Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 20 (17.5.1906)
- Date
- 1906-05-17
- Page
- Seite 11 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2446951-9543451-9886818--0351-7374856- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Agen 1× ep/1043981
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
Ter Israelit V «eil« II 'Jlt >o :£)& Wer, zurückqewähri, Den ^"^Bestand das Darlehen in Ge fr e^^en (Ktf und mehr Wert, so muß er nicht ^"^«»vkenge Getreide zurückgeben. die bei der /^ave des Darlehens Mk. 100 wert war. bern nur soviel Getreide, als z u r Zr i t Mk. 100 "krt ist. Abaja harre nun offenbar bemerkt, daß ein Schuldner, der einen Zentner Getreide erhalten batte, nach römischem Recht zur Rü.-kaabe eines Zentners verurteilt wurde, obgleich der Getrridepreis inzwischen aestiezen w?r. Sein jüdisches ReckrtS gefühl sieht in dem Mehrwert, den der Schuldner auf diese Weise zahlen mußte, Darlehenszinsen, die der jüdische Gläubiger, nach der Regel des Rav Saphra, zurückzahlen müßte, was tatsächlich für da-s gewählte Beispiel nicht zutrifft. Mit Recht hat aber Rab Joseph den ganzen Fall römisch rechtlich als depositum, d. h. Verwahr ungsvertrag, erlannt, und zwar handelt es sich un ein depositum irrcfrulare. A. gab dem B. einen Zentner Weizen mit der Bestimmung, daß er ihm ebensoviel zurüctzugewähren habe, also gleichsam zur Verwahrung. Daß der Empfänger nicht denselden Weizen zurückzugeben braucht. sondern den empfangenen Weizen nach eigenem Ermessen benuhen darf und nur dieselbe Menge zurüctzugeben hat, ist eben das irreguläre dieser Art des depositum, das in seiner äußeren Grsctreinung allerdings Aehnliaikcit mit dem Tarlehenc-vertrag hat. Sein Charakter bleibt aber dadurch geioahrt, daß der Empfänger ohne Rüksicht aus den etwa erhöhten Wert oe.- Gegenstandes nur diejenige Summe oder das Maß Ixrauszugeben hat, das er emprangen bat. Beim Darkelxn trägt der Schuldner, beim depositum irreguläre trägt oer Gläubiger die Gefahr. Bor liegenden Falles erhält also der Gläubiger teiw- Zinsen, wenn er mehr erhält, als er gegeben bat, sondern hierin liegt eben die Eigentümlichkeit dieses Vertrages. Dann aber fällt dieser Mehrwert auch nach jüdischem Recht nicht unter den Begrifk der vereinbarten Zinsen, sondern des Abak ribbitb und es erklärt sich also, wieso hier nach fremdem Reckst der Schuldner zu einer Mehrleistung an den Gläubiger verurteilt wird, ohne daß nach jüdischein Reckt der Gläubiger zur Herausgabe des etwa Empfangenen angebalten tverden könnte. Eine ganz parallele Kontroverse findet sich fodann über denselben «Gegenstand zwischen Rabina und Rab At'chi. Auch Rabina konstruiert einen Fall, der beweisen soll, daß Rab Saphras Regel keine Allgeineingültigkeit habe. Der Fall, wie ibn Raschi zur Stelle breiter ausführt, liegt so. daß ein Darlehens Empfänger dem Gläubiger feinen Wein berg verpfändet, und daß der Gläubiger nun die .Früchte erntet und konsumiert, ohne die Früchte auf die Darlehenszinsen anzurechnen. Rabina meint, daß nach fremdem Reckt in diesem Falle der Schuldner eventuell zur Herausgabe der Früchte des Pfandgrundstückes an den Gläubiger verurteilt würde, obwohl nach jüdischem Recht der Gläubiger nicht zum Ersatz der ihm freiwillig übergebenen und von ihm konsun'ierten Früchte angehalten werden tonne. Also auch hier ein Widerspruch zirr Regel des Rab Savbra. Rab Aschi zeigt sich hier ebenfalls als Kenner des römischen Rechts, wenn auch er dieses Beispiel als schlecht gewählt bezeichnet und sagt, daß nach fremdem Recht der ganze Fall unter den Begriff des Kaufvertrags falle. Der obligatorische .Kauirertrag ist in der Regel darauf gerichtet, daß ihm die dingliche Eigentums Übertragung Nachfolge. Der Verkäufer tradiert eine Sache zu Eigentum, der .Käufer zahlt dafür einen Preis. In aanz derselben Form fand aber auch im älteren römischen Reckt die Verpfändung, die iogenannte tiduria statt. Der Kauspreiszahlung ent sprach das Geschäft, das als causa der Psandbestell ^,-ng zu betrachten war, etwa, wie hier, ein Darlehen; ^'dann erfolgte seitens des Schuldners an Un <nv'duM(iet die Uebertragung des «Eigentums an dem andgegensiand »nd zwar in den alten Kaulsormen mancipatio vder der in jure cessio. Daß durch J,r-4 pactum fiduciae der Gläubiger seine Rechte an ...^ Gegenstand nur zu Pfandzwecken ausüben sollte, o - mt hier nicht weiter in Betracht, genug, daß bei ^."römischen fidueia Eigentum in den Formen des schde Ertrages übertragen wurde. War aber der ' iMorr Maeutümer der Pfandseche, dann konnte er mit ihr nach Gutdünken verfahren, insbesondere die Früchte der Sach« genießen, obne sie auf seine Hauptforderung oder deren Zinlen anrecdnen zu müssen. Hierin konnte ihn keiner hindern, und auch der Schuldner, der ja garnicht mehr Eigentümer war. wäre bei Vorenthaltung der Früchte zur Herausgabe derselben verurteilt worden. Auch hier sieht der Jude in dem Fruchtgenuß gleichsam die Zinsen für das aewäbrte Darlehen »nd deshalb könnte nach jüdischem Recht der Schuldner nicht zur Herausgabe der Früchte verurteilt werden. Hat er sie ak>er freiwillig gewährt, so Übertritt zwar der Clever und der Rehmer das rcligionSgesetzliche Zinsverbot, eine zivilrechtliche Verurteilung zur Herausgabe des Empfangenen könnte aber, da es sich nur um Abak ribbith bandelt, nickt stattsinden. Tie Lebeuagekene der Kultur »cm Tr Eduard von Ri aner VI ,,„p .!'»> -eiten R ieuie»ier 1*m»|. «mm warmberug geschriebene» Buch, beiten an «ich glaubt. lfr wein »iir die c^r'chemungen menschlicher Entwicklung die rechten Wortgewandungen z» niidcn: Knlliir ist vermenschlichte Ratur - Rien'cheiikrail ist selbst Ratnr. welche die anderen Ralurkraile vennnenb und ioroerno t» ihrem Vorieile regelt, selbst ai>-r dem c'seiene dev vserdenv und Vergehens unterworfen ist. Tie liialur hemmt »nd fordert de» Menschen: Stillstand ist Rückgrat der Enlwick lung. ohne das eine ist das andere nicht ,» denken. Veden ist Tat, Von den in der Felle vereinten Tateinheiten ins zu dem Fusainmeiiwirken ganzer Völker. Staaten Tein <««e samiwirken stehi nn Einzelmenschen die Persönlichkeit gegenüber: Persönlichkeit ist das Wesen der Eniwnklnngs dewegunge», durch große Persönlichkeiten sind ne getörderl worden. Aus dem Ererdlen stehen auch ne da. allerdings mi> dem streben, darüber hinanSzugeden Wenn auch jedes Einzelwesen ein ui sich gesondertes Ganze ist. so gibt es doch Arten, die sich durch die Besonder heit der in ihnen sich gellend machenden Lehensgeseüe von einander adzeicknen. In der Menschhe» ist die Rane das Maßgebende. Fe mehr dieselbe erlebt bat, ie weiter sie gewandert ist. desto bedeutender und desahigter ist ne. Ihre pteudilduncz geht immer wieder von der Familie aus und wieder aut dieselbe zurück Tie Iledermensche» bieten der Rasse die Bereicherung, führe» ne aus neue Staiidvunkle. Es gibt für ne einen Ausstieg und eine Ferseizung und Entartung. Sie ist und bleibt die Wrimblage alles Werden». Ta» religiöse Urgefiibl ist der «Rande an eine lebendig tätige Welt, in welcher der Mensch sich als Einzelwesen fühlt. Tleser «Glaube zeigt sich ni vielen Lagen vom wunderbaren Enlstebe» hedeulender Personen. Hunger und Liede waren auch darin treibende Kräne, daß der Meni'ch etwa» höhere» zum Schulze sucht. -Hier kann man die weiiere TarfteQung de» Verfassers im Voraus erraten, wie der Traum den Tolendienst bervorrutl, woher die Amulette kommen. Hier beginnt der Vertaner im «üroßen und «Ganzen eine Eniwickiniigsgeichichle der Menschheit zu gedrii, deren Einzelbeilen uns zu weit führe» würden. Au» dem hier von uns «Rgehenen ersteht man ungefähr den Gang, den das Werk nehmen kann Tiefe Gedanken sind nicht neu. wen» der «sang dieser Tarlegungen dem Verfasser auch als etwas Reues erscheinen mag. ' Er hat e» sich aber auch zu leicht gemacht, indem er seine Entwicklungsgänge obne Einzelnachweis gelassen und damit den Anschein erweckt, als wenn er nicht tief genug in da» vorhandene Schrifttum geblickt hatte. Es wäre ihm bei dem Unisange der Schrift doch möglich gewesen. ans Schritt und Tritt uns den Nachweis seines Forschen» zu bieten, uns nicht damit aut die Fukunil >>i verweisen. Lein überguellende« Eefühl hat ihn, da» merkt man, von Blatt zu Blatt geführt, bat ihm den bestehenden sprachlichen Ausdruck geliehen, womit er im besten Falle einer Masse schon bestehender Anschauungen ei» vokkstüm liches ««Zewand angezoqen hat. Ein. wenn auch nur mäßiger Hinweis aus Quellen halle un» gezeigt, wie wenig von den grundlegenden Ansichten sein eigen und wie wenig daran eigenartig ist. Tenn hat er wirklich daS Alle» aus sich gesunden, dann bietet er uu» eine Arbeit, die schon tausendfach getan ist; soll dieselbe wiederum aus dem Boden der bestehenden Wissenschaft erwachsen sein, so ha: er dem unkundigen, dem sogenannten gebildeten Leser (dem selbständigen Forscher bietet sich hier nicht» Neues, und das 'Heue in den Erklärungen der Einzel erscheinungen ist vollkommen unbewiesen! nicht gezeigt, woher der wissenschaftliche Weg führt, wie er stch leidst aus den Schultern der Früheren stehend, weiter erhoben hat. Ta steht er im Widerspruche mit seinem eigenen Hauptgedanken. Tie Bemerkungen am Schlüsse können diese Mängel nicht im '«Geringsten decken. Taß von religiöser Leit« ein Verhältnis zu solchen Schritten nichl möglich ist steht Jeder von ieldü T >eier Umstand hat unier Urteil nicht bestimmt. Ailr ii„d ge wohnt, jeden Verfasser nach seinem eigene» Maßstade zu messen, ohne ihm de» »nsrige» auszudrange» Wie stellt er sich nun zum Judentum Wir iehen von vornherein keiner großen Liede von den Vertretern des Rastegedanke»« entgegen Sind wir doch die Verireier de» tstedanken». des Bewußtseins, habe» wir doch stet« die Einwirkungen de» ««iotiesgedauke»» und der Eotlesledre aui da» Lede» der Menschbeil betont. Ltrena unsere c'igenart erhallend, bade» wir doch geistig alle Lander und Volker aus un» wirken lasse» und stnd uns ebenso treu geblieben, wie nur un« die Frische und nigendlicht Empfang lichkeii Mir alle» neuauiirelende Große erhalte» habe»: und dieie Eigenschaft legt der Vertaner doch auch de» Kultur bewegungen al» notwendig zu «'«runde Weil gereist, wie er es von de» fähigere» Rassen erwartet, sind wir auch, wen» auch zuineist unfreiwillig Irmbent erklärt un» Jude» und liniere» »"«eilt der Verfasser sur iinsrnchlbar. Weshalb: Weil uns nicht die Feil gelassen wurde. au> einem Boden längere Feil unsere Kralle zu betätige» Er deutet damit aui die viele» Ver iolgungen und Auslreibinigen bi» Verfasser kennt die >'«eschlchte de» Jiideiiiiiin« nicht, weiß nicht «oder soll ich >agen: will nicht wissen . i was wir untrr den »iiguusttglleii Verhältnissen i»r den Eeni der Menschheit getan und unter llmit.uthfH i\\x!!!»b haben Bei der bescheidenste» Lchaizniig dieser Leistungen wird stch s heransstelle», daß e» keinen große» Wendepunkt in der i'«eschichle gegeben hat. an dem wir nicht »nt lang gewesen stnd Wir wollen liier da« o»l «''eaufierte nicht wiederhole» Fü »un eine Verschiedenheit an >trasten nach de» Ver iasser» Ansichten heilsam iiir die Hiilnir und betrachtet er »»» als eine solche Vrait. >»uß er da innere Mitwirkung au» allen «sediele» nicht wünschen: Weit gelebt!! Er tiehl in nnden Hauplgegner de» germannche» >'«eiile«. in de» Anlisemilen dagegen dessen Verireier. die stch »n dunklen Trieb gegen un» als gegen die Hanpigegner kehre» Ja. einem Athen, damit, daß er die »Jsaskssage" als gegen das Meuichenopier geruhtet ausfaßt, lagt er: »Aber nie ganz ausgelöscht wirft die Tarncllung von der höchsten Luhnekrai! und tsortgcfalligkci! de» Piensche» opiers das heule Ritualinord beißt »aib, und leidst die .«treuzigung t' brtfti fand ihre doginainche Ausbeute uur dank dieiei» nZlauben." Was ist nun hier Rilualmord Wird dieier Ausdruck nicht nur aui die Jude» ange wandt' Lo stnd sie. dieie Neuesten: da» csehenne zieht ne an. da» Tunkte. Unaufgeklärte, es ist ihnen da« Tiele, »nd da muß der Rilualmord, dieser Wahn, >» eine solche Tarstellnug hinein: denn der Wob» >>« auch da» Tiele. die Vernuntt. da» Bewußtsein da» Lderstachliche. Was ivurde Kant, de» Verfasser auch nennt, dazu gesagt haben .' Ta\t! ist Verfasser kein Judeniemd er gehötl zu den «Getauschten: er redet gern volltönend » a ch, »nd wir minie» gerade solche» Erscheinungen enlgegentrelen. die da» ««Mit ohne doie Abucht in wmenschattlichen Kreise» verbreiten. Tie ganze Arbeit zeigt viel Warme, viel Fahigkeite». viel t-->nbildungskra'l deionder» aber viel ungeklärte Empniidiing. R!,l diesen Eigenschaften steht Verfasser heule nicht allem, sie nehmen einen ziemlichen Raum ein »> der «'«eisteswelt. Ader die ganze Richtung wird stch. wie Io Vieles, in Kurzem überlebe» und wieder der Schätzung des Bewußtsein« und der reingen'tigen Bestrebungen Platz machen Rabbiner Tr. L. A. R o l e n t d a l in Preuh.-Lt»rgard. JndHUlm und d'hrlntianity Short »tu-lies. II Tbe siiirilu.il teaching and valne of tbe jewisb prayer - bo<>k. By the Bev. «>. H. Box M. A. London 190«. Longmana, Green & (V Frei* d Pence. Ta« Büchlein ist da» zweite in emer Broschureinammlung. die unter dem Titel ,..l„dai->i» and i'h'iatianity' die Beziehungen zwischen Judentum und Ehnstentum vom chrtstlicheu Llandpunkle >ni» in populärer Form behandeln und stch demüheu will, dem Judenlum ««ierechtlgkelt wider fahren zu lassen Ter Verfasser beklagt, daß man von christ licher Lene der lübüchen Liturgie so geringe Beachtung zu wende: trete doch dort recht eigentlich der reliaiöi, tüedanke m seiner Innerlichkeit z» Tage, der sonst durch da« Prmzw der .«sesetzlichteil" nicht rech, zur ««lelluug komme Taß es dem Verfasser selbst gelungen sei. in den i««eut der indischen «««ebne einzudringen, wird man nicht behaupten können: schon die Tatsache, daß er zumeist nach sekundären L-uellen cit'.erl. laßt da» nicht erwarten. Futressend ist m> großen «sanzen die Tarstellung, die der Verkailer von der centralen Bedeutung de« (Hefetye* m bem der indischen Liturgie zu gründe liegenden ««sedankenlvstem gibt, wenn er auch nichl ahnt, daß >ede einzelne Pilichttal dem Juden ein c^ruß. ein Weckruf seines lebendige», persönlichen («lotte» ist. daß also von einer »Uederlegenheii de» persönlichen christlichen ««soitesdienste»" nicht die Rede sein kann. Was da« Buchlein über die Berachot, über Lchnia und Kadtsch dringt, ist zumeist äußerlicher Natur. Nicht unwidersprochen dar! die sonderbare Änncht pietbtn, daß mit dem öertchwmoen de» Lpterdienite» der Versohnungstag .eigentlichseme Beden tung eingedüßt habe: eine halbwegs aufmerksame Lektüre von Leviticus, Kap >', End«, konnte den Verfasser darüber de lehren, wie scharf die Thora zwischen der Abodah und der sühnenden Kraft de« Tages selbst, die ewig ist. scheidet Auch die anschließenden Auseinandersetzungen über den Begriss der Lunde, der Reue und den «Gedankenkreis des Verlovnungsiage« tragen Me topischen Füge der nach Schwachen und Mangeln spähenden christlichen Theologie, die nun einmal aur da» Toama von der Jnierioritat des Judentums eingeschworen ist b