Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 20 (17.5.1906)
- Date
- 1906-05-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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17. Mai UXHi Ter pgrdtlii in Rußland einr Sisssphu-arbcil sei.?Mdmtbr muß b»r Wrunb für die Unfruchtbartfit der a,a,n bi, ih,׳, feindliche hebräisch« und jüdische Literatur und Preise gerichteten Attionkn in der falschen Richtung dieser Pemühungkn gesucht tverden. Man glaubte in Untenntnis der Sachlage und in Berkennung der Zeitströmungen — durch Verfolgung der nach Bild ung schmachtenden jüdischen Jugend und durch Per bannung aller Kultur das orthodoxe Judentum vor allen ungünstigen Einflüssen schüyen zu lvnnrn. Und das mar ein verhängnisvoller Hehler, der sich an uns grausam gerächt hat: Wir sind uni unsere Jugend gclommen. Sie hat sich von uns eiitsernt und nu» fleht sie uns als erbitterter Jeind gegenüber. An dieser traurigen Erscheinung :rägt wohl nicht zum kleinen Teil die Schuld der fanatische Kampf gegen die Zivilisation, welcher nur durch den bedauernswerten Mangel an profaner Bildung zu erklären ist. an dein das orthodoxe Jude» tum Osieuropas und leider auch die Mehrzahl seiner geistigen Führer so sehr leitet. Während in West curova von deni unvergleichlichen Samson Raphael Hirsch die Parole ausging: •דיה עב דרך־ארץ, mährend die Gesetzestreuen in Deutschland die profane Bildung im Eintlanq mit der sxördernng der Thora anstrebten und sich so die Widersiandssähigkeit gegenüber schädlichen Einwirkungen fremder Kulturmächte aneigneten, — bemühte sich die jüdische Orthodoxie in Rußland um die Unterdrückung aller profanen Bildung »nd die fßernhaltnng jedes s^iink chens der modernen Kultur und glaubte auf diese Weise die gefährliche» Zeitströmungen eindämmen zu rönnen. Der antijüdischen Bildung wurde nicht eine jüdische Bildung im wahren Sinne des Wortes gegenübergestellt, sondern die Bildung schlechthin wurde verfehmt und der Obskurantismus als heilige Pflicht gepriesen. Das war — ich sage: war. da diese Verfolgungen der bildungsdurstigen Jugend (wie etwa in den Jeschiwoth und in den anderen In stitutionen, in denen der Orthodoxie die Macht noch nicht entrissen ist) in der letzten Zeit ganz wirkungslos sind — nicht blos ein folgenschlverer fhehlgriff, der die orthodore Judenheit in hohem Grade schwächte und endlich s o machtlos daftehen ließ, daß sie nicht nur nicht offensiv Vorgehen kann sondern auch in ihrer Verteidigung vollständig gelähmt ist: ewar gleichzeitig auch ein Verstoß gegen das Wesen des Judentums selbst. Das Judentum in ein Jreund alles Wisiens. Wir brauchen uns nickt vor der Kultur zu fürchten. Wir haben stets Weltbildung im Vereine mit den Lehren unterer heiligen Thora gcpflegt und verbreitet. Unsere alten Weisen, unsere Gaonim und Zaddikim legen davon ein deut'ichesZeugn i s a bi lind so bedeutet jene Nickt»״» innerhalb des osteuropäischen Judentums eine Abirrung von der Bahn unserer alten Lehrer. Ich muß freilich -- um Mißverständnisse zu oecmelden. hi, bi, osteuropäisch׳, Owthodoxie in ein ■'.!!>>.׳. schlechtes Licht stellen konnuri - bemerken, daß diese unheilvolle Richtung nur von einem eiigen 1ג reife ausging und dir jüdische Masse, d. h. die gesetzest.cuen . Zale Battim", die in Rußland bekanntlich größtenteils ,Loindim" sind, gegen sich hatte. Aber dieser engere Kreis zählte einige mit Recht an gesehene talmudische Autoritäten, die welleiiirückt ihre eigriirjt uvpu/itii Nicht!ich»»g verstanden und so Zit: Rachteil der von ihnen selbst angestrebten Ziveete wirkte». Jetzt, wo die abschrect,nden Resultate dieser Vct su׳.sse auf dem Gebiete der Bekämpfung der allgemeinen Bildung und mit ihr der Jugend evident hervortreien, dürfte wohl der große Irrtum ringe׳ sehen werden. Es ist schon die höchste Zeil. Wir werden auf Sctxrilt und Tritt von unserer Jugend verfolgt. Aus Verfolaern sind schon Verfolgte geworden. Und wir sind ohnmächtig, weil wir die Jugend vertriebe» haben. Wir dürfen jetzt nicht auf sic verzichten. Wir müssen sie zu gewinnen such,». Wir müsien unsere Hoffnungen aus die z u k ü n f * tige Jugcnd setzen. Wir sollen sie nicht verscherzen, wie es lcibrr mir der Jugend der Gegenwart der Jatt war. Und wir müsien uns die Jugend der Zukunft rechtzeitig sichern. Was sott nun gescliehen? In den obigen Er örterungen ist die Antwort bereit« -.nthalten. W! r müssen eine vom Geisse der jüdischen Orthodoxie getragene Literatur und Presse für die Heranwachsende Jugend in Rußland insLeden rufen. Bekanntlich vollzog sich in rer letzten Zeit ein großer Aufschwung in der rusiisch jüdisäzen Literatur, die auf den b e st e n Teil unserer Jugend ein dedeutender Teil derselben hat nämlich jede Höhlung mit jüdischen Jntereffen verloren und sagte sich auch von der modernen jüdischen Literatur los eine große Wirkung ausübt. Diese Wirkung ist, selbst w-enn sie keine ausgesprochen antiorthodoxen Den dlnzru hui, für den Geist des orthodoren Judentums von großem Rachteil. Ihr muß durch di« Schaffung einer das gcsetzeStreuc Judentum vertretend-en Literatur und Presse tntgegengearbeitet werden, freilich darf dieses Entgegenarbeiten nicht rein negativer Natur sein, sondern muß als eine selbständige Ausgäbe angesehen werden, die aber ihr Verhältnis zur nichtorthodoren Literatur und Presse dahin bestimmen möge, daß sie d׳e Existenzberechtigung derselben als allgemeine oder jüdische Bildung innerhalb der noch orthodoxen und der im orthodoren Weift« zu erziehenden Jugend zu bestreiten hat. Und vor allem — die Presse. Eine jüdischorthodore Zeitung — man sollte es kaum glauben! — gibt es in Rußland nickt. Selbst die Orthvdorie ist gezwunaen. die antiortdodoren Zeitungen als ein / S:»e > / 1wtwtn'׳ige-^ Hebe! zu fervern. Tiefem 1/ HUn Ifin* .י!זיז!י!ז0יי?י. muß der Onhodvrir eie Möglichkeit gkgr'. en werdkl׳. sich von der Abhäiigigkcit zu befreien. Sie soll nicht mehr auf d׳e sie anfeindende Presse angt׳״iefen fei» sie soll n׳ch: mehr iiire eigenen Gegn׳-r stärtcn. Welch ein quälenvec. dieGksinnungsmurdr kränken"«-? Ge fi b! ift f־ doch. wenn, man die Hiimi-fmittrl de:- Jeindes zu bereichern gezwungen ist! ין ״ fin »י» x »c L rgan in hebräischer Sprache in Rußland gegründet w e r d e n. Die Tragweite de׳ Presse darf nickt verlannt irerden. Wir leben alle im ZestKen der 'stresse unv lnfonders in Rußland ist sie infolge der politischen Rinaissance zu einer dedeufendeu Macht geworveu. Dieses Organ muß nun eine Tageszeitung sein: sonst kann es keine» Einfluß Kaden. In Rußland ift der Kreis der jüdischen Interessen zn groß, als daß er sich in das Programm einer Wochen'chrifl einsügen ließe. Besonders nach im gegenwärtigen Moment, da die Jlitensrgge in Ruf. land die böcksse Potenz der Attnglität erlangt hat. Daß eine jüdisch ortbodore Tageszeitung in Rnßlanb auf einen großen Leserkreis rechnen darf, branckt angesichts der großen Zahl der gesetzesireuen Juden daselbft >״obl kaum noch!veiler erörtert zu werben. Diese Tageszeitung müßte gleichzeitig gllge mein und orlhodor sein: ihre allgemein informatorische Tätigkeit darf nicht dinier derjenige.: der nichtorthoboxen jüdischen Tageszeitungen zurüE stehen: sonst würden diese ihre ntison ilY-tre auch innerhalb der Orthodoxie beibelialten. Sie muß vo׳׳ im orthodoxen Sinne zuverlässigen und literarisch de gadle» Männern geleitet werben. Daß fold« in unserem Lager nicht fehlen, hat bereits unter anderem die seinerzeit in der Tageszeitung ״Hamtliz" ent׳ faltete literarische Tätigkeit gar mancher angesehener Rabbonim deutlich bewiesen. Eine derartige Tageszeitung ioürde dem ortl.oboxen Judentum eine große Macht verleiben unv für unsere Heranwachsende Jugend einen eminent er zieherischen Wert haben. Ick spreche hier besonders von der Presse, weil sie gegenwärtig viel mehr als die Literatur vvn Br dcutung ift. Wie bereits hervorgehoben, iss jetzt die Presse in Rußland in ihrer vollen Blüte und bat finanziell eine gute Zutunst. Der gegenwärtig: Moment ist daher auch lehr geeignet für d׳e Gründung einer Tageszeitung im oben dargelegten Sinne. Und es ist auch jetzt die höchste Zeit, baß wir das orthodoxe Judentum in Rußland gegen die gesährlicken Zeitströmungrn verteidigen er; בי בא• נדב ד־ Die Sache duldet keinen Aufschub. Die Gründung ver Tageszeitung muß in allernächstec ׳',eit während des Krieges mit Spanien emittirte er aus Walpole's Veranlassung eine Große Staatsanleihe, sodann nahm Lord Petbam. welcher den Ministerien Walpole und Earlerel folgte, die finanzielle Hilfe Gideon s in Anspruch, als die sranzöüiche Jlotte in de» Kanal einlies und die Kurse der «taatSpapiere einen scharfen Rückgang erlitten Im Jahre 1745 ward der eigentliche Grund zu seinem Reichtum gelegt, da der Prätendent Eharles Edward Stuart London be drohte. Gideon hatte damals für Rechnung der Regierung ei» Anleben von 1,700,11)0 Pfund negoziert »nd zwar unter Auspizien, welche jeden Anderen znrückgeschreckt hätten. Ein Bürgerkrieg schien bevorstehend, die Tvnastie wankend, im Parlament -Zwiespalt und Hader, doch sein geistiges Auge blieb ungetrübt inmitten der um ibn tosenden politischen stürme. Gideon dengle sich vor denselben ohne zu brechen. Schon verbreitete sich das Geruch!, der Prälen denl nähere sich der .Hauptstadt, eine allgemeine Börsen pan>k,er׳olgte und die Kurse sämtlicher Wertpapiere unter lagen" einem gewaltigen Rückgang. In seinem uner« schülterlichen ^piinilsinns verharre,«-, verlor er nicht den Kopf, henulzle vielmehr den Anlaß, um zu den gesnnkencn Kursen enorme Summen anzukansen Kurz daraus traf die Nachricht ein. daß das Herr des Prätendenlen geschlagen j.jhV.1 .?,ג ז ו. ,*ן onbaiittig verloren ut betrachten »ei. Eine rieüge Kursamdewegung erfolgte und G,veon realinrle in kürzester Zeil große «Gewinne, indem ihm die aekaufleu Papiere zu den höchste» Kursen wieder adgenommen wurden. Man schaN'e ibn. der niil eine!» Kapital von I7>1> Pfund sein Gefchafl hegonncn. >m Laufe der Jabre aus zirka »i»>>,»11> Pfund, was ihm außerordentliches An sehen ver'chanie, da zu jener Zeit an der Stock Erchange sich ei» solches Permöge» nicht allzu oft in einer einzigen Hand vereinig! fand. He was 1l!e R׳.!h1ct1ild < t!11■• day, »be friend 01' Walp.de, llie pillow of S!h!*; eredit->. 2» tfr war b-r Rottiscdild seiner ,Z.-ir. der Ereund W ilvKe :-. der Trögtr de» SraatskrebitS. lck. Kieeiottn. Skeiebe» of »n^to-jevi-b hi«torv). Im Jahre 171!) riet er der Regierung die Konsolidirung der Kkationalsdnild an. er ward damit beauftragl und es gelang ihm auch dieselbe erfolgreich durchzufübren, sogar den Zinsfuß zu gleicher Zeil heradzusetzen Im Jabre!:׳><» emittirte er eine neue :!•» Skaitsanleihe. welche er ,» pari unlerbrachle In den folgenden Jahre» war er wiederholt bei Porschüsscn an die Regierung und neuen Staatsanleihe» hervorragend beteiligt. Er ließ «ich eine» Palast inmitten eines wunderbaren Parke» in Belvedere erbauen, erwarb eine kostbare Bilbergallerie »nb legte sein Permöge» zum weitaus größten Teil >» Ländereien an. An den Bestrebungen Lord Pelhams im Jabre I7'>>», ׳einen Oilaiihensgenossen die Raluralis<r»nq zu gewähre», beteiligte er üch nicht, da sein Ehrgeiz dahi» ging, ei» engttiches Adelsg'ichlecht zu begründen, was jedoch nur durch einen Glaudenswechiel erreicht werden konnte. Er war um einer christlichen Dame, c^lifabetb Erwel! vermählt, ohne deshalb znm Edriitenttini überzutreten w.׳»n er auch formell ieinen Austritt aus der portugieüsch jüdiichen vlemeind, deren Ael testen kundgegeben ließ ,edoch seine l Kinder in der christ lieben Religion erziehen ,.He breed-t hi* childfen Chri*)ians'‘, schrieb Horace Walpole hirczu »n Jabre >77,:!. Lei» ein ziaer Sobn Sampion ward bereits «!» Jabre 17-V• im Alter von l'> Jabren znm Baronei ernannt »nd ivaiervin zum Lord Eardlev erhoben. Ebenso heirateten feine :> 7 ׳chter angesehene englisch« Ebelleule und Amtspersonen Im Jahre 182 l erlosch die männlich: L.nie und gingen kirel. Permegen und Landdeniz an die Richkommen seiner Töchter über. Er wird von feinen Zeitgenossen als ein Mann von einnebniendem Weien und sprudelndem Humor geschilderi. — Im >8eschäil»verkebr galt er als rechtlich und z1»׳erla>1׳g Ldwohl er seinen «8iandc>l, der ihm qe׳eU«chastl:ch rm Wege stand, sozusagen dei Seile geschoben Hane. >0 ergab «ich dessen ungeachtet nach sein-.-ni Tode < IT*V»*. baß er feinen ttultu-lvitraa der P׳rr.׳g,,ss׳'chen «»«׳!!:׳!׳"-. zu Bevis K'tarks anonnm Halle zugeben lasse» und zwar jede» Jahr »nler der tcb!ffre .Peloni Almoni Auch erbat er üch in seinem Testamenl. iein Begräbnis nach indischem Ritus vornehmen zu lassen und aut dem Jried hos seiner «Semeinde destat'et z» werde». Als Probe feine« Hnmor's. welcher lb» selbst in den krtlüchilen Zeilen^nicht verließ, wird Jolgenbes erzählt Al» im Jabre i7i'> oie erwähnte Börienkri'e einlral und allgememes Mißtrauen an der Slockerchange herrschte, schrieb 1b!» der Bankier Snow riuc» driiigende» Brief und erdat üch unverzüglich 2",<11) Pfund zuruck, die <8,deon lbm schntdele Terfrlbe wählte ein cigenkümliches Pkiitel. um die Angst feine» >8eschasisfren»de» lächerlich zu machen. Er eilte zur Bank von i'ngland »nd liolle ׳»b dort zwanzig!<1»י Pfuudnoten. w> .cher um «>u Jlaich hen R׳ech)'alz wickelte, und sandle das Päckchen einer verordneten Arznei »ich: unähnlich an seinen «Ständiger. Tiefer, den der Anblick seme» «Selbes wohl mehr belebte als die Kraft de» Arzneimittel», sandle sofort einen Brief an feuien Ei Schuldner, worin er ihn «einer ewigen Tankbarkeit rer sicherte Er pstegte auch zu sage» da er üch viel mit Leibrente» und Perücherungen beraßie u»o große» «Sewinn daraus erzielt«^ «Sewahrt keinem allen Weib« ein» Le«b r--n:? ..alle Weiber trocknen ein aber sterben Nicht." Kam eine kräiikliche. hüstelnde Pen'on. um eiire Leibrente zu kau'en. so be.nczkle er gewöhnlich: ״Laßt s!« husseil. soviel üe will, den Prämiensatz hust:. üe doch nichl niedriger'" Sampion «Sideon de Adubienie starb im Jahre 17»2 i^r vermachie der Simagoge z» Bev>» ׳.»tarks welcher er angehorl balle, i>11»Pfund und 2>"> Pfund der :-,stall für Sehne chrrälcher <s--ß>,^r. außerdem l«»»> Pfund den! Londoner Hospital. Ecner der Trstanientsvollstrecker war der Herzog von Tevonsdir? dem feine <Sül«r anheim fallen sollten, falls seine kt!,׳der o!>ne :',achkomm:!׳chafl ׳tk,,״ Zeilgenof'e macht hierzu d!: beißende