Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 22 (29.5.1906)
- Date
- 1906-05-29
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. -- ccstc 2. Xtr Israelit. 2*.'. Mai lfKMi. in seine internen Anqelegenheiten bewahrt bleibt; dost dagegen jede Einwirkung von Vertretern einer, nicht nur in Religionsfragen, sondern in der gesamten Lebensauffassung entgegengesetzten Anschauungen buldiaenten Richtung seinen Bestand geradezu gefährdet. Nicht, als ob es dem glaubcnstreuen Judentum an werbender Kraft seiner Ideen mangelte: sondern lediglich und allein darum, weil das ..liberal׳" Judentum — von vereinzelten, rühmlichen Ausnahmen abgeseben! — wann und wo esüber die Mehrheit zu verfügen batte, seine Macht rücksichtslos zur Vergewaltigung der widerstrebenden Meinung gemistbraucht bar. Was Wunders auch.da ja seine Führer es als ein« verdienstvolle Tat ansaben und ertlärten. die nach ihrer Auffassung überlebten und veralteten Lehrmeinungen des überlieferten Judentums mehr und mehr zu verdrängen und aus den Herzen seiner Bekenner zu reiben! Dast in der geplanten Zentralbehörde die Ncologie. rie radikale Reform die erdrückende Mehrheit, wenn nicht die Alleinherrschaft erlangen würde, unterliegt nach den derzeitigen Machtverhältniffen der Parteien keinem Zweifel. Wir wären also auf Gnade und tlngnade dem Wohlwollen unserer erbittersien Gegner ausgeliefert. Und unsere Erfahrungen rechtfertigen es vollkommen, wenn selbst die Zusicherung grösttmöglichster Rücksichtnahme auf unsere religiösen Anschauungen keine Beruhigung gewahren kann. Das erste Ergebnis der Einsetzung einer Zentralbehörde wäre, wie das Beispiel Badens lebrt, die Zerstörung der geistigen und religiösen Autorität des Ortsrabbiners in seiner Gemeinde. Nickt mehr der Ortsrabbiner wäre die Instanz, von welcher die Gemeinden zu hören und zu wissen bekommen >r׳as von Gottes und der Thora wegen Rechtens ist, sondern eine, wohl vorwiegend aus Juristen bestehende Laienversammlung, welche die ihr nur allzu oft mangelnde Sachkunde und Fachkenntnis durch einen formalen Schematismus ersetzen wird. Nickt das persönliche Verhältnis des Rabbiners zu sciner Gemeinde, nickt die Macht über die Gemüter, die er sich erworben, nickt das Ansehen und das Pertrauen, das er in oft jahrelangen Mühen und Kämpfen sich schwer errungen, vermögen ihn dagegen zu schützen, dast über seinen Kopf hinweg die Zentralbehörde in seine Wirksamkeit eingreift und die Früchte eines ganzen Arbeitslebens' durch einen Federstrich vernicklet. Gin weiieres: Herr Professor Ros»! hat ja allerdings die Toleranz seiner Absichten betont und u. a. eingeräumt, dast aiich nach seinem Entwurf an einem Orte mehrere Gemeinden, speziell solche verschiedener religiöser Richtung nebeneinander bestehen könnten. Aber er vergast nicht binzuzulügen: ״Sofern die Interessen der Gesamtheit nicht darunter zu leiden baden": ein Zusatz, der in seiner Dehnbarkeit dem Wohlwollen der Zentralbehörde gegen über der geduldeten Minderheit nur mehr als zuviel Spielraum gewährt. Dast unter dielen Voraussetzungen für den Weiterbestand orthodoxer Sonder gemeinden nock ein Raum verbleibt, das zu glauben, setzt eine Summe von Unerfahrenheit voraus, die nach den Lehren der Geschickte in unseren .Kreisen olücklickeriveise wohl kaum anzutrefsen wäre. Und man mag über Nutzen und Wert des Gesetzes vom 26. Juni 1S76 wie immer urteilen und denken: die Erfahrung leb.n. dast es stck zum mindesten als ein unübcrtresfliches Sicherheitsventil gegen überspannte Reformversuche erwiesen und für die Sickerung des wahren Religionssriedens in den jüdischen Gemeinden Preustcns unvergängliche Dienste geleistet hat. Was wir fordern, ist aber auch gar nickt Toleranz, oder wohlwollende Berücksichtigung! Nein, wir fordern unser Reckt, das gute »nan tastbare Reckt, unsere Religion zu leben, wie unsere Väter sie gelebt und gelehrt, wie wir ste erfastt, und wie sie allein die wahre, unverfäschte und unrer siümmelte ־.־־־ ״׳:׳ ist! Wi, sicher müssen sich die Wori'übrer ocl geplante» Organisation, wie ssegesgewist die Führer der ״Reform" fühle», da sie gerade die Verwaltunas Emricktuuaen Badens als mustergiirig hmzusscllrn r:no ihre Verpflanzung nach Vreusten zu fordern wagen' Diese Verfassung, die es ermöglicht ha!, dast Männer, welctx ini! Leib und Seele an der Vergangenheit ihrer Gemeinde hingen, welche ihr Herzblut für ihre Gemeinde herzugeben jederzcii tireit gewesen, nickl mir aus dieser angestammten Geineinde. sondern, wollten anders ste der Knechtung ihres Gewissens entgehen, aus dem Judenverband überhaupt auszusckeiden gezwungen wurden! Diese Verfassung, unter der ein Laienbeamter des Oberrats den allerdings mistglückten Versuch wagen durfie, ein von ibm veriastles Gebetbuch, das die Mrssiashonnungen Israels verleugnet, an Stelle der alten Tefillah Gemeinden und Schulen aufzri drängen: diese Verfassung, unter der die Taufen und Misck'el'en von Tag zu Tag sich mehrten, Stück um Stück des ehemals blühenden Gemeindelebencbstard und cer religiöse Nihilismus iinmer Wkirerc Kreise ergreif:, diese Verfassung glaubt man als nachahmungswürdiges Vorbild der Judenheit des grössten Bundesstaates anpreisen und empfehlen zu dürfen. Eine derartige Verhöhnung des glaubenStreuen Judentums in seinen elementarsten Rechtssorderung.'n gestatiet man sich und nimmr hierfür auch gar noch die Mitwirkung glaubenstreuer Männer und Kreise in Anspruch! Ge'k-.eslrtue Bruder! ״:• א=•:־ ״ט־אי? (,htennet die mahnenden Zeichen und unterscbätzet nicht die Gefahr, die uns von jener Seite droh!! Wenn unsere bvanfr vielleicht nock nicfit am einen baldigen Sieg ihrer Sacke rechnen, so unterbrechen sie doch keinen Augenblick ihre stille, verschwiegene A.'beit. au׳ deren enbtickcn Sieg sie sicher und, sckweiaen wir, mit gutem Grunde rechnen. Dieser Erfolg aber wäre der Todesstost für das gesehestreue Judentum Vreastens! Drum, so maknrn und bitten wir Guck. Kaltei Guck sern von Taqungen und Versammlungen, welche, offen oder versteckt, derartige Ziele verfolgen. Kcnnie ja dock jeder Name eines orthodoxen Mannes, der an ihren Bestrebungen, wenn aiick mir scheinbar teilnimmt, dazu ausgenützt 'werden, um an massaekender Stelle daran׳ hinzuweisen, dast sie alle ״Richtungen" im Judentum vertreten, Männer aller Schattierungen unter irrer Fabne sammeln. Geister dik'kii Versuchen leinen Vorschub! Seid eingedent der ungeheuren Verantwortung, die Ihr Guck selbst, Euren Kindern, *'־urein Gölte gegenüber durch gleichgilliges Geschehen lassen in dieser folgenschweren Frage auf Glich ladet! Lasset Euch nicht täuschen durch die Friedensklänge, die zu Guch bin!': verschallen! Beherzige: das alte Wahrwort: .--ד,,־. דעש־. א•! Mäm® tfiyüllkitetß. $it ild um infinrn cdnuuo^fudirn kam. Eine Rcunnlscenz aus ineinen Kindcriabrc». von Arthur >tadu. Allabendlich. vor Eiillrill k»r .Lach:. ::and :!!au rou an per Qtv 31matU*1<cuUu1; »ü ul'Uutui uuuiguuüiig, vis es im Goncsbaui'e bell wurde und die am Firmainenl bervorlrelcnden Sterne vertuiideien. dass es an der Zeit sei, das Nachtgedc: zu verricknc». Sobald der bichlichem aus der Lunagoge au׳ die «träne nel. wurde die Uuterhaliung abgebrochen und das liebet begann Nicht nur erwachiene Männer, ioiidern auch Knabe» fanden üch zu diese»! r'kachlgonesdlenst rin. zu welche»! ne »och ganz beionders ermuntert »׳»rden wen» es dessen bedur'le durch de» Hinweis, dass derirnige. der keine» Tiner veriaumc. da» grösste Stuck .Käsekuchen »n erwarien l ade Selbstverständlich er» am Scknvuos Gin solches Berivrechen woUle in metner Knadenzeil gar viel beisse». Wir .linker wurde» damals »1 unseren "el׳ensan׳vr»!ve» um em velrachllichrs Muss desche!kener cizoge» als die beulige Jugend aas Wort Küche» balle dazumal noch einen besonders gulen Klang und war noch inchi solchermassen i«! Kur» gesunken wie gegenwärtig, wo man täglich bei >edem Bäcker solche Leckerbissen baden kan». Und nun gar er» .Kaietuche». sozusagen der König aller Kuchen Taeu noch »> religiösen Fannlicu. wo man »>e mal» andern, als n» Hauie selber zubereuclen Kuchen ass W:e beneidete man damals die grosse Nachbargemeinde um >bre» ,»dn'chen Konduor. der sogar laglick׳ die vielbegedrien Sussigtenen ׳ri'ch bereuete ' bieder, aller Freund Maas! Tu bast cs redlich ver. dient, dass ich dir an dieser Stelle ein Tciikmal errichte. Ten» d» bast mir manche s»1sse Slunden in meiner Jugend bereite:, wenn ich bei meinen zciiweilige» 'Abstechern in die Nachbarstadk bei dir einkebrle und nach aualvoller Wahl deine Kuck,en kau׳le. Tu war» ein Meiner in deiner süssen Kunst und deinen Käsekuchen werde» auch künilig liebevolle Eriiineriinge» geweihr bleiben, so lange noch von jenen Zcilgenossen leben werden, die du gleich »nr einst ersreul hast. In der nachfolgenden Erzählung bist du zwar nicht ein gestochte!!. aber dankbare Erinnerungen, die vierzig n»b nichr Jahre zurückliege::. soll:» dir h:: r, wo von Kuchen die Rede sei» wirk, dennoch geweibl sein. Es war 1 sr>:• zur l. merzen. Zwei Ereignisse ganz beionderer Art Kaden dieses Jahr nur unauslöschlich ins Gedächtnis geschrieben. Aus der Bundessestunz Mainz waren viele österreichische Soldaten in ganzen Regimentern nach Italien gezogen, l-ezlestel von de» Segenswünschen »nd Ablchiedslrane» der Burger, bei bene» die gutmütigen und sinnesverwaudlen ״Zwockel", wie sie mir ibrkm zärtlichen svitznamen genannt ivurden. ungemei» belieb! waren U»!er diesen österreichischen Soldaten aus allen Provinzen der sardenreiche» babs durgiichen Monarchie befanden «ich auch viele Juden: manche i» höherem Tsstziersrang Mil diesen wie mir den ge meinen Soldaten halten nck> wie auch i» christlichen Bürgel kreisen, mancherlei »rcundschanliche Beziehungen enlwickell, die beim Ausmarsch. der »> der T merzen »att'and, zu viel« ׳alligem Ausdruck gelanglen. :Lun waren ne alle iorlge zogen m ke» Krieg und in die Schlackil ro» Solserino. die ne glanzend verliere» hassen. Tagelang war von diesem Krieg und de» armen Zwockeln. die doch so unschuldig daran waren und dennoch ibr junges beben daiür bergrben mussten, die Rede. Wir Knaben wurden vr» diesen Ereignissen, deren ersten All. de» Ausniarich. wir leilweiie 'mir erlebten, mächtig crrcgl. linier Elemeutarschullebrer. ein dumandenkender, sreinnniger Mann, der sich vergeblich bemühte, unserer Uiiausmerkiamkeil zu steuern, sagte dann eines vor iiilttags — es war in der «chwuoswoche — zu »ns: ״warne nur! wenn Ihr einmal alt geworden seid, da werde! Ihr Euch schämen müssen, in einer Zeit in die schule gegangen zu sein, in der ein paar Für,len tausenden von Mauucrll das beben rauben dursten." rlleben »lir sass ein jüdischer Mitschüler. Ter slüsleric mir zu: ״jetzt kriegen die arme» Soldaten schwuos auch keine» Kuchen", was mir sehr leid lat und mich ganz von {littYüf'Tcrif^sn wCbTfT1* lenkte, der gerade schloss: ״glaubt nur nicht, dass Eoll de» .Krieg schasse, das lu» die schlechten Menschen, die Eoties rllanien inissdrauchcn.״ Tas war zur Tmerzeil “><;!*> oder 1S5:'. Heule lebe» wir in der Tmerzeit '»66«, oder 1 :6<א . - - Zwei Tage vor schwuos tral ein neues Ereignis ein. das selbst die ernsten Eindrücke emes Auszuges vieler lau sender jugendlicher Menschen in einen mörderischen Krieg i» den Hintergrund drängle. Gin Zirkus batte aus dem geräumige» Fruchtmarkl feint Zelle ausgcichlagen. Ganz früd morgens war er erschienen und abends sollte schon eine Borstellung stattssnden. Keiner >var glücklicher als die Schuljugend, denn des Nuch>u>it>>st sollte ein grosser Zug durch die' 2l»!>t staltnnden und diesem loichligen Ereignis trugen die Lehrer, in weiser Borausstcht der unausbleiblichen bockerung der Schuldisziplin, gedübrenk Rechnung. Fehlte» doch jetzl schon fast in jeder Ban? e!a paar Schwänzer, denen selbst mit derben Züchtigungen nicht beizukoinnirn war. Wir bekamen alio einen freien Nach׳ »iillaa. a er angekündigle Zug mit iäinilichen Zirkuspserde» und Pbanlaüewage» ivar geradezu berrlich und ähnelte sehr den farbigen Bildern in meinen Märchenbüchern. Prächtige P'erde, aus deue» rbanlastiich und in allen Farben ge I