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Der Israelit · 1906-05-17 · 20 (17.5.1906) · p. Seite 6

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
20 (17.5.1906)
Date
1906-05-17
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Sir to. Seite ti Ter I-raeln, 17. Mai 1906. Pcrragravb in d«r sozialdemokratischen Fassung Lusiimmung fand. Posen,!1. Mai. Der Berband der StznagoAen-Gcmeinden des Regierungsbezirks Posen hielt in diesen Tagen im Repräsentantensitzungssaale der Synagogengemeinde seine neunte ordentlich« General- Versammlung ab. Der Verbands-Vorsteher, Herr Bankier Ignatz G o l d s ch m i d t - Posen, erstattete den Jahresbericht. Im Berichtsjahre haben 29 Ge meinden Le»! Verbände angehört. Es wurden vereinnahml: 2,030.85 Mk., mit Bestand pro 1. Januar 1895, 090.31 MI., zusammen 2,787.19 Mt. Percusaabt wurden 1,831.8-1 Mk., davon zur Ausbildung von Kultusbeamtcn 950 Mk., zu Beihilfen und Reisen zur Förderung des Religionsunterrichts 241.50 Ml., zu den Kosten der Bezirlsradbinate 400 Mk.. als Beihilfe an drei Lehrer zur Teilnahme an einem Ferienturftts in Breslau M Mk. - - Am 24. Septeniver 1905 beging der Mitbegründer des Berbanoes. Herr Geoieinderabbiner Dr. Feilck^nfeld die Feier seiner 50-jährigen Amtstätigkeit. Der Verband riebteic an den Jubilar eine Abreise, in welcher ihm für die Förderung der Aufgaben des Berbandes, insbesondere iür die von ihm eingerichtete und bin gebunqsvoll geleitete Ausbildung von Kultusbeamten gedankt und die Glückwünsche des Berbandes zun! Ausdruck gebracht wurden. Der Jubilar dankt« schriftlich dem Verbände u׳l» erwiderte die Segens wünsche. Der Ausschuf! deS Berbandes der denk schen Juten übersandte eine von ihm gefertigte Denk sckrift zuin Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Uiiterbaltung der öffentlichen Bolksschuleu. Bon den bestehenden Bezirks Robbrnaten sind d!e״bezüg׳- licbe Lerich.tr kingesordert worden. — An der Ans bildung zu Kultus samten haben im 'Berichtsjahre fünf Kandidaten teilgenommen. ES wird den Gemeindevorsländen empfohlen, sobald die Stelle eines Kuliusveamren in ihren Gemeinden vakant loird, dies der Berbandsleitung anzuzeiaen. Die von dem Berbande her^eioestilirien Anschlüsse kleiner Gemein den an Radbinatsgemeinden haden bisher zur Bild ung der Be-irisrabbinate: Samter Obornit, Pinne Neustadt b. P.. Schrimm Santomif.hel HionS. Grätz Buk Neutoinjschel. Wresckren Schwersenz geführt. Pleitere zwei Bezirks Rabbinate dürften demnächst zustande kommen. Da der Referent. .Herr Raddiner Dr. Lewin Wrefchen, durch Unwohlsein verhindert war. der Versammlung beizuwohnen. Hai er sein Referat schriftlich erstattete. Es erfolgte die Bewilligung von Subventionen zur Mörderung des Religion-'-unterrichts und zu den Konen der Bezirks Rabbinate. Zu Ausschus-mitaliederu aus zwei Jahre wurden die Herren Justnrat Salz Posen, Gebeimrat Her! Boten, M. Werner Posen, Live mann But wieder und die Herren Stechtsanivalt Goldschmidt Ostromo. S. Goldfchmidt-Lissa neuge loäblt. Anfchliet end fand eine Sitzung der '.'l»s schusses des Berbandes der Sunagogengemeinden deS Regierung-bezirtes Posen statt und wurden zum Ber bandsvorsteber Herr Ignatz Goldschmidt. zum stell vertretenden Berdandsvorstebrr Herr Justizrat Salz, zuin Kasfen'übrer Herr S. Silververg Polen gewäblr. Oesterreich-Ungarn. Wien, 14. Mai. Heute fand hier die Kon tiiluieruna eines zur Grgäuzung des '•?שי|י= ד gegründeten Palästinavereins :־,r•" טיב statt. Dieseiden Ziele verfolgend wie der Schlom Hoir und hin sichtlich der Leitung in Personalunion mit jenem Verein. nimmt die neue Organisation auch solche Palästinafreund« aus, die nicht als gesetzestreue Juden gelten können und daker nicht Mitglieder des rNr “דעי zu werden vermögen. In den V o r st a n d deS l־f־• ru sind natürlich nur streng gksttzestreuk Mit glieder wählbar. Frankreich. Paris. 10. Mai. Die französischen Anti skinireu find mi! dem Ausfall der Wahlen garnicht zufrieden. Sie baden in der Ta! alle Ursache miß gestimmt zu sein, denn sie haben eine entschiedene Niederlage erlitten. Das französische Volk hat ge zeigt, d-al-, es von d-en Drumont und Genossen und ihren Hetzereien nichts wissen will, und man tann e . »• *4 .1•** י e>rv.1־ # . w * 1 yculr oit «tamijul von 1f־w*0 ut» rnoguing uoriwunden ansehen. Bekanntlich sind die Parteien des Blocks den Wahlen nicht mit den besten Hoffnungen entgegrngegangen; denn ihre Gegner hatten eine äuszersl eifrige Agitation betrieben und alle Kräfte aufgeboten, um sich den Sieg zu sichern. Aber alle Mühe war vergebens. Df-roulbde und sein Genosse Marcel Habert, Firmin Faure und Mery, die freunde >**- — ks A4*'**•'*>• S»* ttf «*»*Kä imiuvm»., uav Vvt utX vU j ** j U4. « bekannte ehemalige Kriegsminister Zurlinden, alle diese ragenden Häupter der nationalistischen und anti semitischen Partei sind auf dem politischen Schlachtseid geblieben. Selbst in Algerien, der früheren Hochburg des Antisemitismus, konnte keiner ihrer Leute ein Mandat erringen. Auf der anderen Seite sind beispielsweise Jaun'-s, der mutige Kämpfer in der Dretzftis-Asfäre, Pressensö, der Präsident der Liga der Menschenrechte, und Rouanet mit großer Mehrheit gewählt worden. Bon den jüdischen Kandi daten ist L. Klotz wiedergewählt, L. Dreyfus und Josef Reinach haben gute Aussichten, im zweiten Wahtgang die Majorität zu erlangen. Der frühere Abgeordnete Bischoffsheim, der zu den gemäßigten Republikanern gehörte, ist unterlegen. Tunis, 10. Mai. Am 25. und 28. April war das jüdische Biertel, die Hara, der Schauplatz ausreaend'er Szenen. Gingeborene Soldaten rotteten sich zusammen, machten Lärm, griffen die Passanten an und plünderten eine Anzahl jüdischer Läden. Gin Jude wurde schwer verwundet und mußte ins Spital gebackr werben, wo er in bedenllickem Zustand darttiederlicgt. Dank LcS energischen Eingreifens der Polizei wurde die Ordnung scknell wieder keraestellt. Die Soldaten, die stck an den Unruhen beteiligten, wurden verhaftet. Rußland. Das NkUk Akgimk. <Bon unserem Korrespondenten.) Petersburg, 8. Mai. Der Sturz des Kabinetts Wilie-Durnowo bat wohl niemand überrasckt, ist aber nicktsdestoweniger ein Ereignis von großer Draglveite. Dieses Ereignis deuret darauf hin, einerseits, daß hinter den Kouliffeu der offiziellen Regierung eine unoffizielle existier!; eine mäcktige Kamarilla, die, ohne irgend welcke Verautwortuug zu tragen, das Schicksal Rußlands nach wie vor in Händen hat und über vermeintlich allgewaltige Potentaten, wie Wille und Durnowo, schaltet und wallet nach ihrem Gutdünken; andererseits, daß die Reicksduma, die man so oft bei etwaiaer Wid-cr spenstig'eit auseinander jagen zu wollen drohte, dock keine ..g»:»ntl0-»e-1:Iip>u>,W" ist und daß allem Au scheine nach auch die mächtige Kamarilla mit ihr rechnet. Das dem Lande so verhaßte Kabinett Witte- Durnowo mußte, nachdem es seinen Dienst getan, die Revolution mit rücksichtsloser Grausamkeit unterdrückt und der in Mißkredit geratenen Autokratie z» einer großen Anleihe verbolfen batte, mit Rücksicht aus die Grössnung der Reichsduma verschwinden, damir keine Zielscheibe für Angriffe aegen das lierrsckende Regime vorhanden sei. Die Reichsduina Kat nun niemand vor Gericht zu ziehen. Das ,reue Kavinen tritt ins Ami zugleich mit ihr und ist für tic Missetaten seines Vorgängers nickt verantwortlich. Gin vorsichtiges, aber tatkräftiges Kabinett führt das alte Regime fort, möglichst ohne Aergernis hei der Duma zu erregen. Dieses Kabinett mengt sich nicht in di; Beratungen und Beschlüsse der Reicksouma׳ diese können ja von dem über der Reichsduina siegen Len höchst konservativen Reicksrat verworfen werden und nötigenfalls wird der Selbstherrscher, vcssen Autorität, laut dem Manifest vom 20. Februar d. I., von den unantastbaren s. g. ״Grundgesetzen." des Staates geschützt wird, in letzter Instanz sein »Veto" einlegen. Die ״Reichsvnma", welche somit zu einer über die Gesetze beratenden Behörde berabgedrückt ist, kann als solche dem neuen Kabinett kaum unbequem iverden. Das war wobl die Berechnung, von der man sich an den maßgebenden Stellen leiten ließ. Allein bei näherer Betrachtung fällt es nickt schtver einzusehen, daß die Herren Trepow und Pobjrdonöszriv, vir un der Spitze der Kcunariua stehen, die Rechnung ohne den Wirt gemacht haden. Goremtzkin, als Premier und Solsky als Präsident des Reichsrats sind längst als Erzreaktionäre und unentwegte Anhänger des alten Regime bekannt. Schon die Namen dieser Staatsmänner bedeuten eine Provokation der oppositionellen Reichsduma. Diese, welche nichts anders ist, als der personifizierte glanzende Sieg der ״Cadeleu" (Konstitutionell- Demokraten!, der Freiheitsbewegung, die in ihrer Mitte bedeutende Männer, alte, erfahrene und be gabte Kämpen hat, wie Petrunkewilsch, Roditschew, Nabokow. Petruschitzky, Winawer. Miljukow, Hessen, begreift wohl die Bedeutung eines Regimes, welches auf Solstp gestützt, einen Gorernykin zum Leiter hat. Auf ver gegenwärtig in Petersburg tagenden Beratung der ,Endeten" über die zu beobachtende Taktik beschloß man. von dem bekannten radikalen Programm nickt abzuweichen und auf kein Kompromiß einzugehen. Man wird sich somit unmöglich mit einem reaktionären Kabinett zufrieden geben. Ein Konflikt, und aller Wahrsclieinlichkeit nach ein höchst tragischer Konflikt, zwischen der Reichsduma und der bestehenden Regierung ist demnach, trotz des Ministeovechsels, unvermeidlich. Die nächste Zutunst birgt große, vielleicht tieferschütternde Ercigniste in fick. Bon der Zeit der Ruhe und des Friedens sind wir noch sehr weit entfernt und man muß sich auf das Sckliminste gefaßt machen. Dies die allgemeine Lage. Wie verhält es sich aber mit uns Juden? Haben wir den Ministerwechsel zu bedauern, oder sollen wir uns über ihn freuen? Und was haben wir b-i der gegenwärtigen Sacklage von der nächsten Zukunft zu erwartenWelche Freunde wir im Kabinett Witte Durnowo hatten, das wissen wir leider nur zu gut. Die größten Greuel, die an uns verübt worden sind, fallen in die Zeit von Wittes und D-urnowos Regierungsantritt. Sie waren freilich schon vor dem 17. Oktober vorbereitet worden. Aber auch damals waren diese beiden Herren in einflußreicher Stellung. Es ist ausgeschlossen, daß Witte als Barsitzender des Minislirlomitees und Durnowo als Gehilfe des Ministers des Innern von den Borbereitungcn der kolossalen Pogrome nichts gewußt haben, die unbe dingt, wenn nicht von der Regierung selbst ausge gangen, jebenfalls von dieser gebilligt worden sind. Wcnn die Pogrome nicht nach ihrem Sinne gewesen wären, so brauchten sie, wie sie es vor Ostern getan haben, n״r nach ihrem Regierungsantritt einen Zirkular Befehl ergeben zu lassen, um die vorberciteten Iudenkrawalle im Keime zn ersticken. Aber sie haben es nicht getan, ja noch mehr, sie haben durch ihr Verhalten zu den an den Pogromcn offentnndig sich beteiligenden General-Gou virneuren, Gouverneuren und Polizeipräsidenten usf. die Pogrome genehmigt, ja gewissermaßen zn einem Bestandteil ihrer Regierungspolitik aestempelt. Im klebrigen hörte Grat Witte nicht auf. den Juden heuchlerisch zu verficberii, einerseits, daß er ihnen persönlich gewogen wäre, andererseits, daß man ihnen keine Gleichberechtigung geben könne, wenn man nickt die Wut des russischen Bolkes beraufbeschwören wolle, die in Pogromen sich Luft machen würde. Dabei weiß jedes Kind, daß ohne die Mitwirkung oder sogar die Initiative der Regierung Pogrome in Rußland völlig unmöglich sind. Witte war vielleicht lein so überzeugter Antisemit wie sein Genosse Durnowo daß. er aber sowohl als Finanzminister, wie als Präsident des Ministerkomitees und schließlich als Premier — trotz seiner jüdischen Frau nnd den diversen getauften und ungeiauften Juden, mit denen er umgeben war und deren Dienste er benutzte — uns so viel geschadet, vielleicht wie kein zweiter Mi nistcr seit Graf Janatieff und Tolstoi als Minister des Innern, ist ausgemachte Sache. Freilich, als vor Ostern etwaige Judenkrawalle die neue Anleihe hätten vereiteln können, ist Graf Witte einem Ausbruch der selben unter schreiender Reklame znvorgekommen. aber das tat er jedenfalls nicht unsretwegen, sondern im Interesse feiner Politik. Wir brauchen somit seinen Abgang ebenso wenig, wie den seiner würdigen Genossen Durnowo und Akimow zu bedauern. Eine andere Frage ist die. ob wir »ns mit einem Goremtzkin zu frenen haben. Zn freuen, gewiß nicht. G״rrmvi?n ist ein alter Besonnter Wir kennen ihn

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