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Der Israelit · 1906-05-25 · 21 (25.5.1906) · p. Seite 9

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
21 (25.5.1906)
Date
1906-05-25
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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■r«. Mai 11*06. Itt ZSraeltt 21 Nr י., Seite ber Schwerpunkt de» Judentum» nicht in der Svnagoge, sondern im Paus«. D«e Worte: ,Wie schön und!-eine Zelte Zakob. dein» Wohnungen Israel!", die in großen, goldenen Buchstaben über den Pforten unserer (Kolteshauser prangen, de,jeden sich in Wahrheit auf unsere Wohnraume, die auch tatsächlich «in Heiligtum de» Herrn gewesen, so lange sie noch so klein und eng waren, wie im Ghetto. MI» jedoch unsere Häuser immer großer wurden, da war mit einem Male in ihren Mauer» kein Raum mehr für da« Juden tum. Es wurde au» den Wohnungen verdrängt und in dir Sunagogrn orrdaunt, in deren kalter Pracht es tu erfrieren droht ״Da Zsrael seines Schöpfers vergaß, baute es Tempel" «Hosea h, 11). Ta» war ein verhängnisvoller Hehler, der sich bitter gerächt hat. leider aber int liberalen Milieu nicht wieder gut zu machen ist. Da» altjüdische Heim ist ihnen zu enge geworden, sie fühlen ׳ich als Zremd linge im Vaterhaus« — was bleibt ihnen übrig, als seine starken Wände niederzureißen, uni aus de» alte» sfunda meine» einen beauemeren Neubau auszurichlen, leichtgesügte» Menschenwerk, das in einer Zrühlingsnachl entstanden, in einer Winternackl verschwinden kann" Jetzt schon bedarf es fortwährender Reparaturen, eS läßt sich auch >e uacl, den Launen der Mode und dem Wechsel des ״Zeilbewußtsems" schnell renoviere», und bietet so die Hoffnung, daß es seine Baumeister ui» erliche Jahre gar überlebe» wird j'Wie sagte doch König Hiskia" ״Wenn nur zu meineu Lebzelten wenigstens Friede und Treue ist." — Wir aber, die wir uns glücklicherweise in dem alle» Hause, das die Jahrtausende hindurcki allen stürmen getrotzt hat. »och wohl und heimisch fühle», wir wolle» in ihm wohnen bleiben, >vir wolle» cs schützen und verlbeidigen, wie es uns bisher Schutz und sicheres Ebbach gewährt hat. Wir erblicken i» dem über handnebmenden Abfall, den nicht einmal der Antisemitismus auszuhalten vermag die verheerende Wirkung eines »nabwendbare» Naturgesetzes, des «Kei'etzes der Wahlverwand schall, und sind daher überzeugt. daß dieie schmachvolle Mahnen ffuchl, diese traurige Zersetzung nicht eher zum Stillstand komme» wird, als bis die Verbindung aller im Zudeinum vereinigte» (Elemente eine so innige geworden m, daß keine noch so starke Anziehung eines freinden Elements nnslande sein wird, dieie «'׳eistesverwandschast zu überwinden, Eine solche Verbindung läßt ffch aber nicht durch daS bloße Sch »1a Herstellen. Dazu gehört das Weahawia, eine vor keinem Lpfer zuriickschreckende Liebe zur Religio», und uni eine solche zu wecken und wach zu erhalte», bedarf es des Webaja im schamoa, einer unablässige» selbster ziehnng durch iKebonam gegen die Zorderuiigen des ererbten Judentums. Darum glaube» wir auf dem rechten Wege zu sei», wenn wir das Hobe, auch von den Liberalen verfolgte Ziel der Erhaltung des Judentums dadurch zu erreichen hoffen, daß wir uns um die Zahne des über lieferten Judentums scharen liniere liberalen Briider niiißen ffch freuen und uns Dank wissen, daß wir aus einem ander» Wege als sie dem gemeinsamen ,siele entgegenstreben. Erreichen sie es nicht, vielleicht und wir glücklicher, freilich sind >vir nur gering a» Zahl; aber cs war ja stets das Tchick'al Israels in der Minderheit zu sein: ,.Ki altem Ham al" Was uns an Zahl und Einfluß abgebt, das muffen wir durch Einigkeit und Tatkraft ersetzen, zwei Eigen schaiien, die von jeder lieber iui eiigen Kreise als in der großen Menge gewohnt haben. Denke» wir an das Wort des Propheten: Nicht durch die «Kröße des Heerbannes und nicht durch die Macht des Ansehens, sondern durch meinen t^eiü, speicht der Herr der Heerscharen. An der ledbastc» Debatte beteiligte» sich die Herren Zriebmann, Karfunkel. Ebaim. Tr. Wechselmann. Kasper, Dr. Lew» und Wedell. Zn seinem Schlußworte beleuchtete Herr Dr. Baneth die besonderen ׳Aufgaben des Vereins, der nach seinen Satzungen ״dahin zu wirke» hat, daß die religiösen Em nchlungen der hiesigen jnd. «Kemeind« stet« auf solcher Höhe stehen, daß ne von allen Mitgliedern ohne Bedenken beuutzl werden können." Der Redner wies ans einige Mängel hin, deren Beseitigung um so dringender zu iviinschen wäre, als sic auf den wichtigsten lyebiele» des GemeindelebenS sich fühlbar machen, in der Waisenpilege. in der Religionsschule, in der Stellung deS Rabbinat». Zn den Waisenhäuser» muffe daraus geachtet werden, daß die Zöglinge nicht nur »1 der Anstalt selbst am Sabbat weder Schul »och Handarbeiie» mache», sondern auch in der Sckiuie die Heiligkeit ves Tages nicht perlenen. Die von der «Gemeinde nnterbaltenen Religionsschulen stehen mir wenigen Ausnahmen auf liberalen Boden Wenn aber die Zreunbe dieser Richtung l-eanwruchen, daß ihre Kinder durch de» Religionsunterricht in keinen Konflikt mit dem lslterubauke gebracht werden, ׳'o körrneu die Konservativen mit gleichem Rechte dasselbe für ihre Kinder verlangen. Zit die (Gemeinde nicht imüande. die erforderliche Anzabl von Religioustchulen zu errichten, sollte sie doch minbestens den verschiedenen Slniagogetirereinen insbesondere den weniger leinnngssäbigen, die mit großen Ep'ern dem Bedürfnis abz»be!fcn ffch bemühen, durch weitherzige Unter Nutzung das Leben etwas leichter machen Was wurde man von einem Magiffral denken, der die stiesmultetilche Be Handlung gewisser Stadtteile damit rechtferngen wollte, daß dieie weniger Steuern aufdringeu als die bevor zuglenk Zast noch wichtiger als die Religionsichul« ist eine seiner Bedeutung angemessene Stellung de» Rabbinats. Was nützen die vollkommenffen religiöse» Einrichtungen, wen» sie nicht unter der Botmäßigkeit der allein zuständigen Aussichtsdehörde ffchen ' Zn vielen preußischen i*eme!»den hat der Raddiner ei» vertragsmäßige» Vetorecht insofern, als ohne »'«ine Zustimmung keine kuiluellen Neiierungen eingefuorl werden vurten. D leies Recht »t tretlich «in Meffer ohne Sttel und ohne Klinge: den» der Voriiaud kann de» Ravdiuer »ach Ablauf ber Verlragsirlst entlaffen und bis zur Wahl des Nachfolgers seme Neuerungen durchsetzen. Zunuerbi» ist der Zustand »och erträglicher, als das in der Berliner Mustergemeinde zuläffige Verfahren. Hier ist der Vorffaud auch in religiösen Zragen souverän Das Rabbinat hat kaum eine beratenb« Stimme Es braucht nicht gefragt zu werbe», und wirb es gefragt, braucht sein iiziiachte» kein «Kehör zu ffude». Auch über die 'Anstellung der Rabdmer auf dem leider nicht mehr ungewöbnlichen Wege de» Zeitungs Znserats ließe sich »vch so nianches sagen, so schloß der Redner, aber das 'Angesiibrle burite genügen um darzulhu», weich' große und bedeutsam« Ausgaben unsere» Vereins harre» Soweit der uns zugcgangene Bericht. So wenig der gute Wille verkannt werben darf, von dem die Ziffpiratoren de» Verein» beseelt sind, so bedauerlich scheint es »ns, baß diese ihre Kräfte an die Erlangung von Kvnzessionen rn der ״liberalen" Berliner Hauptgeiuenibe ienen. Natt sich dem natürliche» Riilteirunkte eines ivirklich lebenskräftige» und entschiedenen Zudenlnms »1 Berlin, der Adaß Zsroel, an zuschließen. Von dort aus ist positive und ganze Arbeit zu teilten, innerhalb der Berliner «Kemeinde aber, mit ihrer erdrückenden ״liberalen" Mebrhcn. muß jeder scheinbare Erfolg der «KesetzeStreuen, wie gerade der vor stehende Bericht deutlich bewein, durch die anerkeunenbe Liebkos uiig des ״gleichberechtigten" liberalen Zubentums er kaust werden und der moralis-.be Schadet!, der unserer Sache iui Bewußtsein »hier Bekenner selb»! daraus erwach», ick,eint uns größer als die »löglül»״ t-r»kl>»che» Erruuge» schaste». Das hindert unS mckil dem 'Verein in dieser rrak l ischeu 'Arbeit gute» Erlolg zn ivmiichen Rrxiugen, >'' Mai. Die hiesig« «Kenieinde ist ein llnicnm unter den israelitischen iKemeniden D eutschlaubs. Sie iff die einzige Landgemeinde, welche andauernd zu nimmt. Heute zählt sie zwischen 1'"* und •V)■• Seele» 111" Z-amiiüili. Daß in einer so ansehnlichen «Kemelnde eni schönes "7"? Leben sich entwickelt,!st selbstverständlich. Am 7,. d. M. wurde die Zabl der iKenieinbe Eiiirichlunge» um eine sehr nützliche Znsnlulion vcrmehrl. Lehrer S vatz balle s. Z. ans sreiwilliaen «Kaden eine Volks und Zuaend dibliolhek gegründet und damit einen Lilerakurverei» ver Hunden. Die Bibliothek wurde sehr rege in Anspruch ge nommen. einzelne Bücher, insbesondere solche ausgesprochen jüdischer Tendenz, wurden mehr als zwanzigmal vro Halb jabr auSgelieben Am rZT, den -V b M. sprach nun der Eruiidcr der Bibliothek über das Thema: ..Warum wir lesen, was wir leien, wie wir lesen." Ai» Schluffe seines mit großem Znlercffe und Beilall ausgenommenen 'Vortrags dal Redner die äußern zahlreich versammelten Tamen und Herren, sie ,»echten ihm einen Ausschuß zur Leitung der Vereinsgeichätle a» die Seile stellen, daiult die neue Ein richlung dauernden Bestand erhalte Durch Zuruf wurden hieraus die Herren Lehrer Spatz, Kaufmann E. Zürn dorfer. Salo Hirschselber, T Weil und Zräulei» Bella Ziirndorler gewählt. Es sind bereits Schritte getan worden, dem Verein eine dleibende Erganisalivn zu geben. Am ~ל״ג בעיד batten wir das Vergnügen 111t Saale des ״Hotel zum Deutschen Kaiser" tauwesend >.a ltt" Persotten» Herrn Z. Rosrnhcim von Zranksurl a M. iiu Auftrag des Verbands der Sabbaisreuiide sprechen zu hören Die Ausführungen de» hochgeschätzte» Redners lösten wahre Beifallsstürme aus Ter Befriedigung über daS «Kebörle gab der Vorsitzende der Versammlung, Lehrer Span, in herzliche» Dankesworlen Ausdruck. Tadel wnnschle Redner, es möchten jüd. Handwerker an Encn angesiedelt werden, wo es leicht möglich wäre, r2T zu Hallen und di« Lehrlinge in jud. «'leiste zu erziehe». Der Verband der Sadbalrreunde möchre seine Aufmerksamkeit wie dem kaut mannffcveii Berus«, so auch de»! Handwerk zuwrnkeu. Als praktische« Ergebin« der Versammlnug können wir die Gründung «mer Lrlsgrupp« Reringen des Verbands der Saddanreunb« melden' Zn dl« ausliegenden Mitglteverltsten zeichneicu nch sofort 'S Personen ein Wir wünschen von Herze« 17"'׳ A"' I PeriOMlie«. itmjtrrtem, 1'• Mai Am 21« Mai leiert der de liebte und verehrte Eberkantor der ZSrael. Nieder! «K« meinde Zsaac Hevniann sem SO!adrige» Zubilaum Zsatr Hevmann ist der Sob» eine» berühmten russischen Ebasvn und zeigte schon in frühester Zugend vortrefflichmusikalisch« Anlagen Bereit» al« Knabe besaß er eine herrliche Tenorstimme. die auch deute »och in!ugenblicher Zrtsche seine Zuhörer aus» stärkffe zu «effeln vermag. Auch beule »och erstrahlt seine Stimme «n lhreiu vollen «Ranze Z» seinem!' Lebensjahre ließ sich Hevmann in großen «Gemeinde» Rußland», «Kalizien» »üb Preußen», nicht nur als Kantor, sonder» auch in Konzerten mit ichlagrndei» Erfolg hören Nachdem er als sehr jmiger Mann das Aml eine« (*Hakan in *''ttefett bekleidet hatte, bewarb er sich um die hier sreigewordeur Stelle de« Eberkantor» und wurde, trotz einer sehr großen Anzahl von Mildewerderu. einstimmig erwählt «Kroß war der Enthusiasmus. u»t welchem der »euernannt» Eberkantor beim Antritt seines 'Amtes begrüßet wnrde. und die Zuneigung seiner «Kenieuide ist niemals geringer gervorde». Zsaac Hcnmann bat stch auch als Komponist, hauptsächlich religiöser «Keiange, eme» Namen erworben. Eener« erbielt er Auszeichnungen von uusrer Königin, sowie auch von Zdrrm verstorl-ene» Vater, König Wilhelm UI. Eine Koinvosttio». welche er der Königin widmete und kür Erchester arrangierte, wurde in Wiesbaden von der kaiserlichen Kapelle ansgefuhrt mitfand lebhaften Beilall Die «*borge'änge in »!!׳ren Synagogen Zsaac He»mann. sind tast alle Schoptungen Zsaac Heumann's. tTn'es »inff kalische Talent bat sich aus mehrere seiner Kinder >ort geerbt.) Zn der Art. wie er als ב״יח צביר• die '*eben vorträgl, erkennt inan den begnadeten Borbcler. Auch auf dem «Kebiete der Humanität hat »ch Zsaac Hevniann. ebenso wie leine vor Zainen verstorbene ««atiin Rebecca, ged. »Köttinger, eine edle Zrau!»! wahren Sinne des Worte«, deren Wobluitigkenssinn und Menschenliebe »och allgemem m Erinnerung siub, eilten bobeu Ruf geschaffen. Bei ber Hochschätz,»ig. bi« sich Herr Hevniann i» allen Kreiien der «Keiiieiiide erfreut, ist e - kein Zweifel, baß sein Zubilau» in glänzender Weis« gefeiert werden wirkt Möge «Kott ihm »och viele glückliche Zabre gleich segensre-.chen Wirken» i.lwnken' Mezo->iovcsd «Ungarni, l."> Mai. 'Am l;'>. b. ׳.ffils ׳'and liier die feierliche Enisührung des »euerwäbilen Eber rabbiners Zsidor Zungrei», ber bisher!» Nagv Salle amtierte, statt. Herr» Zungre!» wurde ein äußerst Herz licher Euipsang zu teil. Am Abend wurde ihm zu Ebre» ein Zestl-ankelt adgehalteu Eingegcrlrgene Spenden Zur Lehrer Z. a. D. ,Eoae Strauß In Llnhausrn M Zur die russischcu Waiscukiuder. Familie Kurnnann in München 3 M.. Aannli» Reu daielblt 2®. Zur de« NeNameutcil ist die Nedaktio« »ich» veraurworilich; iusvekouder« ist es ausicitliestlia, Sachr der Leser, die im Neklamruteil e»»halt»ae» Eni׳ pfehluugeu ritueller Tvarca oder sounige Augaden rcligiousgescultckieu Eharatrrrs auf ihre Zuver׳ - lassigkeit zu vrüira. a«> Ho'el kt Reffauraut Marx i» Homvurq vor d,r Höhe unterstedl dem V.rein zur Zörderuug n tuellcr Sveffehauser in Hamburg Es wird von einem ständig deauksichttgi. Dieser. Herr H. Markus au« Krakau, ist al« ein zuverlaingcr Man« uud «1 wohl bekannt

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