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Der Israelit · 1906-05-17 · 20 (17.5.1906) · p. Seite 7

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
20 (17.5.1906)
Date
1906-05-17
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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17. Mai. 1!h*>. <u^ btt Zen. da er Minister der Innern war (1895). (57 gehört zwar nicht zu denjenigen eher maligen russischen Ministern des Innern, welche wir die Grafen Ignaiieff und Tolstoi, wie Plehwe und Durnowo im «eben der russischen Inden, sei es durch neue Rechtsbrschränkungen. sei es durch Verschärfung und strenge Befolgung der alten, sei es durch blutige Pogrome, tiefe, unauslöschliche Spuren binterlassen haben. Nein, nichts von dem hat sich Goremykin zu Schulden ko,!,inen lasten: im Gegenteil, er gab so gar einst eine Anwandlung Humanität gegen tir Juoen zu erkennen und erlieft ein Zirkular an die Goiwernenre. in welchem er sie ersuchte, über die Möglichkeit und. den Nutzen der Aufhebung der sog. temporären NechlSbeschränkungen vom 3. Mai 1881 ihr Bot um abzugeben. Nun herrscht bei uns die Regel, daß die Herren Gouverneure immer die jenige Antwort geben, welche von ihnen gerade ver langt wird. Die Antworten fielen im ganzen miserabel aus. Zwar gaben di« meisten Gouverneure zu, daft die oder jene dieser Rechtsbrschränkungen ganz oder teiliveise aufgehoben werden könne, aber nur nicht alle mit einem male — die Gefahr wäre dann gar zu groß. Allein dem äußerst reaktionären Goremhkin schien auch das zu viel und er lieft die Gutachten ruhig liegen. Daß wir von ihm. in seiner neuen Stellung, bei weitem keine völlige Gleich׳ stellung za erwarten haben, ist so gut wie sicher. Allerdings brauchen wir auch nicht perfide Ränke und niederträchtige Ausschlachtung der Juden zu voli tischen Zwecken, wie die Inszenierung von Pogromen, von seiner Seite zu befürchten. Bon Natur lonal, seiner Bildung und seinem früheren Berufe nach Jurist, liegt ihm eine solche Politik fern. Was Solsky betrifft, so ist es noch nicht bestimmt, ob er den Posten als Präsident des reformierten Reichs rats für die Dauer behält. Geschieht es — fo hal>en wir Juden von ihm das Schlimmste zu erwarten, er ist seit langem ein Antisemit reinsten Wassers und macht auch kein Hehl daraus. Grar Solsky war einer der vier Vertrauenspersonen, die der Zar Alexander III. nicht lange vor seinem Ableben beaus tragte, ein Gutachten über die jüdische -frag« abzu geben. Herr Solskv ließ darauf ein dirkleibiges Buch anfertigen, worin die niederträchtigen Antlagen und Ber?e!!md>!ngen der schmutzigsten Boulevard-Presse zusammengestellt waren, und übergab es als sein Gutachten. Es ist kaum anzunehmeu, daß er in seinem holten Alter diese Gesinnung gegenüber den- Juden geändert habe. Wenn mithin die jüdische Frage im Reichsrat zur Verhandlung kommen sollte, dann dürfte wohl Grat Solsky seinen ganzen Ginfluß geltend machen, um jede Rechtserweiterung zu vereiteln. Wie von verschiedenen Seiten verlautet, soll man allerdings in den letzten Tagen in Zarskoje- Selo unter Nichtbeteiligung der Biireaukralic den tndgiltigen Entschluß gefaßt haben, der Reichsdunia. renn sie nur nickst mit Forderungen austrete, welche e Grundpfeiler d-.r monarchischen Staatsverfassung chüttern, freien Spielraum zu gewähren und sv und nach zur loyalen Konstitution überzugehen: Wahl des Kabinetts, mit Ausnahme des Hof-, zs- und Marineministers, solle nach vorausge ׳.ner Anhörung der Duma-Majorität getroffen N. Es wäre demnach in nächster Zukunft ein In-Minifterium Schipow Miljukow zu erz. Wenn dieses Gerücht sich bewahrheiten . dann dürfte wohl für die Juden in Rußland <e Aera anbrechrn. Denn die ״Cadeten" haben tr soeben hier abgehaltcnen dritten Konferenz, fc der wesentlichen Dienste, welche die Juden kx den Wahlen leisteten, beschlossen: die ^,e Frage nicht besonoers zu behandeln, sonl. .1 bei der Einbringung des Gesetzentwurfes über e Freiheit und Unverletzlichkeit der Person die vrinpielle Gleichberechtigung aller russischen Untertanen, ne Unterschied der Konfession und der Nationalität ^chzuführen, und zwar soll dieser Gesetzesvorschlag j einer der ersten eingebracht werden. Unter einem I.H»eriüm mit Miljukow, ver diese Resolution in ^Konferenz ringebracht hat, als Mitglied würde reichsrat woöl kaum seine Zustimmung zu dein : über die Gleichberechtigung verweigern. Wir also in nächster Zukunft unsere Emanzipation harten, wenn all die angeführten Gerüchte aur >it beruhen. Leider ist das aber wenig wahreich, wenigstens, nach dem soeben veröffentlichten 2tx Israelit. *eilt Allerhöchsten Utas an den regierenden Senat vom 8. d. Mts. zu urteilen, laut welchem die Autokratie in voller Kraft bleibt und die Reichsduma an den sog. ,Staatsgrundgesetzen" nicht rütteln darf, da die Initiative zu deren Abänderung einzig und allein dein Zaren Züsteht. Aus diesem höchst wichtigen Attenstuct ist zu ersehen, daß die Bureaukratie weit davon entfernt ist, sich vor der Reichsduma zu beugen: riklmeyr weist bas Register der soeben ernannten durchaus reaktionären neuen Minist»» daraus bin, daß die inoffizielle, aber eigentliche Regierung den Kampf mit der oppositionellen Reichsduma auszu nehmen entschlossen ist. Der Anfang dieses Kampfes hat bereits gestern begonnen, als die Polizei die Bersammliing der ,freien ökonomischen Gesellschaft", an welcher Mitglieder der Reichsduma und des Reichsrots teilnahmen, auseinander trieb, obgleich die Bersammliing gemäß den gesetzlichen Vorschriften einberusen war. Dazu kommen noch die Attentate auf den General Gouverneur von Moskau und Jekaterinoslaw, welche die Stellung der Reaktion bedeutend siärten. Es ist daher kaum an zunehmen, daß die Regierung den Beschlüssen der Reichsduma große Beachtung schenken nerve. Und so haben wir Juden von letzterer nicht diel zu er warten obgleich ihre Zusammensetzung für uns sehr günstig ausgefallen ist. Unter den bis zum 4. d. Mts. gewählten 4.20 Deputierten <oon 10?» gibt enämlich mehr als 300, die ihrem politischen Programme nach prinzipiell fiir die völlige Gleicht׳« rechtigiing der Juden sind. Daß die jürisci-en Delegierten durchweg den progressiven Parteien angehören, war wohl voraus Zusehen. Leider sind!vir weder quanlilativ noch qualitativ gut vertreten. Schuld daran ist. daß man nicht einheitlich vorging. Die einzelnen Organi sationen, wie die Zionisten, der Verband zur Er Werbung der Gleichberechtigung und der ,.Bund" ver folgten ihre Sonderinteressen. Die revolutionären Organisationen boykottierten die Reichsduma und Hintertrieben möglichst eine Beteiligung an den Wahlen. ״Der Verband zur Erwerbung der Gleich berechtigung" ist noch sehr schwach und konnte nur im Verein mit der zionistischen Organisation irgend welche Resultate erzielen. Und da auch der Zionis mus iiieifi wenig Einfluß Hot. so kam es. daß die Zahl der jüdischen Delegierten <12) nicht einmal halb so groß ist, als sie nach dem Verhältnis der jüdischen Wähler hätte sein sollen. Nach der Volkszählung von 180? sind die Juden 4,13 Proz. der Gelam! bevölkerung. Danach müßten sie wenigstens 25, Delegierte in die Reichsduma schicken. Dies umso mehr, da die Juden meist zur Stadtbevölkerung gehören. Handel und Gewerbe betreiben und die betreftenden Steuerscheine cinlöftn. ferner, da sie sehr dem Familienleben zuneigen und so relativ mebr besondere Wohnungen haben. Die Juden zäblen also vrrbält nismäßig weit mehr Personen, die dem Wahlcensus genügen, als die Nichtjuden. Wenn dieses berücksich tigt wird, dann hätte man mindestens 33 Juden in die Duma entsenden können, zumal in Jekaterinoslaw und in Petersburg christliche Mahlmänner Juden zu Deputierten wählten. Die 1' ״ Millionen Juden in den zehy Gouvernements von Russisch-Polen haben keinen einzigen jüdischen Deputierten auszuweisen, ebenso die Gouvernements Wolhnnien mit 40יא),ייי׳ Juden. EHessen mit fast ebensoviel Juden. Podolien mit 330.000 Juden und desgleichen andere Gouvernements des Anstedeliinqsrayons. Was die Onalität der jüdischen Delegierten an langt, so haben infolge des llmstandes, daß die Wahlen indirekt und an den örtlichen Eensus gebunden sind, unsere besten .Krästen. die tüchtigsten Borkämpfer der südischen Sache, wie die Rechtsanwälte Grusenberg. Schlioftberg. Kalniano- Witz, R a t t n e r und vor allem ver als Redner, wie als Gelehrter gleich hervorragende Rechtsanwalt P a s s o v r r , lein Mandat erlangen können. Zum Teil sind daran auch die Zionisten schuld, welch« überall, wo sie Einftuß hatten, ihre Leute in die Reichsduma hineinbringen wollten, ohne darauf z» achten, daß tüchtigere Männer dadurch verdrängt wurden. Unter den gewählten jüdischen Deputierten ist der tüchtigste der Rcchtsanwalt W i n a w e r. Als feiner Kenner des Parlamentswesen und juristischer Schriftsteller ist Herr Ostrogorskh bekannt. Der zionistisch« Abgeordnete Dr. K 0 fj n i; rin ivegen seiner nützliche» Tätigkeit in Jti gesehener Mann. Als Journalist ist Her^ der Redakteur des in Moskau rrschrinenop Blattes ,Rußkija Mjedomosty", von Be! Krementschug. 10. Mai. Dkh-^ •4 hiesiger Gegend wandern in Maste nach A11r?dr»K Palästina aus. Ist n g l a n o. London, 12. Mai. Wir berichreleir in voriger Nummer von der Audienz einer jüdischen De» putation bei dem Unterrichtsminister Birell in der Frage des BolkSschulgesetzes. Mitglied dieser Deputation war auch Herr Elaude Montesiore. der Lcr» fasser des in! ״Israelit" ausführlich gewürdigten Buches ״Liberales Judentum." Montesiore tritt bekanntlich für die Abschaffung des alten Judentums ein und möchte an dessen Stelle rin von allem spePfisch Jüdischen freie, ethische Religion setzen. Begreif» licherweise macht inan sich darüber lustig, daß dsesc-'-x Mann sich an einer Deputation beteiligt, die gegen di, Einschränkung des jüdischen Religionsunterrichts voritellig wird. Wenn der Minister die religiösen׳ Anschauungen des Herrn Elaude Montesiore kennt, dann dürfte er sich über ihn nicht wenig aewundert haben. Ti, Londoner Juden aber toärcn in ihrer großen Mehrheit lehr zufrieden, wenn dieser Mann stch weniger um ibre religiösen Interessen kümmern n'.öchte. P a l ä st i « a. I e r 11 s a 11 m , 21׳*. April. Eine per wohl habendsien iiidi'chen Gemeinden Jerusalembilden die bucharischen Juden, deren Anzahl aU,ährlich zu nimint. Von Buchara und Samarkand, wo sie. bevor die Judenverfolgungen in Rußland begonnen, sich fas, alle ein büdsches Vermögen envarben, sind viele Juden ngch der beiligen Stadt ausgewandert. kaufen hier Terrains, bauen wohnliche Häuser und leben von den Renten ihres Geldes. Die hucharische Kolonie rzr״ in eines der schönsten Stadtrirrrel Jerusalems, und zeichnet sich durch ihre a,!f europäisch« Art gebauten Häuser, ihre freie, gesunde Lage und ihre Reinlichkeit vor allen anderen hiesigen jüdischen Kolonien aus. Die Vucharen besihen eine schöne Shnaqoge und eine Schule, in der ihre Kinder in hebräischer Sprach« und im Talmud etc. unter richtet werden, und alle anderen, zu einer jüdischen Gemeinde gehörigen Einrichtungen. Die meisten von ihnen sind einfache Leute, aber von tiefer Frömmigfeit und sehr wohltätig. Die reichen Bucharen halten es für heilige Pflicht, ein kabbalistisches Buch wie den י־ז־י oder den Pentateuch mit persischer Uebersehung - Persisch ist die Sprache der bucharischen Juden — auf ibre Kosten drucken zu lassen. — Vorigen א״־ r ־ hat hier die Grundsteil--- lrgung von neunzehn neuen Häusern durch den Verein ־־׳'.״r־ rr:: staitgefunden. Dir Aufgabe dieses Dereines ist, Armenwobnungen zu errichten, welche zwischen würdigen Bedürftigen der Aschkenasim Gemeinden Jerusalems verlost werden. Die Häuser werden mit Hilfe der edlen Gaben diesiger und ausländischer Wohltäter erbaut. Die Grundsteinlegung Niurde unter zahlreicher Beteiligung der Bevölkerung feierlich'begangen Der greise Oberrabbiner Samuel Salant hielt dabci eine warme Ansprache. Oermstcble;. Breslau. 1". Mai In der Jsraelstiichen Kr:״k«n. Berptiegunzr. Austal! «Frarnckrttchr» Hoipital! lind im Jahre 05יא ausgenommen und verpstegt worden <die in klammern angesührlen .-Zistern bezeichnen dir Anzahl der poliklinisch Behandelten»: in der medizinischen Abieiiuug 710 0»7h). in der!biruraikchen '**׳♦»iiHr.g r'?5 (735),!u de» gynäkologischen Station 101 1K«> und in der 3!atioa für Augentrankr 4»'י i2st»׳> Kranke Operationen wurden 'ausgeführt: in der chirurgischen Abteilung an »f*2, ü,? der gynäkologischen Station an *’>5 Kranke« Dessau, im Mai. Ter kJahreSbertcht derßBaronin v. sEohn«Lppenheim-Ltislung der Jsraelikifchen Kultusgemeind« zu Tessau fürW Jahr tdOst ist vor, kurzem erschienen Wir «t-ni'^r ■ folgende»^.' hrrnd des frfffrfifttr't•* W

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