ballspiel, Ringe», Fechten, Anhalten des Atems, der wird zwar i» den Augen tu Unvernünftige» eine nur spielende Handlung tun: die Bernünsligen aber werben sie nicht für eine sollst« halten Prof. A. Berliner.