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Der Israelit · 1906-05-25 · 21 (25.5.1906) · p. Seite 4

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
21 (25.5.1906)
Date
1906-05-25
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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i'ir. Seite 1 Der Israelit. il'crirurfe auf und entkräftet sie der Reihe nach mit unwiderlegbaren Argumenten. 20 ist er ein Streiter für das Judentum, von dem er die Initiative für die Grsülluna seiner Träume erwartet. Ich will davon absehen, das hervorragende und in jeder Be -iehung merkwürdige Buch weiter in den itreiS meiner Betrachtung zu ziehen, da ja jedermann Gelegenheit hat. das interessante Werk selbst zu lesen. Wer es noch nicht getan bat, der möge es nachholen, Nur sei noch bemerkt, dass Gvubenhove. der genau weist wie Jeder, der über Juden im günstigen Sinne schreibt, von den Gegnern behandelt wird, im Borwort den Passus anivendet: ״Wer über Juden nur bctä geringste sagt und schreibt, das nicht ungünstig lautet, wird gleich als Jude und Freimaurer verschrieen. Doch bei mir würde dieses Mittel nichts nühen. In meinem Stammbaum findet sich nicht die geringste Spur jüdischen Blutes. Wäre dies aber der fall, würde ick dies nicht nur nickt verschweigen, sondern es geradezu freudigst bekennen, weil ich stolz wäre auf eine mögliche Stammesverwandtschast mit den heiligsten Männern und frauen, die je auf diesem Planeten gewandert sind." In seiner Jugend war Gras Goubenhvve selbst Antisemit. Seine veränderte Anschauung ist ein Provukt seiner eingehenden Spezialstudien. Gr beherrscht die einschlägige Literatur und die tattäch licken Berhältnisse mit einer geradezu verblüffenden Sicherheit. Ich hatte erst lange nachdem das ״Me'en des Antisemitismus" erschienen war. Gelegenheit, mit Goudenhvve iti Berührung zu gelangen. Giner interessanten Üteminiszens aus meinen Beziehungen zu dem ausgezeichneten Manne sei hier Baum ge gönnt. Ich batte voriges Jahr die Absicht, die bekannte Schrift von Professor I. M. Schleiden ״Die Be׳ deutung d-er Juden nie die Grhaltung und Wieder Velebung der Wissenschaften iin Mittelalter", die im Buchbandel vergriffen ist, neu herauszugeben*). Ich sandte an 'straf Goudenhove, der damals in Wehra wald im Schwarzwald weilte, ein Gremvlar der Schrei mit einer entivreckenden Anfrage. Ich er biett folgende Antwort: Webrawald Pott Todtmoos. Gr. Baden, den יי. Mm 21111 ־ gecI>r 1 er Herr! Tie mir giitigü eiiigetandte Broschüre, ״Tie Bedcu tung der Juden für die Grhaltnng und Wiederbelebung der Wissenschaften i»! Mittelalter" von Staatsrat Protessor Tr.!»< I Schleiden!!ade tch crliatten und mit dem größten Interesse geleien '1 LbgtriM ird die nötige» Privilegien iür AuSsübrung diese» Plane« bereit« öeiaß. führt«- ich ihn niitit au«. Tie Gründe sind an dieser Stelle belangt״«. doch sei mir gestattet, zu bemerken, das! sie 1 d e r 11» r Natur waren. T er Bersaffer har in dieser gelehrten Broschüre dein Judentum ein vollendetes Tenknial gesetzt. Gs wäre zu wünschen, daß diese Schrift sowohl in christlichen, als auch in jüdischen streifen die größtmöglichste Bertu-ei!,,»״ fände: dies nm so mehr in einer Zeit, in welcher die aus dem Boden der Ignoranz fRaffenschwinbel!», des Neides tind des Fanatismus cntiproffene Pstanze des Antisemitismus so gütige Blüten treibt. Ter theoretische Antisemitismus wäre wohl bald zu Gnde, wenn wenigstens die dcnksähigcn unter den Christen sich den Inhalt der Tarstellung Schleidens zu Gemüle führen wollten, weil sie dann erkennen würden, wie tut geheuer viel die stultur, die Moral und die Wissenschaft dem Judentum verdanken, weil sie sich dann eine Bor stellnng machen würden, wohin unsere heutige Zivilisation gelangt wäre, wen» in den Jadrhunderten der Hu wissenheit Jude» das Banner der Wissenschaft nicht hochgehalten hatten. Tas Judentum, diese merkwürdige und interessante Religionsgescllschaft ist tatsächlich bedeutend gewesen, wie deute, so zu allen -Zeiten. Tie germanischen Arier lagen noch auf ihren Bärenhäuten zu einer -Zeit, wo Israel bereits einen hoben Grad von stultur errungen batte. Schon damals blickten die Juden auf eine große Ber gangenbcit zurück. Und wirklich, was immer der Jude anvackt. er leistet 'Großartiges, überall und in allen Zweigen der stunst und dev Wissens, ob er mit der Jeder oder dem Pinsel arbeitet, überall schafft er Tüchtiges, sogar auf den Schlachtteldern im blutigen Ringen, wie dies die 'beschichte der Makkabäer, die Berleidigung Jerusalems gegen Titus und der Bcireinngskrieg des Bar stochba beweise». WaS liat dock! diese kleine, kaum ln Millionen zählende Men schengruppe. von denen jedoch blcs I Millionen in freien Ländern leben, für eine Schar tüchtiger Gelehrter aus alle» Gebieten des Wissens, was für hervorragende stünstlcr und Schriftsteller bervorqebracht. ״Wo viele Inden, dort ist viel Licht," tvo die Juden menschenwürdig vedandelt werden, prosperiert der Staat, wo man sie de drängt, geht es mit ihm zurück, sodaß man fast geneigt wäre, den Satz wörtlich zu nehmen: ״Ich werde segnen, die Tick! segnen und verstuchcn, die Tich verfluchen" «Gen. 12,:!,.' Warum vergessen Christen und Mohammedaner ininier. wieviel ne dein Judentum und seinen heiligen Schriften verdanke»? Tie jüdische Religion ist die Mittler, aus deren Schoß Christentum und Islam geboren wurden. . Rach der A »licht Schopenhauers sind die Juden sogar die Gründer des Monotheismus. So ungebencr groß und bedcntend ist dieses kleine Bolk. Wer sich diese Tatsache zn Gemüte führt und wer über sie nachdenkt, wird diesem wunder baren Bolle seine Bewunderung nicht versagen können. AVer nicht i!ur Christen >!t die Lektüre der Schlei denschen Broschüre zu einpsehlen, heilsamer noch und nützlicher dürste sse ans gebildete junge Juden wirken, von denen leider eine so große -Zahl sich ihrer Abstanim ung schämt und durch alle denkbaren Mittel zn verbergen und zu vertuschen trachtet, daß jüdisches Blut, eines der edelsten der Welt, in ihren Adern rollt, eine Gesinnung, durch welche sie dem Judenluine niehr schaden als alle christlichen Antisemiten zusaminengenominen, denn ein!eder Jude, welcher die Tatsachen, welche Prof. Schleiden nt seiner so inlcressanle» Broschüre angeführt hat. betrachtet, müßte notwendigerweise stolz sein auf seine Abstaminluig, nch ibrer rühmen, ja sogar mit ihr posieren, dieselbe nach außen hin, so oft sich eine Gelegenheit bietet, zur Schau tragen und sogar dann, wenn er vom jüdischen Glauben zu einem anderen übcrgetrelen sein sollte, Rur Mai liXMj. dann könnte er sich in den sogenannten ״arischen" streifen Achtung erringen, und Interesse für das Judentum er wecken. Aus diesem Grunde wünsche ich der Schleiden schen Broschüre von Herzen die größte Brrdreitung. Hochachtungsvollst Ihr sehr ergebenster Jur. und Phil. T. Gf. Coudenhove stalergj. k. und k. Legationssecretär a. T. Dieser köstliche Brief — vermutlich die le'jte Aeusserung Graf Gvtidenhove's über Juden tmd Judentum — verdient den Annalen des Judentums einverleibt zu werben und sein Verfasser bat ein Anreckt darauf, dass wir ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Wenn auch gegen manche seiner Anschauungen Ginwiirse erhoben werden können, so dürfen wir doch sagen Gr war einer der Gbrlichsten und Besten! Runden Jahre $taat$!udentum. IV. Da wo Stern es als ausgeschlossen bezei! net, dass der Staat sich keinen Ginflusz auf die ihm unterstellten jüdischen Angelegenheiten gestattet, bringt er dafür in einer Anmerkung einen sehr lehrreichen Beleg durch folgenden Hinweis: ״Wer könnte das nur zn lehrreiche Beispiel vergessen, 'das Mecklenburg Schwerin »ns dargestcllt hat, wo um einem Rcgicrungs- -und Minjsicrwechfel plötzlich ein ganz entgegen gesetztes Judenlni» proklamiert wurde, und auf die uuzcrcchtfertigfte Aiif'nötiguiig der sreiesien Resorn, wie sie durch Holdbeim und Ginborn repräsentiert wir-, die noch »»natürlichere Ausnöiigung der strengsten und intolerantesten Lathodorie folgte, wie sse sich in dem jetzigen Landesrabbiner Lipschüy darstellt. Beide Riale protestierte die andere Partei gleichviel ob ne Majorität oder Minorität war vergebens. Tie Landes regirruug und das mit ibrer Autorität bekleidete Landesrabbinal mit dem stirchenral zur Seite, hielt sich für be rechtigt, den Widerspruch nicht zu beachten." Gs ist nun nach verschiedenen Seiten hochinteressant, über denselben Gegenstand dasselbe Urteil eines Antipoden, eines Wortführers des orthodvren Judentums zu hören, und zwar dasjenige von Samson Raphael .Hirsch. In seine: feinen, taktvollen Meise nennt er zwar keine Namen, aber aus der Nebenetnanderstellung mit obiger An mertung iveisi auch derjenige, dem jene Vorgänge in Mecklenburg-Schwerin unbekannt sein sollten, sofort, daß cS sich nm diese handelt. — Ir! einer längeren Abhandlung über ״Jüdisches Gemeindewesen", in welcher dem freien Selbstbe stiinmungsrecht der jüdischen «Gemeinden das Wot! geredet wird, heisst es kJeschurun I. Jabrg.. S. M>: ״Wenn daher in allerjüngstcr Zeit selbst ein jüd> scher Rabbiner deni freilich die schwere, kaum zn lösende Riesenaufgabe geworden, auf einem Boden, wo. wie kaum irgendwo sonst, Jahrzehnte hindnrch die eben voll seine» Ruhmes und Lobes und selbst seine Gegner bedauerte» aut» Tiefste sein vorzeitiges Gnbe. Gleich seinem Bruder war er »ngcinei» freigebig gewesen und nach seinem Tode!and man in de» Schiebiächern «eines Schreibtisches C.uit tuiigen und Schuldscheine über von idm gewährte Tarlehe» im Betrage von 11*0000 Pfund, aut deren Rückzahlung er wobt verzichtet zu haben ickie», da diese Scheine durch schnitten oder entzwei gerissen waren. Tieielben tollten zweifellos nur die Tatsache verichleier», daß die dctressenden Tarleben von ihm als Geschenke betrachtet worden ivaren. Seine Nachfolger »nd Berwandten erfüllten in gewissen harter Weite m! Lause der Jahre seine »ach ichtvebeuden Berbindlichkeiten. Bis I8U> waren zirka 0/״ז:<־י derielhen adbczal'tt. Ans das Griuchen «einer Glandiger annullirtr eine Parlanientsakte im Jalire 1'י>2־י die Re'iichnlden sowohl an die Regierung wie an Private, eine Tatsache, welche nur zur Gdrc des Andenkens des Berstorbenen iprechrn dürste. So war den» die tsvposstio!! ickilieülich Sieger geblieben »nd der erwünschte Raum den Rebenbublern geschaffen. Tie Sonne der beiden Goldicknuds war zur Tielge ge aanae». dagegen in ssrahlcndein Glanze, »och setzt!!!! Zenit zu sseden scheinend, ausleuchtete der Ster» ihres glück lichrii Gpigonrn des Hanies Rothschild! |Marl Set!nrzI, der vor einigen Tage» dahinge schieoenc geissige ,rubrer »nd hervorragendste Repräsentant des Teutschtums in den Bereinigten Staaten, bat sich als Senator be> der Ginwe>b»ng des Montcstore Home in Rew Bork »der d«e antisemitische Bewegung wie folgt ge äußert: Ick habe jüngst Gelegenheit gel,al-i. den Ursprung, den Charakter und dtc Ziele der sogenannten antisemitische» Bewegung zu beobachte» einer Bewegung, deren dunk ler Geifi des fanatismus und der Bertolgung die inensch lickie Grictichlung des neunzehnten Jahrhunderts deichimpst. welche ssch an das duinmstc Borurieil und die blindeste Leidenichait tvcndet. deren Ungerechtigkeit jede» 2um iür Billigkeit »nd 'Anstand beleidigt und deren Feigheit den» feigbeit ist ei» wesentliches Clement in dem Versuch die mitstrebenden .'!raste einer Handvoll Leute zu unter drücke» deren f eigheit, sage ich, die Berachtung jedes sich selbiiachtrnden Menschen Hervorrufen sollte." * *!Tunnelbau im alten Palästina.! Im ״Scientific American" wird anläßlich des Turchfiichs dev Simplon tunnels daraus ausincrksam gemacht, daß hebräische Ingenieure vor 2:><>ii Jahren, zur Zen des .'tönigs Hiskia, ähnliche Arbeiten ausgefübri haben, wie fie beim Simplontunnel gemacht wurden. Untrügliche Beweise dafür glaubt Professor Tr. Berlhotet von der Universität Basel entdeckt zu haben. Ter .'!önig Hiskia, der im Jahre 727 v. d. gew. Ztr. in Jeru saleni regierte, war wegen des ichlechien Wassers, bas dem Bolle der Stadt geliefert wurde, sehr besorgt. Gr ließ daher bei den Toren der Stadt einen großen Behälter anlege», der mit Wasser aus verschiedenen V.ucllc» in mehr oder weniger großer Gntsernung gespeist wurde. Zuerst «chiei« «ein Pta» unmöglich, da zwischen Jerusalem und de» Cutcllcu. aus denen das Wasser entnommen werden sollte, eine!׳obe Hügelkette lag. über die man das Wasser nicht leiten konnte. Man mußte also durch den feiten fels für das Wasser einen Weg öffnen. Gins der Sirab Manuskriple aus dieser Zeit berichtet darüber: ״Hiskia bescfiigte seine Stabt, inbei» er Wasser bahinbrachte. und er ourch bobrle den seile» fels mit Bronze, »nd er sammelte das Wasser in einen Behälter." Tatsächlich bat man vor etwa 1:> Jahren in der Viäbe der heiligen Stadt eine offene Röbrenleiiung gesunde», die aber von einem Borgänger Hisktas angeicgi zu sein scheint. Tas veweist deutlich eine Jnichrift in aiten. hebräischen Schrislzcichen. die man bei Jerusalem gefunden dal. »nd die »n Milieum zu Honstau tmopel ausdewabrt wird. Tiefe Inschrift lautet in der Uedersetzuiig: ״Tic Turchbodrung ist decndet. Als die Spitzhacke des einen noch nicht gegen die des andern ge schlagen batte, und wahrend zwischen beiden eine Gntsernung von noch drei Gllen war, konnte man durch den trennenden fels hindurch hören, wie ein Mann den andern ries. Und am letzten Tage der Ttirchbobrnng trafen die Häuer Picke aus Picke. Tie Höhe des felsens über den .'töpsen der Bergarbeiter betrug Kundert Gllen. Tann stoß das Wasser über eine Länge von 1200 Gllen in den Behälter." Aus Grund »euer forschungen hat man nun diesen Bor läuscr des Simploniunnels genau identifizieren können: es soll der Shilotunnel sein, durch den Wasser aus einer CuieHe nach dem Lsteil Jerusalems gebracht wurde und fich in den in der Bibel erwähnten Teich Shiloa ergoß. Tiefe Wasserleitung in 260 Gllen lang. Tie Gntsernung zwischen den beiden Tunnelmündungen beträgt auch •ייייי Gllen. ein Beweis, daß die Arbeit in einer nicht ganz geraden Linie ausgesührl wurde. Tas war zweifellos eine folge der Schwierigkeiten, auf die die Ingenieure bei ihrer Aufgabe stießen, deren Lösung für die damalige Zeit eine wirklich wunderbare war. Taß die 'Arbeit von beiden Seiten veS Tunnels ans degomien wurde, beweist nicht nur die Inschrift, das beweisen auch die noch sichtbaren Spure» ber Bohrer, Spitzhacken usw., die alle »ach entgegengesetzten Richtungen gehen. Tic Richtung des Tunnels wurdc während seines Baues mchreremal geändert: denn man sieht mehrere kurze Galerien, die augenschetnlich aufgegebcn wurden, als man bemerkte, daß die' Arbeit sich von dem geraden Wege entfernte. Tie Sohle des Tunnels ist mit größter Sorgfalt ausgesübrt. und die Arbeiten sind >e nacv der Härte des felsens •VS Gllc bi« eine Glle breit und 2 8 ,fuß hoch. Im Lichte der modernen Jngenieurwiffenschaff drängen fich die ,fragen ans: Wie haben die In genieure jener alten Zeit die Richtung abaemefsen. und wie erkannten und verbesserten fie ihre Richiuiigssehlcr? Was für Werkzeuge gebrauchten fie zur Aussübrnng einer Arbeit, die in einem Zeitraum von 2.VX) Jahren nicht ihres gleichen hatte?

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