Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 21 (25.5.1906)
- Date
- 1906-05-25
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Nr 41. Leite »>. Ter Israelit und keineswegs in gleichem schritt mit den nicht jüdischen Kollegen. Allerdings, Reserve׳ und Lund- Wehrleutnants gibt ti eine ganze Reihe im hiesigen Bezirke, wie kürzlich in einem anderen jüdischen Blatte zu lesen war, und Kommerzienräte haben wir eine große Menge isogar einen geadelten dabei) und ein solcher in Fürth wird demnächst die Ghre haben, den künftigen Thronfolger von Bayern als Galt bei sich ru keben. Wie sich diese Kommerzienräte zu jüdischen An gelegenheiten stellen, darüber wollen wir lieber schweigen! cs genüge zu sagen, daß die in der Ge meinde-Berwaltung «der jüdischen wie der politischen) tätigen ängstlich bemllt sind, alles von Nürnberg kern zuhalten, was nach ihrer Meinung, die gewöhnlichen Menschen überängstlich erscl-eint, bei den christlichen Mitbürgern Anstoß erregen tonnte. So hat man sich in der Verwaltung der Ge meinde aus das äußerste bcinüht, sowohl die Loge, wie den Zionismus von Nürnberg fernzuhalten, aller׳ dings ohne Erfolg, und es ist seit langen Jahren als unpassend erachtet, mit dem Lulav über die Straße zu geben, sodast man den Fesisiraust, von dem der Herr Rabbiner am Hüttcnsesl so erbaulich zu predigen pflegt, nicht mit in die Synagoge nehmen darf. Nebenbei gesagt, ist es in der hiesigen Orgelsrmagoge auch unpassend, ein Tallis auszusetzen. die üblichen Sterbckleiber am RotchHaschcnoh und Jom Kippur zu tragen, obwohl man damit ja nicht aus die Straße zu gehen braucht: dagegen ist cs nicht unpassend, daß d!e F*ouen sich;»m Teil in der Männer synagoge niederlasscn. und es ist auch nicht uuvasseud, mit den Synaaogcnplätzen Handel zu treiben, trotzdem solche Angebote und Gesuche sebr deutlich im Annoncenieil unserer gelesensten Zeitung zu finden sind. Regelmäßig im Frühjahr, und noch mehr im Herbst, finden sich Angebote von ״schönen Männer und Frauen:'ätzen" in der Zeitung, und unsere sonst so empfindliche und rücksichtsvolle Gemeinde-Verwaliunq bat noch kein Mittel gesunden, diesem schmachvollen Treiben ein Gnde zu machen, obwohl es dock auf der Hand liegt, daß eine derartige Annonce bei jedem unbefangenen Leier Gedanken erwerken must, die ich hier nickt des breiteren ausführen will. Als man vor langen fahren dem schmachvollen Zustand ein Gnde gemacht, daß der jüdische Friedhof ouck 5 c! m st a g s dem Besuche geöffnet war. bat man d-swegen eine l'msrage bei anderen Gemeinden gehalten: sollte cs nicht der Mühe wert sein, einmal wieder eine Umfrage zu halten, auf welche Weise man dem Handel mit Synagogenplätzen Ginhalt gebieten könnte, ivenn, wie es den Anschein hat. es nickt möglick ist. mit Leuten in Unterhandlung zu treten, die cur der einen Seite nicht mehr in die Synagoge geben tonnen oder wollen, und denen aus der anderen Seile ein Svnagogenplatz weiter nichts ist. als ein Kaviral, welches Zinsen tragen muß? 2:it ach! Tagen ist die dritte große bayerische Landes Ausstellung eröUnet: sic wird, wie be greulich. vom jüdischen Standpunkte aus wenig zu beachtendes vieren, wenn auch, wie sclbstveritändlich. die jüdischen Girmen darin beweisen, 'daß ihre Leistungen hinter denen ih» er Mitbiirger in keiner Weise zulückzustehcii oraucken. Bei einem flüchtigen Rundgang bemerkte ick indessen wenigstens einen sl^rifisch jüdischen Gegenstand, nämlick Mazzoth von dem Bäcker Brader in München ausgcstcllt, was ick deswegen erwähne, weil es ein erfreulicher Beweis des jüdischen selbstbcwußtseins ist. daß ein Mazzolybäcker sein Produkt össeiOlicr, nir Sck:au stell!. Möckie dieser geringe Beweis jüdischen Mutes in Verbindung mir den von anderer?eile in so schöner Weile begonnenen Ver׳ suchen, die Kenntnis des äußeren jüdischen Lebens!oesier zu verbreiten, dazu dienen, unseren Mitbürgern die Ueberzeugung beizubringcn, daß die Ginricktungen jüdischer Privathäuscr und jüdischer Gotteshäuser vieles selwns und wissenswerte bieten, und daß es der Mübe wert sei, sich mit ihnen mehr als bisher zu beschäftigen, so wird das mehr zur Ausgleichung der Gegensätze beitragen, als die schönsten Vorträge und die schineichelkaftestrn Verleihungen von Orden und Titeln. 2'׳ Mai 1!«0; t i fi i i 11 i d): U11 g a x ü. Jaljrksvkrsammlung der orthoöoxni L'tmüksvkktrklung in Angarn. «Vvil unteremWorrcspondeiilen.- B u d a v e st . 16. Mai. Die zweite Jahresversammlung der orthodoxen Landesverlretung hat hier gestern und heute staltgefunden. Von den 106 Mitgliedern waren etwa ölst erschienen. Landespräsident Adolf Frankl begrüßte die Versammlung in längerer Rede, in der er betonte, daß im Sinne eines bereits früher gefaßten Beschlusses in die orthodoxen Vertretungstörpe:- schäften nur solche Mitglieder wählbar seien, die den Labvcit strenge halten. Diese Bestimmung sei in das 2tarut auszunehmen und die Zcntralkanzlei werde --" ,v Vv.ijjm.uw/C w.CjvS Beschlusses zu erwirken. Dieser Antrag wurde einhellig angenommen. In Wirklichleit ist in de: Landes-Repräsentanz kein ״w 7772 vorhanden. Der Präsident berichtet über die erfreulichen Grrungenschaflcn. daß die Orthodoxie die autonome Schieds-Gcrichtsbarleit zurückerhalten, und das ergänzte Organisarionsstatu! auch die allerhöchste tönigliche Sanktionierung erhalten habe. Hierfür habe die gesetzestreue Judenschaft 7!;דק zu danken, der nie sein Volk Israel verläßt. Die neue Regierung, die vom patriotischen Vertrauen des ganzen Landes getragen ist, habe der orihodoxcn Landesverlretung das größte Wohlwollen zugesichert, wie es von den illnstren Staatsmännern, die dem neuen Kabinett Namen und Glanz verleihen, gar nicht anders zu erwarten war. Mit der Bitte um den götllickien Segen für das Vaterland, den König und die nationale, liberale Regierung schloß der Präsident seine mit großer Ve geisterung aufgenommcne Grösfnungsrede. Im Verlaufe der Beratungen, die mit Liede und Giser für die heiligsten Interessen des gesetzestreuen Judentums gepflogen wurden, hat die Landcsvcrsammlung folgende Beschlüsse gefaßt: Die Zentralkanzlc! hat alles Mögliche zu versuchen, um bei der Kultusregicrung die Befreiung der jüdischen Kinder vom Besuche der nichtjüdischen Schulen am Sabbat und Jomtos zu erlangen. Dieselbe hat zur Grwirkung von Grleichterungen ver Bestimmungen über die Sonntagsruhe und für die Sabbatriihe der jüdischen Trafikanten unverzüglich in Aktion zu treten. Ti; Mitteilungen des Landespräsidenten Frankl übcr die jüdisch-politische Situation batten einen streng vertraulichen Ghircikter und entziehen sich daher dcr öffentlichen Pesvrechung. Ich glaube mich aber keiner Indiskretion schuldig zu machen, wenn ich berichte, daß die Versammelten, trotz der traurigen Gr fghrungen mehrerer Jahrzehnte, höchst erstaunt dariit'er waren, daß die jüdische Ortbodorie in Ungarn täglich und stündlich von den neologen Gewalthal'ern bedroht ist. Auch in den jüngsten Monaten tvaren Attentate gegen das geseheslreue Judentum gevlanr und es ist tief schmerzlich, daß die Kanzleileituug ihre besten Kräfte hauptsächlich in der Abwehr dieser Attentate unserer sich liberal nennenden Stammesbiüder verzehren muß. Die Laude»׳ecsa!n!nlung votiert dem Präsi deuten Frankl bedinaunasloses Vertrauen und unerschütterliche Anhänglichkeit und bitte ihn 2v—יסד ־, in seiner großen Arbeit ^:י1צ־בת ־ nicht zu ermüden. Der Präsident dank! iiefgerührt tiir diese Vertrauenskundgebung. Betreffs des Pensions-Instituts für orthodoxe Gemeindebeamten, hat der orthodore Oberradbincr von Budapest, Rabbi Koppl Reich, unrer allgemeinem Beifall folgende Gesichtspunkte hervor׳ gehoben: ״Unser Pflichtgefühl, die Verhältnisse und die Regierung sorbern in gleicher Weise, daß di: Pensionsfrage gelöst werde. Wenn wir lediglich jene Beamten verurteilen, welche sich in dieser Beziehung nicht-orthodoxen Körperschaften anschließen, nickt aber ihnen gleichzeitig ein Aequivalrnt dafür bieten, so laden wir eine schwere Verantwortung aus uns." Da nun die orthodoxen Schächter bereits ein genehmigtes 0r im mtt ******* * *I ׳y % 4 ft••• \^> •ftftfe ft ft ft«••«• t I •••ft• dem Lanbespräsidentcn. daß der auf die Pension bkzuglichr Teil dieses Statutes, nut eulspceciienoee Modifikation, als Statut eines Pensionsvereins für alle orthodoxe Kultusdcamten angenommen werde. Ferner soll im ganzen Lande eine Kronen-Sammlung für den Pensionsfvnd veranstaltet werden und oon dem Resultat während dreier Monate sei die Nicktunz der weiteren Aktion abl-ängig zu machen. ))f t• ♦y A VmmkKa /••ft^Aftft... twuivv UU^UIVI ständiges Pcnsionstomitec, mit dem Sitze in Vuda pest, unter dem Direktorat des Dr. Jakob Schacht e r. eingesetzt. Von der Gnergie und bewährten Tatkraft dieses gesetzestreuen Mannes ist zu erwarten daß er der hochwichtigen Angelegenheit besonder-- Liebe und Aufmerksamkeit zuwenden wird. Auf Anfrage eines Mitgliedes, ob auch die Rabbiner in den Pensionsverein einbezogen lverden. erklärte der Budapestcr Oberrabviner: Nein! In gesetzestreuen Gemeinden sei der Rabbiner kein Be amter in vulgärem Sinne. Der Rabbiner ist ein Diener der Thauro, siebe für die Tbauro auch i1״ Dienste der Gemeinde, habe aber keineswegs den Gharakter eines subordinierten Kultusbeamten, son dern sei vielmehr מ־א ־א־״־א, Würdenträger, reli giöser Führer. Berater und Tröster ^er Gemeinde. In Angelegcnl^it der I e s ch i w a h s r a g c wurde beschlossen, die vorhandenen Unterstützung-- vereine unberührt zu lassen, damit die bl stehenden Jeichiivos nickt gestört lverden. Doch ist unter Leitung des 'Rabbiner Kollegiums der Zentral Kommission ein Landesvercin z! :יא• zu grün den, der in jeder Gemeinde einen Gabai einteye, damit derselbe den lokalen Verhältnissen angemessen, Spenden sammle. Die Beteiligung der einzelnen Jesckiwohs besorgt das Rabbiner Kollegium. So bald die Unterstützungen sich balbwegs günstig gesialten sei es den Talmudjüngern unbedingt zu vcr bieten, ferner noch Almosen zu erbitten. Gin Antrag Leopold G r 0 s> b e r g s , des Redalteurs der ״Allg. Jüd. Ztg.", den der Gperieser Obcrrabbiner Fischer eingebracht hatte, wonach die Ablösung der Gratulation? Telegramme z:! Gunsten des ״Zon Kodoschim"-Fonds, eingesührt werden möge, »and allgemeine Zustimmung. Mi! den Dantesworren der Versammelten iür die unermüdliche und erfolgreiche Tätigkeit des hockverehrten Präsidenten und dem Abichiedsgrust dcS Vorsitzende::, wurde die zweite Jahresversammlung der orthodoxen Landesrepräsentan: aeschlossen. Prag, 20. Mai. Tie fortschreitende Niederlcgung dcr alten Prager Judcnstadt hat nun das vierte Opfer gefordert. Nachdem ein Teil des allen weltberühmten jüdischen Friedhofes und .-,:vei Synagogen den Assanicrunasarbeitcn haben weicken müssen, wird im Laufe der nächsten Tage die driite Synagoge, die vom ersten jüdischen Adeligen — Bathsebi Schwüles und Treuenberg — etwa um 10!'<׳ erbaute ״Große Hoi"-Synagoge demoliert werden. Die ״Große Hof"-Synagoge ist auch nach dem vor 70 Jahren erfolgten Umbau in Liturgie und Rikus den alten Traditionen treu geblieben und war außer dcr berübmten Altneuschul die einzige in Prag, welche noch den Al-Memor in der Mitte batte. Am Freitag den 20. ds. Mts. fand in der Synagoge, die jetzt vertasien werden muß, nach dem Minckcrgebete ein: erhebende Feier statt, bei welcher der Obcrrabbiner Tr. N. Ghrensetv, He Abschiedsrede hielt. Nach einem Rückblick auf dic -f'chichte der Synagoge, welche mir dem Geschicke der z'eagcr Judenschaß eng verknüpft ist. geißelte er die moderne Sucht der Umwandlung der Synagogen in sogenannte ״Tempel", die nicktmit einem jüdischen Gorteshause gemein haben. Gr gedachte der hervorragenden Männer, welche Mitglieder und Stützen der Synagoge sowohl wie der ganzen Gemeinde waren, u. a. des gelehrten Rabbi Glia Spiro Fränkel, Verfassers des holnrhifdien Wertes א,"־ ':־. Mit tiefer Wehmut sprach der Redner von jenen Heroen des Geistes, welche in früheren Zeiten dic Synagoge zierten, jenen Männern, die freudig ihr Leben Hingaben für die Thora. Mit einem Gebete vor der offenen Bundeslade schloß die ernsie Feier, die die Anwesenden tief ergriffen hatte.