Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 20 (17.5.1906)
- Date
- 1906-05-17
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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'Jit. 2«.'. *eil« 2. Xet Israelit 17. Mai Hum;. iHccxif 1 una grrichul, die ber Vlbflforbnete Träger in i'Dn warmem Gerechtigkeitsgesühl getragenen Aus führungen begründete. Tie Antwort des P.sinisters des Innem brackne über die Motive, die di, Regier ung bei de» Aiismcisungrn gcleilet baden, nichts wesentlich Reue-.. Dieselben Argumente, die in den verscnlcd.'iicn Grllarniigen der Polizeibehörde bereits dorgebracht worden wcrcn und in der De'tentlichkeit genügend gewürdigt wurden. Bon Interesse war die Bemerkung des Ministeis, die Ausgewiesenen seien meistens Israeliten. (זי fügte freilich hinzu, er be tone das nur, iveil er glaube, daß derjenige, welcher seine Augen verschliefze vor der Rolle, die die Juden aktiv oder passiv in der russischen Revolution spielen, zu den Blinden gehöre. Man kann jedoch die Gmpfindung nicht los iverden, als ob der Minister noch einen anderen Zweck mit dieser Bemerkung der folgt habe. Wir können und wollen nicht leugnen, daß auch die Juden ihren Teil zum Kontingent der russischen Rcoolutionärc gestellt baden und wir ver urteilen als Juden diese Teilnahme von Juden an der Revolution aufs entschiedenste, so sehr wir sie auch vom rein menschlichen Standpunkte aus angesichts d.׳r russischen Verhältnisse begreiflich finden. Aber keinesfalls ist die Kaki der jüdischen Reoolutionäre in Rußland lo beträchtlich, wie es nach der Aeuszer ung des Ministers den Anschein haben könnte. Mit Recht wird daraus hinqewiesen. das! man in Rußland selbst bereits alles verhaftet habe, was revolutionärer Umtriebe verdächtig ist, und daß sich die verschont Gebliebenen doch ivobl kaum gerade nach Berlin gewandt haben mögen, wo das böse Wort von den Schnorrern und Verschwörern gefallen ist. Herr von Berhmann Holliveg mußte ja auch zugrben, daß in einer ganzen Reihe von Fällen schwere RUß griffe begangen worden seien. irr will aber nicht die Regierung dafür verantwortlich gemacht haben, viel mehr sei in den betreffenden Fällen nicht den In tcntionen der Regierung entspreehend verfahren worden. Wir meinen jedoch, daß seitens der unter geordneten debördlichen Organe derartige Mißgriffe nicht hätte׳: Vorkommen können. סו«™ die Regierung ihren Beamten ein einigermußen rücksichtsvolles Bor geben empfohlen batte. Die Besprechungen der Aus׳ weisun.'k» im Reichstag und im Abgeordnetenhaus dürften de» H'r'olg haben, daß man in Zukunft etwas mehr Belmtsanikeit anwenbet, eine grundsätzliche Aenderuna ist jedoch, wie der Minister ausdrücklich erklärte, ausgeschlosien. Die Regierung steht eben nicht a׳.!s der Höbe ^es Standniinttes. den der Abaeordnete Herold vertrat, daß, es eine ^ßrenpKicht der Ration sei. den Unglücklichen fremder Rationalität freies?!Glrecht tu aewäbren. öountagsrulae in Lngland. Bor der aus Mitgliedern vridex Häuser des englischen Parlaments zusammengesetzten Kommiffion für das Sonntagsruhegesetz finden gegenwärtig die Zcilgenvernehmungen statt. Bon den Zeugen, die trotz des von jüdischer Seite erhobenen Widerspruchs für den Sonntagsladenschluß eintreien, wird in erster!Linie hervorgehoben, daß es sich hier hauptsächlich um an ׳ländische Inden bandle, ans diose aber eine be׳ sondxre Rüclsicht nicht genommen tverden könne. Gs wird ferner darauf hingewiesen, daß durch die Offenhaltung der jüdischen Läden auch die nichtjüdische Bevölkerung zur Sonntagsarbeit genötigt werde. Ueberdies halte ein großer Teil der jüdischen Händler ihre Läden auch am Samstag nicht ge׳ schloffen. Bon anderer Seite konnte Diesen Argu menten gegenüber festgestellt werden, daß in der Umgebung des jüdischen .Geschäftsviertels gegenwärtig nicht ein einziger Richtjud« am Sonntag seinen Laden öffne! der Samstag sei der beste Geschüststag und die christlichen Geschäftsleute könnten sich gewiß nicht über ihre jüdische Konkurrenz beklagen. wenn dieselbe gerade an diesem Tage fortfalle. Die Zabl vre um Sul'vcii geössneicn jüdischen Geschäsislokale Wurde als sehr gering bezeichnet. Der Unterstaats-- setretär des Innern, Ghalmers, hat vor der Koni- Mission jüngst erklärt, daß. die Härten, die die Ginfiihrung der Sonntagsruhe für die Juden im Gefolge baden würde, wohl in Rücksicht zu ziehen seien. Hoffentlich schließt sich die Mehrheit d«S Parlaments dieser Anschauung an, zumal der Sonntagsladensck'luß durchaus nicht nur in jüdischen Kreisen entschied'ne Gegnerschaft findet. Das orthodox« Judentum in Rußland und feine BediirfnilTe. Bon Rabbiner (>>lisas ttlanki« Marnampol. Trübt ist die Lage der gesamten, schmachvoll aber - die Lage der ruffischen Judenheit. Auf allen Juden lallet die Sünde des Golutzlebens, dock ohne Grbarmen rächt sie sich hier an u n s, den ruffiswen Juden. Wir sind jetzt gleichsam ד־פלך — herrenlose? Gut: das will sagen: wir sind nicht Herren unserer selbst. Wer es nur will, kann unser Hab und c»e.t plündern; wem es nur einfällt, kann uns abschlachien. So ist die gegenwärtige Situation der russischen Juden. Und doch! In diesem Momente der böchsten materiellen Gefahr wage ick es, von unseren g e i s: i g e n Intereffen zu sprechen. Ich wage es, denn unsere Ge schichte ermutigt mich dazu. In allen Zeiten seiner materiellen Bedrängnisse suchte Israel vor allem seine g e i st i g e n Güter zu schützen. Drohte ihm Gefahr von außen, so wehrte es sich gegen sie mit der ganzen Wucht seiner inneren Kraft. Aus vee Rüstkammer seiner Kultur holte es sich seine Waffen. Die Thora war sein s" Ar; war!ein Seelenpanzer. Und sie bewährte sich in seinen vielen schweren Kämpfen als zuvercäffiger Harnisch. In den furchtbaren, Vernichtung drohenden Gefahren suchte und fand Israel seine Rettung in der allen und doch nie versiegenden LebensqneUe der Tboca. Sie ist das geschichtliche Geheimnis seiner Grbaltnninmitten all der harten Drangsale und Bersolgungen: sie ist das Geheimnis seiner ewigen Jugend, seine, ewigen Frische --- sein ססא החיי So oft das alte, im wogenden Lebensmeer hernmirrende Lebensschi,f unseres Voltes von den wütenden Wellen verschlung.n zu werden drohte, immer prallten sie ab an unserem zuversichtlichen Glauben an die Gwigteit unserer Ideale. So sprach R. Bar Ghana: ־,א' נייא ינסבע יב^נהא ... ופדד־נן ליה באלוהא דחקיק עליה אדדה אשי אדדה(״> Ja, das ביה דב״דש war stets unsere Zuflucht»- stätte. Bor allein suchten wir unser Lehrhaus gegen hereinbrechende Stürme zu verteidigen, denn es war und ist unsere e i n z ig e feste Burg. Wir schütz ten die Thora und sie schützte uns. Gestützt aus dieses historische Faktum glaube ich das Recht zu haben, auch -- man dürfte wohl sagen: gerade — im gegenwärtigen Moment der phvsischen Bedrängnis der russischen Judenheit dock von deren geistigen Bedüriniffen zu sprechen? * * * Seit Jahrzehnten schon befindet sich das ortho boxe Iudewtum Rußlands in einer schweren Krise. Neue Strömungen entrissen den Vätern ihre Söhne und die so entstandene Kluft zwischen Alt und Jung ist in fortwährendem Wachsen begriffen. Die Seuche der Affimilation verbreitete sich - offen und ver steckt mit der einer jeden Seuche eigenen Ge schwindigteit und verheerte unser Lager. Freilich traten ihr in der letzten Zeit jüdisch nationale Tenden zcn entgegen, die mit der Kraft des Sclbstbewußtseins den inneren Zerfall in unseren Reihen bekämpften und eine neue Basis für eine gewisse Versöhnung der ״Väter und Söhne" zu schaffen suchten. Aber das will dock nu-r sehr wenig bedeuten. Was unternahm, was unternimmt das orthodoxe Judentum in Rußland gegen dev immer weiter uni sich greifenden Verfall! Und es handelt sich doch um die Jugend »m die Zukunft also! Wir ncüffen beschämt einqestehen: wir waren und sind jetzt noch in dieser Hinsicht untätig. Wohl sind gar manche Versuche zur Bekämpfung der nichtorthodoxcn Literatur gemacht worden: sie er wiesen sich jedoch bald als verfehlt. Allerdings darf dieses Mißlingen keineswegs im peffimistischen Sinne gedeutet werden, als ob jedes Unternehmen ans dem Gebiete der Stärkung des gefetzeslreuen Judentums Kküm» KmMeirsm. Die Vorgänger der ffolhlchilds in England. Biographische Skizze von Mors» Bast. Frankfurt a M . . XU tliinf«. all •Int*«, all *> vtMritrn• th«*\ control ad<1 >\aft a l<*an Irma lmlm tu (he l’ole . . 11e im 's ab vc H*>> bc'tblcffcuc und unterdessen zur lai'acbe gewordene Auslösung des 3tammba1»e$ der Roeb schilds zu ,"vraitfiuvt a. M bat nicht vettehll, in weiten Krclien Auiseben zu erregen »nd gestalteten nch Ursache und Wirkung eines sulchen historischen c-roannscs mm wegen stand der mannichiachsten Hrötterungen *o iedlte es z. B. damals nichi an *linimen. welche die'en unerwarteten Ad gang r׳un der Bübin׳ der mlernatwnalen Hochstnanz gerade cn für »nnvlomalisch erklärten und den noch blühende» ' Zweige» des Weltdauses ein gleiches Schicksal der Xr,adc1.׳ee in abiebbarec Zeit e-urausiage» wuülen. Ter ariige Beiürchlungen di.r'icn doch wubl als versrüdi z» de trachte» und ungeachiel gewisser ..Allerser'cheiniingen" den Ruibichilds noch «nie längere Lebensdauer deichiede» sein Bur allem ragt da» Londoner .'Haus noch immer stulz und mächtig enu'or und nach Lage k>er dunigen Perbaltniffe in »ul Sicherheit anzunedineii. daß bas'eibe beru'e» sei» wird, den Namen Ro:kich,lb" der Mitwelt am längsten zu ec ballen Bekanntlich ward diese girma gegen c-nde des l> Jahr bundert» mir der Riederlassnng' Ra,bau Ruibichilds in Bkanchester begründet, uni wenige Jahre spater nach Lundo» verlegt zu werden, wu sie bald Ansehen und Bedeutung erlangte und ihr Leiter in rascher Folge sich vom König der Bankiers zuiu ״Bankier der Könige" zu eniwickeln verstand. Gs ist nicht die Aufgabe dieser Skizze. die nnanzielle u»d politische Machtenksaltung des Hauses Rotb i'child weiler zu persolge», welche ja berufenere Feder» ge schildert, möge vielmehr der geneigle Leser mit uns einen Blick nach rückwärts werten, um alsbald die überraschende Wahrnehmung zu machen, daß lauge vor dem Austretc» Rothschilds einige seiner Glaubensgenosse» bereits eine sübrenbe Rulle in Großbritaniens Handel und verkehr 11,׳ spiele» berufen waren Wenn auch die i^esetz gebung dieses Lande» bis tief ins Il>. Jahrhundert den Jude» eine Anzahl politischer und sozialer Rechte vorent hielt und man sogar die Rechtsprechung wie es ja noch heutzutage in Rußland zuweilen geschieht aus eirund antiauier:er Berordnungen zu been.stuffen sich nicht scheute, io wurde» >b»e» jedoch im Handel und Wandel keiner« lei störende Beschräntuiigeu aul.'rkegl, da insbesondere die Tmiastie Hannover und ibre leitenden *laatsmänner sich »iemals der Ginücht verschloffen. daß die jüdischen Unterlauen ibre staallichc» Pftichten gewiffenhasl erfüllten und ibrei» Lande laisäcblich nur znn> 'stnizen geresmien Man dar, wohl kubn debauplen. daß eine ganze Literatur ent Nande. wollte man die Xentwürdigkeiten von lsngland'S jüdischen Kausleulcii niederichreiden: in jeder bervor ragend und einstlißreich baden üe in de» letzten 2 Jahr diinderle» wesentlich an dem Aufschwung c^roßdritanienS mitgearbeilet und auch aus geistigem i^ediet ihr Kontigneul dedeuiender Persönlichkeiten zu stellen vermocht. *ei! de»!aqen de» berühmten «übseeschwinbels (d!»nth 8׳׳» Unklcko» von wo ab das reguläre Börsengeschäft (Stock .)nMtinif 1 nch eingebürgert waren ne stets auch in der Hochfinanz vertreten, und so werden wir im Nachstehenden darlegen daß auch Rothschild nicht weniger berühmte Bor ganger hatte, nämlich *ampson c^ideon de Abudiente und die Brüder Benjamin und Abraham Woldsmib. I. *ampson Gideon erblickte baS Licht der Welt im Jahre!»>!'!'. Lein Vater Rehuel de Abudiente, ein angesehener Kaufmann portugiesischer Abkiinst, betrieb überseeische Han dels^eschäste, von deren Leitung er sich frühzeitig zurnckzog uni ne seinem wohne zu überlasten. Ter junge Gideon ver hielt sich während der denkwürdigen Gpisode deS *üdsce Actienichwindels 11719/20) völlig untätig, als scharfer Be obachler verstand er es jedoch seine Lehre» daraus zu ziehe». Tere» Resu'tat war, daß er beschloß dem väterlichen Uteschästszweia valet ru sagen und seine Tatkraft und In telligenz ausschließlich der Börse zu widme», wo er bereits 1729 zu»! ״sworn bri'ker“1) ernannt wurde. — Gr nahm damals den Namen (9jdeon an, welcher für englische Obre» kürzer klang und dies iorlan e'stdeon de Abudiente. — Gr begann damit sich an den Manipullrungen der Staat»- Lotterien zu beteilige», wobei er große Gewinne erzielte, ebenso in bervorragenber Weise an dem damals in unge abnter Höhe florirenben *pekulationsgeschäste in Fonds und Aktie», welches die damaligen englischen Staatsmänner in jeder Weile ermunterten und begünstigren, wöbe! man ibw jedoch nienial» eine unredliche Praxis nachzuweisen vermoch >r. Gideon verstand es aus seine» intimen Beziehungeu zu den leitenden Ministern, insbesondere dem damals allmäch ligcn Walpole Nutzen zu ziehen und die erlangten politi schen Jiiiormationen zu richtiger Zeit an der Stock Grchange u> verwerten. Gs hat sich später gezeigt, baß auch seine Gpigonen nicht verschmäbten diejem Beispiel ״nachzu bandeln". Gr g׳'» als Orakel und leitender Financier in Jo natdan's Oollee-Hr,״^«; in Kicbunge Alley «der späteren *lock Grchange in Tbreadneable Street). — Im Jahre 17-12 1) Beleidigter MaNeo