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Der Israelit · 1906-05-17 · 20 (17.5.1906) · p. Seite 5

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
20 (17.5.1906)
Date
1906-05-17
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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17 -DJat UKKi. ler ^»ratlit. Trite Nr ׳.>». des ötaates geschaffen, und durch denselben besonder« auf dem «Gebier des Kultus «ndlicd doch ei», niliäl herzeslcUl wurde, in der man ei» besonderes Heil für das Judenlum zu erkennen glaubt/' i*in halbes Iabrhunbert ift dabinaegangen. seit dem diese vernünftigen Worte aesprocken wurden. Sie scheine» wenig bekannt und noch weniger de herzigt worden zu sein. Heute begeistern sich innerbalb der deutschen Iudenheit nicht nur ״amtliche Führer" f 1ir da: Staatsjubentum. sonder» auch solche, die es gerne werden mochten. Als Milderungc grund für das Sich Sperren gegen eine so nahe liegende, simple Wahrheit mag der Umstand gelten, dost sie in den jüngsten fünfzig Jahren besonders von orthodorer Seite vertreten wurde. Die Orthodoren brauchen eben nur Vernunft zu predigen, um ihre (Gegner für Unvernunft zu begeistern. Wer's nicht über sich gewinnen kann, die Wahrheit von jedem hinzunehmen, selbst wenn er ein Orthodoxer lväre. der entschlicht lick vielleicht eher, einem Ge sinnungsaenossen Gehör zu schenken. Bei dem aktuellen Interesse, das die Ausführungen des Herrn Dr. Stern in diesem Augenblick haben, mögen einige der markantesten Stellen aus der Begründung seines Standpunktes hier folgen׳ ״Aus dem »Gebiete der Religion, meine ich, und ms besondere im Judentum, ift jebe Macht eine »Gefahr, und diese muh um so grösser sein, je weniger dieselbe aus de»! Verlr,>acn derjenigen berrorgegangen ist. über die ne aus geübt werden soll, t^ine Macht, die der!lichtjüdische Staat, und sei er noch so wohlwollend gennni, einer jii di'chen Kirchenbehörde verleibt, kann datier nicht »1 einer gesunden und naturgemäße» Wirksamkeit führen. Ja, wenn es auch inöglich wäre, die gesamte Judenbeil zu einer gemeinsamen Wahl zu vereinigen und auch der ab foluien Mehrheit der Wählenden eine Kirchenbehörde mit oberster gesetzgebender und ereentioer «Gewalt einznielzen, so wurde auch die Wirksamkeit dieser Behörde nur eine verderbliche sein können: denn sie wurde eine nnterdriictie Minorität schaffen. Aber ans dem (Gebiet der Reliaiou und des WüsenS kann nimmermehr da« Recht der Majorität gelten: und die tausendfache Mehrheit kann die Gewissensscrupel eines Einzigen nicht lösen, darf den ssorischritisdrang der kleinsten Zahl nicht ausbalten. ״Fast 2־<hhi Jahre hat das Judentum seit der ,Zerstörung des Reichs bestanden, ohne irgend welcher Kircheiigewalt für die Gesamtheit oder auch nur für größere Gemcilischaften zu bedürfen, und es in nicht aus einandergefallen und es hat von seiner Einheit auch in der äußeren Form nichts verloren. Man wird mich mit dem Einwurf »nterbrechen: der schlummernde braucht keine ,Feffel Aber ich möchte antworten: für die Kraft, die sich im zweilansendjäbrigen Schlaf gesammelt, gibt es keine Feuel. wenn die Zeit gekommen ist, den Schlaf abzuschütleln. Tenn diese zn׳eita»sendjährige Selbst fesselnng, dieser unerschütterliche Stillstand inmitten eines furchtbar beivegten Weltnroms scheint mir das Zeugnis einer inneren Kraft zu sein, die man mit den Bütteln einer äußeren Kirchengewalt nicht zurück ballen wird, wenn sie zu ihrer Lelbstentfaltung schreitet. Wie aber soll die Konformität, wie soll die Einheit im Judentum erhalten oder wieder hergestellt werden, wenn keine äußere Macht vorhanden ist. das AuSeinandersallen zu verhüten? Wenn das Judentum die innere Kraft nicht mehr hätte, seine Einheit zu wahren, so würde es die äußere Macht nimmermehr am kleben erhalten, wie man einen zerfallenden Organismus durch keine Macht der Erde zusammenhält. Nur muß man äußere Ein sörmigkeit nicht für das Zeugnis innerer Einheit, Mannig faltigkeit der äußeren Lebensformen nicht etwa gar für den Verkünder des inneren Verfalls ansehen wollen." ״Und dieser großen und erhabenen Aufgabe gegenüb.r, die das Judentum in seiner freien Entwickelung zu lösen im Begriffe ist, könnte man glauben, ein gutes Werk zu tun, wenn man t» den beschrankteste» Grenzen den äußeren Schein der Konformität verstellt und allenfalls ein franufsischeS, ein österreichisches und ein russisches Jude״ tum rchafft, die untereinander doch wieder keine liebereinstimmuug haben und im Gegenteil die Verschiedenheit zu einer permanenten machen würden? 'Am unverkennbarsten meine ich. müßte die Unzulässigkeit solcher Bestrebungen gerade in Tentschland bervortreten. Tenn was soll ein badisches Judentum neben einem wiirttem bergische» und bäuerischen bedeuten?" ״Tiefe Widersprüche gegen Geschichte und Aufgabe des Judentums zeigen sich aber alle schon unter der Vorausr.«...*... keinen ה rt r keinen Einfluß auf die Wirksamkeit der!udnchen Kirchenbehörde ausübt, die fie mit ihrer Macht bekleidet. Wer aber will behaupten, daß dies öei der wohlmeinendsten Regierung der Fall sein würde? Taß die katholische Regierung nicht mehr das Bild der katholischen, die protestantische der protestanttschen Kirche im Auge haben werde, wenn eS auch nur der ersten Gestaltung der Kirchenversastung gilt, und daß die konservative Regierung nicht mehr die Lrthodorte, die liberale mehr die Reform begünstigen werde?' ״Also keine jüdische Staatskirche. keine Einmischung oder gar Mitwirkung der Staatsgewalt in der Ordnung der religiösen Angelegenheiten des Judentums. — Tie Gesetzgebung de» staats kenne die jüdische Gemeinde nur als eine freie, bürgerliche Gesellschaft für die Erreichuna selbstgezebener Zwecke, und stelle ste als solche gleich andere» Korporattonen der Kommune unter idre Kontrolle. {rfj.m* •ז?יזי ftnhfit liebe Organisation' zum Zweck eines übereinstimmenden Kultus wobl aber fordere und gestatte er die freie Association oder auch eine organische Verbindung größerer Gesamtheite» zuui Zweck gemeiusamcc Institute für das önentliche Wobl der Glaiibensgeiiossenschaiteii lind diese Aufgabe der freien ungezwungene» Vereinigung für gemeinianie Zwecke der größeren Gesambeii. und wen» es sei» kann, auch kür llcberciiiviinmung tu den gottesdien» licben ,Formen. mögen sich vor alle»! die Bekenner des Jub״!,״»,* au* eigenem Antrieb stellen Tenn dazu de dürfe» sie weder des Beistandes, noch des Schutzes von Seite» der Staatsgewalt, sondern nur der Bstege des GemeiiiuniiS und der Suinesgemeinschatt " ״Tie Gemeinde, d. b. die Jubenschaft emes Ortes bildet »ach uralter lleberliefernng die natürliche Einheit i»r eine geineinsame Organisation. Sie hat ihre gemeinsame Geschichte. ihre genieuisamen Interesse», ibre gemeinsamen Jnvitnle die Einheit ist eine gegebene, eine durch ihr Alter ehrwiirdige. Es wird niemand ungestrast wage», an die Zerreißung dieser Einheit Hand anzulegen, so lauge die Sonderung nicht ein unabweisbares Gebot des Gewissens geworden ist Aber wie die gesetzlich konstiiuierie und in ikrer gesetzlichen Vertretung einige Gemeinde durch keinen außerhalb ihrer Grenzen tiegenden Willen zum Fortschritt oder Stillstand genötigt werde» darf, ohne die reit giöse ,Freiheit zu verletze», t'o darf auch innerhalb der t^e aieinde die Einheit nicht über die Gew>sse»ssre>he1t gestellt, und eine Sonderung, die man z» verhüte» gesucht, nicht gewalisam verhindert werden, wenn das Gewisse» und das religöse Bedürfnis des einen wie des ander» Teils die Gemeinschaft »ich! mehr zulaßt. T!e Minorität mag das Recht haben, aus deui gesetzlich organisierte» i^esel l schaftsverband der Gemeinde auszui'cheide»: aber die Majorität kann ebensowenig das Recht bean fpruchen, die Orgauisterung eines religiösen Ver bandes zu versagen, a» kessen Aufbau und Erhaltung sie die Kraft ihrer religiösen Ueberzeugung und die Wahrheit ihres religiösen Bedürfnisses zu bewahren hat." (5-5 hatten viele schlvere .Kämpfe gemildert oder ganz vermieden werden können, wenn diele Anjchau ungen des Herrn Dr. Stern unter seinen sonstigen rcligiösen Gesinnungsgenossen die rechte Beherzigung und Berlvirtlichung gefunden hätten. Dafür ist's vielfach zu spät. Aber für eine volle Würdigung dieser Bedenken gegen die Gefahren des Slaatsjudentums wäre es jetzt noch Zeit. «Fortsetzung folgt.) UNÄ fALLkviLiktrn. Deutsches Reich. Berlin, 14. Mai. In seiner Sitzung vom 7. d. Mts. hat der ״Zentral Ausschuß des dcut schen Rabbinerverbandes" aus Antrag von H o r o - v i tz Frankfurt a. M. und Werner München folgende Erllärung beschlossen: ״Ter Eenlrat Ausschuß des deutschen Rabbiner Ver bandes spricht nch mit aller Entschiedenbeit gegen alle Be strebungen aus, die auf staatlich zu organuiercnd« konüstoriale, svnodale oder ähnliche Einrichtungen innerhalb der judticheu Gesamtheit binzielen und neht in der Einrichtung von staatsgesetzlich anzuerkennenben Bezirksrabbinate» wie in der Einrichtung von Landes und Provützialverbänden die zweckentsprechendste Lösung, um den besonders in kleinen Gemeinde» obwaltenden Mißständen entgegenzutreten." Wir kommen auf diese Erklärung, deren letzter Absatz in seiner unklaren Fassung zu den schwersten Bedenken Anlaß bietet, in nächster Rümmer zurück. Berlin, 14. Mai. Ter 10. Telcgiertentag der Zionistischen Bereinigung für Deutschland ist aus den 4. und 5. Juni 1000 nach Hannover, Börse. Osterstraße 10t», einberufen worden. Die Tagesordnung ist wie folgt festgesetzt: 1. Eröffnungsrede des Präsidenten des Zentralkomitees. 2. Bericht des Zentralbureaus. 3. Tie allgemeine Lage der zionistischen Bewegung; Referenten׳ Assessor Tr. Friedemann und Berthold Feiwrl. 4. Palästinafragen: Referent. Professor Dr. Marburg, 5. Neuwahlen. . « Frankfurt a. M., l»>. Mai. Wir Kaden .f •r ־Ts ״ .. ss 4• *יי *I ♦ 4«« *1 יU« »»» •1nV<k11nK l'IUtl 1111 lUt|Uf V 4 Ul 41» I 1 II V'VlilUltk'lVMMV um Mitteilung des Rosin'scken Gesetzentwurfs zwecks ösfen!l׳ctzer Besprechung desselben erstickt und darauf folgendes Schreiben vom Gemeindebund erhalten. ״Bei der Stellung, die Jbr ge chatztes Blatt kem T I G B gegenüber grnnbiaiztich einnimnit. ieden wir u.i» nicht veranlafti, Ihnen »niererieus pnblizutuches Material zur Verfügung z» »eilen B t n 11 e n K » rze »1 wirb der R o f 1 n 1 ch e E 111 u> » r f c b ti e lu 11 der O effent I | f ( i t V •י T £ (!? t?X* * X?!י ” Hofs-nt!11-׳ ist dieses ״binnen kurzem" nicht im Sinne des bekannten Pulttammet'.l'en ״sofort" zu verstehen. Berlin, l:'׳. Mai Am 2׳:. April dieses Jahres fand ,11 Berlin die drille ordentliche G e n e r >1 l v e r sa m m l « n g des B e r b a n d e s für Statistik der Juden statt. Ter Bor s pende des Verbandes. Tr. Alfred N o s!' i g , er stattete den Jahresbericht. Das Bureau veröfsent lichte in! Berichtsjahre drei größere Arbeiten: Das ״Statistische Jahrbuch deutscher Juden", den ״Anteil der Juden am Schulioesen in Preußen" und ״Die sozialen Berhälliiisfe der Juden in Rußland": ferner di! ״Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden", die eine Fülle von zuverlässigen ׳Angaben über die Berbältnisse der Juden in den vzrschiedcnsten Ländern bietet. Im Aufträge der Großloge des U. C. B. B. irirb eine erschövsende, >neit über den Rahmen der vordandeiien, amtlichen «Erhebungen binausgehende Statiitik der jüdischen Bevölkerung im Großberzogtum Heven ausgearbeitet werden. Tie ״iMsellichatt zur Förderung der Wisscnscha't des Iudenliims" ermöglichte dem Bureau die Inangritf nähme einer Arbeit über ״Tie jüdischen Gemeinden Deutschlands". Betreffs der Herstellung einer Sta tiiiik der Juden in Oesterreich. Ungarn und Galizien schweben zurzeit Unterhandlungen mit mehreren .Körperschaften. Um eine nähere Iühluna zwischen dem statistischen Verbände und den subventionierenden Organisationen berbeizusubren. berief das i'.uratorium tür den 25 März 4!hh; ej»e Konferenz ein, an der die Brrlreter der bedeutendsten jüdisct>en Organisationen teilnahmen. Man beschloß, daß alle jene Korperschasten. die dem statistischen Verband größere Ighresfubventionen zukommrn lassen tvon 200 Mt. an», befugt sein sollen, einen Vertreter in das Kuratorium zu entsenden. Auch die Vereine für Statistik der Juden in anderen Ländern, die ssch dem Verbände angeschlossen haben, besonders der statistische Verein in Bauern, haben im letzten Jahre eine reae Tätigkeit entwickelt »nd die Zeitschrift des Verbandes mit wertvollen Beiträgen versorgt. Berlin, 13. Mat. Tie Sammlung der A. I. U. nir die notleidenden marokkanitchen Juden haben bis zum 10. d. Mts. 2" k"ü Irs. erleben. Hiervon sind 0100 Frs. von der deutschen Konferenzgemeinschait der Alliance beiqesteuert worden. Berlin, 10. Mai. Vergangene Woche kam die erste Abteilung von durch die russischen Juden massakres ihrer beiden l^ltern beraubten Kindern hier an. Es wurden Bortehrungen getroffen, sse in England, Deutschland und den Bereinigten Staaten ur.iCt juvt ... Berlin. 10. Mai. In der Reichstags Sitzung vom 2. v M)«i wurde über nen Tolerantantraa des Zentrums in zweiter Lesung verhandelt. Ter Antrag wurde gegen die Stimmen der Konservativen, der Freikonservativen und der Nationalliberalen mit einigen Äbänoerungrtt attgenviuinrv. Trt ü 4 dcs Gesetzentwurfs lautete ursprünglich: ״Zur Teilnahmr an einem Reltgionsunterruht od,r Gottesdienst, welcher der religiösen UeberzeugunA der Er ziehung-berechtigten nicht entspricht, kann ein Kind geben den ausdrücklichen Willen der Erziehungsberechtigten nicht angebalten werden " Die Sozialdemokraten beantragten, die 2vorte ״welcher der religiösen Ueberzeugung des Erziehung«- berechtigten nicht entspricht" zu streichen, worauf der

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